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Die Wahrheit · 1913-04-11 · Heft 15 (11.4.1913) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 15 (11.4.1913)
Date
1913-04-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Die Wahrheit Nr. 15. wählt aus ihren Mitgliedern ein Komitee, daß das Zirkulär abfasien und unterzeichnen und sich mit den rumänischen Angelegenheiten. wie mit Abfassnttg der Allianzstatnten beschäftigen und vor allem mit Geldsammlnngeu abgeben soll. Es wird dadurch (im Mai) ermöglicht. 8000 fl. nach Rumänien an dortige Hilfskomitees, 2000 fl. nach Smyrna zu Händen des Konsuls Gcherzer zu senden. Juni. Es wird von Seite einzelner Komiteemitglieder eine lebhafte Korrespondenz geführt mit Konsul Peixotto in Bukarest. Bankier A. Halphen in Bukarest, Bankier Nenschotz in Jassy, Prof. Lazarus in Berlin. Es wird beschlossen, zu Ende Oktober einen Kongreß zn Brüssel sür die rumänischen Angelegenheiten abznhalten. 30. Oktober. Von Wien werden zn dem Kongresse delegiert: Dr. Leopold Kompert, Sam. Gottlieb. Ans dem Brüsseler Kongreß wird Wien zum Vorort gewählt . . . November—Dezember. Wien nimmt die übertragene Mission an und wählt in die Kommission: Wertheimer. Knranda, Kompert; als Ersatzmänner: Goldschmidt, Brandeis, Gottlieb. Wertheimer besorgt die gesamte Korrespondenz. 1873. Ende Jänner. Die Exekntiv-Kommission, die sich als Zweig der erst zn bildenden Israelitischen Allianz betrachtet, setzt sich in Verbindung mit der Alliance Jsraelite Universelle zn Paris und den Vertretungen der Jndenschaft in London, Berlin, Brüssel, Rotterdam, Turin und New-Iork. Ende Februar 1873 hatte die Wiener Kommission dem Bukarester Komitee schon den Betrag von 9000 st. zur Verfügung stellen können. Am 3. März erhielt die Kommission die behördliche Genehmigung der Statuten der Jsralitischen Allianz zu Wien und am 14. April 1873 erfolgte die konstituierende Generalversammlung." Die Zahl der Mitglieder betrug Anfang 1874 insgesamt 495 mit Jahresbeiträgen in der Höhe von 2445 fl. Gleich in den ersten Jahren ihres Bestandes hatte die Allianz Gelegenheit, zugunsten der Glaubensgenossen in Rumänien, Serbien, Kleinasien und Persien teils durch Unterstützungen an Opfer der Verfolgungen, teils durch Intervention in diplomatischen Kreisen zn wirken und immer wieder boten sich neue Anlässe für ihre segensreiche Hilfstätigkeit, so der russisch-türkische Krieg im Jahre 1877. dann die russischen Judenverfolgungen 1881—1882. Eine kurze Ruhepause in den äußeren Hilfsaktionen benützte sie, um in Galizien eine ausgedehnte Schnlaktion einznleiteu. bald kamen aber wieder drohende Ereignisse, die ein energisches Einschreiten erforderten. Mit kurzen Schlagworten wollen wir diese unglückselige Kette flüchtig registrieren: Die Blntbeschuldignngen in Tisza-Eszlar, Tauchen, Könitz, Korfu, Polna, die Judenverfolgungen in Rußland 1891, verschiedene Hilfswerke 1897—1899 in Prag, in Galizien, in Holleschau, die rumänische Massenemigration 1900—1902, das Jndenmaffakre in Kischenew 1903 und die sich hieran anschließende Masseuauswanderung ans Rußland, im Jahre 1905 wieder große Judenmasiakres im südwestlichen Rnßlaitd. die Bauernuuruhen in Rumänien 1907. Ueber alle diese Hilfswerke, die sich bis in die letzte Zeit fortsetzen, hat die Allianz in ihrem jeweiligen Jahresberichte eingehende Darstellungen gegeben und sie liefern einen glänzenden Beweis für die segensreiche Tätigkeit, die sie in den vier Jahrzehnten ihres Bestandes bis auf den heutigen Tag entfaltet hat. . Zentralverein nnd Zionismus. Unter dem Vorsitze des Justizrates Horwitz. Die jüngst stattgehabte Hauptversammlung des „Z entralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" beschäftigte sich hauptsächlich mit der Erörterung des Verhältnisses des Zentralvereines zum Zionismus", worüber die Herren Professor Dr. F a lk e n h e i m - Königsberg und Geh. Jnstizrat Dr. Fuchs-Berlin referierten. Die Ausführungen des ersteren gipfelten in folgendem Resümee: „Gegen die charitative Tätigkeit des Zionismus sind Einwendungen nicht zu erheben. Hinsichtlich der politischen Tätigkeit gilt gleiches nicht. Der Zentralverein kämpft für die