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Die Wahrheit · 1913-06-06 · Heft 22 (6.6.1913) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 22 (6.6.1913)
Date
1913-06-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 22. Seite 11. Die Wahrheit Mene und alle Kynagogen-Mnstk. HL Die Frage nach dem Veralten oder Nichtveralten musikalischer Werke ist oft aufgeworfen, aber wenig treffend beantwortet worden' das Wörtchen „klassisch" bildet von jeher bei derartigen Diskussionen den Zankapfel, und sicher ist es nicht so ohneweiters zu entscheiden, welcher Komponist das Adels- -prädikat.der „Klassizität" verdient; das treffendste Urteil hierüber, fand ich in einer Vorlesung des genialen Musik-Historikers Brendel (Leipzig 1875), der da behauptet: „Klassisch sind -alle jene Musik-Werke, in denen die Epoche derselben, ihren ans dieser Stufe möglichen, vollendeten Ausdruck fand, in denen das Wahre, was sie austrebte, das Beste, was sie besaß, den Kulminationspunkt erreicht hat; derartige Schöpfungen allein -sind für die Kunstgeschichte von Bedeutung, für den Forscher von Interesse. Wenn nun die Klassiker der Synagogen-Musik genannt werden, wird man M. G. L ö w e u st a mm-München nicht vergessen dürfen; mi'. ihm tritt eine reiche künstlerische Individualität, ein von hoher musikalischer Intelligenz erfüllter ernster 'Arbeiter vor uns hin; das Charakteristische und Imponierende an Löwenstamnsis Werken ist jener, mit Bewußtsein und Methode ans die jüdische Tradition hinweisende Stil; der Ausdruck seiner alt-jüdischen Weisen ist ein aus der Seele gegriffener, selbst da, wo dem Kantor-Solo eine veraltete Roulade oder .Koloratur abgezwickt wird, erklingt der Rest mit solcher Kunst in der Orgel, daß der musikalische Gedanke ohne jede Trübung .zu Ende kommt; nicht nur in den Freitagabend-Gesängen, besonders bei vielen Piecen der Feiertags-Hefte, tritt diese Art, durch welche Löwenstamm sich bestimmt von anderen Komponisten unterscheidet, so prägnant hervor, daß sie jede andere Auffassung, jeden anderen Ausdruck geradezu ausznschließen scheint; alles ist wahr empfilndeil und quillt ans dem Herzen, 'solche Musik hat überall die Kraft der Ueberzeugnng, weil sie -Glauben erweckt; nur in wenigen Synagogen-Musikwerken herrscht bei so unerschöpflich melodischem Reichtum und vollendetem musikalischen Können auch so hochgradige seelische Wärme. 'Daß Vieles in der musikalischen Ausgestaltung des Werkes von dem Sohne Löwenstämms, der in Wien lebte, herrührt, soll an 'dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Schon vor vielen Jahren, als gedankenloses Epigonentum sich auf dem Gebiete synagogaler Musik über Gebühr breit machte, erschien der Nachfolger Löwenstamm's in München. -Ein. Kir sch n e r, mit seinem Erstlingswerke, das sofort durch reiche Fantasie, Größe und Adel künstlerischer Jutuiton, sowie -durch eine ungewöhnliche Fähigkeit, im Sinne des Gebetstückes 'intensiv zu empfinden, aufgefallen war; auch in dem jüngst erschienenen III. Teile seiner Gesänge bewundern wir die Charakteristik der mnsikalischett Arbeit, ferner jenes ernste, von großer technischer Gewandtheit unterstützte Streben, nach exzeptionell künstlerischer, doch immer jüdisch klingender Gestaltnngsweise; Kirschner steht bei aller persönlicher Orginalität teilweise auf dem Boden seines großen Vorgängers im Amte, davon zeugt der pompöse Aufbau gewisser Piecen, auch die Behandlung der Orgel; mit seiner Charakteristik jedoch bleibt Kirschner nicht an der Oberstüche des Textes haften; seine 'Melodik und Harmonisierung, seine Modulation, so grotesk sie .öfter für den ersten Moment klingen mag, sie spiegelt uns den Sinn des Gebetwortes psychologisch tief wieder. Die Anhänger einer früheren Richtung werden vielleicht den Kopf schütteln, über die Freiheit der modnlatorischen Bewegung, über jene hartnäckige Vorliebe in unerwartete Tonarten zn springen, aber gerade das der Erwartung diametral gegenüberstehende, die 'Enttäuschung beim Nichterklingen. bestimmt vorausgesetzter Ton- -folgen, hat für den kundigen und aufmerksamen Horcher und Kenner, einen eigenen Reiz; manche Härte, die beim ersten 'Durchspielen am Klavier so sündhaft scheint, wird bei einer 'Wiedergabe in Originalfassung sehr verblassen. Kirschner's Eigenart, ohne viel Besinnen, ohne langgeschwänzte Melismen, mitten in den Sinn des Wortes hineinzustürmen, dünkt