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Die Wahrheit · 1913-06-27 · Heft 25 (27.6.1913) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 25 (27.6.1913)
Date
1913-06-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Kr. 25. Die Wavrhen Seite 7. MdlsHö'.Bk.d'ettke-lk't wollen wir erst abwärten. ehe wir ihnen ipjderfprechen. '' Enlstiveilen sagen wir mit Lohen..Der Staat -hat';.)dafür." zu sorgen,, daß 'den Kirchen. die Segnungen der Wissenschaft^zugefühlt werden..—.Und — etwas zu kühn, aber, so wie - gemeint, doch richtig —: „Die Wissenschaft von der Religion ist der beste Schutz und Trutz der Religioli". ' Hony soit qui mal’y pense. Es - gibt, in Staat und .Kirche kluge .'Leute,.Die für die -kleineren Gemeinschaften nur ein 'Achselzucken oder ein Lächelnhaben. Aber ans der Sorge für das Geteilte und Kleine setzt sich schließlich die gemeine Wohlfahrt zusammen. Und das Judentum soll man weder verachten. Noch durch leidenschaftliches Für und Wider sein Selbsibewnßtsein ins Ungesunde steigern, sondern man soll seine Bedürfnisse -erforschen und im Rahmen des. vaterländischen Gemeinwesens .auf deren rechte Befriedigung bedacht sein. Die Genügsamkeit das beste Lebeusgewürz. . Einst zog ein. Gewürzhändler, erzählen unsere Weisen, in -den kleinen Städten, die um Sepplioris lagen, llmher, und rief den Leuten zu: Nun bol aarne dechai. Wer wünscht ein 'Lebensmedikament zu kaufen? Schaarenwelse eilten die Kauflltstigen herbei, denn.wer möchte nicht gern lange leben? Was tat nun .der Händler? Er zog ein Buch ans seinem Paket hervor, das der Psalmen,, und trag den Neugierigen folgende Verse vor: .^h-echu bcmim schimeu liu „Kommet, Kinder, hört mir zu: die Furcht Gottes will ich Euch lehren." Wer ist der 'Mann, der zu leben wünscht, und gern möchte in seinen Tagen das Glück des Lebens schauen? Bewahre deine Zunge vor allem Bösen, deine Lippen vor trügerischen Redensarten' meide das 'Böse und tue das Gute; suche den Frieden und eile ihm nach." . . Welch ewige Wahrheiten enthalten diese wenigen Worte. „Wer ist der Mann, der zn leben wünscht?" Wer wünscht -denn nicht zu leben? -Jeder Mensch, dessen Geist nicht umnachtet und in dessen Herzen das religiöse.Gefühl nicht erstorben ist, wünscht nichts sehnlicher, als daß ihm ein hohes, glückliches, cknmmerloses Alter beschieden sei. damit er seine Pflichten als treuer Sohn, als zärtlicher Gatte und liebreicher Vater, wie als geachtetes Mitglied seiner Familie, seiner Gemeinde und der menschlichen Gesellschaft erfüllen könne; denn was wirkt depri- -mierender, niederdrückender auf das Gemüt des Menschen, als der Anblick eines allzufrüh gebrochenen Herzens, eines allzufrüh -abgeschnittenen Lebensfadens? Welcher Mensch, der nur einigermaßen menschlich fühlt, steht nicht tief ergriffen und bis ins 'innerste Mark hinein erschüttert da, wenn das Haupt einer 'Familie — der Vater — oder das Herz einer Familie — die Mutter. — vor. der Zeit von dannen ziehen sieht lind unmündige. unversorgte Waisen händeringend ansrnfen hört: „Lomo seh jöradeto“ Teurer Vater, gute Mutter! Warum bist du sobald hinabgefahren al minotaschto meathazaun hoheno? 'Wem hast du deine nunmehr verlassene Schäfchen anvertranl? Ja, jeder religiös und menschlich fühlende Jude verrichtet täglich >morgens und abends andachtsvoll das Gebet: „Heile uns. Gott, und wir sind geheilt, hilf uu§, und es ist uns. geholfen, denn du bist unser Ruhm und Stolz!" Sende uns eine vollkommene Heilung und Genesung für jedes Leid und Weh; du bist der rationellste allmächtigste' und erbnrmnngsvollste Arzt der Welt." Und in der Tat hat auch der Allgütige, der jede Krankheit radikal zu heilen versteht,, uns ein Mittel vorgeschrieben, Haß, wenn es Pünktlich angewendet wird, wesentlich zur Förderung der Gesundheit und zur Verlängerung des Lebens beitragen muß, nnd dieses vortreffliche Mittel heißt, nach dem Aussprüche eines weisen Lehrers in Israel „histapkut“ -,G en ügsamke i t". Wer sich diese schöne Tugend aneignet, wer sich unter allen Umständen mit dem begnügt, was der -Himmel ihm beschieden, und nie verzweifelt, selbst wenn er schwer zu kämpfen hat, um ein bescheidenes Dasein fristen zu können, der wird auch von so mancher giftigen, den ganzen Organismus verzehrenden und zerstörenden Krankheit verschont bleiben. Der Genügsame vertrant auf Gott, und wer auf Gott