staatsbürger- 'liche und gesellschaftliche Gleichstellung. Der.Zionismns erschwert diesen Kampf, indem er dem Antisemitismus Vorschub leistet. Der Zentralverein wtll seine Mitglieder in der unbeirrten Pflege deutscher Gesinnung bestärken. Der Zionismus mindert zum wenigsten durch die radikale Art seiner Agitation die deutsche Gesinnung und befinde: sich durch die Auffassung, daß die deutschen Juden nur Gäste im fremden Wirtsvolk seien. durch seine Bestrebungen, sie zu türkischen Staatsbürgern zn machen, mit den Anschannngen nnd Bestrebungen des Zentralvereines in Widerspruch. Daß sich der Zionismus für den allein berechtigten Vertreter eines aufrechten, selbstbewußten Jndentnmes ansgibt, entspricht nicht den Tatsachen." Auch der zweite Referent, Herr Jnstizrat Engen Fuchs, äußerte sich in ähnlichem Sinne. Er ging auf die Frage, wer zn den Mißstimmungen Anlaß gegeben, historisch ein nnd stellte fest, daß dies nicht von seiten des Zentralvereines geschehen sei. Die Etappen hiefnr seien der Mugdanrummel, Sombart und die Vorgänge in Kattowitz. Er wies ferner nach, daß sowohl der Zionismus wie der Zentralverein eine Wandlung dnrchgemacht haben. Ein doppeltes Nationalbewnßtsein, wie es die Zionisten konstruieren, sei ihm nicht verständlich. Man habe versucht, eine Einigung herbeiznführen, ehe man die Sache vor den Delegiertentag brachte. Er gab eine sehr interessante Beleuchtung der seelischen Werte der jüdischen Religion nnd der von den Zionisten propagierten nationalen Werte. Die ersteren sind ihm das wesentliche, letztere unfruchtbar. Jnstizrat Fuchs schloß seine Ansführnngen mit folgenden Worten: Die Frage an jeden Zionisten lautet: Willst du dentschnational sein oder nicht? Wenn ja, so arbeite mit, selbst wenn du nebenher noch so etwas zn empfinden glaubst, wie national-jüdisches Bewußtsein,-das im Grunde doch nur eine Täuschung ist. Er glaubt, daß, wie die Entwicklung des Zentralvereines nach der Richtung des jüdisch Positiven gehe, so gehe bei den Zionisten die Entwicklung des jüdisch-nationalen Gedankens, zu einer Erkenntnis des phantomhaften Charakters. Eine vom Vorstand vorgeschlageneMesolntion, die von beiden Referenten befürwortet wurde, wird unter Ablehnung aller den Sinn verschärfenden, wie der mildernden Znsatzanträge mit allen gegen eine Stimme angenommen. Sie lautet: „Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bezweckt nach seinem Paragraphen 1 der Satzungen, die deutschen Inden ohne Unterschied der religiösen und politischen Richtung zn sammeln, um sie in der tatkräftigen Wahrung ihrer staatsbürgerlichen nnd gesellschaftlichen Gleichstellnng sowie in der unbeirrten Pflege deutscher Gesinnung zn bestärken. Hieraus ergibt sich die Stellung des Zentralvereines zn den Zionisten. Wir verlangen von unseren Mitgliedern nicht bloß die Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten, sondern auch deutsche Gesinnung und die Betätigung dieser Gesinnung im bürgerlichen Leben. Wir wollen die deutsche Jndenfrage nicht international lösen. Auf dem Boden des deutschen Vaterlandes wollen wir als Deutsche an deutscher Kultur Mitarbeiten und unserer durch unsere Religion und nnsere Geschichte geheiligten Gemeinschaft treu bleiben. So weit der deutsche Zionismus danach strebt, den entrechteten Juden des Ostens eine gesicherte Heimstätte zu schaffen oder den Stolz des Inden auf seine Geschichte und seine Religion zn heben, ist er uns als' Mitglied willkommen. Von dem Zionisten aber, der ein deutsches Nationalgefühl leugnet, sich als Gast im fremden Wirtsvolk und national nur als Jude fühlt, müssen wir nns trennen." Hierauf erstattete der Syndikus des Zentralvereines, Rechtsanwalt Dr. Holländer-Berlin, den Tätigkeitsbericht nnd ermähnte zu eifriger organisatorischer Arbeit, um den noch immer nicht verschwundenen Antisemitismus erfolgreich zn bekämpfen. Rabbiner Dr. Werner-München sprach über die antisemitische Hetze gegen das Schächten und wies den Vo energisch zurück. wurf der Tierquälerei Gegen, die Resolution des Zentralvereines versendet das Zen tra lkomitee der zionistisch eu V ereiniguug folgende Gegenerklärung:

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