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Die Wahrheit · 1913-05-09 · Heft 18 (9.5.1913) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 18 (9.5.1913)
Date
1913-05-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit -Nr. 18. bewegten Worten die Trefflichkeit—nndWürdigkeit des Verblichenen als „8eü'üaeü-2il)bM^, woraus Präsident B e t t e l h e i m im Namen des Vorstandes von dem beliebten nnd geachteten Funktionär rührenden Abschied nahmst serner sprachen Profesior N a s ch e r und der Obmann des Synagogenvereines L e m b e r g e r, woraus Oberkantor F n ch s das „EL mole rachamim“ rezitierte. Wien« (Verein der S a b b a t h s r e u n d e „S ch o m r e S ch a b b o s.") Sonntag, den 27. Avril sand im Turnsaale der „Talmud- Thora"-2chnle die diesjährige Generalversammlung statt. Dem vorliegenden Rechenschaftsberichte ist zu entnehmen, daß die Mitgliederzahl des Vereines sich erfreulicherweise alljährlich steigert und daß die Leistungen des Vereines sich in aufsteigender Linie bewegen. — Im Jahre 1912 wurden von 350 Stellensuch enden 85 plaziert, was bei der Schwierigkeit, die sich in Wien der ZÄtigkeit zur Plazierung sabbathhaltender Arbeitnehmer eurgegeustellt, immerhin einen schönen Erfolg bedeutet. Auch zur Propaganda der Sabbathidee hat der Verein im letzten Jahre durch Veranstaltung mehrerer hervorragender Borträge Erhebliches geleistet. In der Generalversammlung begrüßte der Obmann des Vereines, Herr Moritz Fe Isenburg, die erschienenen Herren: Rabbiner Dr. G runw a l d, Philipp Back, Obmann der „Adaß Jisroel" mit mehreren Vorstehern derselben, Vereinsobmann Bernhard H o s b a u e r, Prof. A n t s ch e r l, Amtsleiter Rudolf Kraus, sowie die Vertreter mehrerer Bethansvereme. Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang und andere haben ihr Fernbleiben entschuldigr. Der jüdischen Presie wurde für ihre freundliche Unterstützung der Vereinsbestrebungen durch die Publikationen der Dank votiert, ebenso dem löblichen Vorstande der Wiener israel. Knltusgemeinde, der durch die Erhöhung der Subvention dem Vereine einen Beweis seines Wohlwollens bezeugte. — Die Herren Rabbiner Dr. G r u n w a l d nnd Profesior A n t s ch e r l priesen in beredten Worten die Tätigkeit des Vereines, dem sie bestes Gedeihen wünschten. — Verschiedenen Anregungen des Vorstandsmitgliedes Herrn Nathan P o l l a k — dem die Generalversammlung für seine anfopsernde Tätigkeit für den Verein besonderen Dank zollte — sowie der Herren Tr. K o p o s ch i n s k y, B. H o s b a n e r, N. Nasch und anderen wurden vom Vorstande die eingehendste Würdigung zUgesichert. — Der Recheuschastbericht wurde einstimmig genehmigt, die airsgetreleneu Herren Vorstandsmitglieder wiedergewählt nnd in der Gruppe der Angestellten Herr David Schiff neu gewählt. Wien. (Israelitischer W o h l t ä t i g k e i t snnd Ä r a n k e u u n t e r st L tz u n g s v e r e i n ,,M a z m i a ch I e s ch n a.) Sonntag, den 11. Mai 1913 um 3 Uhr nachmittags, findet im Sitznngssaole der Synagoge, H, Leopoldsgaffe 29, die ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Rechenschassbericht des Ausschusses. 2. Bericht der RechnungFrevisoren. 3. Wahl von sieben Ausschußmitgliedern nnd drei Rechnungsrevisoren. 