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Die Wahrheit · 1913-06-20 · Heft 24 (20.6.1913) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 24 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 24.; _ Die Wahrdett - Leite 7, Worte»iwarmen Gedenkens, - welche, znm Zeichen der Trauer vonder Wersanttnl.u'ngfflehend augehört wurden? Der.Vorsitzende berichtete hieraus, .über eine in allerjüngster Zeit erflofsene Entscheidung des Knltusvorstandes, näch'.ri welcher '?(8e»nlBerMle^die--Züstlmmuüg -für die Erhaltung und den Betrieb eines , ständigen Bethauses erteilt wird. Dem Kultusvorstande wird ..hiefür unter lebhaftem Beifall der Versammlung der Dank votiert. Herr Schriftführer F. Go l d f a r b erstattete, den Rechenschaftsbericht über ,-das Vereinsjahr 1912, der von der Generalversammlung beksälligst ausgenommen wurde, worauf dem Vorstande über Antrag der Revisoren einstimmig das Absolutorium erteilt wurde. Die Anträge der Vereinsleitung betreffend die Einschreibegebühren, Monatsbeiträge. Krankeniluterstützungen. Witwenabfertigungen rc. werden unverändert gleich den in der vorjährigen Generalversammlung gefaßten Beschlüssen ohne Debatte angenommen. 'Nach vollzogener Neuwahl des Vereinsvorstandes wurde die Versammlung geschlossen. Wien. (S e f e r - T h o r a - E i n w e i h n n g.) Im Bethanse -des Vereines zur .Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender fand Sonntag, den 8. d. Mts., unter zahlreicher Beteiligung die Emweihmig eines neuen Sefer-Thora statt. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner M. L. G o l d st e i n hielt die Festrede, die auf die Zuhörer den nachhaltigsten -Eindruck machte. Die kautorale Funktion versah in ausgezeichneter Weise ..Herr Oberkantor Mayer S ck o r r samt Cbor. Wiener-Nenstadt. Erew Sclietmoth ist das langjährige Mitglied unserer Gemeinde. Herr Lazar K o h n, nach langem . Leiden gestorben. Herr Kohn war mehr als fünfzig Jahre als Kaufmann in der nahen Ortsgemeinde W o p f i n g ansäßlg und hat sich durch seine Frömmigkeit — sein Geschäft war stets an Sabbath- und Festtagen gesperrt — durch leine Redlichkeit und Rechtschaffenheit die Beliebtheit des ganzen Gutensteiner Tales erworben. Oft und oft haben Bauern bei ihm Rat geholt und ihm alles sorglos anvertraut. Herr Kohn hat ein Alter von 75 Jahren erreicht. Die Beerdigung fand am zweiten Schebuothtage unter zahlreicher 'Beteiligung statt und da jede Funktion infolge des Feiertages untersagt wurde, rief nur der Vizeobmann unserer Chewra Kadifcha, Herr Fabriksdirektor Friedrich W e c ß k o p s. dem Toren die Worte nach: Du warst ein braver Jude, Gott schenke dir die ewige Ruhe. n'S'Ä'jn Pilsen. (Das 40jährige Amtsjubitänm des Oberkantors A r nt i n F r e i s i n g e r). Glanzvoll und erhebend war das .Fest, das der Kultusvorstand der hiesigen Gemeinde ans Anlaß des 40jährigen Amtsjubiläums des Herrn Öberkantors Frei sing er am vergangenen Schwnaus veranstaltete. Es war ein glücklicher Gedanke unseres verehrtenKultusvorstehers, des Herrn Dr. Schauzer, die Feier an gottgeweihter Stätte, woselbst der Jubilar dem synagogalen Gottesdienste einen außerordentlichen Glanz verleiht, in würdiger Weise zu begehen. Die in herrlichstem Blumenschmuck prangende Synagoge konnte die große Schaar der Festteilnehmer kaum ' fassen. 'Mir tränenerstickter Stimme betete Oberkantor W eising er selbst das Minchagebet vor. .Hierauf sang der durch den Deutschen Mannergesangverein verstärkte Synagogenchor den vom Herrn Kantor Kornfeld vorzüglich einstudierten Psalm 100, der stimmungs- und weihevoll zu Gehör gebracht wurde. 