Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 26 (4.7.1913)
- Date
- 1913-07-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 26. Die Wahrheit Veite fr. weise fanden sich manche Christen, welche den Ermordeten in betrunkenem Zustande in der christlichen Bierhalle gesehen und um 2 Uhr nachts hörten sie auch dumpfe Schreie aus derselben Bierhalle. Der Mörder wurde verhaftet und die Ausforschung ergab, daß er der wirkliche Mörder sei. Solche Fälle ereignen sich in der letzten Zeit fast alljährlich und wir Juden können wahrlich vom Glück reden, daß wir nicht wenigstens in jeder zweiten Stadt Europas einen-Ritualmordprozeß haben. Das Neueste aber kommt ans' Amerika. Alle neuesteil Sachen kommen gewöhnlich von der anderen Seite des Ozeans. Nicht das ist für uns neu, daß auch in Amerika an Ritualmord geglaubt wird, sondern das Neueste liegt darin, mit welchem Raffinement eine ganz gewöhnliche Bäuerin ans Oesterreich, die beschuldigt und der Tatsache überwiesen wurde, einen Mord am Leibe des eigenen Gatten begangen zu haben, es verstanden hat, durch Anlehnen an die sichere Schutzwand des Nitnalmordaberglanbens den Gerichtssaal unbestraft zu verlassen. Bevor ich zur Verhandlnngsschilderuug übergehe, möchte ich noch die frommen jüdischen Leser darauf aufmerksam machen, auf das „Schehechiono“ nicht zu vergessen, weil, das der erste Ritualmordprozeß in Amerika ist. , Im vorigen Monate stand die galizische Bäuerin Waschkiewitsch als Angeklagte vor Gericht. Sie wurde beschuldigt, einen Mord an ihrem Gatten begangen zu haben. Sie leugnete absolut nicht; im Gegenteil, sie gestand voll und ganz die Tat ein, wobei sie bemerkte, daß sie noch stolz auf diese Tat sei, weil sie die vollste Ueberzeugnng habe, daß sie eine gottgefällige Tat vollbracht habe, weil der Mann ihr einziges Kind den Juden verkauft hat. Vor den Richtern schilderte Frau Waschkiewitsch die Geschichte der Blutbeschuldignng in folgender Weise: „Die Juden müssen zu Ostern christliches Blut haben, das wußte ich schon als Kind. Meine Mutter und mein Vater versicherten mir das und ich erinnere mich, daß auch unser Geistlicher einst sagte: Die Juden töten Christen und trinken ihr Blut. Die Inden habe ich nie leiden können und als ich nach Amerika kam und mein Mann für mich eine Wohnung in der jüdischen Gegend nahm, war ich sehr böse auf ihn. Mit Juden pflegte ich nie zu verkehren, mein Manu dagegen war mit ihnen sehr gut. Nicht einmal machte ich ihm dies zum Vorwurf und nicht selten kam es dadurch zum Streite zwischen uns. Ich konnte es niemals begreifen, wie ein ehrlicher Christ mit verfluchten Juden verkehren kann. Judenkinder habe ich in meine Wohnung nicht hiueiugelassen. Mein zwölfjähriger Sohn Wasil pflegte aber mit jüdischen Kindern zn spielen. Wiederholt habe ich ihn gewarnt, er solle zu ihnen nicht gehen, bis er endlich einsah, daß ich Recht habe, und so spielte er fortab nur mit zwei christlichen Buben. Mit einemmale bemerkte ich, daß mein Junge ganz verändert sei. Er spürte Schmerzen in der Herzgegend und wurde täglich blässer. Anfangs vergaß ich ganz auf die Juden; eines Tages bemerkte ich aber ein Zeichen an der Brust des Kindes und da verstand ich bald, daß die Inden sein Blut für Ostern abzapften. Ich erzählte das meinem Manne, er sagte mir aber, daß in Amerika die Juden zn Ostern kein Blut brauchen, nur in Galizien, so sieht es in der jüdischen Thora. Ich hatte meinen Mann im Verdachte, daß er ein Jude werden wolle. In der Nacht stand ich einst vor dem heiligen Bilde und betete. Plötzlich sah ich mein Kind schlafend im Bette liegen und neben ihm standen viele Inden, unter ihnen auch mein Mann, und sie zapften das Blut vom Herzen meines schlafenden Kindes. Das verstärkte noch mehr meinen Verdacht, daß Anton, mein Manu, sich den Juden verkauft hatte. Als mein Mann nach Hanse kam, brachte er stets weiße Hühner mit. Ich fragte ihn, von wo er die Hühner habe, worauf er mir zur Antwort gab, daß er sie vom jüdischen Schächter für Arbeit bekam. Ich las ihm vom Gesicht, daß er lüge und ging in die Kirche beten, daß mir der Heiland