Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 16 (18.4.1913)
- Date
- 1913-04-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 16. . Die Wahrheit Seite 5. Schäden anrichtete. „Aber du sprichst:-Es'ist umsonst! Ne in! I ch l i eb e d ie Fremden und ihu eu will ich ' n a ch zi e h en". Besonders streng geißelte er das Vorgehen der damaligen Priester, Lehrer, Fürsten ' und Propheten: . „Die Priester dachten nicht: Wo ist der Ewige? Die Träger der Thora (die Lehrer) wolltenmich gar nicht kennen, die Hirten (Könige) sind mir abtrünnig geworden, die Propheten weissagten für -den Baal und. unnützen Wesen hingen, sie nach!"' nstch Ebenso stark hatte auch während des zweiten Staatslebeus, besonders ' als Judäa unter s y r i s ch e r Herrschaft war^ die Assimilationssucht, die gewissenlose, ehrgeizige Streber gefördert, grassiert und viele zum Abfalle verleitet. Diese Streber hatte man „Helenisten" genannt, weil sie mit den Griechen, den u n v e rs 5 hnlich sten Feinde n der Juden, fraternisierten, um deren Gunst sklavenmäßig buhlten und ihren Stammesgenossen zuriefen: „Auf, laßt uns einen Bund schließen mil den Böllern ringsumher! Denn, seit wir uns von ihnen abgesondert haben, traf uns viel Unglück" (Makkab. 1—11.) ohne zu bedenken, daß gerade jene, deren Lebensweise sie nachahmten, ihre größten und erbitte r t st e n F e i n d e und Peiniger geworden sind. Den heldenmütigen Makkabäern jedoch gelang es, nicht nur die äußeren Feinde, sondern auch die inneren Widersacher, die Helenisten, zu besiegen, den entweihten Tempel wieder zu reinigen und anfs' neue einznweihen, das Licht der Religion anzuzüuden und das vom Tyrannen befreite Volk für den Glauben der Väter zu begeistern. Aber auch diese durch glänzende Siege gewonnene Freiheit war, nicht von gar zu langer Dauer. Durch innere Zerklüftungen. die die verschiedenen Parteien — Pharisäer, Sadduzäer, Essäer rc. — hervorgerusen, wurde das Reich in seinen Grundfesten gewaltig erschüttert, daher es endlich, nach langen, schweren Kämpfen Rom gelang, den jüdischen Staat zu zertrümmern. Hätte nicht Rabbi Jochanan b. Sakai in seiner großen Klugheit und Vorsicht rechtzeitig dafür gesorgt, wenigstens das geistige, moralische Judentum durch Gründung von Schulen zu retteu, wahrlich, Israel wäre längst spurlos ans der Geschichte geschwunden. Rabbi Jochanan lehrte daher Im lomadeto Thora harbeb: „Hast du viel Thora gelernt, so tue dir selber darauf uicht viel zugute, bi lechaeb nozarto, denn dazu bist du ja von Gott geschaffen", das ist ja dein Lebenszweck; ein Judentnm ohne Thorakenntnis hat keine Existenzberechtigung. Mit Recht bemerken daher unsere Weisen: „Gott sagte: In vergangenen Tagen seid ihr durch Menschen befreit worden rc. und weil die Bestimmung erst durch Menschen erwirkt werden müßte, daher war sie, — diese Freiheit — von nicht langer Däner; in Zukunft aber wird „die Erkenntnis Gottes e ine allgemeine s ein", das Volk wird sich für die erhabene G o t t e s i d e e b e g e i st e r n, mit Heldenmut für seinen Glauben kämpfen, die ehrgeizigen, eigennützigen Streber alle von sich abschütteln und für feine Freiheit sich selber entsetzen, seine Meinung in natürlicher, u n ge künsteltet? Weise überall öffentlich kundgeben und die durch eine solche „öffentliche Meinung" errungene Freiheit wird eine dauernde sein und bleiben — denn „Wissen ist Macht!" Das WalMoinproinitz der Christlichsoziale» und Deutschnationalen. Das Wahlbündnis zwischen diesen beiden Parteien äußerte sich in den Sudetenländern bekanntlich schon gelegentlich der Reichsratswahlen im Jahre 1911. In Wien war dasselbe damals noch nicht zustande gekommen und die Anhänger des deutschen Nationalverbandes drangen hier nur auf Grund der entschiedenstett Gegnerschaft zu den Christlichsozialen durch. Gelegentlich der Gemeinderatswahlen im Jahre 1912 wurde aber das Wahlkompromiß auch in Wien praktiziert und — empfindlich zu Gunsten der Christlichsozialen verspürt. Die verspäteten Rekriminatonen der Wietier dentschnationalen Reichsratsabgeordneten, besonders des Wiener Führers derselben, Doktor Waber, der