Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 25 (27.6.1913)
- Date
- 1913-06-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit «Rr. 25. nicht nur rin beträchtliches Maß von Wißen beizubringen, söndern. sie auch für die erhabenen Lehren und sinnigen Gebräuche der'jüdischen Religion empfänglich zu machen und so den besonders in der Jetztzeit leider nur zu oft zutage tretenden religiösen- Jndrsserentismus der Familie durch die Schule wirksam zu bekämpfe» und mit feinfühligem Takte den Gegensatz zwischen Schule und Haus auszugleichen. Mit befriedigender Genugtuung kann Herr Adolf Rotte r, der noch in vollster Rüstigkeit als Religionslehrer ander Mädchenschule im II. Bezirke, Czerningasse, an den Mädchenschulen im III. Bezirke. Löwengasse und Kolonchgasse, sowie als Exhortant und Leiter der Bibelschnle im ÜI. Bezirke wirkt, ans die Erfolge seiner Lehrtätigkeit zurückblicken. Sein hingebungsvolles Bemühen in dem schweren und verantwortungsreichen Berufe hat nicht mir die Wertschätzung seiner Kollegen im Lehrkörper nnd die Anerkennung der Schulbehörden gesunden, sondern ihm auch die Liebe einer großen Schülerzahl errungen, von denen viele aus ihrem weiteren Lebenswege mit aufrichtiger Verehrung oft ihres einstigen Neligionslehrers gedachten und ihm den reichen Schatz religiösen Empfindens,' den er in ihre zarten Kiuderseelen legte,' erst später in voller Erkenntnis seines Wertes zu danken wußten. Dieser schönste Lohn, der einenr Lehrer zuteil, werden kann, möge den Jubilar auch in seiner ferneren Berufstätigkeit erfreuen und ihn für so manche Entbehrungen entschädigen, denen leider im allgemeinen der Lehrerstand ousgesetzt ist. Bevor Adolf Rotter nach Wien'kam, war er als Lehrer und Kantor' in Turnau in Böhmen tätig und als zu Beginn der Achrzigerjahre des vorigen Jahrhunderts von Wien aus die Organisation des Kailtorenftandes durch-Gründung der Kantorenzeitung und des Kantorenvereuies angeregt wurde, war er einer der ersten, der sich in die.Reihe seiner Kollegen stellte und in glänzender Weise durch Wort und Schrift fürdie Verwirklichung ihrer Bestrebungen eintrot. Mannigfache Anregungen, die er dcmals in der Kautorenzeitung gegeben hat, sind auf fruchtbaren Boden gefallen und auch diesem seinem Wirken, sowie seiner späteren Tätigkeit am Tempel in der Seitenstettengasse in Wien, der er bis vor einigen Jahren nebst seiner Lehrtätigkeit oblag, darf anerkennende Würdigung nicht versagt werden. Wien. Samstag, den 21. Juni ist der Bizegonverneur der Oesterx. Bodeukrediraustalt, Herr Julius von Herz, eine der hervorragendsten und tüchtigsteu gegenwärtigen Finanzpersöulichkeiten in Oesterreich, nach-langem schweren Leiden gestorben. Er war ein außergewöhnlicher Menschaber auch ein guter, treuer Jude, der trotz der immensen Arbeitslast, die uns ihm ruhte, noch Zeit fand, jüdischen Institutionen, so der israelitischen theologischen Lehranstalt, deren Kuratorium er angehörte, sein Jntereffe zu widmen. Dem Zuge seines edlen Herzens folgend, übte er auch Wohltätigkeit in munifizenter, aber in stiller, unauffälliger Weise, nnd Unzählige, denen er in verzweifelter