uns eine Kunst, von der noch oft wird die Rede sein müssen; jener Halbton der Modulation, jenes zwischen unvermittelten Tonarten liegendes Jntervallengeheimnis, das ist hier nicht ein Spiel bloßen Zufalls, sondern das Ergebnis einer außerordentlichen Kenntnis entlegenster Harmoniewirknngen; mag auch manches beim Scheine der nächtlichen Studierlampe ansgetüftelt sein, das Ganze aber zeigt uns die eminente Kunst einer selbständigen Persönlichkeit, die auf diesem Gebiete einen Ehrenplatz verdient. Oberkanlor Singer- Kattowitz. (Fortsetzung folgt.) Zur Aktion der Prager Kantoren. Wir werden um Aufnahme nachstehender Berichtigung ersucht Bezugnehmend auf den in der Nummer 21 Ihres werten Blattes veröffentlichen Protokollauszug der letzreu Sitzung des „Oesterr.-uugar. Kanrorenvereines", in welchem Kollege Kaufmann sich auf die ihm bekannten Prager Verhälmifse berufend, behauvtete. daß die Prager LL Kantoren auch den Titel Oberknstose führen, sehen sich die Gefertigten zu folgender Erklärung veranlaßt: Es ist nicht richtig, daß die Kantoren Prags den.Titel eines Oberknstos führen, noch weniger die Funktionen eine- Kustos ausübe», richtig ist vielmehr, daß ein einzeliter Kustos von seinem Synagvgenvorstande sich den Titel als II. Kantor zu erlangen wußte. Für die Anfnahme dieser Zeilen bestens dankend, zeichnen Achlungsvoll M. P r e m i t k y, Kantor irn Tempel Geistgasse; Otto Friedländer, Kantor an der Meiselsynagoge; M. Fischer, Kantor in der Klaussynagoge. Prag, am 2. Juni 1913. Anmerkung der Redaktion: Wir haben die vorstehende Berichtigung wohl veröffentlicht, müssen jedoch konstatieren, daß sie etwas berichtigt, was gar nicht behauptet wurde. Die geehrten Herren Einsender mögen den beanständeten Bericht nur ruhig durchlesen. dann werden sie wohl finden, daß sie die Mltteilnngen des Kollegen Kansmann mißverstanden haben und in denselben nirgends behauptet wird, daß die Prager H. Kantoren den Titel von Kustosen führen. Htteratnr. Die Sagen der Juden, gesammelt und bearbeitet von Micha Josef bin Gorion. 1. Bd.: Von der Urzeit. Rücten und Loening. Frankfurt a. Ai. 6 Aik. — Es war ein glücklicher Gedanke des Verfassers, die Sagen der Inden, die an naiver Schönheit und poetischer Tiefe es mit jedem anderen Sagenkreise getrost ausnehmen können, nach Materien geordnet, in schönem deutschen Gewände der Lesewelr vorznführen. Kein Geringerer als H. Heine har die jüdische Sagenwelt einen hochphantastischen. blühenden Garten genannt, vergleichbar dem Garten der Semiramis, dem achten Wunderwerk der Welt. Juda Halevys „edles Herze ward ergriffen von der wilden, abenteuerlichen Süße, von der wundersamen Schmerzlnst und den fabelhaften Schauern jener seligen Geheimwelt, jener großen Offenbarung, die wir nennen Poesie". Diese wunderbare Wirkung wird die vorliegende, man kann wohl sagen, meisterhafte Uebersetzung gewiß auch ans empfängliche Gemüter ausüben und jeder wird auch dem Berfaffer und der llebersetzeriu herzlichen Dank wissen für die wunderbar schöne Märchenwelt, die sich ihm da erschlossen. Allerdings fühlt man, wenn auch selten, daß die Muttersprache der Uebersetzerin, Rahel R a m b e r g - Berdyczewski, nicht die deutsche ist, aber umso größer ist unsere Bewnnderung für die künstlerische Beherrschung der Sprache, die es zuwege brachte, daß fast alle Feinheiten und alle Süßigkeit des Originals in der Uebersetzung zur Gelmng kommen! Da die Ausstattung eine glänzende ist, so wird dieses Werk jedermann, groß und klein, eine Quelle der reinsten Freude und des erhabensten Genusses bieten. Namentlich bei festlichen Gelegenheiten wird es em höchst willkommenes Geschenk darstellen. Pros. Dr. K a h a n, Znaim. Austritte ans dem Indent««». Nenm ann Ernst, Edler von Feilmart, Bankbeamter, geb. 11. Dezember 1885 in Wien. VHI., Alferstraße 21. Großma n n Rosa, Kontoristin, geb. 18. September 1889 in Wien. III., Rennweg 80. G ö tz Emma, Kragenstepperin, geb. 18. Mai 1893 in Wien. XLV., Goldschlagstraße 110. Klein Paul, Zahntechniker, geb. 16. Februar 1639 in Wien. XX.. Klosternenbnrgerstraße 40. S ch i f f l e r Hugo Dr., Advokat, geb. 8. September 1860 in Komotau. Wien, VH., Westbahnstraße 58. Deutsch Melitta, Opernsängerin, geb. 16. Jänner 1395 in Wien. IX.. Rögergasse 3. Deutsch Viktor, geb. 23. Avril 1887 in Wien. IH. Hauptstraße 28.

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