Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 15 (11.4.1913)
- Date
- 1913-04-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 15; Die Wahrheit Leite 5. wurde im Jahre 1841 geboren und trat 1862 in diplomatische Dienste. 1887 wurde er als bevollmächtigter Minister mit außerordentlichen diplomatischen Missionen betraut. Zwei Jahre später wurde er zum Mitgliede des Staatsrates ernannt und bald darauf zum Generalsekretär des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten. In dieser seiner Eigenschaft diente er in verschiedenen Kabinetten und wurde, wenn auch nicht formell, sp doch de faclo als der Minister für Auswärtiges angesehen. Die meisten Handelsverträge Italiens mit andereil Staaten find fein Werk. Signor Malvano widmete sich hiebei auch wissenschaftlichen Arbeiten und wurde wiederholt zum Vizepräsidenten der italienischen geographischen Gesellschaft gewählt. * * * Die jüdischen Hilfsgesellschaften hatten bereits durch ihre Delegierten, die Herren Dr. Paul Nathan, Eklan Adler und Dr. Bernhard Kahn, die den Balkan bereisten, Vorsorge getroffen, daß der notleidenden jüdischen Bevölkerung Adrianvpels, t)ie mit 18.000 Seelen fast ein Viertel der Einwohnerschaft ansmacht. sofort nach dem Falle der Festung rasche Hilfe gebracht werden könne. Seit einiger Zeit wurden für 65.000 Francs Lebensmittel, Heizmaterial, Kleidungsstücke rc. bereitgehalten, die einen Tag nach dem Fall der Festung nach Adrianopel gebracht wurden. Eine elfgliedrige Kommission reiste in einem Sonderzuge, der einen Waggon Geflügel und zehn Waggons Lebensmittel enthielt" zur Hilfeleistung ab und ist bereits in Adrianopel eingetroffen. Auch zwei Krankenschwestern ans Berlin und ein Arzt zur Pflege der Kranken und Verwundeten mit den nötigen Medikamenten sind von Sosia, wo sie inzwischen stationiert waren, nach Adrianopel abgegangen. 'Herr Großrabbiner Dr. Ehrenpreis hat sich acht Tage später ebenfalls nach Adrianopel begeben. * * Aus London wird berichtet: Vorige Woche fand die bereits seit einiger Zeit angekündigte Fahrt des englischen Königspaares durch die Londoner Ostseite, welche wie bekannt, zum größten Teile von Juden bewohnt wird, statt. Die Bewohner dieses Stadtteiles, die hauptsächlich aus eingewanderten Juden bestehen, haben für den Empfang des Königspaares große Vorbereitungen getroffen; Das ganze Stadtviertel war festlich beflaggt und an mehreren Stellen Triumphbögen ausgestellt. Das Arrangement lag in den Händen der Genossenschaft der Hausierer und Straßenverkäuser, deren Vorstand dem Königspaare seine Aufwartung machte, während die Tochter des Vizepräsidenten dieser Organisation ein Fräulein Walentin der Königin Mary einen herrlichen Orchideenstrauß überreichte. Das Königspaar dankte für all diese Zeichen der Dankbarkeit und Liebe dieser eingewanderten Jtrden. Vicrstaiäliriges Jubiläum der ilrael. Allianz;u Wirst. Die größte und vornehmste Hilfsorganisation der österreichischen Jndenheit und eine der leitenden Korporationen bei den internationalen Hilfswerken für unsere verfolgten Glaubensgenossen, die Israelitische Allianz zuWien, feiertin der fürMittwoch, den 16. April, 6 Uhr abends, im Saale der israel. Kultnsgeineind.e ausgeschriebenen diesjährigen Generalversammlung das Jubiläum ihres vierzigjährigen Bestandes. Der umfangreiche über 140 Seiten umfassende Jubilänms-Bericht, der in den nächsten Tagen an die Mitglieder versandt wird, enthält neben dem Berichte für das verflossene Verwaltungsjahr auch eine Rückschau über die vierzigjährige Tätigkeit des Vereines. Ans einem uns vom Sekretariat freundlichst zur Verfügung gestellten Bürstenabzug sind wir in der Lage, einiges über die Entwicklung des Vereines zn entnehmen. Josef Ritter v. Werthei m e r, Dr. Ignaz K u r a n d a iind Dr. Leopold Kompe r t bildeten vor vierzig Jahren bei der Gründung der Israel. Allianz das erste Exekutivkomitee. Durch die Macht ihrer Persönlichkeit, durch ihre politische und gesellschaftliche Stellung, durch ihr begeistertes Schaffen für die Ziele - des Vereines haben sie zn dessen Hebung am meisten beigetragen. Moriz Freiherr von Königswart er und Eduard W teuer; Ritter von Welten gehörten zu den ersten, die Beiträge.für den Stammfonds gestiftet. . 