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Die Wahrheit · 1913-06-20 · Heft 24 (20.6.1913) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 24 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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.Seite 6 Die Wahrheit Nr. 24. ihnen fremd, obwohl dieses sich nicht zuletzt an der von Juden verfaßten Bibel genährt hat, und sie sind außerstande, am deutschen Geistesleben teilzunehmen, obwohl es einen isolierten deutschen Geist überhaupt nicht gibt, sondern zahlreiche Kultureinflüsse, arische wie semitische, sich in ihm verschmolzen haben. . - Bringen es jene Leute doch sogar fertig, germanischen und christlichen Geist, Heu Geist der Lebensbejahung und Lebens- Verneinung einander gleich zu setzen, und es stört sie dabei weder, daß das Christentum rein jüdischen Ursprunges ist, noch daß ihre Ahnen sich gegen seine Einführung nicht minder heftig gesträubt haben, als die nnsrigen. . Die mächtigste Bewegung, die in der Gegenwart die deutsche Volksseele durchzittert, die sozialistische, hat ein Jude angefacht, und der staatserhaltenden politischen Partei, die das Nationalgefühl gepachtet zu haben vorgibt, hat wiederum ein Jude die Doktrin vorgezeichnet. Viele Lieder Heinrich Heines — wer wagt es zu leugnen? — sind deutsche Volkslieder geworden und Göthe hat ausdrücklich bekannt, was alles er Spinoza verdankte. Zahlreiche hervorragende deutsche Geister hätten erst weit später bei ihrem Volk Verständnis gefunden, wären nicht Juden ihre Entdecker, ihre Apostel gewesen. Ein Jude hat der deutschen Dorfgeschichte neuen Aufschwung verliehen; Juden haben die moderne deutsche Literaturbewegung gegen den dumpfen Widerstand des deutschen Publikums dnrchgesetzt, Juden haben die moderne Bühuenknnst auf den Gipfel gehoben. Ein Jude (Georg Brandes) bat die nordgermanische Dichtung befruchtet, die entscheidende Wendung Henrik Ibsens nach dessen eigenem Zeugnis hervorgerusen. Und als der Antisemit Richard Wagner daranging, durch den Parsisal seine deutscheste Musik in Bayreuth der Welt zu offenbaren, da erkor er einen Juden zu seinem Dolmetsch. Was aber kümmert sich um alles dies der Haß? Er verschließt seine Augen vor dem, was er nicht sehen will. Er läßt sich von Gegengründeu nicht ansechten, ebenso wenig wie die Liebe. Gerade deshalb nichts widerwärtiger, nichts unehrlicher als: ein Haß, der sich wissenschaftlich zu begründen sucht, der seine rein praktische Natur'hinter einer theoretischen Larve deckt. Und nun mein persönliches Bekenntnis zum Schluß: Ich bin ein Deutscher jüdischer Abstammung, und wenngleich ich der jüdischen Kirche ebenso fern stehe wie jeder anderen, nenne ich mich mosaischer Konfession, weil man aus einer belagerten Festung nicht weicht. In Ihrer Schule, der Realschule der israelitischen Gemeinde meiner Vaterstadt, habe ich, bevor ich, elfjährig, ins Gymnasium übersiedelte, die Grundlagen derttscher Bildung empfangen. Ich besitze keine andere. Göthe, Schiller und Lessiug, so heißen meine Propheten; Kant und Schopenhauer, so heißen meine Evangelisten. Ob ich ein Dichter bin oder nicht, darüber steht mir selbst kein Urteil zu. und jeder hat das Recht, mir die Begabung abznerkennen. Wer aber bestreitet, daß ich ein Deutscher bin, dem lache ich ins Gesicht. Mit