Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1913-05-09 · Heft 18 (9.5.1913) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 18 (9.5.1913)
Date
1913-05-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3062972-3063674-3063692--08460-3075628
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seile 6 Die Wahrheit Nr. 18. Presse überhaupt, in dem lawinenartigen Anschwellen der Holzs papierproduktion eine große kulturelle Gefahr für die gesamte Menschheit erblicken. Paul de L ag a rd e hat schon vor dreißig Jahren zornig ausgernfen: „Denlschland ersäuft nachgerade in den ebbelosen Wogen des Holzpapiers . . . Durch die Presse ist Denlschland ein großer Sumpf geworden." Es steckt ein 'Körnchen Wahrheit in diesem Zorneswort gegen die Ueberflntnng des gesamten öffentlichen Lebens durch die Presse. Niemand weiß das besser zu würdigen als der, der selber in der journalistischen Fron steht und tagtäglich eine Unzahl von Zeitungen nnd Wochenschriften der verschiedensten Richtungen zu Jnformalionszwecken lesen muß und sich an der Diskussion aktueller Fragen zu beteiligen gezwungen ist. Das zermürbt Körper nnd Geist, hat aber mit irgendwelchen konfessionellen oder rassenmäßigen Einwirkungen nicht das geringste zu schassen, und es zeugt daher nur von einer höchst nnchristlichenFrivolität, wenn der Zentrnmspnblizist Dr. Joses Eberle in einem Kapitel seines bereits erwähnten Buches „Großmacht Presse", das „Presse und Judentum" überschriebeu ist, behauptet: „Wer den unabsehbaren Strom von Hohn und Spott, von geistigen Sprengstoffen und tausendfacher Unmoral über die christliche Knltnrwelt Herstuten sieht, hat die Pflicht, entsprechend auf die Qnelleugründe dieses Stromes hmznweisen." Niemand har — das scheint Herrn Dr. Eberle ganz unbekannt geblieben zu sein — das Christentum als Träger der Kultur mehr geschmäht als die geistigen Nährväter des Antisemitismis, die Eugen Dühring, Paul de Lagarde, Wilhelm Marr, Prof. Wahrmund, Th. Fritsch, Dr. Boeckel, Max Bewer, Dr. Friedrich Lange. Dr. Ernst Wachler und die publizistischen Hanptorgane des Antisemitismus, die „Staatsb.Ztg.", „Deutschsoziale Blätter", „Deutsche Reform", „Hammer", et tutti quanti. Die Tiraden über die Verjndnng der Presse sangen nachgerade an, einen komischen Beigeschmack zu bekommen, angesichts der Tatsache, daß das Oberhaupt der antisemitischen Publizistik, Herr Adolf Bartels, mit Stolz daraus Hinweisen kann, daß seine Werke, die doch zum größten Teile politische Tendenzfchrifteu im übelsten Sinne des Wortes sind, bislang schon in einer Gesamtauflage von über 100.000 Exemplaren Verbreitung gefunden haben. Welcher jüdische oder jndenliberale Antor wissenschaftlicher Werke — die belletristische Literatur kommt hier natürlich nicht in Betracht — kann sich einer gleich hohen Auflage seiner Werke rühmen? Chamberlains „Grundlagen des 19. Jahrhunderts" gehören ja ebenfalls zu denjenigen populärwissenschaftlichen Schriften des letzten Jahrzehnts, die unstreitig den größten buchhändlerischen Erfolg hatten. Wenn der parteipolitische Nutzen, den die antisemitischen Rassenpolitiker von der Verbreitung der „Aufklärungsschriften" erhofften, dem großen Absatz nicht ganz entsprach, so ist das doch wohl nur ein Beweis dafür, daß das deutsche Volk die kulturfeindliche Tendenz dieser Schriften eben richtig eingeschätzt hat. (Fortsetzung folgt.) Die Sendung Moses. Eine zeitgemäße Betrachtung. Bon Dr. M. H. Frredländer. Als Moses am Horeb den göttlichen Auftrag erhielt, nach Aegypten zu gehen, dem König Pharao sich vorznstellen und ihn im Namen Gottes aufzufordern, die Kinder Israels frei ziehen zu lassen, gebrauchte er anfangs in seiner großen Bescheidenheit alle möglichen Ausflüchte, um diese hohe Mission nicht übernehmen zu müssen. Wer bin ich, daß ich es wagen dürfte, bei einem so allgewaltigen Herrscher, wie Pharao, vorznfprechen und ihm bezüglich der schwer bedrückten Israeliten Vorstellungen zu machen, mi onoehi ki eleeli el Pharo, besitze ich denn überhaupt die Kraft und die Begabung, um verkümmerte, tief gebeugte und abgestumpfte Sklaven zn einem edlen Kulturvolle heranznbilden? wecki owi es bene Jisroel münizraim?