Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 18 (9.5.1913)
- Date
- 1913-05-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 Die Wahrheit Serie 7. Höheres Wesen die Gedanken eingehend Jetzt erst entschloß sich der Goltesmnnn, diese hohe Mission zu übernehmen und die Reise noch Aegypten cnizntreteu. Dort angelangt, verfügte er sich in Begleitung seines Bruders Aharon vor Allem zn den Äeltesten des Volkes, die'sie mit ihrem Vorhaben vertrant miachten lind das Volk atmete auf 11116 glaubte nunmehr einer besseren Zukunft entgegensehen zu dürfen. Sodann begab sich dieses Brüderpaar znin König Pharao, um im Namen Adonai anfzufordern, den Jsraelileit zu gestatten, frei ziehen zu lassen um in der Wüste einem feierlichen Gottesdienste anwohneu zu Minen. Der Empfang jedoch, den sie dort hatten, war dnrch- .ans nicht danach angetan,' ihnen Trost und Mut einznflößen. „Wer ist Adonai“ — rief ihnen entrüstet Pharao zn — .„dessen Stimme ich gehorchen soll, der verlangt llnd wünscht, daß die Arbeiter dem Müßiggang fröhuen, einen beschaulichen ^Lebenswandel führen und die schöne kostbare Zeit mit der Ber- - richtnng religiöser Funktionen vergeuden sollen? Ich kenne ^keinen Adonai! Das Gold ist unfer Gott und das Erwerben des Goldes neunen wir Gottesdienst. Ihr aber, Moses und Äharon, seid Aufwiegler, Sozialisten, Demokraten, ihr wollt eine Arbeiterbewegung Hervorrufen, die Arbeiter verhetzen, damit sie weniger Stunden arbeiten, dafür aber eine größeren Lohn beanspruchen. Bon rabbim atfco am hoorez wehiscli- •battem osom. Ich bin hocherfreut darüber, daß das Arbeiter- .Volk jetzt überhand nimmt, daß die Arbeiter mit Lust und Liebe an. die Arbeit gehen, um dem Staate recht nützlich zn sein, und ihr wollt mir sie verhetzen? Das geht doch wohl nicht an! Tichbad hoaboda al hoanoschim. Bon nun an muß die 'Arbeit den Leuten schwer gemacht werden, damit sie vollauf beschäftigt seien und weder Zeit noch Muße finden,' um sich mit Freiheitsgedanken, religiösen .Anschauungen und sonstigen Idealen beschäftigen zn können, weol jiseheu bediwre .schoker“. Freiheitsgedanken, religiöse Anschauungen und sonstige höhere Ideale nannte matt in Aegypten diwre schoker, törichte Dinge. llnd in der Tat wäre es den'Pharaonen gar bald gelungen, ihr angestrebtes Ziel zn erreichen, wenn nicht die Israeliten rechtzeitig durch ungewöhnliche Ereignisse und wunderbare Begeb.'nheiten ans der Knechtschaft Aegyptens befreit worden wären; denn, als Moses bald nach dieser Affaire wieder zu ahnen kam, um sie zn tröften, zn besänftigen und auf eine schöne, -glorreiche Zukunft, der sie entgegen gehen werden, aufmerksamzu Machen, gaben sie ihm gar kein Gehör, so deprimierend hatte der -schwere Druck, unter dem sie jetzt noch mehr als früher schmachteten, auf sie eingewirkt. Ja, noch mehr; selbst-der glaubensstarke, Opferwillige Moses fing einen Augenblick an, wankend zu werden, indem er ansrief: „Ben bene Jisroel lau schomeu elei“. „Siehe, die Kinder Israels geben mir kein Gehör, haben für Meine trostreichen, Hoffnung erweckenden Reden keinen Sinn .nud.kein Verständnis, wie darf ich'dann erwarten, daß es mir ^gelingen werde, mir bei dem grausamen, hartnäckigen Pharao "Gehör zu verschaffen?" Erst dann, als er (Moses) vom All- Mächtigen, die Versicherung erhielt, daß Pharao trotz seines ver- -stockten.Herzens sich endlich doch gezwungen sehen wird, ^Israel zn entlassen, faßte er Mut und ging entschlossen an die Arbeit, um sich seiner hohen Aufgabe unter allen Umständen innd um jeden Preis auf die würdigste Weise zu entledigen. ■ Es dauerte tatsächlich nicht lange und eine Katastrophe mach der anderen brach über Aegypten herein, so daß die Megypter unwillig geworden und ihrem Könige zugerufen hatten: -„Wie lange noch soll dieses Volk uns zur Plage sein, lasse diese Leute freiziehen, damit sie ihrem Gotte dienen, haterem teda ki owdo Mizraim, merkest du denn noch nicht, daß der .wächgernfene Hebräerhaß (Antisemitismus) den Staat zugrunde Mchtet?", sah sich Pharao, dem selber Gefahr drohte, vernichtet zu.MerdeM gezwungen, Israel frei ziehen zn lassen.. „Und.- so zogen die Kinder Israels heiteren Sinnes, frohen Mutes und freudigen Herzens ans Aegypten". Allerdings wurde ihnen diese Freude gar bald durch einen peinlichen Zwischenfall verleidet, denn als sie. beim Roten Meere angelangt, erfuhren, daß Pharao mit seinem ganzen . Heere ihnen nachsetze, überhäuften sie in ihrer Verzweiflung den gottbegnadeten Führer Moses mit den bitterstell Vorwürfen: „Hat es denn an Gräbern in Aegypten gemangelt, daß du uns hiehergebracht, um uns in der Wüste unserem Untergänge entgegenzuführen?