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Die Wahrheit · 1913-06-13 · Heft 23 (13.6.1913) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 23 (13.6.1913)
Date
1913-06-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 23. ' Nun verbreitet, er sich auch über das gesellschaftliche Leben und seine Winke gehen hauptsächlich dahin, daß man, dem biblischen Worte gemäß, seme Brüder suchen soll" und es dem Fachgeuossen nicht genügen soll, mit einigen Gemeindemitgliedern engere Freundschaft zu pflegen und sich bei den maßgebenden Persönlichkeiten etwa einzuschmeichelu; das sind Knechtsnatnreu. Piese Art, sich beliebt zn machen, will er bei dem Kultusbeamten ausgeschlossen wissen. Man trachte vielmehr, zum eigenen Vorteil in die Nähe von Männern der Kunst und Wissenschaft zu gelangen, und sein Umgang (hier spielt freilich die persönliche Note eine Hauptrolle) mit Viktor Neßler, Jadassohn, August Horn, war für ihn Genuß. Hauptsache bleibt, meint der Verfasser, sich Vereinen anzuschließen, um so auch gleichzeitig der Pflicht der Wohltätigkeit näher zu kommen. Daß dies dem Verfasser gelungen ist, ersehen wir aus den Beitritten in die Vereine ..Leipziger Privatschullehrer-Verein", „Verein israel. Lehrer Mitteldeutschlands" und endlich in den Orden ber „B’aaiB’rith“, der aus Amerika nach Deutschland verpflanzt wurde. Für dieselben ' gewann er ben großen Wohltäter Arnold Jakobsohn, dem er auch ein ganzes Kapitel widmet, das seine überaus großen Werke der Menschenliebe aufzählt. Nun kommt er an das Kapitel seines Jnbeltages der 2ojährigeu Wirksamkeit, spricht' von den vielen Aufmerksamkeiten, die ihm von nah und fern dargebracht wurden, gedenkt des ehrenden Glückwunsches des Oesterr.-ungar. Kantoren-Vereines in Wien und seines treuen Freundes Josef Singer und anderer Widmungen auch außerhalb seiner Amtstätigkeit, die ihn mit Stolz und Freude erfüllten. Aber gerade diese überschwänglichen Änelckennungen zwangen ihn zu ernster Selbstprüfnng und er perschloß sich nicht der Einsicht, daß seine Arbeiten einer gründlichen Umarbeitung bedurften, um sich einen Platz zu erringen, der den Strebsamen eingeräumt wird. Aber auch in sozialer Beziehung wollte er seinen Traum verwirklicht sehen, den Kantorenstand, der an Vorurteilen und Verkennung zu leiden hatte, zu heben. Den Anlaß hinzu gab ihm das von Frank in Halle behandelte Thema: „Der jüdische Lehrer als Kantor" und mit Hilfe Henles in Hamburg gelang es ihm, den Anstoß zur Gründrmg des „Allgemeinen deutschen Kantorenverbandes" zu geben. Wie aber kein Mensch vor schicksalschweren Stunden und Prüfungen gefeit ist. so hat auch ihn ein herber Schlag getroffen, indem ihm ein hoffnungsvoller Sohn in der Blüte der Jahre entrissen wurde. Daß dieser namenlose Schmerz an seinem Marke zehrte — wer wollte daran zweifeln?, und dadurch wurde seine Berufstätigkeit erschwert und fast unmöglich gemacht, so daß er mit schwerem Herzen in seinem 61. Lebensjahre um seine Pensionierung einzureichen sich genötigt sah. Nach 33 jähriger Amtswirksamkeit trat er in den Ruhestand. Sein immer regsamer Geist läßt ihn aber nicht tatenlos sein Leben in dieser Zurückgezogenheit in Friedenau bei Berlin verbringen, denn er greift zur Feder und wir verdanken dieser das für Lehrer und Kantor so hochinteressante Buch: „Die Erin n erun g ans e i n e m h a l b e n I a h r h u n d e r t". Verschiedene Nachrichten. Wien. Das Ehepaar Michael und Therese Kestel feiert Samstag, de» 14. Juni, %10 Uhr vormittags, im Tempel zu Fünfhaus, XV., Turnergaffe 22, das goldene