'Anknüpfend au den Kurs, „8s liajaum osoh Adaunoj“ richtete sodann Herr Rabbiner Dr. Golinsky eine warme von Verehrung getragene Ansprache an den Jubilar. Er pries den wackeren Freund als einen Priester Gottes, der als würdiger Abgesandter der Gemeinde die Forderungen an den alten Borbeter mit den an den modernen Vorsänger harmonisch in sich vereinigt. Er feierte ihn als einen gesinnungslüchtigen 'Manu voll trefflicher Charaktereigenschaften, der als Zierde seiner Bernssgenossen in hingebender Treue seines heiligen Amtes am Aliare Gottes wallet und schloß seine von edlem Schwung durchglühten Worte mit dem biblischen Segen, in dem er auch für die treue Gefährtin des Jubilars und dessen Kinder den Segen des Allmächtigen herabflehte. Mit der Absingung der Beethovfchen Hymne „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" schloß die glanzvolle Feier am Festabend. Den Gipfelpunkt der Feier bildete die -Gratulationskonr im blumendnrchdufteten Familienheim des Jubilars am Vormittag des Festes. Im Namen des Knltusvorstandes erschienen die Herren Knltusvorsteher Dr. Josef S ch a n z e r, Dr. Wollner und kais. Rat Z n ck e r m a n n. In nngesuchren und doch gewählten Worten überbrachte Dr. Schanzer die Glückwünsche der Gemeinde. Er hob die ersprießliche Tätigkeit des Jubilars hervor, der durch die von Gort ihm verliehenen Gaben des Gesanges zur Hebung und Ausgestaltung unseres -Gottesdienstes wesentlich beigetragen, so daß letzterer auch für andere Ge- -meliiden der Monarchie vorbildlich geworden. In vollster Anerkennung der -Ehrenhaftigkeit seines Charakters und der stets geübten Pflichttreue im Dienste der Gemeinde übereichte Dr. Schanzer dem tiefgerührten Jubilar ein künstlerisch ausgeführtes Diplom und eine ansehnliche Ehrengabe. Es gratulierten sodann für die Chewra Kadifcha dereu Obmann Herr Adolf H o f m a n n mit den Herren S. I. L ö w i t h und Josef Eisler. Mit dem Wunsche eines glücklichen Lebensabends übermittelte Vorsteher .Hof mann ein namhaftes Ehrengeschenk. Die Präsidentin des Franenvereines Frau Rosa Weise überbrachte die Glückwünsche der Frauen, ebenso gratulierte Frau Präsidentin Camilla Eckstein für den „Bund 'jüdischer Frauen und Mädchen". Nun folgten die Abordnungen der anderen Vereine. Herr Dr. D u s ch n e r und kais. Rat R e ch t überbrachten die Gratulation des Waisenvereines,'Herr Gustav Beck und Dr. Julius L e u tue r die des Vereines „Zion". Mit einem kostbaren Blumengewinde und einem herrlichen Pokal überraschte der Synagogen- -chorverein seinen verehrten Altmeister. Unter den sonstigen aus der Ferne .gesandten Telegrammen und Glückwunschschreiben, die die Zahl 400 übersteigen, seien besonders hervorgehoben, die des Oberrabbiners Dr. Caro . in Lemberg, des Oesterr.-ungar. Kantorenvereins-Präsidenten Oberkantor Bauer und Bizepräses S ch o r r im Namen des Vorstandes in Wien, die des Oberkantors Karn i tz er . in dem der Kantoren Prags, des greisen Oberkantors David Kohn aus Arad, des königl. Musikdirektors Singer in Kattowitz und vieler anderer namhafter Kantoren. Ueberaus herzlich gratnlierte auch Herr Direktor Wilhelm Arnstein aus Karlsbad,.ebenso Herr Religionslehrer Josef Baß aus Wien, der seinen Glückwunsch in einem klastischen Hebräisch ausklingen ließ. Ganz besonders erfreulich ist die Tatsache, daß Herr Oberkantor Freisinger noch gegenwärtig im Vollbesitze seiner herrlichen Stimmittel ist und auch an seinem Ehrentage versah er den Gottesdienst, durch die Innigkeit und Wärme seines Vortrages die Herzen der Betenden ans den Schwingen der Andacht zum Allmächtigen emporhebend. Möge, die, angenehme Erinnerung an dies schöne Fest, das nicht allein den Jubilar, sondern auch die Knltnsgemeinde Pilsen ehrt, Herr Oberkantor F r e i s i n g e r bei ungetrübter Berufsfreudigkeit durch einen ebenso langen wie glücklichen und goldenumsänmten Lebensabend begleiten. D r. Lin k. Pilsen, im Siwan 5673. Budapest. Aus Nagyvarad (Großwardeiu) wird über eine Affaire berichtet, die im gangen Lande das größte Aufsehen erregt. An der dortigen katholischen Rechtsakademie lieft seit Jahresfrist der praktische Arzt Dr. Stefan B e r z ä r über gericht-ärztliche Medizin. Während seines Bortrages ereignete sich kürzlich folgender