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Die Wahrheit · 1913-06-13 · Heft 23 (13.6.1913) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 23 (13.6.1913)
Date
1913-06-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 9. Nr. 23 _ . _ ' Die Wahrheit -stimmig angenommen würde. Schriftführer Herr S p e r l i u g erstattete -den Rechenschaftsbericht. Herr Revisor Isidor Kerner stellte hierauf'?den Antrag, dem Vorstände das Absolnwrium zu erteilen. Hierauf fand : die Neuwahl des Vorstandes statt. ' Köln. Die Fabrikanten der weltberühmten koscheren Pflanzen- - butter, Marke ,T o m o r", die Sana-Gejellschaft m. b. H. in Cleve (Rhld.)s, pendeten für die vom Brandunglücke in Preßburg betroffene jüdische Gemeinde und Rabbinätshochschnle l< 200.—. Murga. Bon Jda Bock. „ (Fortsetzung.) Eine Freundin heiratete, eine andere verlobte sich, -jedes neue Ereignis dieser Art verursachte eine Gemntserschütternng, ließ eine Verbitterung zurück. Die jungen Frauen warteten bald auf den Gruß der ledigen Schnlkollegin, die sich hungeren und immer jüngeren Mädchen anschließen mußte, um nicht ganz vereinsamt zu sein. Der kummervolle Blick des Vaters, die unterdrückten Seufzer der Mutter, die fruchtlosen Besuche bei wohlwollenden Verwandten in anderen Städten können .zweifellos jenen Zustand herbeiführen. in welchem selbst ein tapferes Herz verzagt. Vor drei Jahren, als ich Minna Bing einmal einer Stickerei wegen besuchte, öffnete sie ihren Wäscheschrank und hob einzelne Stücke heraus. „Und alles selbst genäht, selbst gestickt?" fragte ich voll aufrichtiger Bewunderung. „Wie denn sonst? Gleich nach Ablauf meiner Schulzeit drang 'Mutter darauf, daß ich mit der Arbeit beginne." Sie wandte sich ab,', um ihre Bewegung zu verbergen. An wen mochte sie gedacht haben, wovon träumte sie, während das Rädchen der 'Maschine surrte oder die Finger die feine Leinwand glätteten, um derentwillen manches vom Haushalt abgespart wurde? Mir -tat das alternde Mädchen bis ut die Seele leid und ich sagte daheim zu. Mama: „Wie mich Fränlein Minna dauert, sie ist doch wirklich nicht häßlich und außerordentlich geschickt, fleißig -und häuslich ist sie, hat auch viel gute Bücher gelesen, erzählt so angenehm. Etwas Geld dürfte sie doch auch haben, warum hat sie nur noch nicht geheiratet?" „Warum? Weil sie eine überspannte Grell ist. Meinen Vetter schlug sie ans, weil er am Sabbath reist, seinen Bruder, weil er zur Neologenpartei gehört, einen anderen, weil er nicht Tefillin legt rc. Als ob dies bei einer Ehe das wichtigste wäre. Da sitzt sie nun und ivartet, daß Gott ihr den Richtigen sendet. Inzwischen ist sie >gar harten Prüfungen ansgesetzt, in denen ihre Selbstverleugnung Siege feiern kann. Im selben Hanse wohnt eine Altersgenossiu. deren ältester Sohn kürzlich sein Barmizwofest feierte. Ich war dort und bewunderte das geschmackvolle Arrangement der Tafel. Minna Bing hätte sie geschmückt, hieß es, hätte sich natürlich dann zurückgezogen. Was sollte sie auch hier, fühle sich ja doch in Gesellschaft der Frauen nur ungemütlich." Mamas Worte gaben mir viel zu denken. Ein Stich ging mir seither durchs Herz, wenn ich von meinen Freundinnen hörte, daß sie schon an der Aussteuer arbeiteten, wenn Eltern oder Bekannte immer wieder Bemerkungen fallen ließen, durch welche den Gedanken und Gesprächen der blutjungen Mädchen eine bestimmte Richtung gegeben wird, die ein einziges Ziel hat. Ich bat Vater, den .Handelskurs besuchen zu dürfen, fand Dich dort. Hedi, und brach den Verkehr mit allen anderen ab. Ich Habs Dir bis heute nicht gesagt, wie sehr Du mir imponiertest, wie unwiderstehlich Du mich an Dich zogst. Du warst klüger, reifer, fröhlicher als ich, dachtest immer so fein und vornehm, wiesest jedes gemeine Wort, jede Schlüpfrigkeit von Dir, mochtest keine .Zweidentigke.it, keinen unfeinen Witz, sprachst mit einer Einfachheit von allem Natürlichen, gingst schweigend über Dinge hinweg, welche Dir zu erwähnen nicht paßten, kurz, warst in -meinen Augen der Inbegriff eines jungen Mädchens. Ich wollte werden wie Du, sq kindlich, so übermütig, so ernst und so fein. Fa, Hebst vor allem so fein. Ich erinnere mich, damals ein Büchlein abgelehnt zu haben, das irgend eine Kollegin, ich glaube, es war die hübsche Keßler, ihrem Bruder entwendet Hatte und das in unserer Klasse die . Runde machte. Dein kühles ^,Das muß ich noch nicht wissen, dazu bin ich zu jung", machte mächtigen Eindruck auf mich. Habe ich Dich erreicht, Hedi, sprich, bist Du mit mir zufrieden, bin ich würdig, Deine Freundin zu heißen? Gute Nacht! Die Uhr schlägt zwölf! Schlafe sanft! Marga. 