Hochzeilsfest. Wien. (Goldene Hochzeit.) Am 4. d. Mts^ feierte der Leiter der Hilfsämrer der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Herr Simon Horwitz mit seiner Gattin, Frau Sofie, geb. Jung he r j, dos Fest der goldenen Hochzeit. Welch großer Beliebtheit sich das Jubelpaar in den weitesten weisen erfreut, zeigt fich in der großen Anzahl der Glückwünsche, die Herrn Amtsleiter Horwitz und seiner Gattin, die einer vornehmen Warschauer Familie entstammt, woselbst ihr Vater lange Jahre hindurch Präsident der Knlrusgemeinde war, ans allen Kreisen zugekommen. Cs gratulierten u. a.: Präsident Dr. Alfred Ste r »/ Vizepräsident Dr. Gustav K o h u. Vorsteher Karl L e m b e rg e r,‘ S.- B r o d, k. k. Kommerzialrat Leopold Simo n, Erster Sekretär, kaiserlicher Rat Dt. -L i e b.au namens der Beamtenschaft der Wiener. Kultusgemeinde, Chewravorsteher S. S im o n. Barönin Charlotte Kö n igswä r t e r, Bethaüsvorsteher Theodor K o h », und Dr. M ü n z, Hofrat Dr. Julius Schlag, die Rabbiner Dr. G r n n w a I d. Dr. R o s e n in a n n.! Br. Bach, Dr. Bauer, Professor Dr. Heinrich P o. l l a .k, Professor J Dr. M. N o s e n f e l d, Professor Dr. Adolf W-e.i ß, Professor Inspektor" M. K an i tz, Inspektor Julius B r. a n n, Dr. Theodor G n t t m a nij je. Dr. Bernhard M ü n z, Dr. Leo H a l der st a m nt, Dr, Siegfried H a l b e r st a m m, kaiserlicher Rat Dr. K-r ü g e r, Dr. Bela R o s z mt h a 1 Direktor Seligmann K o h n. Direktor M..L- K o r n st r e i dj.e vr Direktor Max Fischer, kais. Rat Leopold S a ch s von Sachsen- Hall, Wolf P a p p e n h e i m, Albert M a n d e l b a n m n. v. a.- Von den Kollegen, Freunden und Verehrer» erhielt das Jubelpaar sinnige Ehrengeschenke und Blumengewinde. Der Bethausvorstand ehrte Herrn Horwitz durch eine Al'jah während des Sabbathgottesdienstes in der' Innern Stadt. Wien. Die Beerdigung des Professors Dr. Heinrich Fleischm a u u, der im 56. Lebensjahre nach kurzer, glücklicher Ehe von hinnen abberufen wurde, sand Sonntag, den 8. d. Mts., im Beisein zahlreicher Familienangehöriger und Freunde statt. Auch die II. Gymnasialklasse des Elisabethgymnasiums und der Lehrkörper dieser Anstalt, an welcher der' Verblichene gewirkt hat, gaben ihm das letzte Ehreugeleite. Nach Vortrag des Hazzur tomim durch Kantor L.e w i vom 3. Bezirk widmete Herr" Rabbiner Dr. Armin Abeles dem Heimgegangenen einen warmen Nachruf, in welchem er die edle Menschenliebe des Verstorbenen, seine Bescheidenheit und Anhänglichkeit au den angestammten Glauben besonders betonte. Wien. Unter überaus starker Teilnahme von Verwandten und/ Freunden ist Sonntag, den 8. d. Mts., der in den weitesten Kreisen bekannte Juwelier, Herr Bernhard B o t t w i n. zu Grabe getragen worden. Die Fernerstehendeu wurden durch den raschen Heimgang des erst 53 jährigen, überaus rüstig scheinenden Mannes überrascht, aber den näheren Bekannten war es nicht verborgen, daß er schon seit längerer Zeit an einer schweren Herzaffekrion litt, die seinem Leben ein rasches Ende bereitete. Seine gesellige Liebenswürdigkeit hat dem Verblichenen, der ein guter Jude war und sich auch überall als solcher betätigte, zahl-' reiche Freunde erworben, die ihm ein freundliches Gedenken bewahren werden. Wien. Freitag, den 6. Juni ist Herr Julius Klar, Mitchef der Firma K l a r L B a ß in Brünn, in Vöslau, wo er bei seinem Schwiegervater, Herrn Isidor Schwarz, zur Erholung weilte, nach kurzem Krankenlager im 39. Lebensjahre gestorben. An seiner Bahre trauern die schwergeprüfte Gattin, Frau Selma Klar, die