vorzüglicher Hochachtung Ludwig Fulda. Die Preßlmrger „Sehrnrstnbe". Die Anekdote, welche Herr Rabbiner Dr. Rosenmann von den in Aegypten wohnenden Maimonides und seinen in Tiberias studierenden Sohne erzählte, habe ich zum erstenmale vor mehr als 50 Jahren in der alten Preßburger Schiurstube — die neue ist erst später, als ich Preßburg schon laugst verlassen hatte, errichtet worden — erzählen gehört; Die Jeschiba stand damals zwischen 1860 und 1865 auf dem Höhepunkt ihrer Blüte unter dem .bui “lBiosro Sie zählte damals mehr als 400 Studierende, von welchen viele sich später einen Namen als große' Talmudgelehrte erworben haben. Die Schiurstube war wirklich nur eine, große und staubige Stube, im Parterre des vom Oberrabbiner s, A. bewohnten Hanfes. Die Hörer standen' während des Vortrages, dicht gedrängt, die kleinen sogar ans den Fenstergesimsen, die Fensterflügel wurden auch im Winter aüsgehäugt. Einmal erschien dort zu einer solchen Zeit der. damals bekannte Wiener Hof-' Wechsler Ignaz Deutsch, der Führer der Wjever Orthodoxie und: Leiter der ungarischen Ecclesia militans. Er wurde vom seligen Oberrabbiner mit einer Ansprache begrüßt, in welcher aus den Zustand der Schiurstube und den Notstand der ^Bachurim" hiugewiesen wurde. In seiner Erwiderung erinnerte Herr Deutsch die „Bachurim" auf den bekannten Ausspruch bv nan -.i im Pirke-Aboth und. an die Soldaten im Kriege, die auch, alles ertragen müssen. Ich könnte, da ich mich der besonderen. Gunst des großen hochverehrten Lehrers, der ein wahrer Vater seiner Schüler war, zu erfreuen hatte, viel Interessantes aus jener Zeit der Preßburger Jeschiba erzählen; das ist aber nicht der Zweck dieser Zeilen. Ich wollte nur bemerken, daß die anfklngs erwähnte Anekdote eine wirkliche historische Tatsache ist; nur betrifft sie nicht Maimonides, sondern R. Abnha in Cäsaräa und seinen in Tiberias studierenden Sohn R. Chanina. Viele Jerus. Chagiga I, 7. Rabbiner Pros. Stark, Prag-Weinberge. Verschiedene Nachrichten. Wien. (T r a u e r a u d a ch t.) Eine überaus imposante und feierliche Traneraudacht veranstaltete der Vorstand des Josesstädter Tempelvereiues am 29. v. Mls. zu Ehren seines unvergeßlichen Präses, Herrn Hermann B e ck s. A. Der schwarz dekorierte Tempel tu der Neudeggergasse war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Außer der Familie des Verstorbenen waren nicht nur Vertreter der Wiener Knltusgemeinde und unzähliger jüdischer Wohlfahrrsvereine erschienen, sondern die ganze Josefstädter Jndeiigemeinde hatte sich eingefnuden, um dadurch der tiefen Trauer, welche seitdem Heimgange dieses wahrhaft edlen Präses in ihrem Bezirke herrscht, Ausdruck zu verleihen. Eiugeleitet wurde die Trauevandacht mir dem Minchagebet, welches Kantor G r o b mit Chor und Orgel in weihevoller Weise vortrng, woraus Oberkantor Neu m a u n den Psalm 49 in tiefer Andacht rezitierte, Rabbiner Dr. B au e r hielt einen sehr warmen Hesped, in welchem er die Verdienste des Verstorbenen um den Josefstädter Tempelvereiu würdigte. In der tiefen Ergriffenheit des Redners kamen seine Worte vom Herzen und gingen auch zum Herzen der Versammlung, die sich der Tränen nicht enthalten konnte. Mit einem Schlußgebet schloß Kantor Grob den würdigen Trauergottesdienst. Wien. Samstag, den 14. d. M. wurde im