Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 20 (23.5.1913)
- Date
- 1913-05-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 20 Tie Wahrheit _Seite 7. Madischa, des sel. Herrn Baurates Wilhelm. Stiatzny und des gewesenen langjährigen Schriftführers Herrn S. H e i t, .die sich unvergängliche Verdienste im Interesse der Chewra- Ladischa erworben haben. Die Versammlung, die sich zum Zeichen der Trauer von den . Sitzen erhoben hat, 'beschließt die Einverleibnng dieser Trauerknndgebung in das Protokoll. Herr Vertreter kais. Rat Sigmund K anders dankt dem Vorsitzenden für die freundliche Begrüßung und gibt den Sympathien des Vorstandes der Kultusgemeinde für die Ghewra-Kadischa in warmen Worten Ausdruck. Er bemerkt, daß der Kultusvorstand der Mithilfe dieser altehrwürdigen ..Institution kaum entbehren könnte und wünscht der Chewra. -daß sie ihre Aufgaben so wie bisher auch in aller Zukunft zum Segen der Hilfsbedürftigen erfüllen könne. (Lebhafter Beifall). Vor Eingang in die Tagesordnung erbittet sich das Vereiusmitglied Herr Bernhard Hofbauer das Wort. Herr Hofbauer führt aus: „Wir stehen alle unter dem erschütternden Eindrücke der heutigen Zeitungsberichte, die uns ausführlich Nachrichten über die fürchterliche Brandkatastrophe bringen, von denen gestern meine Vaterstadt, die altehrwürdige -Kehilla Preßburg. betroffen wurde. Ich glaube, es ist wohl in diesem Kreise nicht notwendig, die Größe des Unglücks erst -ausführlich zu schildern, ebensowenig brauche ich wohl meinen Antrag zu rechtfertigen, daß sich aus dem Schoße der Versammlung ein Hilfskomitee für die Opfer der Brandkatastrophe in Preßburg bilde, welches sich späterhin durch Kooptierung weiterer Mitglieder ergänze und welches alle notwendigen Schritte, die zur Linderung des Unglückes beitragen können, beraten solle., Ich bitte um die Annahme meines Antrages". Dr. Josef S. Bloch befürwortetwärmstens den Antrag des Herrn Hof bau er und bittet den Vorsitzenden Herrn Salo Cohn, sich als Präsident der Chewra Kadischa an die Spitze dieses Komitees stellen zu wollen. Der Vorsitzende imiterstützt den Antrag des Herrn Hofbauer auf Einsetzung des Hilfskomitees und erklärt sich im Interesse der guten Sache -gerne-bereit, den Vorsitz im Komitee zu übernehmen. Gleichzeitig votierter für die Hilfsaktion einen größeren Betrag, welchem Beispiele aus der Mitte der Versammlung eine größere Anzahl Herren Folge leisten. Der Antrag des Herrn Bernhard Hof- Lauer auf Bildung eitles Hilfskoniitees für die Opfer der Brand kata stroph d in Preßburg ..g elaugt s ohin zur einh eiligen Au nahm e. (Das Komitee hat Dienstag, den 20. d. M. seine erste Sitzung abgehalten und seine Hilfsaktion begonnen. Die Red.) Der Kaffaführer der Chewra Kadischa. Herr. Salomon @ tut oh, erstattet den. Rechenschaftsbericht über die abgelaufenen drei Verwaltungsjahre und führt u. a. aus: „Das nbgelaufene Triennium kann, was sowohl die Einnahmen betrifft,, als auch bezüglich der Leistungen, welche die Chewra Kadischa anfzuweisen hat, als ein günstiges bezeichnet werden. - Was die . Einnahmen anbelangt, muß zunächst auf die Dost „An fuahmegebüh ren" hingewieseu werden, welche von K 7680.— im vorigen Triennium ans L 12489.— in -den letzten drei Jahren gestiegen ist. Diese bedeutende Steigerung -ist insbesondere darauf zurückznführeu, daß anläßlich der i m I a h r e 1911 sta ttgehabten Chew ras ud e ein ungewöhnlich starker Zuwachs an M i t g l i e d e r n und damit eine Erhöhung der Post „Aufnahmsgebühren" erfolgte. Wenn man allerdings die ganz bedeutenden Summen vergleicht, welche z. B. bei der Budapester Chewra Kadischa alljährlich durch die Anfnahmsgebühreu neu eintretender Mitglieder ein- .gehen, so erscheint der erwähnte Betrag verschwindend klein. 