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Die Wahrheit · 1913-04-18 · Heft 16 (18.4.1913) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 16 (18.4.1913)
Date
1913-04-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. . Die Wahrheit. Nr. 16. - . Menschen, denen der Sinn für Freiheit vollständig abgeht, können sich wicht selbst bespien.- können nie aus ihrer traurigen; Situation erlöst werden, es sei denn, daß e d.b e, gottb eg eistert.e, hochbegabte, ch arakke r fe ste lind, un e i g e nnntzige Männer koinmen und sie in beredten Worten für die Freiheit anregen, erwärmen und begeistern. —. Gott sandte daher Moses und Ahron, damit sie durch die Kraft des Wortes, durch 'die Macht der Beredsamkeit — denn Ahron-war ein ausgezeichneter Redner, irr dabber. jßdabber brr — wie durch ihre Charaktergröße. Uneigennntzigkeit und Opferwilligkeit dem Sklavenvolke als Musterbilder vorauleuchteu, es belehren, unterrichten und aus der Knechtschaft befreien können. Diese Art Freiheit aber war nicht von langer Dauer, denn die Menschen, die nicht selbst denken, sondern Andere für sich denken lassen, können sich nicht aufraffen und für die Freiheit kämpfen; solche denkträge Menschen lassen sich heute von diesen, morgen von jenem Redner und Agitator suggerieren, beeinflussen und beherrschen. Nach demDurchznge durch das Rote Meer „glaubte das Volk an Gott und au seinen Diener Moses". In der Nähe des Sinai rief das ganze Volk einmütig aus: „Alles was der Ewige gesprochen, wollen wir tun". Bald darauf aber gelang es den Aufwieglern, dem Erew raw, die sich nach den Fleischtöpfen Aegyptens sehnten, das Volk für die ägyptischen Götzen zu begeistern, so daß es beim Anblicke des goldenen Kalbes ausrief: „Das sind deine Götter Israel, die dich aus Aegypten herausgeführt". Ein anderes Mal hören wir wieder die Hetzer und Krakehler ausrufen: „Wir wollen uns ein Oberhaupt wählen nach unserem Geschmacke, einen Mann aus unserer Partei, der mit uns fühlt und unser volles Vertrauen genießt, denn Moses ist kein Volksmann, hat kein Interesse für den kleinen Mann, wir wollen einen Gesinnungsgenossen uns wählen, damit er uns nach Aegypten, unserem Eldorado zurückführe. Wieder ein anderes Mal riefen die Hauptwühler, die berüchtigten Verräter Datan und Abiram dem Moses zu: Du willst nur die Leute blenden, täuschen, durchs Licht führen) dich hat Gott nicht gesandt, du bist ein Usurpator. Der Gefährlichste dieser ganzen Sippschaft war ihr Häuptling, der bekannte Korach. Er war reich begütert, besaß höhere Intelligenz, gepaart mit Stolz, Ehrgeiz und Hochmut. Seine Herrschsnchi war so unbegrenzt, daß er nichts Geringeres im Schilde führte, als das Brüderpaar Moses und Ahron zu stürzen, um an deren Stelle zu treten und das Volk zu beherrschen. Er schaarte um sich seine Gesinnungsgenossen, 250 an der Zahl, und zettelte gegen Moses und Ahron eine Verschwörung au und rief ihnen zu: Baw locbem. Ihr maßet euch zu viel an! Ihr wollt die ganze Gemeinde in absolutistischer Weise beherrschen, sie sklavisch behandeln, ohne ans die „öffentliche Meinung", auf die Stimme des Volkes, die doch die Stimme Gottes ist, auch uur die geringste Rücksicht zu nehmen; bi kol boedo kullom. kedoscbim, denn die ganze Gemeinde — natürlich seine von ihm suggerierte Rotte — besteht aus lauter Heiligen, uwesoehom Adonai, die von der Gottesidee ganz durchdrungen sind, daher sie es durchaus nicht nötig hat sich bevormunden und am Gängelbande leiten zu lassen. Umadua tisnasen al kebal Adonai, wie dürft ihr es daher nur wagen euch über die Versammlung des Ewigen zu erheben?" Welch lügenhafte Behauptung! Welch niedrige gemeine Verleumdung und Verdächtigung! Gerade Moses war derjenige, dessen ganzes Streben, Denken. Sinnen und Trachten dahin gerichtet war, Israel ans der ägyptischen Knechtschaft, ans der finstern Nacht der Verdummung zu befreien und es zu einem großen, edlen, intelligenten, höhere Ideale erstrebenden Kulturvolk heranzubilden, damit es geistige Waffen genug besitze, um die errungene Freiheit stets selber verteidigen zn können. „Als Israel aus Aegypten zog, das Haus Jakob aus dem Volke der Barbaren, da ward Jehuda sein Heiligtum, Israel sein Reich." Ja, Moses sehnlichster Wunsch war, daß Israel aus lauter Heiligen, aus würdigen, intelligenten, kenntnisreichen Männern bestehe, uni seine Angelegenheiten selbst verwalten zn können. Als einst Eldod und Medod es wagten, im Lager zu