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Die Wahrheit · 1913-05-16 · Heft 19 (16.5.1913) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 19 (16.5.1913)
Date
1913-05-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Leite 4. Die Wahrheit. Nr. 19. meinde einen mächtigen Einfluß hatte, war es ihm leicht möglich, dafür zu sorgen, daß 'die religiöse Pegesstermig aus ihrer Mitte nicht schwinde.' J ‘ U| ‘ Als aber vor' hundert "Jahren hie Moxgenröte her. Fx^sheit in Fbankreich, Deutschland iiitb Oesterreich zil hainiüeln begann, hatte sich auch im Judentum eine Umwälzung vollzogen. In gewisieu Gegenden haben die"'reichbegüterten Machthaber der Gemeinden, die für Assimilation schwärmten, die Parole ausgegeben: „Wenn wir 'die vollständige Feeiheit und Gleichberechtigung errmgen wollen, müssen wir uns vor allem assimilieren, jeden Seperätismus perhorresciereu? von den Rabbiners, die mit ihrem Talmud' und Sch. Aroch noch tief im Mittel-, alter stecken, uns emanzipieren, und moderne Redner, die sich mehr mit dem Studium der profanen, als mit deni der talmudischen Wissenschaften befaßt haben, aquirieren. Diese mit moderner Bildung ausgestattcten Herren werden, wenn wir sie nur recht gut honorieren werden, zweifellos sichunseren Anordnungen bereitwilligst fügen und alle unsere auf die Einführung zeitgemäßer Reformen im Gotteshause und in der Schule beznghabeuden Beschlüsse respektieren, ohne es zu wagen; uns diesbezüglich zu opponieren." — Durch dieses “ sonderbare Vorgehen wurde der Rabbiner in jener! Kreisen seines Nimbus entkleidet und zum besoldeten, dem Vorstande untergeordneten Kultusbeamten 'degradiert.' Er war dann nicht mehr „der Herr des Ortes" „Mora deatra“, sondern das Werkzeug, die willenlose 'Maschme'des ' '„Herrn der Gemeinde", des ' „ü.08ok siakolrol^. 'Nicht 'mit Unrech't"hal' daher vor mehr denn fünfzig Jahren einer der b e g a b t e st e n und g e 1 e h r t e st' e n jüdischen Redner ' des neunzehnten Jahrhunderts in einer seiner klassischen,' wa°hrhafi erhebenden'und erbauenden Predigten 'Nagend ausgerwfen: „Wer 'mrlSicherheit im 'Leben' einh'ergehen will, "dem genügen nicht bloß'^eine,' bÄ muß auch Augen haben. Wer aber'sind'die' Außen; "die'wächenden^ ptüse'ndeu/ in die'Ferne schauenden Augen der Gemein oett? Die Männer de» Geldes oder^dieManner'der Thora? Die'Häupter des Handels' oder die 'Lehrer des"Jildintjims? Die Spitzen' der Industrie"oder die Führer Israels'."sötit 'einem Eifernder einer besseren Sache wert'wäre'/ svirch in tzön' großen israelitischen 'Gemeinden, um' unter' derrr Vorwände, leiste jüdische Priesterschaft aufkommenzu lassen, in der Tat ab e r'b tJe e'i rff n e H e^r r s'ch a s't' z ü b e f r i e d i g e rs, d äs Ansehen, der Einfluß u n d d t e 31 u t o 111 a t ij e r L e h re' r i"N I s r a e l ü n t e r w u h l f uii d lt n i' e xi. * 1 ji" :‘i;. r; ji i;; * ’i ■, i t «- grabe n." Allerdings kann es nicht geleugnet werden; daß vor hundert Jahren das Bedürfnis,'g e m y ß i g t e' Rtzfyrnien, hie sogar schoN' die'hervorragendsten räbbinis'chen Autoritäten früherer Jahrhunderte' wärmsteus empfohlen hatten/einzuführeN,' sich sehr siarik fühlbar' mächie; allein p\eMittel,' die^iechaMiigeü 'Ae'rH, ängew.andj) um das S'chll^'ha^e 'imMbechtnA'-zn"heil8Ü',' haben her 'Sache' mehr' geschadet aiS genützt.'1" Hotten gber jeite Hßu- Eüüstlkrdie' zumeist' Laien ' waren'" — die das^ krgnke'Jüöen.