Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 22 (6.6.1913)
- Date
- 1913-06-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 22. Sie ersehen daraus, daß trotz unserer angestrengten Bemühungen, die eingehendsten Recherchen über die Gesuche zu pflegen, noch immer unsere Wohlfahrtseinrichtungen im großen Stile mißbraucht werden. Dessenungeachtet, oder gerade deshalb, werden wir uns aber in unseren Bestrebungen nicht beirren lassen, werden mit Ihrer Hilfe und Ihrer dankenswerten Unterstützung aus dem eingeschlagenen Pfade weiterschreiten und mit allen Mitteln bemüht sein, die Körperschaften in ihren Bestrebungen zu unterstützen, die ihnen zu Gebote stehenden Mittel den richtigen Zwecken znzuführen. Jedem Vereine, der an unseren gemeinsamen Bestrebungen teilgenommen hat, sei der wärmste Dank des Kuratoriums ausgesprochen und richte ich im Namen desselben die Bitte an Sie, ans diesem Wege fortzuschreiten und unter A u s r e ch t e r h a l t u n g Ihrer vollständigen Unabhängigkeit die gemeinsamen Bestrebungen der Zen tr a lst e l l e, so weit als irgend möglich zu unter stntzen, um unserer Aufgabe, die No l und das Elend zu mildern, gerecht zu werden unter der Devise: „Getrenn t marsch ier en, vereint sch lagen." (Lebhafter Beifall). Der Bericht wurde ohne Debatte einstimmig zur Kenntnis genommen. Zum Punkte „Wahlen in das Kuratorium" gab der Vorsitzende bekannt, daß die Mandate der Herren Anton Beck, Karl Freund, Dr. Anselm Halp ern, Hofrat Dr. Benjamin Rapaport, Dr. Isidor Samuely und der Damen Lea B o n d y, Jda F i g d o r und Julie Z e r n e r in diesem Jahre ablansen und für diese erledigten Mandate Neuwahlen erforderlich sind. Ueber Antrag des Herrn Professor Salzmann, der unter Hinweis ans den vorgetrageuen Bericht der Tätigkeit des Kuratoriums Anerkennung zollt, werden sämtliche Knratorinmsmitglieder, deren Mandate heuer abgelanfen, xsr acclamationem einstimmig wiedergewählt. Der Antrag des Kuratoriums, den Minimalbeitrag für Einzelpersonen auf L 10.— festzusetzen, findet einstimmige Annahme, hingegen wird über den von Herrn A. Hecht eingebrachten Antrag: „Zwecks Hilfeleistung in dringenden Fällen Filialender Zentralstelle in einzelnen Bezirken zu errichten", nach kurzer Debatte, an welcher sich der Antragsteller und die Herren Heinrich Men dl und kaiserl. Rat Dr. Krüger beteiligten, zur Tagesordnung übergegangen, da dieser Antrag dem Statute der Zentralstelle, die nicht eine Unterstützungsstelle, sondern eine Organisationsstelle ist und der Tätigkeit der Unterstützungsvereine nicht Konkurrenz bieten soll, widerspricht. Zum Punkt „E v e n tn a l i a" verweist Herr Heinrich Men dl auf die große Wichtigkeit eines reichen und richtigen Recherchenmateriales bei der Organisation der Armenpflege und richtet an die Delegierten der Vereine die Bitte, im Verhältnis zu den ihnen zur Verfügung stehenden Kräften Recherchen aus dem Sprengel ihres Wirknngslreises für den Kataster der Zentralstelle zu übernehmen. Bei der Recherche sei das Hauptgewicht nicht auf subjektive Wahrnehmungen, sondern auf Erforschung der objektiven Wahrheit zu legen, Konstatierung des Personalstandes. die Erwerbsfähigkeiten in der Familie rc. Dr. Friedrich Welt betont die Wichtigkeit der Recherchenbesprechungen, in welchen die Delegierten der Vereine ihre bei Erhebung von Recherchen gesammelten Erfahrungen anstauschen sollten, und ersucht das Kuratorium, solche Besprechungen zu veranlassen. Professor Steif dankt als Obmann des Kinderbekleidungs- Komitees dem Kuratorium für seine Ttätigkeit auf dem Gebiete der Organisation des Kinderbekleidungswesens, weiters dem Herrn Heinrich Men dl für die Anregung der Recherchenfrage in der Delegierteuversammlung. Der wiederholte Appell an die Vereine habe bisher leider wenig gefruchtet und da die Zentralstelle nicht nur über einen guten, sondern über den besten Kataster verfügen müsse, bittet Redner das Kuratorium, dasselbe möge, falls die Mitwirkung der Vereine versagen sollte, einen anderen Weg zur Einholung der nötigen Recherchen wählen. Nach dnrchgeführter Debatte