Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 16 (18.4.1913)
- Date
- 1913-04-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 16. wurden L 12.190.51, für Weißstickerei K 6523.88 von der Oesterreichischen Hausindustrie-Gesellschaft m. b. H. in Wien an Löhnen ausbezahlt. In diesen Summen jedoch erschöpft sich nicht die Wirkung der Tätigkeit des Hilfsvereines, da sie bloß jene, Beträge enthalten, die an die Arbeiterinnen von den ihnen bekannten Abnehmern für solche Waren ausbezahlt wurden, die unter Aufsicht. seiner Organe -hergestellL. wurden; was aber dieselben oder auch andere, durch den Hilfsverein ausgebildete Arbeitskräfte für Privatpersonen ' und'Geschäftsleüte arbeiten und' wie viel' sie dabei verdienen; was ferner in der gegenwärtig' nicht mehr unter seiner Aussicht stehenden H a a r n e tz e r e i an die Arbeiterinnen an Löhnen ansbezahlt wird; was für ein Einkommen weiters jene galizischen Juden, die in der Haaritetzerei oder in der Spitzenklöppelei als selbständige Unternehmer oder Faktoren tätig sind, erzielen; was in der K l e i d e r k o n. f e k t i o n, die sich in Tarnow, - nachdem sie von dem Hilfsverein auf eine bessere Grundlage gestellt worden war, weiter entwickelt, an Gehältern und Löhnen mehr als früher ausbezahlt wird und um wie viel höher sich nunmehr die Gewinnste der in dieser Industrie tätigen Unternehmer belaufen; was sodann jene Handwerker, die der Hilfsverein in G enossenschäften vereinigt hat, mehr als vorher verdienen; wie hoch der Lohn, bezw. das Einkommen der von ihm der H an d w e rks le hr e zugeführten und derzeit bereits freigesprochenen, bezw. schon als Meister tätigen jungen Leute sich stellt, usw.r Das alles läßt sich auch nicht annäherungsweise in Ziffern darstellen. Außerdem ist zu berücksichtigen, daß die Summen, um die sich das Einkommen der jüdischen Bevölkerung in Galizien durch seine Tätigkeit vergrößert hat. Zugleich den meist jüdischen galizischen Geschäftsleuten zugute kommt, die mit Nahrungsmitteln und den sonstigen Artikeln des täglichen Gebrauches Handel treiben. Aber auch dann, wenn die Summe der Löhne und der sonstigen Verdienstbeträge, die durch den Hilfsverein der notleidenden jüdischen Bevölkerung in Galizien zugeführt werden, sich bis auf den letzten Heller genau angeben ließen, wäre damit die Wirkung seiner segensrekcheu Tätigkeit noch nicht im vollen Umfange dargestellt: Die Zuführung der Mädcheu Zur Arbeit ist das beste Mittel, die Prostitution einzudämmen und dem Mädchenhandel zum größten Teile die Möglichkeit seiner Existenz zu entziehen. Die Arbeiten, denen die. Mädchen zugeführt werden, erfordern in der Regel größere oder sogar höchste Reinlichkeit und erziehen infolgedessen die Arbeiterinnen nach dieser Richtung, auf das beste; der gesicherte Verdienst schafft ihnen auch. Gelegenheit zur besseren Pflege des Körpers und erweckt zu gleicher Zeit nicht selten den Trieb, sich auch geistig fortzubilden. Auf diese Weise wird die wirtschaftliche Tätigkeit des Hilfsvereiues zu einer kulturellen im weitesten Sinne des Wortes. Uebrigens wurde sie im Berichtsjahre auch von maßgebendster Seite dadurch anerkannt, daß ihm das k. k. Ministerium für öffentliche Arbeiten mit dem Erlasse vom 23. November 1912 eine Subvention bis zu K 2500.— zu gesagt hat. Die Redaktion kann nicht umhin, die Aufmerksamkeit der Leser auf das eminent wohltätige Wirken des Galizischen Hilfsvereines zu lenken. Nur dadurch, daß den 600.000 armen galizischen Juden Arbeit und Verdienst zugeführt wird, werden diese unsere Glaubensgenoffen nicht nur auf ein besseres materielles, sondern zugleich auch auf ein höheres kulturelles und moralisches Niveau, gebracht. Dieser großartige Gedanke, den der Galizische Hilfsverein in die Tat umzusetzen sich bestrebt, bedarf zn seiner Verwirklichung sowohl einer fortgesetzten, unermüdlichen Tätigkeit, als auch der reichlichen Unterstützung der Juden in ganz Oesterreich. Wir bitten daher unsere Leser, ohne Unterschied des Geschlechtes, diesem Vereine als Mitglieder beizutreten und auf diese Weise dieses segensreiche Werk zu fördern. Der mindeste Mitgliedsbeitrag beträgt jährlich K 4.