Situationen des Lebens eine Stütze war, beklageu seinen Heimgang. Das Leichenbegängnis fand Montag, den 23. bl M-, 2 Uhr nachmittags, von seiner Billa, XTTT., Gloriettgaffe statt. In dem kleinen-Vorgarten der Villa lagen die Blumenkränze und Blumengewinde, die iu großer Zahl znm Schmucke des Sarges gesendet worden sind.. Die Witwe Frau Henriette Herz, die Tochter Frau Margarete von S o n n e n t h al, der Schwiegersohn Dr. Siegmund Ritter von S o u n e n t h a 1 und die übrigen Familienmitglieder standen schmerzersüllt beim Sarge, der iu einem Salon der Billa ausgebahrt war. Die Tranergäste füllten nicht nur den Salon, sondern auch die anstoßenden Gemächer und den Garten der Villa. Dieuer der Finanziustitnte, deren Verwaltung Herz angehört hatte, bildeten ein Spalier im Gärten bis zum Gittertor. Der Finanzminister Ritter von Zaleski war durch die Sitzung des Herrenhauses.verhindert, am Leichenbegängnis teilzunehmen. Unter den Tranergästen befanden sich: Eiseubahnminister Dr. Zdenko Freiherr v. Förster, Gouverneur der Oesterreichisch-ungarischen Bank Dr. Popovics mit dem Generalsekretär Hosrat v. Pranger, die Sektionschess Brosche, Schonka, Vizegonverneur Leth, die Hoftäte Lopuszanski, Csatary, Freiherr von Sochor,. Ritter v. Grimburg, v. Baiersdorf, Tezner, Gernerth, Sektionsrat Dr. Klimesch, eine Abordnung.des Dorotheums unter Führung des Zentraldirektors Hoftat Ritter v. Hentl, der Vizepräsident der Länderbank Palmer nnd der Vizipräsideut der E-komptegesellschast Feilchenfeld, Prokurist Max Kantor als Vertreter des, Bankhauses S. M. v. Rothschild. Zentraldirektor Kestranek, die Generaldirektoren Weißenstein und Georg Günther, die Direktoren Broch, Horvath, Dr. Hammerschlag. Baron Kornfeld, Knx, Kraus, Lemberger, Marcus, Bernhard Popper, Rosenberger, Rotier,. Dr. Spitzmüller, Schmitz, Stransky und Weishnt, der Präsident des Giro- und Kaffenvereines Wollheim. der Bizevräsident des „Cosmanos" Dr. I., Biach, der vormalige Präsident des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft Pollak von Parnegg, der Vizepräsident der Handels- und Gewerbekammer kaiserlicher Rat Kitschelr nnd der erste Sekrerär Dr. v. Tayemhal, Zentraldirektor Blascbczik, Zentralinspektor der Staatseiseubahngesellschast Karl Nebstnger, Verwaltungsrat Dr. Hans v. Mauthner, die Direktoren Otto Regen und Knote mit den Prokuristen und Abteilnngschess der „Providentia", Generalsekretär Rosenbanm, der Vizepräsident der, Börse für landwirtschaftliche Produkte kaiserlicher Rot I. Weil. Direktorstellvertreters Stern, Direktor Guffenbauer, Direktor.Schick und Generalrat Wolf, in Vertretung ber Südbahu: Oberbaurat Prossy und Oberinspektor kaiserl. Rat Dr. Mündel, die Oberbauräle Boschan, Günther nnd Wolfgang Freiherr von Ferstel, Professor Dr. Landesberger, Artur Kuffler, Richard Ritter uou Schoeller, Alexander von Schreiber, Moritz Edler v. Kuffner, Dr. Kupelwieser, der Generaldirektor des „Anker" Dr.Hall, die Kommerzialräte Herzselder und Fanto, Karl Freiherr von Ferstel und Gemahlin, dann Gräfin Misa Wydenbrnck Frau Sidonie von Taussig, Universirätsprosessor Dr. Gustav Singer. Kammervirtuose Alfred