“ Allein der treue, bescheidene, sanftmütige Hirte verstand es, das aufgeregte Volk zu beruhigen und zu besänftigen: „Fürchtet nicht! Seid nur ruhig und sehet die Hilfe des Ewigen, die er euch heute erzeigen wird" usw. „Der Ewige wird für euch streiten, ihr aber verhaltet euch nur ruhig". Und als mm bald das ganze Volk am Roten Meere die wunderbaren, welterschütternden Ereignisse miterlebt hatte, faßte der Glaube an Adonai feste Wurzel in ihren Herzen irnd sie schenkten auch Moses ihr ganzes Vertrauen. Das erste Lied, das dieses von den Fesseln der Knechtschaft erlöste Volk anstimmte, zeugt von wahrer religiöser Begeisterung. „Mein Sieg und mein Saitenspiel ist Gott, er ward mir zur Hilfe, er ist mein Gott, ihn will ich rühmen, der Gott meines Vaters, ihn will ich erheben. Der Ewige ist Herr des Krieges, ewiges Wesen ist fein Name." — Während sie in Aegypten keinen Sinn und kein Verständnis für das Erhabene, Religiöse, wahrhaft Göttliche hatten, lauschten sie jetzt in der Nähe des Sinai vom frühen Morgen bis zum späten Abertd mit gespanntester Aufmerksamkeit den Vorträgen ihres großen Seelenhirten Moses, so daß er seinem Schwiegervater Jerro auf dessen Frage, warum er den ganzen Tag so angestrengt arbeite, antwortete: Bi jowau elei hoom lidrosch elohim „Das Volk w ü ir f ch t sehnlich st, in göttlichen Dingen unterrichtet zn werden". Und als Moses drei Tage vor der Offenbarung am Sinai das Volk mit der Wichtigkeit und hohen Bedeutung dieses feierlichen Aktes vertraut gemacht hatte, rief das ganze Volk einstimmig und einmütig ans: „Alles, was der Ewige gesprochen, wollen wir bereitwilligst beherzigen und befolgen". So ist nun gar bald die göttliche Verheißung buchstäblich in Erfüllung gegangen: „Sobald dieses Volk die Sklavenketten Aegyptens gesprengt haben wird, wird es sich hier auf diesem Berge für die Annahme meiner Thora bereitwilligst erklären. Wem aber hatte Israel es zu verdecken. daß es sich nach dem Ansznge aus Mizraim für die höchsten Ideale, für die göttliche Lehre mit einem Feuereifer sondergleichen begeisterte? Einzig und allein der vorzüglichen Leitung des ihm von Gott gesandten Lehrers Moses. Ja, Moses war der geeignetste Mann, den sich die Vorsehung auserkoren, um Israel zn leiten und zn führen, weil er seine ganze Kraft, seine hohe Begabung, in edler, uneigennütziger Weise ausschließlich dem geistigen und materiellen Wohle seines Volkes geweiht und gewidmet hatte. Es war ihm auch dies umso, leichter möglich, als er. als freier, unabhängiger Mann, der von niemandem b esold et wurde, von niemandem Geschenke angenommen hakte — lau ckamor eehod mekem nososi —, niemandem, außer Gott, za Dank verpflichtet war. (Schluß folgt.) Verschiedene Uachrichlen. Wie». (G a st p redigt.) Herr Rabbiner Dr. Salomon F » n k aus Boskowitz wird im Leovoldstädter Tempel am Samstag, den 10. Mai 1913 beim Morgengoctesdiensie eine Gastpredigt halten. Wien. Zn dem in voriger Nummer veröffentlichten Bericht über das Leichenbegängnis des Präsidenten des Tempelvereines im VUl. Bezirk, Herrn Hermann Beck, sei noch nachgetragen. daß Rabbiner Dr. Bauer in der Zeremonienhalle des Zentralsriedhoses dem Heimgegangenen einen erhebenden Nachruf hielt und die kanroralen Funktionen von Oberkanlor N e u m a u 11 und Kantor Grob versehen wurden. Wie». Unter starker Beteiligung fand Dienstag, den 6. d. Mrs. das Leichenbegängnis des Kantors A. P e k a r n i k statt, welcher durch 27 Jahre im Tempel des IX. Bezirkes mit seltener Bernfstrene sein Amt versehen hat. Im Tranerhanse erschienen der Vorstand des Teinp-.lvereines unter Führung des Prästdenten Herrn Gottlieb B e t t e l h e i m, . kaiserl. Rat Wilhelm, Vorsteher T r e b i t s ch, kaiserlicher Rat Messing e r, Oberkautor Kluger, Amtsleiter F r e i st a d l, der Vorstand des österr.-nng. Kantorenvereines vertreten durch den Präsidenten Bauer, die Vizepräsidenten S ch 0 r r und D ü n u m a u n, die Vorsteher I u r b e r g e r. Morgenstern, Schleifer, Kauf» in a n n, B a ß e r, S ch l e s i n g e r, S e r e b r e n i k, G r 0 b und fast sämtliche Wiener Kantoren. Obeckaictor Bauer widmete dem Heimgegangenen Kollegen einen Nachruf, worauf Kantor «smotritzky das „loschen Bessesser“ anstimmte. In der Zeremonienhalle hielt Rabbiner Dr. G e l b h a n s eine tieseinpsnndene Trauerrede und schilderte in