Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 22 (6.6.1913)
- Date
- 1913-06-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10. - Die Wahrheit. . ' ' Nr. 22. Sonnenfeld, der mit seinem Sohne, dem Leiter der.Kanzlei des Kolel, mir die Ehre seines Besuches erwies und bereits eine volle Stunde gewartet hatte: Ich hatte nun Gelegenheit, mit ihm über die Verhältnisse der Gemeinde eingehend zu sprechen. irb'ETv 2-.L2 nKTi: Schauen Sie doch nur auf das Gute - in Jerusalem! sagte mir der ehrwürdige Rabbi unter witziger Anwendung eures Bibelverses, Eine mir.in den Sinn getommene ^,21s.880i-a" (Zusammenstellnug gleichlautender biblischer Worte) gab mir die Möglichkeit, mein Urteil über die geringe Verläßlichkeit derBerichte vieler Znstilntiouen Jerirsalems schonend in Zitate aus der Bibel zu kleiden, die ja immer , inappellabel sind. „Dreimal." sagte ich, „kommt in der Bibel die Redewendung vor: es wird gesagt (geanaar). Es sind dadurch drei Dinge angedeütet, über welche die Nachrichten und^Behauptungen immer mitgroßer Vorsicht aufzunehmen sind. Zum erstenmale kommt es bei Nimrod als eurem berühmten Jäger vor: ,,A,1xksii Daniar" — man weiß welche Uebertreibungen und Renommistereien in Jagdberichten gewöhnlich enthalten sind. Zweitens wird von einer Kriegsgeschichte gesagt: „A1 ken jeamer besefer milebainoth“ — wie wenig vertrauenerweckend Berichte vom Kriegsschauplätze sind, sehen wir gerade jetzt aus den türkischen Siegesnachrichten." „Nun, und das drittemal?" „Zum drittenmal kommt in den Psalmen vor : Ule-Zion\ jeamar“ — was in Zion alles gesagt wird und besonders von den Humanitären Anstalten nach Europa gemeldet wird, muß leider ebenfalls mit Skeptizismus aufgenommen werden. ■I Rabbi Chaim Sonnenfeld hatte darauf nichts zu erwidern. Verschiedene Nachrichten. Wie». Herr Rabbiner Dr. M. Rosenmann wird am Schewnothseste die rabbinische Funktion im Lepoldstädter Tempel versehen. Wien. Herr Jakob Roth, Kantor des Tempelvereines ,,Montefiore", wurde «om Vorstände des Tempelvereines im XX. Bezirke als Kantor einstimmig gewählt und wird derselbe im August sein Amt antreten. Kantor Roth hatte sowohl durch seine schöne geschulte Stimme, .sowie drrrch seinen angenehmen Vortrag allgemeinen Beisall. Wien. Am 31. Mai starb nach mehrwöchentlichem Leiden der als wahrhafter, menschenfreundlicher und lauterer Charakter bekannte nnd beliebte pensionierte Wiener. Volksschullehrer Herr Adolf W e n g r a f im Alter von 73 Jahren. Sein Tod ritz nicht nur in seiner engeren Familie, die aus der pensionierten Bürgerschullehrerin Frau Helerie Weng ra s ged. M a r k b r e i t e r und drei in geachteten Stellungen befindlichen Söhnen besteht, sondern auch in einer stattlichen Schar von Freunden, die der Verstorbene an sich zu ketten wutzte, -eine empfindliche Lücke. Zu den letzteren gehörte auch Rabbiner Dr. F e u ch t w a u g, der, wie der Verstorbene, aus Nikolsburg stammt. Rabbiner Dr. Fenchtwang . sprach an der Bahre und hob Pie echte, von Frömmelei entfernte Religiosität des Verstorbenen, sein umfassendes hebräisches Wissen und sein gutes Herz hervor. Der Verstorbene befand sich nach den berüchtigten Wiener .Lehrereinrichtungen trotz seiner gewissenhaften, von den Schulbehörden wiederholt anerkannten