- tnm" durch Einführung neuer Reformen heilen "zu können glaubten, von dem Rezepte, da»'uns der 'große unsterbliche Lehrer Moses' verschrieben "hat,' " Nöstj genommen und dafür gesorßt, daß die h e r v o bi a''g"e n d st 'e rr i ä b bi n i s ch^ e n A ul o r'i 1 ä't e n si e t s e i n e f i e i.e' u n ä k> h ä n g'i g'e Stellung in den Gemenidin eiuüehmeü, ^jährlich ' es'würde/ besöüders ' "in 'den' großen ' angesehenen Gemeinden/ uns all w ü r/d i g e"n, ch a r/'a'f t e r v o ll'e n, ' e h r fil r ch kg'eb i e i e"n dH n S e e l s o r g e'rm nicht gemangelt' haben', 'die imstande' gewesen wären, recht sätig in dle'SÄüation einzugreifen, jede Spaltung und Zerklüftung schön' im Keime''zu unterdrücken) dem Fanatismus'der Hochfrommen sind' dem Radikälismus' der HochliberaleuGrenzen zu setzen und den „k l ei n en F'^chs e ß"/ die oft für irgend ein per.lockepdes ''Hotrörar hon den für Assimilation schwärmenden Machshäberg alß'gefügiges Werkzeug, als svilleüloseMaschine gebranchesi ließen ünd' im'„Welnberge des Hexrn" hkillofeis Schaden anrichteteu,'das 'Handwerk zu legen.' AÜein öen" datltal'ißen 'Rsförmaloretw —' bön''deren Rachkontmep dje allerwenigsten dem Jüdentüm' treu änhänglich Mtleben — war' es hauptsächlich'' darum zu' tun^ sich diMiebe nnd Achtling her Pichtjnden zu erwerben, dfes^s Zi^l glaubten sie dadurch -exrei'chen zu können, wepn sie ihre'«Sta'Mmesgeuossen für Msimllasson/gewinneu/'deu'Rahb'inisfnus diEeditieren und das Prestige''dew ^^Rabbinen'^^ ßekletzen' werden.*)'" Wie hat nur HiÜ^l derHroße gejagt: Im en ani’li mi li. ßMegn ich nicht selber ^'für mich" sorge, wer denn wird ' für 'mich sorgen? uchescheani leazmi,' mo ani, wenn ich aber ausschließlich nur für mich allein sorge, stets nur Wn; lsebes „Ich" vor Augen habe, ohne mich nur im eutferntesteü für das Heil und Wohl anderer zu kümmern, was bin ich dann?'Eine große Rülle/die an'dje'Sp i tz'e"ßHtzt wgrde. — Ich jene Egoisten haben dem Jndentniü sehr geschadet, daher heute" hoch ' 'jede h o ch li b e r a l e Gemeinde, deren Vertreter in die Fußstapfen jenel'Reformatoren, die vor hundert Jahren'auf" dem Plane erschienen, getreten, einer Herde gleicht, a8ch.6r en lokem roeh, die keinen Hirten hat, der s i e leitet, sondern eineü, d ex vo n lh r geleitet sind kommandiert wird. Ans der Wiener Knttnsgemeinde. (Psenarsitzung des Vorstandes vom 7. Mai 1913 unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern, Beginn 6 Uhr abends. . Jlfl Einlaufe befinden sich; ein Panfschreiben des Ministers für Kültus und Unterricht, Dr. Max' Hüssarek Ritter von Heim lein für die Teilnahme des-^Vorstandes anläßlich des Ablebens seines Schwiegervaters. Ferner ein