1872—1912* „Die Israelitische Allianz zn Wien" ist als jüngere Schwester der seit dem Jahre 1860 in Paris bestehenden „Alliance Israelite Universelle“ int Jahre 1872 ins Leben getreten und hat im Frühjahr 1873 ihre erste, konstituierende Generalversammlung abgehatlen. Die Idee und die Bestrebungen, des Vereines können nicht besser dargestellt werden, als es in dem Nachruf geschehen ist, den Adolf Jellinek dem Gründer des Vereines, Josef Ritter von Wertheimer, gehalten hat: „Dieser Verein ist die herrlichste Frucht am Baume des ntodernen Judentums und kein zweiter erreicht ihn an Wichtigkeit und Wirksamkeit. Die Grenzen seiner ausgedehnten und segensreichen Tätigkeit sind nicht etwa eine Gemeinde, eine Stadt, ein Land, ein Reich, ein Weltteil, sondern er umfaßt mit brüderlichem Sinne garrz Israel in der Zerstreuung. Wo es leidet, duldet, seufzt, schmachtet und verzweifelt, wo es im Dunkeln wandelt, fern von dem Lichte europäischer Knltnr, wo es der Fürsprache und der Fürsorge, der Vertretung und der Verteidigung bedarf, wo es gilt. Schulen zu errichten, Werkstätten zu gründen, Handwerke zu verbreiten, die Heranwachsende Jugend zu nützlichen, fleißigen, knltnrsübigen Menschen zu erziehen, da erscheint e-r ratend, helfend, schlitzend, mit freigebiger Hand, mit iürsehendem Auge und mit warmer, brüderlicher Teilnahme. Er fchlug ztrerst Wurzeln in jenem großen Reiche, wo eine hochherzige, freiheitliebende, für die erhabenen Prinzipien der Aufklärung begeisterte Nation lebt, wo unsere Brüder zuerst in Europa als vollberechtigte Söhne und Bürger ihres Vaterlandes anerkannt wurden und wo das dreifach gefärbte Banner der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zum Segen der Menschheit glorreich weht. Dort haben unsere Glaubensgenossen zuerst für die heilige Sache und hehre Idee, den leidenden Brüdern in der Ferne ein warmes Herz und eine hilfreiche Hand zuznwenden, sich begeistert und sie 'allmählich freudig und hingebungsvoll ausgeführt. Sie wollten Gott ein Dankopfer darbriugen für die Erlösung von der Schmach und der Erniedrigung des Mittelalters, die er ihnen gesandt hat, und wahrlich, sie konnten ihren Dank gegen die göttliche Vorsehung nicht herrlicher und preiswürdiger ansdrücken, als durch die Gründung der „Allgemeinen Israelitischen Allianz". Zur Ehre unserer Gemeinde wurde ein solcher großartiger auf der Höhe der Geschichte stehender Verein auch in unserer Mitte errichtet. Der teuere Verklärte haue die Anregung zur Gründung dieses Vereines in der Hauptstadt Oesterreichs mit jugendlicher Wärme und tatkräftiger Begeisterung .erfaßt, und stand nicht bloß an dessen Spitze bis an das Ende seines Lebens, sondern war das leitende Haupt, die bewegende Seele, die tätige Hand, das sürsehende Auge, der weise Rat der „Allianz", ein Muster und Vorbild von nie erkaltendem Eifer und nie erlöschender Liebe für das Wohl und das Heil seiner Brüder in der engeren vaterländischen Heimat und in der Fremde." Ueber die erste Tätigkeit des Vereines, die sich merkwürdigerweise auf das Hilfswerk für die Inden in Rumänien bezogt auf dasselbe Hilfswerk, das uns gerade jetzt, nach vollen 40 Jahren, und nach einem fo gewaltigen Umschwung in den Verhältnissen der Balkanländer, ja teilweise gerade infolge dieses Umschwunges intensiv beschäftigt, hat Josef Ritter von Wertheimer eigenhändig folgendes notiert: „Feber—März 1872. Erste Anregung zur Hilfeleistung in Rumänien durch die Grenelprozesse in Ismail. Arminio Kohn, Sam. Gottlieb und ich beraten und ziehen Kompert und Neustadt zu. März—April. Wir laden etwa 200 Notabeln zu einer Versammlung ein; es erscheinen etwa 60 bis 70, daruttter hervorragende Männer.. Der Gedanke eines Hilfskomitees für die Israeliten im Orient wird lebhaft begrüßt, noch mehr der von Knranda und mir wieder attfgenommene eitler Israelitischen Allianz. Alex. Schars votiert in der Versammlung 5000 fl. für beide Fonds, andere sagen ihre Beihilfe zn. Die Versammlung