—; Beitrittserklärungen sind an die Adresse des Hilfsvereines, Wien, IX., Berggasse 4, zu richten. Erzbischof Anlonins von Wolhynien gegen das Kitnnlmordmnrchen Wien. 16. April. ■ ■ Der.bekannte russische nationalistische Erzbischof Antonius von Wolhynien veröffentlicht, im -,,Sejuero-Sapadny Gvlos" eine Zuschrift, in welcher er sich in scharfen Worten gegen das Nitualmordmärcheu wendet. Es heißt darin.: V - •; „Die Feindseligkeit gegen die Inden nimmt 'wahnwitzige Formen an. Das Volk, das Christus vergessen hat, 'wälzt auf die Inden die schwere Beschuldigung des Ritualmordes. Die Unwissenheit der Menschen geht so weit, daß sie sogar behaupten, in der Bibel werde der Gebrauch von Blnt für Osterbryt erwähnt. Die „jüdischen Blätter" lieben mich nicht, aber ich erkläre im Namen der Gerechtigkeit: Die Juden gebrauchen kein Menschenblnt zn religiösen Zwecken, die Verleumder verstehen nicht, was in der Heiligen Schrift steht. Viele behaupten, es bestehe unter den Inden eine Sekte, welche Blut gebraucht. Ich erkläre, daß auch diese Behauptung unwahr ist. Es gibt jetzt selbst keine Heiden, die Blut gebrauchen. Auch der Knabenmord in Kiew ist nichts als ein gemeiner Mord." Das Zickelein, das Zickelein! Johann Kaspar U l r i ch, Pfarrer zum Frauen-. Münster in Zürich, schrieb in seinen Sammlungen jüdischer Geschichten der Schweiz, daß Wagenseil seine - Forschung auf den Ursprung des Chad gndjn-Liedes am Sedera.beud erstreckte und trotz aller Nachforschung es nicht erfragen konnte. Weder iw Deutschland, Frankreich, Italien und Holland konnten selbst hervorragende Rabbiner hierüber Auskunft geben. So hätte-er auch einen gar geschickten Rabbiner zu Prag darum gefragt, der ihm zur Antwort erteilt, daß allwegen große Sachen darunter angezeiget wurden, er könne aber gleich keinen richtigen Bescheid geben, er wolle aber Nachdenken und ihm eine Erklärung überschreiben. - Nach einigen Monaten sei ihm. ein nachdenklicher und verwunderlicher Brief von diesem Rabbiner zugekommen. . .Unsere Gelehrten haben diesem Lied: „Ein Zicke lein, ein Zicke lein! einen geheimen, ernsthaften Verstand zugeschrieben. . Knorr von Rosenroth schrieb an den Herrn Wagens eil, er sei für sich auf die Gedanken geraten, dasi dieses Lied die Gefangenschaften und Trnbsale, welche die Inden in A e g y p t e n, B a b y l o n, wie auch zn Zeiten A n t i o ch'r Ep ip h anis, und sonderlich auch die sie noch leiden, samt der Erlösung anzeige. Nun übertras der P r o b st v o n d e r H a r d t den Kn o r r v o n Ros e n r o t h und führt dessen Gedanken ordentlich und sinnreich aus in dem Anhang der anno 1727 zn Helmsketl heransgekommenen Hädo. ~ Nach dem ersten Vers wäre das Zicklein das Volk Israel; die zween Pfennige Moses und Aaron, die das Volt Israel aus Aegypten geführt haben; und das Väterlein Gott der Herr. Nach dem zweiten Vers bedeutet dasKätzelein, welches das Zickelein gegessen, die Assyrer, welche das israelitische Reich angegriffen und die zehn Stämme weggeführt haben. Nach d e m b r i 11 e n zeige das Hündelein, welches das Kitzelein gebissen, die Babylonier an, von welchen wieder die Assy rer überwunden wurden. Nach dem vierten stellt das Stöckelein, das das Hündelein geschlagen, Cyrum, den Perser, vor, der Babylon unter sich gebracht. Nach dem fünften ginge das Fenerlein, so das' Stöckelein verbrannt, auf den Alexandrum, der die Perser wieder bezwungen hat.-