4. Eventualien. Wien. (A n d i e A n h ä n g e r d e r j ü d i s ch e n W i s s e nschuft.) Jni Bethause „Achwa w’reuth“ („Freundschaft nnd Brüderlichkeit") H, Taborstraße 59, yält der Vereinsrabbiner, Herr Emanuel Stein, allabendlich einen Vortrag über „JHSK (Sprüche der Väter). Der Vorstand ladet alle Glanbensgenosien (auch Frauen) zur Teilnahme höflichst ein. Wien. (Jüdischer Turnverein Favoriten.) Am 20. April l. I. veranstaltete der Israelitische Turnverein Favoriten ein W ett ur n e n d e r Z ö g l i n g e, das in turnerischer Hinsicht einen vollen Erfolg hatte. Vorgeschriebe« war: Hochsprung mit Anlauf,'ferner am Pferd (breit), Reck und Barren je eine Pflicht- und eine Kürübung. Geturnt wurde in zwei Abteilungen. Das Schiedsgericht bestand aus den Herren. Ing. Pollak, Ing. Theodor. S t e i n h e r z und d e m T u r nl e i t e r rrreck. A. T a g l i ch t. Die Zöglinge, die unter Leitung ihres Vorturners, des Herrn Heinrich Singer, antraten, bewiesen durch ihre schönen Leistungen aufs neue, daß die Hoffnungen, die der Verein auf feinen Nachwuchs setzt, nicht unberechtigt sind. Das Ergebnis, das der Turnleiter, Herr T a g l i ch t, verkündete, war folgendes: in der ersten Abteilung siegt Erwin Pollak mitW'6Punkten. Zweite wurden Richard Gang und Gustav Löw mit je 79*1 Punkten. Dann folgten: Fel dschreibet- (75*8) und Rudolf Pollak (75'5). In der zweiten Abteilung siegte Ludwig Klein mit 67*1 Punkten. Die weitere Reihenfolge war: K ohn (67), Stein hart (63). H ajek (53'5). Den Schluß des Wetturueus bildete die Verteilung der Preise durch unseren Tnrnleiter, der — an das Paffahsest anknüpsend — ansmunternde Worte an die jungen Turner richtete.' Und nun einige Worte über den Besuch. Die Jugend war in Hellen Scharen erschienen — das wäre ja sehr erfreulich. Aber, das fast vollständige Fehlen der Erwachsenen! mußte uns leider beweisen, daß die Bevölkerung des X. Bezirkes die Bestrebungen eines jüdischen Turuvereines nicht würdigen kann und will. Von einer Förderung natürlich ganz zu schweigen. Das Kaffeehaussitzen- und die Tarok- oder Buckipartie ist ihnen noch immer wichtiger, als die Anstrengungen eines Vereines, der die Regeneration des jüdischen Volkes anstrebt. Der jüdische Turnverein Favoriten hat da noch schwere Arbeit zu verrichten. Oberhollabruun. Dienstag, den 29. April fand im hiesigen Tempel die Barmizwahfeier des Bürgerschölers Emil Hauser, ältester Sohn des hier hochgeschätzten Tempelvorstehers Herrn Wilhelm Hauser und dessen Gattin Hermiue geb. W e i n b e r g e r, statt, aus welchem Anlässe nahezu die ganze Gemeinde dem Gottesdienste beiwohnte. Nach der Haftorah, welche der Konfirmand mit großem Verständnis wiedergab, -hielt Kantor nnd Religionslehrer S. I el l i n e k eine der Feier entsprechende Anrede an den Koufirmanden, welche ans alle Anwesenden den tiefsten Eindruck machte. Nachmittags, 4 Uhr, fanden sich im neuerbauten Hause der Familie Hauser fast sämtliche Gemeiudemitglicder mit ihren Damen zur Gratulation ein, woselbst der Konfirmand einen formvoll-- endeten Vortrag hielt. Aus diesem freudigen Anlasse wurden der Tempel-, wieauch der Chewraverein seitens der Familie Hauser mit namhaften Spenden: bedacht. Pilsen. . Den zahlreichen Verehrern und Freunden unseres allbeliebten nnd hochgeschätzten Oberkantors Herrn Armin F r e i s i n g e r dürste die Mitteilung willkommen sein, daß derselbe am 10. Juni d. Ialso 2NV sein 40 jähriges Dienstjubilänm begehen wird. Der hiesige Kulmsvorstand hat. aus diesem Anlasse den einmütigen Beschluß, gefaßt, am Vorabend des Festes eine solenne Feier in der festlich geschmückten Synagoge zu veranstalten. Bei der großen und allseitigen Wertschätzung, deren sich der jnnglingssrische