19. Liebe Hedi! Lina Münz und ich kommen soeben aus dem Bad. Sie schwimmt vorrrefflich und will michs lehren. Das gab einen Hauptspaß. Ich ging ohne Angst daran und halte mich tapfer über Wasser. Du hättest doch hören mögen, wie einfach und selbstverständlich Lina sagte: „Wir müssen uns befleißigen, womöglich kräftig, muskulös und geschmeidig zu werden, damit wir einst gesunde, recht starke Kinder zur Welt bringen." Sie erzählte daun von ihrem Bräutigam, den sie so lieb habe, daß sie nur immer wünsche, ihre Söhne möchten ihm vollkommen.gleichen. Hedi, ich glaube, diese Liebe ist die echte. Deine 'Nachricht überrascht mich gar nicht, erfüllte mich bloß mit Genngtnuttg. Minna Bing hat sich entlobt. Sie will also lieber ein altes Mädchen werden als ihre Persönlichkeit preisgeben. Das habe ich von ihr erwartet. Für sie gab es in dieser Ehe nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie hätte mit qualvoller. Selbstüberwindung jede Woche den Sabbath entweiht, hätte namenlos darunter gelitten oder sie hätte sich allmählich abgefnuden, wäre in dem Dorf nach und nach anders geworden, was voraussichtlich zum Bruch mit ihrem Vater geführt hätte. Der Mann ist wohlhabend, schreibst Du, hätte ihr eine sorgenfreie Zukunft gesichert? Das wäre einem anderen Mädchen genug. Sie hätte es niemals befriedigt. Nun will sie Krankenpflegerin werden, hat sich schon einschreiben lassen. So gefällt sie mir. Lina Münz, der ich davon erzählte, war ganz begeistert. „Nur schade, meint sie. daß Minna soviele Jahre ihres Lebens in bitterer Entsagung zugebracht habe. Sie hätte sich schon längst für einen Berns entschließen sollen. Es sei doch recht unüberlegt, ein Mädchen heute bloß für die Ehe zu erziehen, da diese manchem unerreichbar bleibt, vornehmlich denen, die ihre Individualität bewahren oder sich nicht wegwerfen wollen. Ich schreibe in der Laube. Der Abend breitet bereits seine ersten Schatten über den Garten. Der Duft der Nachtveilchen wird vom leisen West herübergeweht. Wie schön es ist! Marga. 20. Liebe Hedi! Werde ich wirklich bald heim müssen? Vater machte in seinem letzten Schreiben Andeutungen. Mir siels schwer aufs Herz. Ich weiß gar nicht, wie ich mich nun zurecht finden werde. Ich lasse einen Tag daheim an mir vorübergleiten und fühle mich nur noch bedrückter. Nach dem Erwachen wird es mir nicht gut möglich sein, die Hand abzngießen. Du weißt, in unserem Mädchenzimmer ist kein Waschtisch, jede Neneinführnng ruft aber Mamas Spott oder gar- Widerspruch hervor. (Fortsetzung folgt.) Austritte uns dem Judentum. Weiß Anna, Verkäuferin, geb. 14. August 1889 in Böhmen. Wie», II., Pillersdorfgaffe 5. Fischt Ilona. Privat, geb. 16. Jänner 1880 in Wien. I.. Seilerstätte 15. Klimont Anna. geb. Burger. Advokatensgatrin, geb. 4. Dezember 1881 in Wien. I., Elisabethstraße 8. F r i e d m a n u Valerie geb. Schütz, Privat, geb. 10. April 1869 in Wien. VII.. Kaiserstraße 47. Karossik Sonyon. Privat, geb. 8. November 1872 in Rußland;. Wien, IX., Georg Sieglgaffe 8. Hirsch Marie, Jsabella geb. Sachs, Kaufmannsgattiu, geb. 19. November 1870 in Wien. IX., Beethovengaffe 8. R o s e n st e r n Jenta (Anna), geb. I o p n s, Privat, geb. 11. Jänner 1871 in Rußland. Wien, IX., Währingerstraße 16. Sachs Mitzi, Privat, geb. 23. Dezember 1891 in Wien. EX., Beethovengaffe 6. Pollak Leopold recte Wolf, Handelsagent, geb. 8. Februar 1859 in Wilhelmberg. Wien, HI., Nenbaugaffe 5 Metzel (Mehl) Max, Privatbeamter, geb. 3. Mai 1883 in Wien. XVIII., Währingerstraße 132.

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