Grünfeld und Bruder Ludwig Grünseld, Bankier Georg Zümer, Bezirksrichter Dr. Pick, Büch-. drnckereibesltzer i M. E., Engel, der Vorstand der Künstlergenossenschast: Professor Hugo Darnant mit den, Herren Charlemont und Hlavacek, die Kullüsvorstther Karl Lemberger und'S. Steiner, Amtsvorst'and Freistadt, der Rektor der israelitisch-theologischen Lehranstalt Professor Dr. Adolf Schwarz--mit derr-Praftssoren Dr. S. Kraus und Dr. Viktor Aptowitzer, die Advokaten Dr.. Edmund Benedikt, Dr. Gustav Bloch, Dr. Ludwig; Schüller/Dr. Ignaz Stiedry. n. v. a. Von der Bodenkreditanstalt warenerschienen: Gouverneur Geheimer Rat Dr..Sieghart, die Direktoren Bächrach, Herzfeld, Julius v. Kniep, Dr. Reisch, ' die Direktoreüstellvertreter Dr. Max Wilhelm und Zwack, die Verwaltungsräte des Instituts Ferdi-- nand. Bloch, Dr. Leopold Prinz Croy-Dülmen, Hoftat Dr. Bäsil Ritten v. Giannelia, Generaldirektor Georg Günther, Dr. Heinrich v. Miller zw Aichholz, Hugo von Noot, Freiherr von Reitzes und. Dr. Karl Ritter von Taussig, sowie die Zensoren Dr. Gassauer und Dr. Schüloff: Mit? dem Vortrag der rituellen Gesänge durch den Oberkäntor M o rg e n st e c ur den der Kantor Schleifer und der verstärkte Chor begleiteten, begann um 8/42. Ufjr die Trauerfeier. Der Sarg wurde dann-aus den vierspännigem Galawagen gehoben und auf den Döblinger Friedhof, gebracht. Dort wurdeer in der Zeremonienhalle aus eine niedere Bahre gestellt. Nachider religiösen Trauerfeier nahm Direktor B a ch r a ch namens der Direktioü der Boden-' kreditanstalt Abschied von dem Entschlafenen. Hieraus rief für den Aussiger Verein für chemische metallurgische Industrie Verwaltnngsrat Doktor S ch u l o f f dem Toten. Abschiedsworte nach. Sodann erfolgte die Bei-' setzung des Verblichenen in der Familiengruft. Wien. Montag, den 23. Juni wurde der Seniorchef der Firma Brüder.' Rosenbaum, Herr Ignaz R o s e n b a u m, unter sehr großer Beteiligung zu Grabe getragen. Schon im.Tranerhanse in der Josefstädterstraße fand sich eine große Zahl Tranergäste ein, unter welchen man auch den größtem Teil der Vorstandsmitglieder des Josefstädter Tempelvereines mit Herrn käift Rat Alb. Frankl an der Spitze, bemerken konnte. Der bluiileilgeschmückre Sarg wurde unter den üblichen Tranergesängen in den Leichenwagen gehoben und hierauf bewegte sich der lange Trauerzug nach dem Zentralftiedhof. In der Zeremonienhalle rezitierte Herr Kantor Grob das Hazur: Tomim in ergreifender Weise, worauf Herr Rabbiner Dr. Bauer einen warmen Nachruf hielt, in welchem er die Tugenden des Verblichenen, insbesondere seine Einfachheit nnd Schlichtheit, hervorhob. Am offenen Grabesprach ein Vertreter der Gesellschaft für graphische Industrie, welcher der' Verblichene als Verwaltungsrat angehörte, innige Abschiedsworte, worauf mit Vortrag des „Dl mole raoftnrnirn" die würdige Tranerzeremonie beendigt war. Wien. (E l t e r n v e r e i n „P e st a l o z z i", I., E ß l i n. g-- gaff e 15.) Der Elternverein „Pestalozzi" bringt hiemit zur Kenntnis,, daß die Aufnahme schulpflichtiger Kinder in die Fürsorge des Vereines nur mehr in beschränktem Maße stattflnden kann. Ellern