Jubilar als hervorragender.Gesangsmeister und als pflichttreuer Beamte, wie nicht minder als ehrenwerte Persönlichkeit erfreut, dürfte sich das Jubelfest zu einem Feste der gesamten Kultusgemeinde Pilsen gestalten. Marga Von Jda Bock. 16. Liebe Hedi! Ob dns schon weißt? Vater war über Schwnoshier! Und wie er sich gab! So ganz anders als zn Hause, freier, gemütlicher, am liebsten möchte ich sagen, jüdischem. Abei" das muß ich dir ausführlicher erzählen: Ich war also in der' Küche, besichtigte eben ein Ei, das ich vor dem Gebrauch wie immer in ein Glas getan hatte, trällerte dabei und war sofröhlich, wie ichs nur eben hier sein kann. „Ist ein Blutstropfen drin?" Ich wandte mich beim Klang der Stimme so hastig um, daß mir das Glas fast entglitten wäre. Wie er lacht, wie er strahlte, wie er seelenvergnügt aussah, mein Vater! Eine . Viertelstunde später wanderte ich an seiner Seite in die sonn-- durchstntete Landschaft hinaus. Hedi, hätte mich der liebe Gott gefragt, was ich mir noch wünsche, ich wäre, mit gefaltetem Händen vor ihn hingesunken nnd hätte ihm bloß.zn danken vermocht. Meine Seele jubilierte und mein Herz schlug so friedvoll, so lebensfroh, daß ich lange Zeit wortlos hinschritt, während sich meine Gedanken unwillkürlich zn Gebeten verdichteten. Ichfühlte manchmal Vaters Blick, und wenn ich aufsah, lächelte er nnd nickte mir zu. „Es ist so schön hier wie vor 20 Jahren," -begann er endlich. „Dieselben Felder, lachend und gesegnet, dieselben Bäume blühend, schattenspendend und dort dieselbew Berge in blauen Dunst gehüllt. Ist die Zeit hier stillgestanden?" Wieder schwieg er lange. Ich hatte seinen Arm gefaßt undwartete, verfolgte gleichsam den Lauf seiner Gedanken. „Haben: sie dir'viel von Mutter erzählt?" Die Frage kam mir überraschend. Vater vermied es stets, seiner ersten Frau zu erwähnen. „Es findet sich fast täglich ein Anlaß, der auf Mutter zurückführt. Onkel hatte sie auch so lieb." .„Und er war ihr Ideal." „Das sagte sie mir gleich, als ich sie kennen lernte." „Wo war denn das?" Die Frage war mir unvermutet über die Lippen geglitten. Vater schien nichts dabei zn finden. Er antwortete im freundschaftlichen Tone, den ich an ihm mir gegenüber nicht kannte: „Ich sprach deine Mutter zum ersten-- mal im Hanse ihrer Eltern. Ich hatte mein Geschäft vergrößertbrauchte Geld und sehnte mich nach einem Heim. Ein Ehe- Vermittler wies mich an dieses Hans, ich schrieb, wurde geladen nnd machte bald meinen Besuch. Deine Mutter wußte nichtsvon meiner Absicht, sie plauderte unbefangen mit mir, ich schien ihr sympathisch. Ich kam wieder und nochmals, und wir gewannen uns allmählich lieb, sehr lieb." Vater atmete tief auf und ich wagte keine Frage. Aufrichtig gestanden, ich war gründ- . lich enttäuscht, mehr als dies. Daß meiner Eltern Ehe mit Hilfe eines Schadchen zustande gekommen war, schmerzte mich beinahe. Also eine sogenannte „gemachte" Partie. — „Woran: denkst du, mein Kind?" Vater fragte es nach langer Pause. „Darf ichs sagen?" „Gewiß, Marga, mir darfst du alles sagen, mein Kind." >,Jch wähnte, du und Mutter, ihr hätttet eine Bekanntschaft gehabt." Vater stutzte, lächelte kaum merklich, fuhr mir über die Wange: „Haben dergleichen Romantische Vorstellungen artch schon in dein kleines Köpfchen Eingang gefunden? Es würde mich interessieren, was du dir unter einer Bekanntschaft ausmalst. Nun, so sprich doch, Marga! (Fortsetzung folgt.) ' ';

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