Leistungen in der Schule unter der langen Reihe der pensionierten Lehrer. Diese traurige Tatsache regte ihn derart auf, daß er auf Zureden seiner Gattin sofort in Pension ging und aus alle Rechtsmittel verzichtete, trotzdem er dadurch bedeutenden Schaden in seinen Bezügen erlitt. Wengraf war nicht nur eine Zierde der, jüdischen Wiener Lehrerschaft, sondern der Judenheit überhaupt.. Wer ihn gekannt hat, dem wird sein Andenken heilig sein. Wien. (V er e i n zur U n t e r st ü tz u n g jüdi s ch e r K l e i ng e w e r b e 1 r e i b e n d e x, Wie n.) Sonntag, den 8, Juni 1913, 5 Uhr nachmittags, findet im Vereinsbethause. II., Mälzgasse 1, unter, Mitwirkung des ehrw. Herrn Rabbiner M. L. G old ste in und Oberkantor Mayer- Scho rr die'feierliche Einweihung eines neuen Sefer Thora statt. Wien. (Jüdischer Turn v e r e i n F a v o r i.t e n.) Sonntag, den 8. Juni, findet im Saale des „Jüdischen Schulvereines", X., Hasengafie 7, präzise 3 Uhr nachmittags, die ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Turnrates über das abgelausene Vereinsjahr. 2. Bericht der Revisoren und Entlastung. 3. Feststellung der Mitglieder für das nächste Vereinsjahr. 4. „Wir Turner und der Xi. Zionisten-Kongreß", .Referent Herr med. Adolf T a g l i ch t. 5. Wahl des Turnrates. 6. Wahl der Revisoren. 7. Anträge. ' ' Berlin. Für den Repräsentautensaal der Berliner jüdischen Gemeinde hat soeben, wie bereits gemeldet, Bildhauer Jakob Pleßner eine Halbstatue des Großen Kurfürsten fertig gestellt, die Dr. Georg Minden, der Direktor des städtischen Psandbriefamtes, anläßlich seines 23jährigen Jubiläums als Mitglied des Repräsentanten-Kollegiums gestiftet hat. Auf den bekannten Erlaß' vom Jahre- 1671, durch den der Große Kurfürst die Wiederzulasiung der Inden in seiner Hauptstadt anordnete, führt die Berliner Gemeinde ihren Ursprung zurück. Pleßner hat darumseiner Statue,' die über dem Rande des Postaments-. die Arme kreuzt, eine Urkunde in die Hand gegeben. . Petersburg. Trotz der l ablehnenden Haltung der Elttigratiolis-<. konferenz in der Baiikfrage , findet, ganz unabhängig von der Viliiaer" Versammlung, in Petersburg eine Beratung der Delegierten der großen jüdischen Gesellfchäften und Kreditvereine Rußlands.-statt, um.die Grün-- dnng einer, jüdischen Emigrantenbank zu beschließen. Die Notwendigkeit; eines solchen Finanzülstitules zum - Schutze der materiellen. Interessen ' der jüdischen Emigranten. ist nicht zu bestreiten. Es. ist bekannt, daß die - jüdischen Emigranten von dem Momente an, da sie die Absicht, das Land der Bedrückung zu verlassen,, äußern, das Ziel, der Bentegier ruchloser Agenten sind, und daß,, wenn, sie den. . Fangarmen . dieser Unmenschen glücklich entronnen.und am Ziele ihrer Wanderung angelangt sind, dort wider das lukrativste Aüsbeniungsobjekt jener tausenden von Schwindelbanken sind, die in Amerika die. armen eingewänderten Inden bewuchern und sie ihrer Ersparnifie beränben. Ebenso bekannt sind die'zahllojen- Fälle, in denen jüdische Einwanderer in Amerika Geldbriefe nach Hanseschicken^ die aber ihre Familien niemals erreichen. Diesen Uebeln. abzn-- helfen, hat --sich ' die zu. gründende jüdische. Eungrautenbank zur Äufgabegeftellt. Wie wichtig eure solche Institution gerade für