die-Kraft gäbe, meinen Mann zu töten. Am nächsten Tage brachte er wieder acht schwarze Hühner mit nach Hause und erzählte mir wieder, daß der Schächter und Fleischhacker ihm diese Hühner für geleistete Arbeit als Bezahlung gegeben habe. Darauf gab ich ihm keine Antwort mehr und wußte schon bei mir, was ich mit ihm zu tun habe. Es war mir ganz klar, daß mein Mann unser Kind dem jüdischen Schächter und den anderen Juden verkauft hatte. An diesem Tage kam mein Kind nicht mehr nach Hause. Ich suchte es überall, konnte es aber nicht finden und sagte zu meinem Manne, daß die Juden jetzt unserem Kinde das Herz ausschneiden. Er lachte 311 dieser Bemerkung nnd meinte, er werde schon zurückkommen, der Wasil, mahrscheinlich spielt er wo mit Kindern. Als mein Mann nachher zn Bette gegangen und fest eingeschlafen war, schlich ich ganz leise zum Bette, fesselte ihm Hände nnd Füße und versetzte ihm mit einem Eisen vier Schläge auf den Kopf, so daß das Blut in Strömen zu fließen begann. Nachher versetzte ich ihm noch einige feste Schläge auf die Brust, verließ das Halls und ging zu einer bekannten Frau." Auf die Frage des Richters, wovon sie überzeugt sei, daß die Juden Christenblut brauchten, schrie Frau Waschkiewitsch auf: „Gewiß, gewiß brauchen die Juden Blm! Alle wissen es bei uns in Oesterreich. Viele Jilden sitzen bei uns, weil sie Christenkinder ermordet hatten. Als ich noch in Oesterreich war. sperrte man einen Juden namens Hilsuer ein, weil er das Herzblut eines christlichen Kindes anssaugte." „Wissen Sie jetzt, daß die ganze Geschichte nicht wahr ist?", fragte der Richter. „Es ist aber ja wahr", antwortete Frau Waschkiewitsch, worauf sie sich zum polnischen Dolmetsch, einem Jllden, wendete. „Sie, Herr Dolmetsch, sind doch Jude und wissen, daß Ihre Glaubensgenossen zn Ostern Blut benötigen, erklären sie das doch dem Richter: ich bin keine Mörderin, ich habe das getan, was.gottgefällig ist". „Wo ist.Ihr Kind?" fragte der Vorsitzende die Angeklagte. „Es ist nicht mehr, in Amerika. Meine Mlitter hat es zu sich nach Oesterreich genommen. Dort ist es sicher und fürchtet nicht die Juden. In Oesterreich ist.es nicht wie in Amerika! Dort in Oesterreich würde man -die Juden ausschlachten, wenn sie sich an ein Christenkind, heranwagen möchten. Was meine Tat anbetrifft, beging ich kein Verbrechen, denn ein Vater, der fein Kind den Inden verkauft, verdient den Tod!" Es wäre nur interessant zu wissen, wie die amerikanischen Richter gehandelt hätten, wenn die Mörderin einen Juden des Mordes an ihrem Gatten beschuldigt hätte. Weil sie aber den Mord eingestanden und noch auf diese Tat stolz war, wurde sie von den Richtern nicht als ganz geistesgestört angenommen, sonder eine kleine Zelle im H i rng ew e b e der Frau Waschkiewitsch- — so meinten die amerikanischen Richter — ist nicht ganz in O rdnung, sie leidet an Ritualmord ab erg landen! Infolgedessen kann man sie nicht verurteilen! Also, wie man sieht, verstehen sie auch schon in Amerika die Kunst vom „Meschngemachen" , . . wenn es schon keinen anderen Ausweg zur Befreiung von Mördern gibt. Allerdings muß das Judentum die Stange halten, indem man zu jeder Zeit und bei jeder Gelegenheit Mordtaten mit dem Ritualmordaberglauben zu verquicken sucht. Wiewohl wir Juden Interesse hätten, daß diesem Uebel ein Ende gesetzt werde, wagen wir es doch in unserem Interesse an den staatlichen Behörden um Abhilfe zn appellieren. Wissen wir doch, wie wenig Interesse so mancher Staat — außer unseren Geld- und Blutftenern, au unserem Wohlergehen hat. Aber im eigenen Interesse sollte ein jeder Siaat sich bemühen, diesen schändlichen Ritnalmordaberglauben an den Leib zu rücken, denn wenn in nicht langer Zeit die diversen Gefangenhäuser mit noch mehr Räubern und Mördern sich füllen werden, so wird es nicht wenig dem Umstande zuznschreiben sein, daß man in den letzten Dezennien von Jahren diesen Verbrechern selbst ein Mittel in die Hand gedrückt hat. mit welchen sie ihre Verbrechertaten bemänteln zn können glauben. Dieses Mittel heißt: R i t n a l m 0 r d b e s ch u l d i g u n g e n. Josef Grob.