'Ein Vergleich aber , zwischen diesen beiden Instituten ist leider - — es muß dies zum Nachteile der Wiener Chewra Kadischa konstatiert, werden — nicht gut möglich. Während die Chewra Kadischa in Budapest das gesamte Beerdigungsweseu zu ihren Agenden zählt, ist der Wiener Chewra Kadischa seit dem Jahre 1879, b, i. seit der Eröffnung, des neuen Zentralfriedhofes in Wien, von ihrer früheren ausschließlichen Domäne nichts gehlieben, als die Erinnerung an eine rein repräsentative Mitwirkung im Beerdigungswesen. Die Wiener Chewra Kadischa vermag ihren Mitgliedern, nichts zu bieten, als das Bewußtsein, einem, guten Werke zu dienen. Bon diesem Standpunkte ans sind die weitaus kleineren Beiträge der Mitglieder der Wiener Chewra Kadischa, die alles für andere und nichts für sich tun, desto höher zu werten. . Die Jahresbeiträge betrugen im abgelanfenen Trieunilllll K 96.401. — gegen X 93.000.— in der Borperiode. An Spende n find K 27.856.— eingegangen, um mehr als K 7000.— mehr als im vorigen Triennium. Diese Erhöhung ist aber nur einem besonderen Zufalle zu danken. Im Jahre 1911 sind nämlich aus dem für wohltätige Zwecke von dem verewigten Herrn Baron Albert Freiherrn von Rothschild hinterlassenen Betrage von X 200.000.— K 8000.— zur sofortigen Verteilung der Chewra Kadischa zugewiesen worden, und zwar L 4000.— vom Vorstande der israelitischen Knltnsgemeinde und L 4000 — von der k. k. n.-ö. Statthalterei. Namentlich die letztere Zuwendung war besonders erfreulich, da sich darin das Ansehen dokumentiert, dessen sich die Chewra Kadischa als der älteste jüdische Verein Wiens, ja, als der älteste Verein in dieser Stadt überhaupt, auch in nichtjüdischen Kreisen und bei den Behörden erfreut. Bringt man diese L 8000.'— von dem Gesamtergebnis in Abzug, so ergibt sich, daß bei den Spenden nicht bloß keine Erhöhung, sondern eher eine Verminderung eingetreten ist. Die Beth ans spenden sind mit K 14.721.— nur um weniges höher als in der früheren Periode. Dagegen sind die K r a uzab l ö s ung ssp e nd eit von K 73.946.— auf K 98.000.— in den vergangenen drei Jahren gestiegen. Dieses fortwährende Ansteigen beweist, daß der Gedanke, in dieser Weise das Andenken von Verstorbenen zu ehren, in der Wiener jüdischen Bevölkerung immer tiefer Wurzel faßt und es wäre der der Chewra Kadischa aus diesem Titel znfallende Betrag noch weit höher, wenn nicht inzwischen andere Vereine und Körperschaften diese von der Chewra Kadischa ins Leben gerufene Institution, die ursprünglich als eine ausschließliche Domäne der Chewra Kadischa gedacht war. übernommen worden wäre. Die Einnahmen aus den Sammelbüchsen bei den Leichenbegängnissen und den Opferstöcken auf dem Friedhofe und in den Bethänseru haben eine verhältnismäßig bedentende Erhöhung erfahren. Sie sind von K 6000.— im früheren Triennium auf K 8700.— in den letzten drei Jahren gestiegen. In der Erhöhung dieser Post, die sich aus kleinsten Beiträgen zusammensetzt, zeigt sich vielleicht mehr als in allen anderen .Belangen die steigende Sympathie, deren sich die Chewra Kadischa hei der Bevölkerung erfreut. Was die Ausgaben anbelangt, so sind die Unterst ü tz u n g e n von K 88.000.— ans K 108.000.— int letzten Triennium gestiegen; ebenso wurden an Kurbeitrügen rund K 79.000.— gegen 61.000.— in den vorhergegangenen drei Jahren gewährt. Die Tendenz des Vorstandes geht dahin, diese. Post noch weiters, wenn es sein müßte, sogar auf Kosten der Post „Unterstützungen" zu.erhöhen, denn der Vorstand erblickt in der Möglichkeit, einem armen Kranken durch einen ausreichenden Knrbeitrag die Gesundheit und damit auch die Erwerbsfähigkeit wiederzngeben, die größte Wohltat, eine weit größere Wohltat, als in der Gewährung kleiner Gaben liegt. In diesem Sinne begrüßt der Vorstand auch mit Sympathie die Bestrebungen der Zentralstelle für das jüdische Armenwesen, welche sich im Rahmen ihres Tätigkeitsgebietes in jüngster Zeit die Aufgabe gestellt hat, eine Zentralisation der Armenpflege in bezug auf die Gewährung von Kur bei trägen herbeizuführen, ein Bestreben, das gewiß allseitige Förderung verdient. Für orthopädische Apparate. Bandagen rc. wurden im Triennium 1910—1912 rund L 28.000-— verausgabt. um etwa L 4.000-— mehr als im voran gegangen. Auch . die Ausgaben für S n b v e n t i o n e n und optische