zugleich im Vorstande des „Deutschnationalen Verbandes im österr. Abgeorduetenhause" Sitz und Stimme hat, gegen dieses Wuhlkompromiß. verfolgten wohl nur den Zweck, naive Wiener Wählet', die diesen Volksvertreter nur in seiner angeblichen Eigenschaft als entschiedener Gegner der Christlichsozialen gewählt hatten, einzulnlleu. Aus Anlaß der bevorstehenden Bezirksratswahlen in Wien fand der deutschnationale Führer, Exminister Dr. Schreiner, es sogar geboten, meiner öffentlichen Versammlung im 1^. Bezirke den Schleier dieses Wahlkompromisses zn lüften und den Christlichsozialen die deutschnationale Bruderhand entgegenznstrecken. „Lassen Sie einige Deutschnationale in die Landtagsstnbe einziehen!" rief Herr Dr. Schreiner aus, indem er seine Agitation nicht nur auf die bevorstehenden Bezirksratswahlen beschränkte, sondern auch, gleich auf die im Jahre 1914 in Wien und Niederösterreich erfolgenden Landtagswahleu ausdehnte. Ja, der gute Mann meinte, auch bei etwa kommenden Reichsratswahlen dürfe sich in Wien das W a h l u n g l ü ck vom Jahre 1911 nicht wiederholen. Es ist nur ein Glück für Wien, daß die Wiener Wühler gegenwärtig doch uicht mehr politisch so verständnislos geblieben sind, der Wahlparole eines Großagrariers blindlings zn folgen. Für die politische Aufklärung der gefoppten Beamten und Lehrer, wie aller ärmeren Bürgerschichten haben Christlichsoziale und Deutschnationale in der letzten Zeit redlich gesorgt und wenn auch die bevorsiehendeit Bezirksratswahlen dank dem rückständigen Wiener Gemeindewahlrechte wahrscheinlich noch zugunsten der reaktionären Parteien ansfallen werden —, vor dem Ergebnisse kommender Landtags- und Reichsratswahlen müssen die politischen Gaukler weiter zittern. Alle jene bürgerlichen Wähler, welche den kulturellen Fortschritt ehrlich anstreben, und diese bilden gegenwärtig noch weitaus die Mehrzahl, müssen nach den evidenten Tatsachen der letzten Zeit den „Deutschnationalen Verband im österr. Abgeordnetenhause" als ebenso rückschrittlich und volksfeindlich erkannt haben, wie die christlichsoziale Vereinigung. Es gibt noch bürgerliche Demokraten, die die Freiheit der Bürger ehrlich anstreben und wenn es ihnen gelingt, alle unaufrichtigen, sch einliberalen Elemente, die sich an ihre Rockschöße wie Kletten hängen und alle spekulativen Streber von sich stoßen, dann haben sie die Zukunft. Die bevorstehenden Wiener. Bezirksratswahlen bieten jedoch kein anssichtsreiches Feld für die Betätigung der demokratisch gesinnten bürgerlichen Parteien, denn wenn ihnen auch gelänge, in einem oder dem anderen Wiener Bezirke ihre Kandidaten dnrchzubringen, so wäre angesichts der relativ geringen Kompetenz des Bezirksrates und der gegenwärtig noch waltenden Allmacht der Christlichsozialen im Wiener Gemeinderate nnd im niederösterreichischen Landtage die praktische Bedeutung etwaiger Siege bei den Bezirksratswahlen so geringfügig, daß es sich wahrlich nicht lohnt, unverhältnismäßig große Opfer an Arbeit und Geld für diese Wahlen zu bringen. Bürgerliche Freiheitsnnd Fortschrittsfreunde tun entschieden besser, ihre Mittel und ihre Arbeit für die kommenden ungleich wichtigeren Landtagswahlen zu sparen. Für die Bezirksratswahlen existiert kein Wahlzwang nnd eine Wahlbeteiligung bei den Bezirksratswahlen erscheint für bürgerliche Gegner der Christlichsozialen und Dentschnationalen nur dau nötig, wenn Christlichsoziale und Sozialdemokraten in der Stichwahl stehen. R. L. Mas verdankt das Christentnm dem Judentum? Bon Immanuel Heyn, Pfarrer an der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. M. d. R. (Schluß.) Man höre: Du sollst nicht rachsüchtig noch nachträgerisch sein gegenüber deinen Volksgenossen. Und: Wie ein Landeseingeborener aus eurer Mitte soll euch der Fremde gelten, der sich bei euch aufhält, denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Aegypten. Und in beiden Stellen das vorhin schon erwähnte positive Gebot: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Auch die Feindesliebs wird geboten: Hungert deinen Hasser, so speise ihn mit Brot, dürstet ihn, so tränke ihn mit Wasser,