über diesen Punkt erklären sich mehrere Delegierte und Einzelpersonen zur Uebernahme von Recherchen bereit. Dr. Julius Fl es ch bezieht sich auf die Mitteilungen des- Berichtes betreffend den Abtransport von zugereisten Kranken, verweist auf die Tätigkeit seines Vereines auf diesem Gebiete' und stellt bei den diesbezüglichen Organisationsbestrebnugen der Zentralstelle die Mitwirkung desselben zur Verfügung. Es sprechen weiter noch kaiserl. Rat Dr. Krüger und die Damen Frau Franziska B ie rm a n n und Frau Doktor F r i s ch a u e r und nach Erledigung der Tagesordnung wird hierauf die Versammlung vom Vorsitzenden unter Ausdruck des- Dankes für die Erschienenen geschlossen. Uretzlrurg und seine Ieschiwah. Von Rabbiner Dr. M. Rosenmann. Von M a i m o n i d e s, der den Ehrentitel nva i:an, unser" Lehrer Moses, führt, wird erzählt, daß er, in Kairo vollauf beschäftigt und von allen Seiten in Anspruch genommen, leint Zeit und keine Muße fand, der Lehrer seines eigenen Sohnes Abraham zu sein, so daß er ihn nach der damals berühmten- Lehranstalt Tiberias in Palästina schickte, damit er dort zu dem Füßen hervorragender Männer in die talmudischen Studien ein-- geführt werde. Eines Tages erkundigte sich Maimonides ver-> traulich bei einem Freunde in Tiberias über seinen Sohn und dieser teilte ihm mit, daß sich derselbe der allgemeinen Anerkennung erfreue, da er an jedem Leichenbegängnis teilnehme! und so das wichtigste Gebot nan nnbn erfülle. Maimonides schrieb darüber an seinen Sohn und stellte an ihn im Anschluß:, an das Bibelwort die Frage: a'-isaa D'nap ps 'baan, ob es denn keine Gräber in Aegypten gebe? ' An diese historische Anekdote wird man erinnert, wenn man an die Eigenart der Preßburger Jeschiwah denkt. Dieselbe war und ist bis zur Stunde nicht etwa bloß eine Rabbinatsschule, obschon ihr staatlicher Titel offiziell so lautet; nein, be-- deutende Rabbiner und nicht minder gelehrte Kauflente, die' keine Zeit fanden, ihre Söhne selbst zu unterrichten und zu erziehen, schickten sie nach Preßburg, um dort zu „lernen".- Ein Teil dieser Jünger widmete sich dem Rabbinatsstande. ein nicht minder bedeutender Teil derselben aber erlernte dort: zumindest, wenn auch nicht alle talmudischen Disziplinen, sodoch jene edlen jüdischen Tugenden, die sie später befähigten,, als tüchtige Bürger im Gemeindeleben für die Erhaltung des- Judentumes zu wirken. Und gleichwie Kleider, die längere Zeit: in der Nähe eines aromatischen Parfüms gelegen sind, diesen Duft nie mehr verlieren, also bewahrte auch der Preßburger Bachnr, mochte ihn auch im Laufe der Jahre seine Entwicklung weit abseits vom „Lernen" geführt haben, den min m( den Duft der Thora, der ihm nie mehr abhanden kommen konnte. D i e s e I e s ch i w a h liegt j e tz t i n Trümmer n.: In der allgemeinen Katastrophe, die die Judenstadt Preßbnrgs traf, ist auch die berühmte Lehranstalt in Feuer und Flammen anfgegangen. Doch, wie das Judentum stets gläubig beiift: B’mk bin a-1::!? binnan “ptf, Gott hat seinen Zorn nur über Holz, und Gestein ergossen; der Geist der Thora aber ist unverzehrt: und unversehrt geblieben und Lehrer und Jünger sind bereit,, ihn nach wie vor weiter zu verbreiten! Allein, der Rahmen: muß wiederhergestellt werden, und wenn möglich, in noch Herr-' licherer Weise, damit auch der äußere Eindruck der jüdischen Lehranstalt aus den Fremden, und namentlich auf den Nichtjnden,. ein imponierender und würdig des Inhaltes werde. Für Preßburg und die Judenstadt werden von allen Seiten eifrig Spenden gesammelt. Darf aber hiebei des Kleinodsder Preßburger Jndenschaft, der Jeschiwah. vergessen werden, die derselben ihr charakteristisches Gepräge und ihren historischen : Ruhm verschafft hatte? Als ich vor Jahren einen Ausflug nach Preßburg unternahm, nm mir dort die Stätte änznsehen, von der ans so viel Licht auf das Judentum ausstrahlte, wurde ich freudig über--' rascht von einem Zuruf, mit welchem die Schüler denein--- tretenden Vortragenden begrüßten; es war dies der Zuruf: Ti» „Er lebe!" Parallel zur Aktion für die. Abbrändler, und-: