Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 22 (6.6.1913)
- Date
- 1913-06-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Leite 6 * / Die Wahrden Nr. 22. uenen Brotherrn darüber zur Rede, sie blieb aber bei ihrer früheren Behauptung und wiederholte dieselbe in Gegemvärt ihres neuen Brotgebers. Die 'von- Schulz bei - der-' Staatsanwaltschaft erstattete Klage wurde aber abgewiesen und an das Bezirksgericht übgeireten. da nicht der Tatbestand einer Verleumdung vorliege und es sich bloß um eine Ehrenbeleidigung handle. Hier wurde nun die Dienstmagd zu 2 tägigem Arrest verurteilt, gegen welches Urteil beide Teile die Berufung anmeldeten. So der Sachverhalt nach dem „Tagesboteu". ' , Interessant aber ist die Stellung, die die Brünner Presse in ihrer Berichterstattung über den Fall einnimmt. Während der in jüdischen Kreisen stark verbreitere „Tagesbote" in seiner Rubrik : „Ans dem Gerichtssaal" den Fall einfach rein objektiv, ohne jede Glosse, berichtet, begleitet ihn der Bericht der hiesigen böhmischen, Zeitung „Lidove Noviny“, die doch auch sonst gerne im Anlisemttismus, seit neuerer Zerr im Antiklerikalismus arbeitet, mit folgender Einleitung: Die Ritualmordgerüchte, die regelmäßig vor den Osterfeiertagen auftauchen, sind ein Rest mittelalterlichen Aberglaubens, aber die klerikale Presse gröbsten Kalibers verbreitet sie bereitwillig. Heuer bot sich dieser hetzerischen Presse ein fetter Bissen in der Affaire des berüchtigten Katecheten H r achowsky in Kolin. Dieser raussüchtige, Priester beschuldigte bekanntlich eine jüdische Familie in Kolin des Ritnalmordes, angeblich begangen au ihrem Dienstmädchen Pa vlik. Später zeigte sich, daß der Katechet mit diesem Mädchen ein Liebesverhältnis unterhalten hatte, ihr gedroht und sie gebeten hat, ihn nicht zu verraten und daß das Mädchen nach einem Streite mit ihrem alten Liebhaber, der von diesem Verhältnisse mit dem Geistlichen erfahren hatte,'sich in die Elbe stürzte und dort als Leiche gefunden wurde. Ueber diesen Vorfall schrieb auch die Brünner autisemi-. tische, - christlichsoziale Presse in ihrer gewohnten, verwerflichen Weise und fabrizierte ans der Liebesaffaiere eines Priesters einen Ritualmord. Die klerikalen Hetzereien werden nun oft von den armen, unwissenden, zuweilen auch schwachsinnigen Leuten, welche alles, was sie in dieser Winkelpresse lesen, gläubig hinnehmen, für wahr gehalten und weiter verbreitet." So weit die Einleitung. Zum Schlüsse bemerkt das Blatt noch: „Die Beschuldigte gab schließlich bestürzt die Erklärung ab. daß diese falschen Vorstellungen der Angeklagten unter dem Eindrücke der Lektüre der „katholischen Blätter" entstanden seien." Mau muß es nun in der Tat sehr auffallend finden, daß die Brünner Staatsanwaltschaft in der Beschuldigung des Blutabzapfensdas doch mindestens die Kritereien des Mordversuchs oder der körperlichen Beschädigung in sich schließt, nicht das' Verbrechen der Verleumdung, sondern nur eine einfache Ehrenbeleidignng erblickte. Die Beschuldigung eines Mordes einem Einzelnen gegenüber kann doch nicht in gleicher Linie mit einer -bloßen Beschimpfung gestellt werden, namentlich daun nicht, wenn hiedurch üoxlioitS nicht nur der Einzelne, sondern eine ganze Religionsgenossenschaft des Mordes beschuldigt wird. Wir glauben vielmehr, daß da die Beschuldigte selbst zugab, daß ihre Angaben unwahr-und nur ans Wahnvorstellungen beruhen, die durch Zeitungslektüre hervorgerufen •■njurfceii; es Sache der gerichtlichen Behörden wäre, die Spuren dieser Vorstellungen weiter zu verfolgen, um so der Wahrheit und dem Rechte zum Siege zu verhelfen. ' Man hat dahervolle Ursache, auf die Entscheidung der zweiten Instanz in diesem Falle gespannt zu sein; dies umso mehr, als der Fall Justschinski, der bereits seit zwei Jahren in Kiew gegen den Beschltldigten Beilis schwebt und der bereits in einem, eben erschienenen Werke des Dr, Nathan: „Offizielle Dokumente und Gutdenken im Falle Justschinsky", Leipzig 1913, ausführliche Besprechung gesunden, im Monate Juli wieder zur Verhandlung gelangen soll und in der letzten Zeit, wie die Blätter melden, im Hilsnerschen Prozesse sich neue Zeugen gemeldet hatten, wodurch die Wiederaufnahme des Prozesses in Aussicht gestellt war, von dem aber bisher nichts weiter verlautet. - Dr. E—in Zentralstelle für das fndijche Armenmesen. .Donnerstag, den 29.' Mai, 6 Uhr ^abends, / fand im großem Sitzungssaale der Wiener Kultusgemenide die ^Delegierten-.'. Versammlung der „Z entr a.lste l le für - d as .jüdisch e. Arm en.w esen" unter' überaus' zahlreicher. Teilnahme von Delegierten der angeschlossenen Vereine und Korporationen statt. Erschienen waren die Damen und Herren: Jenny F r a n k ' (isr. Volksküche). Hermine Kallich (isr.Taichstummen-Justitut), Amalie' B r nl l (Greisinnensürsorge), Rabbiner Dr. Grnnw a ld, Bertha - Frau k l- Sch e i b e r, Professor S t eis und Ignaz Glü ck (Treubund), Sigmund Sch ück l.e r (Chewra: Kadischa XVI. und XVII. Bez.), Dr. Lina W e iß.(Käiserin Elisabeth Lehrnüldchen-Heim), Rabbiner -Dr. R,o s e u.m a tr n, Dr. Rudolf D.ch 0 r st ein . (Baronin Hirsch - Wohllätigkeits- Stiftung), Max H 0 fb auer, Jakob S ch imek (Hnmänitäts- Verein X. Bez.), Kommunallehrer Josef Faltischek („Die Brüder"),. Pros. Dr. K ö n i g st e i n (Verein zur unentgeltlichen Verpflegung Brustleidender)- Jda Dia man t (Präsidentin des Damen-Komitee im israel. Versorgungshaus), Michael K 0 h nund Adolf H a b e r m ä n n (allgem. jnd. Ärbeiterverein), Professor M. Salz mann (Verein zur Unterstützung Knrbedürftiger), Frau Rabbiner Dr. F e u ch-t.w a n g (Franen-Verein XVIII. Bezirk),.' Armenrat Gabor Sa n d, Cäcilie F r a n k l, Vizepräsideutin des Kaiserin Elisabeth Lehrmädchen-Heim. Regine - Kand er, Herr und.Frau Direktor- Fis ch e r (israel. Kinder-, bewahranstalt, Rabbiner Dr. Ka mi nka (Israel. Allianz), Herr und Frau kais. Rät' Dr. 51 r n g e r, Dr. Langer (Theresien Kreuzer-Verein), Arnold L e m b e r g e r (Pestalozzi- Verein). Josef Ster n, Dr. Julius F l e sch und Dr. Friedrich Welt (Hilfsverein für zugereiste kranke Inden),: Frau Doktor F r i s ch a u e r (FranzJosef-Kinderhort), Louise K u f f l e r, Adolf. H^e ch t (Verein der Kolomeäer), ArnoldG 0 l d w n r m (Verein der Brodyer), Alice B ruckn er, I. Vizepräsidentin des Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen-Heiin, Charlotte Kisch, Frau Dr. Krenberg er und Franziska Birmann (Hietzinger Franen-Verein), Sofie Deuts ch (Franenhort), Heinrich Mendl, Karl Freund, Rabbiner Dr. F e u ch t w a n g, Leopold G 0 t t e s m a n n (Kinderbekleidnngs - Verein III. Bezirk), * Antonia Ei s n e r (Theresien Kreuzer-Verein), Adolf Fischer (Jüdischer Verein „Einheit"), Rosalie Cahn) Rudolf Urb a ch (Verein der Kinderfrenude XVI. Bez.). Frau Rabbiner Dr. Täglich t (Franen-Verein VI. und VII. Bez.), Generalsekretär Dr. ArthurG t a s e r (Verein gegen Verarmung und Bettelei), Salo Lemberg er (Donanperle), Henriette Gr ü n w a l d (Franen-Verein XXI. Bezirk), Julie Zern er (Jngendschntz), Lea B 0 n d y (Bikur- Cholim), Amtsleiter Rudolf K r a n s„ Norbert R a p a P o rt (Verein. „Osten"), Herr Josef N 0 s si g, Herr und Frau .Doktor. Winter (Chewra Kadischa XVIII. Bez.), Bezirksrat Doktor B r a d y (Rudolfsbuud), Marie S t-e i n e r (Jttbiläums-Frauen- . Verein). Siegm. Roch mis. /'■ , Ihre Abwesenheit hatten entschuldigt!: Präsident des Kuratoriums Landesschulrat Dr..Gustav Koh n, Jda Fi g d o r, Vorstand der i srae l. Arm en a n sta l t, kais. Rat Arnold Fröhlich, Eduard Vondy, kais.. Rat W einb erger^ Gottlieb B ette lh ei m, S. G 0 l dman n (Chewra Kadischa), Regine K o pst ein (Frauenhorl), Wilhelm . P a p p e u h e i m, Vorstand des Frauen-Wohltätigkeits-Vereiü VIII: Bez. In Vertretung des ortsabwesenden Präsidenten des Kura-' toriums Dr. Gustav K 0 h n, eröffnere der Vorsitzende, Vizepräsident Dr. Rudolf S ch 0 r st e i n, die Delegiertenversammlung mit der Begrüßung der Erschienenen und widmete hierauf dem im Berichtsjahre verstorbenen Kuratoriumsmitgliede Herrn Gemeinderat Max Frank, sowie der Frau Henriette Ko ruf e l d Worte pietätvollen Gedenkens, die von der Versammlung stehend angehört wurden. .' .' - Nach Verlesung des Protokolles der vorjährigen Delegiertenversammlung durch den Leiter der Zentralstelle Dl.- M. L öw yerstattete Vizepräsident Dr., Rudolf S ch 0 rst e in 'folgendem Tätigkeitsbericht