lehret! und zn predigen, eilte ein Knabe (Gerson) und.'setzte Moses hievon, in Kenntnis/ Dä rief Josna aus: Mein Herr, Mosesverwehre es ihnen! Moses aber entgegnete ihm ganz gelassen: „Barnkeune att'ö li?u. „Bist du für mich.eifersüchtig? Glaubst du etwa, daß ich als -der e i u z ig e Kenner der Thora in. der Gemeinde fungieren will, um als Alleinherrscher nach. Herzenslust schalten und walten können? Im Gegenteil.. Mi jiten. Ich wünschte vielmehr, daß das ganze Volk des Ewigen ans lauter. Gelehrten, Propheten bestünde, daß der Ewige nämlich, seinen Geist auf sie legte, damit sie als ein „Reich' von Priestern" sortbestehen und sich stets gegen innere und äußere Widersacher selber verteidigen könnten. Und da hatte ein Korach — der selber die Herrschaft an sich reißen und das Volk despotisch regieren und suggerieren wollte — es noch gewagt, einen Moses zu verdächtigen, ihm Anmaßung, Ueberhebung und Herrschsucht zum Vorwnrf zu machen und zu behaupten, daß der bescheidene, anspruchslose, uneigennützige Befreier und Lehrer Israels die „öffentliche Meinung", „die Volksstimme" nicht im entferntesten beachtete! Moses aber entgegnete ihnen: „Ihr behauptet, daß die ganze Gemeinde ans lauter Heiligen bestehe, daher sie keinen Leiter, Lehrer und Führer benötigen; ob aber diese Behauptung auch begründet ist, ist sehr fraglich, hierüber kann nur das höchste Wesen entscheiden. Boker wejoda Adonai es ascber lo. Morgen wird Gott den bekannt geben, der ihm gehört und wer so heilig ist, wes hakodosch, daß er sich ihm nähern kann und darf, ohne erst von einem Vorgesetzten geleitet und geführt werden zn müssen". Ferner sagte er zu den Häuplingen dieser Partei: „Hört, ihr Kinder Levi! Ist es euch zn wenig, daß Gott euch besonders bevorzugt und zu Funktionären beim Gottesdienste ernannt hat, und jetzt strebt ihr gar auch nach dem Priestertume, .nach der P r j e st e r h e r r s ch a f t? Wahrlich, ihr seid es, die, von hierarchischen Gelüsten durchdrungen, das Volk bevormunden, beherrschen, suggerieren wollet; ihr seid es,' die sich gegen Gott empören und da erkühnt ihr euch noch, den bescheidenen, friedliebenden Ahron zu verdächtigen, ihn als anmaßenden, herrschsüchtigen Priester zu bezeichnen? Weaharon ma hu ki salinu olow. Und was habt ihr denn gegen Ahron, daß ihr euch über ihn beschweret? usw. Nun hatte die Vorsehung ihres Amtes gewaltet, die ganze Rotte wurde plötzlich hinweggesegt und das Volk gewann die Ueberzengnng, -daß die Korachiden seine größten und gefährlichsten Feinde waren, die es von der Bahn der Tugend, Sittlichkeit und Moral ablenkeu und seiner Vernichtung entgegensühren wollten. Und so zieht es sich wie ein roter Faden durch die Geschichte Israels. Bald ließ sich das Volk von wahrhaft frommen, gottbegeisterten, edlen Männern, die es für das sittlich Große. Erhabene und wahrhaft Göttliche erwärmten, bald wieder von ehrgeizigen, herrschsüchtigen Strebern und Assimilanten, die sich nur auf des Volkes Schultern emporarbeiten wollten, um dann Ehrenstellen und Ehrenämter sich ergattern und ihren Ehrgeiz befriedigen zu können, beeinsiussen, suggerieren und beherrschen. Während der israelitische Staat unter Salomos Regierung sich der schönsten Prosperität erfreute, "Wajeschew Jehuda "Wejisroel lowetach, „Juda und Israel wohnten sicher, jeder unter seinem Weinstock nnb Feigenbaum von van bis Beer Schowa", herrschte später, als das Reich in zwei Teile geteilt war, eine solch furchtbare Zerfahrenheit, Zerklüftung, Verwahrlosung und Verwilderung im israelitischen Staate, daß der Untergang derselben unvermeidlich war. Ami measchrecho masim. „Armes Volk, deine Führer leiten dich irre", ries Jesaias warnend seinem Volke zu. Ferner: „Höret das Wort des Ewigen, ihr Herren von Sedom — die Fürsten von Jehuda — vernehmet die Lehre unseres Gottes, Volk von Amora! Wozu eurer Opfer Menge? spricht der Ewige; ich bin satt der Brandopser von Widdern usw. Wozn kommt ihr, erscheinet vor meinem Antlitz? Wer verlangt von euch, meinen Vorhof zu betreten? Bringt mir nicht mehr fruchtlose Opfer, ihr Duft ist mir ein Greuel, Neumond Ruhetag, festliche Verkündigungen, ich ertrage sie nicht, sündliches Leben und feierliche Versammlung! nsw. Ebenso bitter klagte Jeremias über die Gottlosigkeit und Assimilationssucht, die 'damals im Judeutume herrschte, wie über das Strebertum, das sich überall breit machte, und heilloseu

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