wertraut und an ihn fest und unerschütterlich glaubt, .selbst wenn er zuweilen die' auffallende höchst befremdenhe ErfcheinnUK wahrnillunt. daß fromme, tügendhafie. fleißige und tätige Menschen ein sorgen- und lesdenvolles, Gottlose hingegen, ei» sorgenloses und freudenvolles Leben führe», der wird nie neidisch und mißgünstig auf die Gtückbegünstigteu schauen. Der ungenügsame, genußsüchtige, arbeitsscheue Mensch aber, der anstatt seinem Berufe uachzngeheu und seine Pflichten gewissenhaft zu erfüllen, lieber die kostbare Zeit in einem der- Lust und Freude, dem Spiele und der Unterhaltung gewidmeten Lokale vergeudet, kann nie und nimmer glücklich und zufrieden sein. Er willUnter allen Umständen in den Besitz von Reichtum gelangen, um ans großem Fuße leben und seine unbezähmbare Genußsucht in jedem Betracht befriedigen zu können. Da es aber »icht jedemgelingt -— am allerwenigsten arbeitsscheuen Individuen — rasch Reichtnmer zu erwerben, ist er verbittert und glaubt in j e d e m Glückbegünstigten/ und wäre er auch sein größter Wohltäter, seinen Feind erblicken zu müssen. Bon Neid. Haß und Mißgunst erfüllt, ist sein ganzes Streben. Sinnen, Denken und Grübeln dahin gerichtet, seinen Feind, nämlichseinen größten Wohltäter, zn vernichten. Die verhängnisvollen Worte Zain li gam loch lau j che je, „wenn ich es nicht erreichen kann, so sollst du es auch nicht besitzen", bilden seinen Wahlsprnch, der nie ans seinem Munde weichet. Infolge dieser riesigen Aufregung, dieses unbegrenzten Neides und brennenden Hasses wird er von der giftigen, besonders in der modernen Zeit hüben wie drüben stark grassierenden Krankheit, „Nervosität" genannt, ergriffen,- seiner Sinne in gewissen Momenten beraubt und sucht seine Feinde oder Freunde, die sich des besten Leumundes erfreuen, durch. Verbreitung lügenhafte r Gerüchte zu. verleumden, sie hinterrücks als die größten Sünder und Schwindler zn bezeichnen, ihnen Taten und Handlungen anzndichten, die nur er ansznüben Fähigkeit und Meisterschaft, besitzt. Und das Ende vom Liede ist. daß sowohl jener, als er sich'selber vollständig vernichtet. Ja. die „Nervosität", die so viele Menschen frühzeitig hinwegrafft, ist nichts anderes als die natürliche Folge der Gottvergesfeuhelt, Ungläubigkeit, Ungenngsamkeit und Mißgunst, Rabbi Elasar der Kafar sagte daher mit Recht:- "ci -raam rramm ns*:prr „Neid, Mißgunst, Genußsucht und Ehrgeiz" sind gefährliche Leidenschaften, die de» Menschen frühzeitig seinem Ende entgegenführen." Der oben erwähnte Gewürzhändler war ein berühmter Lehrer im alten Israel, ein Moralprediger*), der das Heil und Wohl der Menschen nach jeder- Richtung hin gefördert wissen wollte. Er rief daher seinem Auditorium zn: Na» boi same dechai, wer wünscht ein Lebensgewürz zn erwerben? Natürlich waren alle gespannt, dieses Lebeuserhaltnngsmittel kennen zn lernen. ' Der fromme Lehrer aber nahm einfach das Psalmbuch, zur Hand und las vor-die Worte: „Kommet, Kinder, hört mir zn; Gottesfurcht will ich euch lehren. Wer zu leben wünscht und frohe, glückliche und ruhige Tage zn sehen wünscht, der bewahre seine Zunge vor allem Bösen und seine Lippen vor trügerischen Redensarten. Er meide das Böse, gehe jeder böse» Tat meilenweit aus dem Wege und bemühe sich, nur Gutes zn tun; er suche auch den Frieden nnd fetze ihm nach, dann wird er nicht nur hienieden ein ruhiges, frohes und zufriedenes Dasein fristen, sondern sich auch nach seinem Hinscheiden eines guten Rufes erfreuen. Veritas. - - ~1 —• . -. ..t — — ■■ Verschiedene Nachrichten Wien. (30 jähriges Religio n s l e h r e r - I u b i - l ä u m.) Am 1. Juli vollendet Herr Adolf Sottet eine 30 jährige Wirksamkeit als Religionslehrer der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Mit gediegenem Fachwissen. reicher pädagogischer Erfahrung und tiefreligiösem Sinne ausgestattet, hat der Jubilar in seiner langen Lehrerlaufbahn es wie selten Einer verstanden, jederzeit das richtige Verhältnis zwischen Lehrer und Schülern resp. Schülerinnen herzustellen, durch liebenswürdiges Entgegenkommen den Lerneifer anzuregen, durch gleichmäßiges Eiinwirken auf Verstand und Gemüt der ihm anvertraulen Schuljugend *) So schauen die echten Rabbinen aus, die man in gewissen Kreisen als Geschäftsleute bezeichnen und behandeln zu müffen glaubt.

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