Fünshauser Tempel das goldene Hochzeitsfest des würdigen und allgemein verehrten Ehepaares Michael und Therese K e ft e 1 ui feierlicher Weise begangen. Der Jubilar wurde zur Thora gerufen und nach Verlesen des Abschnittes trug Qberkantvr Schleifer einen zu diesem Anlaß selbstversaßten Mischeberach vor und Rabbiner Dr. Grnnwald hielt eine durch ihre Herzlichkeit und Innigkeit besonders wirksame Ansprache an deii Jubilar: "Nach dem Gottesdienste wurde dem Jubelpaare, das sich ganz besonderer Rüstigkeit erfreut, im Zeremoniensaale gratuliert. Herr Gemeinderat K o d i z e k, der auch dem Gottesdienste beigewohnt hatte, überbrachte die Glückwünsche des Bürgermeisters der Stadt Wien und AmtsleiterJ. Braun erschien in Vertretung des Knltnsvorstäudes. Wien. Ein wahres Freudenfest bildete die Schlnßprüfnng an der „Lese- und Biöelschnle" des Vereines „Tefilath Jeschurnn" im Prater, welche Sonntag, den 15. Juni stattfand. Unter den zahlreichen Gästen bemerkte man den Vorstand des Tempelvereines mit dem Obmann Herrn Altmauu, den Obmann der Schnisekiion Herrn M: L. Bondy. die Vorsteher Herren Goldberger, Fantl und Stark. Ferner erschienen die Herren Inspektoren Prof. M. Kanitz und I.'Braun, die Religionslehrer L. 'Weiß und Schulz, Herr W. P a p p e u h e i m, n. v. a. Obwohl diese Schule erst zwei Jahre besteht, weist sie eine Schülerzahl von über 200 Kinder, aus. Unter der tüchtigen Leitung der unermüdlichen Nellgionslehrer> Markus P i ck und B. Benedi k t haben die Schüler und Schülerinnen in vorzüglichster Weise das Lehrziel erreicht. Das flotte Lesen im Gebetbnche, das Uebersetzen und Memorieren vieler Gebetstücke und Abschnitte ans dem Pentateuch, die Kenntnisse der Liturgie und . Geschichte, das alles wurde von den. Kindern mit großem Interesse und Verständnis vorgetragen. Am. Schlüsse hielt Herr I. Br aun, als Bibelschnlinspektor und Delegierter des Vorstandes der israelitischen Knltusgemeinde, eine in herzlichen Worten gekleidete Ansprache an die Kinder, in welcher er sie zum weiteren Besuch und fleißigen Lernen anspornte. Auch zollte er den Lehrern und dem Vorstande der Bibelschule in det liebenswürdigsten^ Weise Dank und Anerkennung. Herr Schnlinspektor Prof. M. K.a n i tz freute sich über den zahlreichen Besuch der Schülerinnen und nahm zur Frauenbewegung Stellung. Er wies, den Schülerinnen in einer formvollendeten Ansvrache nach,- welch wichtige Stelle, die Frau in der jüdischen Geschichte seit, jeher eingenommen hat und welch hohe Ausgaben sie kraft der Religion zn erfüllen, hat. Auch-er dankt den. Lehrern für ihr-arbeitsames und fleißiges Wirken. Herr Vorsteher Alt mann dankt den Vorrednern und sprach den Lehrern seine Anerkennung aus. Hoffentlich trägt dieser Tag dazu bei, daß diese-Schuld sich der größten Sympathie bei allen Juden des- Praters erfreuen wird. Wien. (V e r.e i n zur U n t e r st ü tz u u.g j,ü d i s, ch e r K'l e bmgie w e r b e t r e i.b e ü de r. W t-e.it; Il;-M a l z g^chs.s^ 1*,) In der Montag, den 9. d. Mts-, in M. G n t h.s Saallokalitäten stättgesundenen ordentlichen Generalversammlung widmete der 'Vorsitzende, Herr Obmann Saul. K l a u s n e r; vor. Allein den im abgelaufenen .Vereinsjahre dahingeschiedenen Mitgliedern und, Gönnern des. Vereines

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