Fanlilieuangehörigen,. und eine große Schar von Freunden, die dem Verblichenen, der durch ernste Arbeit und makellosen Charakter sich eine geachtete Stellung erworben hat, ein ehrendes Andenken bewahretr werden. Das Leichenbegängnis sand unter großer Beteiligung Sonntag, den 8. d. Mrs., am- Zentralfriedhofe statt. Nach Vortrag der Trauerpsalmen durch Oberkantor Morgenstern unter. Assistenz des I. Kantor I u r b e r g e r unddes Chores widmete Rabbiner Dr. F e u ch t w a u g dem so früh Heimgegangenen einen würdigenden Nachruf, und am Grabe sprachen noch Professor Nascher und ein Vorstandsmitglied des Vereines reisender Kanflente herzliche Abschiedsworte. Wien. Vorigen Dienstag erlag der 73-jährige Religionslehrer,. Herr Adolf P o l l a k, II., Patzmanitengasse 14, einem Unglücksfalle.. Beim Aufsteigen in die Straßenbahn glitt er ab und wurde überfahren.. — Viele heute schon gereifte Menschen und mancher dermalige Schüler betrauern in dem Verblichenen den edlen Freund, den uneigennützigen Förderer der Jugend. 32 Jahre wirkte er in Wien, unermüdlich in seinem Berufe. Sein frommer, biederer Sinn erwarb ihm viele Freunde, half ihm aber auch über manche Sorge hinweg. Es war ein Leben voller Lasten, mit wenig srohen Augenblicken. Wir alle, die ihn kannten, werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren... Wien. (S ck n l v r ü s u n g.) Die Prüfung an der Lese- und- Bibelschule, Prarer Ausstellungsstraße 53, findet Sonntag, den 15. Juni 10 Uhr vormittags statt. Eltern und Gäste herzlich willkommen. Wien. Samstag, den 14. Juni 1913/ findet im Theatersaale der „Jüdischen Bühne", Hotel Stefanie, H. Taborstraße 12, eine Fest-Vorstellung statt zn Ehren des Herrn Adolf R e m e s. Zur Aufführung gelangt „Der Talmud Chochem", Lebensbild in 4 Akten von N. R. Es wirken mit die berühmten Künstler voni „Thälia"--Theater in New-Iork,- Herr Gi l ber und Fräulein Malvine Kepu er. Wien. Bei der jüngsten Generalversaminlnug des humanitären Vereines „Tomech Ewjoni der bekanntlich an Sabbathen und Feiertagen zugereiste Jiräeliten und aus den Spitälern entlassene Rekonvaleszenten gratis verköstigt.., wurde der verdienstvolle Herr Emil. H o f s m a n n, der bereits seit ca. 20 Jahren dem Vereine angehört, elustimmig znm Ehrenmitglied ernannt. ' Wien. (H u in au i t är er V e r e i n z u r U n terstützun g jüdischer K u r b e d ü r f t i g e r. ,/W r e », II., G r. S t a d t,- g u t g a s s e 7.) Am 28. Mai l. I. fand! im Restaurant H e r l j n g e r die Geileralversammlung des Httmanitären Vereines zur Unterstützung jüdischer Kurbedürstiger statt. Der''Obmann. Herr Isidor L. B r au nr vob. in seinem Berichte, die eminent bumäuitäre. Tätigkeit des Vereines hervor, der im abgelanfenen Jahre seilten Schutzbefohlenen nicht allein Freiplätze verschafft, sondern auch Kurbejlrägei: Kefirmilch und Badekosteü angewiesen hat. Seit seiner Gründung , hat'der-Verein 30.000 Kronen an Knrbeiträgen attsgezahlt. Hierauf hielt der-Obmann den verstorbenen Miti> 'gliedern und Gönnern des Vereines, Herrn. Ritter, v. A u s p i tz, Herrn: Herinann. B e ck -und der Frau Antömette^ S'H'w a r z in a n u einen ehrenden Nachruf.' Herr Pröiessor S.a l.z M'a 'n n gedachte hierauf .der Verdienste des verstorbenen Protektorsund-Gründers des Vereines, des Herrn Lektors F r i -e d mann sei- Andenkens.-.-' Zirm Schluffe stellte' erden Antrag, den Obmann. Herrn Dr/Jsidor-'L.-'B r a u n,. zum Ehrenmitgliede zu ernennen, welcher Autrag_ch.on der (Generalversammlung ein--

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