Zwischenfall: Der Dozent sprach eben über die äußeren Umstände und Merkmale des Ertrinkens. Plötzlich hielt er inne und sagte dann, wohl um seine Ausführungen zu illustrieren: „Bitte, es gibt ein bekanntes und berühmtes Beispiel. Bevor wir weitergehen. bringe ich Ihnen den Fall T i i z a - E s; l ü r in Erinnerung. Da geschah es, daß die Inden, welche für rituelle Zwecke das Blutjunger Mädchen abzapfen, die Esther S o l y m o s i ertränkten . . . Lautlose Stille trat ein. Da erhob sich ein jüdischer Hörer: „Ich bitte um Entschuldigung, Herr Professor, ich bin Jude und weiß, daß das Judentum jeden Blutgenuß ausdrücklich und strenge verbietet." „Bitte, meine Herren, lassen wir das," sprach der Dozent und las nur Seelenruhe weiter, während die christlichen Hörer ihren jüdischen Kollegen mit den Rufen: „Der Herr Professor sprach sehr richtig" und ähnlichen Bemerkungen hänselten. Die Angelegenheit wurde bald bekannt. Ein Journalist suchte Dr. Berzar auf und interviewte ihn. Dr. Verzar bestätigte den in den Zeitungen berichteten Sachverhalt und bemerkte auf die Frage, ob ihm bekannt sei, daß die Unschuld der Judeu in Tisza-Eszlar gerichtlich erwiesen wurde. „Nein. Und wenn ich 50 Jahre gerichtsärzliche Medizin dozieren würde, könnte ich die Sache nicht anders -darstellen." Die Erregung in jüdischen Kreisen über das Verhalten des famosen Hochschullehrers ist sehr groß. Ob die Unterricht-Verwaltung mir gebührender Strenge gegen ihn einschreiten wird, bleibt abzuwarren. Berlin. Namens des Ausfchnsses des Dentjch-Jsr.-Gemeindebnndes ladet, der geschästsführende Vorsitzende. Herr Professor Doktor K a l i s ch e r, die Vorstände der Bezirks-Gemeinde-Berbände zur diesjährigen Tagung nach Berlin auf Sonntag, den 22. Juni, vormittags lO^/z Uhr. im Gemeindehanse. Rosenstraße 2/4 ein. Aus der Tagesordnung stehen: 1. Normalvertrag für die Gemeindebeamten. 2. Schiedsgerichte für Streitigkeiten zwischen Gemeinden und ihren Angestellten. 3. die öffentlichen jüdischen Volksschulen. 4. Einführung einer amtlichen Inspektion für Religionsschnlen. Punkte 1—3 gehen vom Verbände der jüdischen Lehrervereine ans und sind in der Lehrabteiluug wiederholt durchberaten worden. Der Bundes-Ausschnß hat davon abgesehen, diese Gegenstände ans die Tagesordnung des Gemeindetages zu setzen und am 16. März beschlossen, sie dem Verbandstage zu überweisen, mit Zustimmung der beiden Delegierten des Lehrerverbandes. Direktor Dr. A d l e r und Dr. Fiegel. Der Ausschuß gibt der Einladnng als Vorlage mit einen Sonderabzug ans Nr. 83 der „Mitteilungen" des D. I. G. B.. in welchem unter dem Titel „Beamteusüriorge" die Rechtstellnng der Gemeindebeamten jnristisch und wirtschaftlich gesichert wird. Das Stimmrecht auf dem Berbandsrage steht nur einem Delegierten zu, der dem Ausschuß zu bezeichnen ist. Marga. Von Jda Bock. (Fortsetzung.) Ich werde, wie immer, notgedrungen wiederholt bie Küche passieren müssen, um ganz genau beobachten zu können, wie gegen unsere Vorschriften verstoßen, ja wie Vater hintergangen wird. Rituellen Haushalt wünscht er. läßt sich täuschen, weil er sich nicht helfen kann, nimmt aber doch an. daß den wichtigsten Anordnungen Rechnung getragen wird. Daß Mama bisweilen Stückchen Butter 51111t Brathuhn legt, davon hat er keine Ahnung. Ich selbst achtete nicht daraus, wußte auch viel zu wenig von Erlaubtem und Unerlaubtem. Vater weiß auch nicht, daß die Geschirre erst nach dem Abspülen gesondert werden, daß zu diesem oft Seife genommen wird, daß . . . . Ach, ich will lieber schweigen. Hedi. es ist mir unbegreiflich, weshalb soviele Frauen in dieser'ganz nnveratttwortlichen Weise Vorgehen. Tante zeigte mir heute morgen eine elegant gekleidete Dame, die an nnserm Fenster vornberging. „Dort' wird ihr Vater im Rollstuhl geführt," sagte sie und wies ans einen ehrwürdigen Greis mit einem wahren Patriarchenantlitz. „Seit

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