die russischen Juden ist, geht schon daraus hervor, daß laut der offiziellen Statistik Im vorigen Jahre eingewanderte Inden ihren Verwandten nach Rußland insgesamt: die ansehnliche. Summe von 40 Millionen Dollar-geschickt haben. Die Idee der jüdischen Einigrantenbank wird insbesondere von dem bekänntemrussischen Jtoisten Herrn D a w i d o w i t sch propagiert, der für - die Forderung dieser Aktion nunmehr auch die jüdischen Finanzier von London gewonnen hat. Daß die Vilnaer Konferenz gerade diesen hochwichtigen: Punkt der Elnigranlenfürsorge anßeracht gelassen hat, hat in .weiteren Kreisen enttäuscht, aber erfreulicherweise die Organisationen nichtabge'-. halten, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Von Jda Börk. (Fortsetzung.), V-I; 18. .;; V;;-■ Gllten Abend/ Hedi! Ach, wars wunderschön! Ich kommeans einem Zanberlande. Soll ich dir erzählen? Nein, das; kannich nicht. Aber wenn du es liest, dieses Büchlein, das ich dir mit gleicher Post sende, wenn du dabei den ganzen Neichtnmdeiner oft gepriesenen Phantasie entfaltest, erhältst du vielleicht, einen entfernten Begriff von dem Entzücken, das uns erfüllt., Uns. alle...Du willst endlich wissen, wovon ich spreche?. Nun wir wären bei einer .Theatervorstellung. „Der blaue Vogel"' von Maeterlink wurde gegeben. Saß ich jetzt lange nnd träumte ich?. Es muß wohl so fein. Im Hanse ists ganz still geworden. Lea und Naemi schlafen. Träumen auch sie? Vom Licht, vom Glück, vom Gränen, von der greisen Eiche oder vom treuen Tilo? Träumen-sie etwa von jenem Ort, ans den wir die Toten bringen und Her der Dichter in zartsinnigster Weise in einen wnnderlieblichen. Gärten verwandelte? Oder träumen sie vonder Mutterliebe, dem ein-) zigen Glück, welches das Licht nicht zn scheuen braucht? ,'1 Es ist spät und ich sollte zu Bett, aber ich will noch ein^ weilig mit dir plaudern, fände ja ohnedies.noch keinen Schlaf. Aberich muß erst meiner Gedanken Herr werden, die noch-, immer ins Feenreich schweifen, ins unvergleichlich schöne. Sie: lasten sich nur schwer sammeln. Nun nahm ich Deinen 'letzten -Brief vor, um ihn nochmals zu lesen. Also Mina Bing hat. sich verlobt und mit diesem Manne? Armes Mädchen!- Was .muß sie erduldet, erlitten, welche Enttäuschungen muß ihre- Seele erfahren haben, daß sie: sich dazu entschloß? -Und wie wird sie sich dreinfindeu? Lecr und ich sprachen gestern lange darüber. Siemeint, sie könnte sich niemals überwinden, ihren Sabbath preiszugeben, durch Hen sie sich.mit Gott verbunden fühle, Aber sie begreift, daß. ein Mädchen wie. Minna, blutenden 'Herzens die dargebotene Hand erfaßt, deren Besitzer sie dem traurigen Los einer ewig Harrenden entreißt. Seit 18 Jahren, mehr als die Hälfte ihres Lebens, hat Minna auseinen Mann gewartet langsam - senkten sich ihre Hoffnungen tiefer,, ihre Ansprüche nach sich ziehend. Sie war niemalssonderlich, hübsch gewesen^ aber frisch undmunter war sie doch und' der eine oder der andere kam und wollle sie heimfnhren. DerVater wünschte einen, frommem Menschen, Minna, einen halbwegs gebildeten Mann. Und so vergingen die Jahre. Minnas jüngere Schwestern wuchsen heran,- sie sah .sich im Wege, ivnrde -still ülld vom unnnterbrochenelr. Auslugen müde. ' - ' - I (Fortsetzung folgt.).- .- , - ' ,