“ entgegnete Moses dem ihm sich offenbarten höchsten Wesen. Sei unbesorgt, rief ihm die göttliche Stimme zu, ki eheje inioch. Ich werde mit dir sein, dich auf Schritt und Tritt bewachen nnd beschützen, du kannst daher Unerschrocken vor Pharao erscheinen, er wird dir nichts zu Leide tun können; ebenso wird es dir gelingen, diese Sklaven, deren Verkümmerung nicht etwa die Folge ihrer Nasse oder Nationalität, sonderndes schweren Druckes, unter dem sie Jahrhunderte lang geschmachtet, sobald sie die Sklavenketten gesprengt haben werden, für das Höhere, Erhabene nnd wahrhaft Religiöse zu erwärmen und zn begeistern. "Wese lecho hoaus ki onauchi sckelackticko. Und dieses möge dir als Beweis dienen, daß ich dir deshalb diese hochwichtige Mission übertragen habe, weil ich dich für den würdigsten und befähigsten Mann befunden, der die Gabe besitzt, zur rechten Zeit recht tätig in die Situation einzugreifeu, meinen Befehl zu vollstrecken und diese geächtete und geknechtete Nation zn einem großem edlen höheren Ideale anstrebenden Volke heranznbilden, behoziacho es hoom mimizraim toowdun es koelohim al hohor käse, sobald du dieses Volk aus Aegypten geführt haben wirst, wird es sich auf diesem ewig denkwürdigen Berge für die Annahme meiner Thora, die allein zu allen Zeiten die mächtigste und kräftigste Säule bilden wird, ans der die sittliche Weltordnnng beruht, mit edler Begeisterung, mit ungewöhnlichen Enthusiasmus erklären. „Wenn ich nun", entgegnete Moses, „zn den Kindern Israels komme ltub ihnen sagen werde, der Gott euerer Väter sendet mich zu euch, so werden sie — wie ich sie kenne — zweifellos mich fragen: Wie ist sein Name? nnd was soll ich ihnen da antworten?" Eheje ascher eheje: „Ich bin das Wesen, welches ewig ist." So sollst du zu den Kindern Israels sprechen: „Das ewige Wesen, welches sich nennt: „Ich bin ewig!" hat mich zn euch gesendet n. s. w. Moses aber, der noch immer fürchtete, daß seine Bemühungen bei diesen niedergedrückten Sklaven wirkungslos bleiben werden, erwiderte: „Sie werden mir aber keinen Glauben schenken und mir noch höhnend zurufen : Dir ist Gott nicht erschienen, was du da sagst, ist ja nicht erwiesen, du scheinst ein Abenteurer zn sein." „Ach, mein Lieber", rief ihm die göttliche Stimme zn, „du scheinst sonderbare Begriffe von dem Wesen und Charakter dieses- Volkes zu haben. Na se bejodecko. Was hast du hier in deiner Hand, welche Methode glaubst du denn anwenden zu müssen, um dieses Volk, daß du für so verstockt und ungläubig hältst, leiten, führen, belehren und unterweisen zu können?" Und Moses antwortete: „Natte^. Ich müßte unausgesetzt von der Macht des strengen Gesetzes Gebrauch machen, und das kann ich eben nicht, weil mir jeder Despotismus in der Seele" verhaßt ist. , Haschlichehu arzo, lautete die warnende göttliche Stimme, verwirf diese absurde, gleich einer giftigen Schlange gefährlich wirkende Methode. Wehe dem Despoten, der stets mit der Knute in der Hand das arme Volk leitet und führt, denn er bereitet sich selber seinen Untergang. Echos bisnowo. Betrachte nur das Ende eines edlen, bescheidenen, sanftmütigen und geduldigen Volksführers und du wirst die Ueberzengung gewinnen, daß es ihm nach und nach gelang, alle Schwierigkeiten zn überwinden, sich die Liebe, Achtung und Vertrauen des ganzen Volkes, das sich seinen Anordnungen bereitwilligst fügt, zu erwerben und von demselben als unantastbare Autorität betrachtet und behandelt wird. — Wojackasek bo. Als nun Moses von der Wichtigkeit und hohen-Bedeutung dieser ihm von Gott so warm empfohlenen wirkungsvollen Methode durchdrungen war, sah er selber ein, "Wa-jeM lematte beckoppo, daß ihm einzig nnd allein durch gewissenhafte Anwendung derselben gelingen würde, einen mächtigen Einfluß auf das Volk üben und eine erfolgreiche Tätigkeit entwickeln und entfalten zn können. „Nur eines jedoch", bemerkte er mit Bedauern, „fehlt mir zur Uebernahme dieser Mission", lau isch cLeworim onoch, und zwar die Rednergabe, denn nur durch die Macht des Wortes, durch die Kraft der Beredsamkeit kann man das Volk für das Große, Erhabene nnd Ideale'erwärmen und begeistern. „Nun dein Bruder Aharvn",' rief ihm besänftigend die göttliche Stimme zu, „ist ein glänzender Redner, er soll deinetwegen mit dem Volke reden, so daß er 1 dir zum Sprachorgan dienen soll und du wftst ihm wie ein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.