Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 25 (27.6.1913)
- Date
- 1913-06-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 25 Die Wahrheit Seite A. Oelterr.-Uuyar. Kantorru-K>ereiu. Aus der Sitzung vom 5: Juni 1913. A nw e f e u b; Bauer, Jnrberger,-Morgenstern, Schleifer, \ »Schlesinger, Kanfmann. Serebreuik, Basier, Friedläuder, Kohn.! -Grob, Rosenberger. E n l s ch n l digt: Schorr und Dünnmann.' Vorsitzender Präsident I. Bauer. Nach Verlesung des Protokolles durch den Schriftführern S. Kohn werden' mehrere Zuschriften und Anmeldungen behandelt, iowie eine Spende für Preßburg gewidmet, welche der Wiener Chewra-Kadischa übermittelt wird. . Behufs Aendening der Statuten wurde ein Komitee gewählt. welches in Bälde dem Vorstande Bericht zu erstatten hat. Ferner wurde neuerdings die Kreierung einer Kantorenschnle angeregt. Nach Erstattung des Kasiaberichtes durch den Vereinsckassier wurde die Sitzung geschlossen. * » * Kassa-Eingänge: S. Handgriff, Znaim, K 4.—. F. Teltsch, Wien. 2.—. I. Schächter, Essegg. 2.—. I. Marle, Prag. 10.—.I. Bauer, Wien. 2.—. M. Schorr. Wien, 2.—. M. C. Kaufmann. Wien, 2.—. I. Basier, Wien. 2.—. I. Grob, Wien, 2.— A Schlesinger, Wien, 2.—. S. Dünnmann, Wien, '2.—. Rosenberger, Wien, 2.—. Rosenberger, Heves, 8.—, L. Serebrenik, Wien. 2.—. I. Schleifer, Wien, 2.—. S. Jnrberger, Wien. 2.—. S. Jellinek, Oberbollabrunn, 2.—. A. Lederer, Eger, 4.—. N. Bermanu. B.-Leipa. 2.—. I. Saller, Breitenbrnnn,. 2.—/ Fr. Teltsch, Wien, 2.—. L. Kraus, Essegg. 2.—. Kornblnm. Freistadt, 8.—. I. Morgenstern, Wien, 2.—. S. Kohn. 2.—. G. Friedläuder, 4.—. Jos. Morgenstern, 2.—. M. G. Allenberg, Liesing. 2.—. H. Goldenberg, Marbach, 2.—1 I. Falk, Mödling, 2.—. L. Kartschmaroff. Szolnik, 2.—. B. Singer, Jnngbunzlau. 2.—. S. .Kornblnm. Freistadt. 8.—. Bon Jda Bock. (Schlich.) 21. Liebe Hedi! Rate doch mal. wer hier war! Ein Herr, freilich. Jung? Den Jahren nach nicht, doch sonst außerordentlich. Hübsch? Nicht besonders. Klug? O doch! Fromm? Gewiß! 'Na, weißt Dns noch immer nicht? Einer, an den ich oft denke. Jetzt hast Du ihn aber, gelt? Ja, Dr. Fink war hier. Der Grabstein seines Großvaters mußte hergerichtet werden, da kam -er, um seine Anordnung zu treffen und suchte natürlich Onkel Gustav auf. Ich war im Garten, begoß die Beete und schaute flüchtig auf, als ich Schritte hörte. „Marga. Sie hier?' Ob ich rot wurde? Welche Frage? Ich war so froh, daß niemand mich sah. Er freute sich wirklich, fand mich vorzüglich aussehend, größer, kräftiger und frischer. Ob ich mich denn hier wohl fühle? Das hätte er voransgesehen, ich passe doch nur in eine solche Umgebung. Dann erzählte er mir von seiner geliebten Mutter, . die in letzter Zeit etwas kränkle und aufs 'Land müsse. Sie spreche oft von mir. wäre glücklich, wenn ich für einige Zeit zu ihr kommen wollte. „Wirklich?" Gewiß Marga, Sie ahnen nicht, wie lieb Mutter Sie hat. Wenn sie die Leuchter auf den Sabbathtisch stellt, daun sagt sie jedesmal seufzend: „Wie schade, daß Marga nicht hier ist", oder: „Ob 'Marga heule Kiddnsch hört?" Sie sind ihr Sorgenkind geworden und es ist gar nicht nett von Ihnen, daß Sie bloß ein einziges Mal schrieben." Ich schwieg und hätte doch sagen können, wie lieb auch ich diese Menschen habe, wie sie zu meiner Gedankenwelt gehören, wie ich jeden Abend vor dem »Einschlafen ihrer gedenke, sie in mein inniges Gebet eiuschließe, wie sie meinem Herzen so teuer sind. Meine Finger spielten mit meinem Halskettlein. „Ich-trage es immer, selbst des Nachts." sagte ich nach einer längen Pause, in welcher wir, der Haustür rngeschritten waren. " Der Doktor^blieb den ganzen Abend. und forderte mich beim Abschied ans, doch recht bald seine Mutter erfreuen zu wollen. Glaubst Dn, Hedi, daß Vater mich fahren läßt? Ob ich möchte? O. Dn heilige Einfalt! Ich bin'so, so .' . . . ich weiß nicht wie! . Marga. 