Dankschreiben des Herrn Dr. Theodhr Reisch, Kurator der epängelischen Gemeinde A. B.. für die'Konholenz des'Vorstandes-'anläßlich des Ablebens seines Sohnes/weil, des Herrn Ministerial-Vizesekretärs Dr. Theodor Reisch jnn. Heiter» befindet sich im Einlaufe eine Zuschrift der k. k. Slatthalter'ei in Oesterreich ob. d. Enns,, betreffend die zufolge Einfchreitens" des Kultnsvorstandes erfolgte Richiigstellüng' eitler KonkursastsschreibnÜg bezüglich der Besetzung einer Beschall-Tierarzte'n'ssielle', nach' 'der'Rich'tsing",' daß "entgegeii der ilrsppünglichen Kundmachung nebst' atlderen Nachweisen die Beibringung des Ta ü'f- Uttd G e b u r t's s'ch e i n e s' gefordert wird. ' ' ' " ' '' ' ' ■ ' . Spenden: : ■ ' r>!. ü: .;;;;■ Pon Herrn Julius Fraiikl, G. m. h.H., Zinsen der „Julius Fraukl- Perwandten-Stiftung"'L ^210.—'' ' u . / " '’1' Pon Herrn H. Pischowsky, Petersburg/ anläßlich de? Ablebens seiges sei'.'Vaters, des Harris Viktor Bischöwsky : für'däs'Spital L IM.—; für'die ÄersörgNngsaiistalt-1Ü0.—) fur'den'Prästdiakfoüd'llXI.—; für die Chewta Älldlicha iofl.—, für die'Armenanstalt 100.—; ' fürden Perein „Einheit"'400.—, für den Verein „Tomech Ewfonim" 5Ü.— zusammen K 800.—. '■ " . ‘M " . )•.!;!! .... , ... Kein herein zur Unterstütznng armer, franker Israeliten 100.—.. Von Herrn Dr. Leo Kris zur Errichtung einer „Jakob und'Thea; Kris-Wohltätigkeitsstiftung" L 500.— Nominale,'' ' - '' ’ ’1,r', Von Herrn Alfred'Adelberg für "arme/'franke Kinder, bezw. für i das neu ^ü errichtende Kiudersp'itäl H650.—. '»' ' Vön Anonymus durch'die „Ärmenanstalt zur Unterstützung^ blinder oder v0N'Blindheit-bedrohter, ünglückticher--Menschen" L'20.'—.! ‘V Bon T. G. für Arme K p.—. En tnab me derSamme l b ü ch s e n i m G e m e i n d e t e m p e l ft! l s. .;• . .;n a >'G t^dt'' ' i:t -:;i1 t’-" '-1 'f , , Für die sLhewra Kadischa L 198.66, für den Waisenvereitt 5stf..75,! für den Fraueuverein 116.44', für hie.Allianz 60)40/für'-Achie/m Jerusalem l 82)l7/iüc°-'hch' Whchneriiittenverband i6.9'0, für' die Ärmeitänflalt-'190.62; l sür'eineji'arni'ens kränken Blinden^20.—. zusammen Lil94.'94.'' '; *) Eine rühmliche Ausnahme hatte damals die Wiener israelitische Gemeinde gemacht:'seÜße'Mänuhhimer.' der erste Prediger der WleÄr - Küllllsgeweiltde/- hatte sich in derselben eiüer' nngewöhnlichen Popiilärität erfreut; Seiner-.gläuze'nden Rednergabe,-seines edlen kristallreinelrEharäkters, wie . seiner -seltenen Herzensgute wegen wurde er von alleu hochverehrt i und gefeiert, dah er gelang es ihm' — obwohl' es ' unte/ den da)nalig en ,;Vtrtreteril" wich nicht an Persönlichkeiten gefehlt,' dl'e'sich-'ßüv"tV.dd''- k ^'Reformeii' -einsetzteN '''7-iieinen! geregelten'und.'erhebenden Gottes-? dienst eiuzuführen;. deu'selbst streng orthodoxe Juden — die '.keine Fanatiker waren'— so oft sie'nach Wien kamen, mit Porliebe besuchten,'um sich .an ' den meisterhaften Predigten' Mannheimers, wie "an den'herrlichen Por-- - trägen des Meistersängers Sülzeb züirbaüen.'' '

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