oder deren Stell--- Vertreter, welche um Beköstigung und Bekleidung ihrer Kinder ansuchen. wollen, müssen dies bis znm 15. Juli d. I. tun, und zwar haben sie die Gesuchsformulare des Vereines zu benützen, welche im Vereinsheim, II.,. Herrninengasse 21, jeden Tag von 5 bis 7 Uhr abends erhältlich sind. Wien. Im-Wiener akademischen Verein „Esperanza" hat kürzlichder aus Jerusalem hier weilende Rabbiner Dr. B e uz i o ii, dem ein. guter Ruf als Gelehrter vorausgiug. einen wissenschaftlichen Vortrag, gehalten und vielen Beifall gefunden. Bei demselben waren auch Vorsteher' und Mitglieder der Türkisch-Israelitischen Gemeinde anwesend. Der Obmann des Vereines, Herr D a v i d i t s ch o w, begrüßte die Gäste und den Vortragenden und als letzterer seine überaus interessanten Ans«- sührungen beendet hatte, sprach ihm Herr Dr. S a l o m den Dank der Versammlung aus. Prag. Vor einigen Tagen sollte das Begräbnis des in der Landes-- irreuanstalt verstorbenen Salomon Hartmann stattfinden. Da Hartmaum keine Angehörigen hatte und mittellos war, stattete die Jsr. Beerdignngsbrüderschast das Begräbnis aus. In der Leichenhalle zu Straschuitz war. der Sarg aufgebahrt. Es war kein Trauernder gekommen, nur das amtierende Vorstandsmitglied der Brüderschaft Herr Heinrich Freund'hatte sich mit. den üblichen Funktionären eingefnnden. Als sie dieZeremouienhalle betraten, sahen sie vor dem Sarg einen katholischen Geistlichen stehen, einen würdigen alteuHerren, dem die Tränen über die Wangen rollten. Es warP. Bernhards Dolak, der bekannte Seelsorger des Allgemeinen Krankenhauses. Mit vor. Rührung bebender Stimme erzählte er: „Der Verstorbene und ich sind- Jugendsrennde gewesen; nach Absolvierung des Gymnasiums in Neuhausbezogen wir die Prager Universität, Hartmann wandte sich der Medizin zw: und ich der Theologie. Er schlug sich mit Privatstundeu leidlich durch, verfiel aber nach zwei Jahren in geistige Umnachtung, so daß er der Landesirrenanstalt übergeben werden mußte, in welcher er nach 45jähriger Internierung nun vom Tode erlöst wurde. Da es sein Krankheitszustaiid erlaubte, wurde er in der Küche bei der Materialverteilung beschäftigt. Ich täuschte ihn. über seine wahre Lage und meinte gar, oft, um ihn zu trösten, daft. ' wir beide in gleicher Stellung sind, er. in der Irrenanstalt, und ich im nahen Krankenhause. Allwöchentlich besuchte ich meinen armen Kollegen." Nun trat der Funktlonär an den Sarg,-rezitierte Gräbgebete und der ärmliche- Kondukt bewegte sich zum Grabe. Als die hier, vorgeschriebenen Gebete verrichtet waren nnd die ersten,Schollen ans, den Sarg rollten, trat auch P. Dolak heran, ries seinem Freunde'ein Requiescat in pace (Riehe in. Frieden l) nach und warf drei Schaufeln Erde pietätvoll in die Grube? Ans die Anwesenden hatte diese von wahrer Nächstenliebe eines katholischen .Geistlichen zeugende Freundschaft zu seinem unglücklichen jüdischen Jngendgefährten ergreifend gewirkt. P. Dolak sprach sich lobend über die Humanitären Zwecke der Beerdigungsbrnderschaft aus und entfernte. sich mit dein Versprechen/ das Grab-, seines Jngendgenossen öfter besuchen zw s wollen. '•• •'