22. Liebe Hedi! Niemand verlor ein Wort darüber, aber ich fühlte dochdie Spannung und sehnte mich wieder nach dem alten schönen Verhältnis voll Offenheit nnd Vertrauen. Onkel ist nur etwas wortkarger und Tante läßt bisweilen die Arbeit sinken und siebt nachdenklich vor sich hin. Doch ich will deutlicher sein: Dn schriebst mir wiederholt so hübsch und so anregend, daß ich mich versucht fühlte, den einen oder andern Deiner Briefe Lea zu zeigen, die ich recht' lieb gewonnen habe. Nun geschah es, daß einer sie mächtig packte und ihrem Wesen eine Wendung gab, die von ihren Eltern nicht gerade freundlich begrüßt wurde. Es genügt ihr nicht mehr, ein gut erzogenes, tüchtiges Mädchen zu sein, sie will nicht müßig dasitzen und auf einen Mann warten, lvill im Notfall ans eigenen Füßen stehen. Sie spricht fließend französisch und erklärte nun, sie wolle weiterlernen und nächstes Jahr die Staatsprüfung ablegen. Dann könne sie in ihrer freien Zeit Unterricht erteilen und ruhig die Jahre dahinziehen sehen. Lea ist hübsch. Ein echt jüdisches, liebes Gesichtcheu. Sie ist nicht unbescheiden und wirb mit jedem frommen, intelligenten Manne zufrieden sein, der ihr gefällt. Aber recht klug ist es doch von ihr, immerhin gewappnet zn erscheinen. Tante ging soeben aus nnserm Zimmer. Sie sprach zum erstenmal mit mir darüber und ich sehe mit Befremden, welche Fülle von Besorgnissen der Vorsatz ihrer Tochter wachgerufen hat. Sie könnte anspruchsvoller werden, sich gar in die Fremde sehnen, der Ehe entsagen wollen rc. ..Aber Tantchen, sei nur ganz rnhig, Lea ist kein Genie, das sich auf außerordentlicher Bahn bewegen will. Sie hat. es mir oft genug gesagt, wie unendlich hoch sie den eigentlichen Beruf des Weibes schätzt, sie ist von seiner Heiligkeit zn sehr durchdrungen, als daß sie ihm französischer Stunden wegen entsagen sollte. Nur wenn er ihr unerreichbar sein sollte, dann will sie nicht ohne Trost daftehen". rief ich. „In die Fremde?" Hält sie euer Familienleben, euer Hans, nicht mit tausend unzereißbaren Fäden fest? Ich wünschte das. ..." Ich konnte nicht weitersprechen, Taute verstand mich. Sie drückte meinen Kopf an sich und ging. Und nun komme ich bald zn Dir. Vater schrieb, er glaube, ich sei schon Wirtin genug und .... es fei ihm recht bange. Das versöhnt mich. Morgen reise ich. Er braucht mich. Weißt was ich mir vorgenommen habe, Vater wieder zu seinem Sabbath zn bringen. O. es wird mir gelingen, ich fühle es, ich habe die Kraft, die Macht dazu. Und dann . . . Hedi, wie weit denke ich schon? Aber ich will Dirs sagen, ehe ich wieder vor Dir stehe und nach alter Weise verschlossen bin: „Hedi, ich möchte ein recht jüdisches Heim gründen, damit vor allem mein Vater wieder so fröhlich, so frei wird, wie ich ihn Schwnans hier gesehen habe. Vielleicht erfüllt mir Gott meineheißen Wünsche. Auf baldiges frohes Wiedersehen Deine Marga. Austritte ans dem Judentum. Fischer Paul, t. k. Hofmusiker, geb. 31. August 1876 iu Wien. Y, Schöubruuuerstraße 66. Luuz Johanna, Private, geb. 26. Juni 1891 in Wien. XIII., Till» gasie 13. Steiger Adolf, Mechaniker, geb. 10. November 1884 in St. Pölten. Wien. YL, Mollardgafle 26. Wiuternitz Negine. Private, geb. 23. Juni 1886 iu Linz. Wien, II., Obere Donaustraße 109. B a u m g a r t e n Hugo, Dr., geb. 12. Dezember iu Wien. B a u m g a rt e n Frieda, geb. 5. April 1884 in Wien-. Klein Anna, Private, ged. 28. September 1886 in Wien. YIII., Krotten» thalergage 2.