Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 14 (4.4.1913)
- Date
- 1913-04-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3062972-3063674-3063688--08412-3075576- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 8. Die Wahrheit ... Nr. 14. Rabbiner Dr. Feuchtwang. kaiserl. Rat Liechtenstadt u. a. ' Nach den liturgischen Gesängen, die I. Kantor Kaufmann mit dem Chor vortrug, würdigte Rabbiner Dr. T a g l i ch t den Verstorbenen als Menschen und rühmte seine Seelengüte, seinen Herzeusadel und seine Aufopferung für die leidende Menschheit. Den Nachruf sprach ein früherer Assistent von Professor Lorenz. Dr. v. Aberle, im Namen der Gesellschaft für orthypädische Chirurgie. Er sprach über des Berstorbenen hohe Bedeutung als Forscher und Arzt, über seine wissenschaftlichen Verdienste und seine Hochhaltuug nnd Förderung der Tradition der Wiener Orthopädenschule. Universirätsprosefsor Dr. L o r e uz-befindet sich derzeit noch beim Orthopädenkougreß in Berlin und hat der trauernden Familie seine Teilnahme ausgedrückt. Wien. („Esperanza" akademischer Verein der spanischen I u d e n i n Wie n.) Die Ansschntzwahlen für das laufende Sommersemester haben folgendes Ergebnis gebracht: Präses: Salomon D a v i d o v i c, cand. med. Bizepräses: Ezra Kajon, cand. med. Erster Schriftführer: Avram Barnch. stud. fnr. Zweiter Schriftführer: Nifiim M e n a f f e, cand. med. Kassier: Jakob L e v y, sind. med. Bibliothekar: Jsak D a v i d o f f, sind. med. Archivar: Moise Levy, st-nd, techn. Wien. Der „Misrachi" Wien, veranstaltet am 10. April l. I. im Festsaale des Horel Continental, II., Taborstraße 4, einen Vortragsabend, an welchem Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. G r u n w a l d über P a l ä st i n a j n d e n tu m unter Vorführung von Lichtbildern sprechen wird. Enrree X 1.—, reservierte Sitze K §.— (Vereiusmitglieder L 2.—) Karren sind erhältlich in der Buchhandlung Schlesinger, I.) Seitenstertengafie 5 und beim Portier des Hotel Continental, sowie an der Abendkasse. Der Reinertrag fließt dem Gartenbau-Kolonialfond zu. Wien. (Jüdisches S ch ü l e r f e st.) Bon dem Bestreben geleitet, die jüdische Jugend dem Judentum zu erhaltcli, und angespornt durch den Erfolg im Vorjahre, veranstaltet das rührige Komitee unter dem Protektorate des Herrn Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgemeinde und Landesschulrates Dr. Gustav K o h n am Sonntag den 13. April d. I. um J/24 Uhr nachmittag im Prachtsaale des Hotels „Kontinental", H., Taborstraße 4, eilt' Schülerfest. Programm: Festrede, Schülerchöre, Bortragsakademie, Festspiel „Der Weg der Treue". Orchester-Kapellmeister Ganglberger. Karten ä 4, 3 nnd 2K erhältlich Schulkanzlei, II., Malzgasse 16, Buchhandlung I. M. Bels. I., Rabensteig, Tanzinstirnt Heimann II., Praterstraße 43, Theaterkarten-Bnreau I., Morzinplatz 5. Allseitige Unterstützung und Förderung erwünscht. Reingewinn zugunsten hungernder Schulkinder. Wie«. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus veranstaltet Samstag, den 12. April einen Vortrag über „Die Entwicklung und bleibende Bedeutung der jüdischen Religio n", welchen Herr Dr. Immanuel Heyn, Pfarrer an der Kaiser W i lh e lm - G e d ä chtn i s kir ch e zu Berlin, Mitglied des deutschen Reichstages, abends 8 Uhr im Festsaale des Hotel Central, II., Taborstraße Nr. 8, Raiten wird. Gäste willkummen. Bisenz. Am 27. März fand unter zahlreichrr Beteiligung das Leichenbegängnis der Frau Rosa W e i n b e r g e r statt. Rabbiner Dr. Hoff hielt einen warmen Nachruf. Die kantorale Funktion versah in ausgezeichneter Weise Oberkantor L e w i t i n. Jüdische Bühne. Direktion M. Siegler. „Hotel Stefanie", IL, Taborstraße 12. Freitag, den 4. April 1913 C h a i m in Amerika Lebensbild in vier Aufzügen von Rudolf Mat. Samstag, den 5. nnd Sonntag, den 6. AprilJoim Hachrpe, Operette in vier Aufzügen von Lateiner. Sonntag, den 6. April halb 4 Uhr nachmittags, Kn ne Lemil Komödie in vier Aufzügen von A. Goldfaden. Mittwoch, den 9. April Benefize der Pepi nnd Moritz Weinberg MotieM eil e ch. Lebensbild in vier Aufzügen von K o r n b l ü h. Marga. Von Zda Bock. . (Fortsetzung.) 10. Guten Abend, Hedi! Es ist spät, aber ich will Dir doch emige Zeilen schreiben. Hedi, ich habe also wieder meinen Kidnsch gehört, während die Leuchter, es sind ja doch solche, wie ich sie zu Hause habe, wie sie auch Doktor Finks Mutter besitzt, wie alle Freunde anblinken. Und ich stand und sann und als mich die Stille ringsum aufblicken ließ, da war ich erstaunt. Onkel nnd nicht den Doktor den Becher zum Munde führen zu sehen. Ich griff mechanisch nach dem goldenen Kettchen an meinem Hals und errötete, als ich Leos Spitzbnbenaugen ans mich gerichtet sah. Und als hätte er meine Gedanken erraten, fragte er nach der Mauze leise: „Du, Marga, von wem hast du eigentlich diesen — Moses?" ., Von einem Jugendfreund meiner Mutter," sagte ich und errötete noch tiefer. Das war zu dumm. Ich glaube, sie merkten es . alle" aber niemand verlor ein Wort. Sie begannen zu singen. Onkel mit seiner noch immer schönen Tenorstimme, Lea, Otto, Elli, Leo und Naemi. Und ich ließ mich von meiner Erinnerung tragen, weit, weit zurück in: das liebliche Land meiner Kinderträume. Leas Sopran schwang sich auf, weich und warm. Und ich senkte die Lider und Höne bald nur zwei Stimmen, die meiner Eltern. Ach ja, so hatteihr Gesang geklungen, das war die Melodie gewesen. Ich hielt den Atem an und lauschte. Und bald lauschte ich nur auf Lea und sah mich im Bettchen und glaubte Mutter zu hören. Ich beschattete hastig die Augen, aber es war zu spät. Zwei große Tränen rollten mir über die Wange. Onkels rascher- Blick" streifte mich, Tante sah auf. Sie nickte mir liebevoll zu. Ich hob den Kops und stimmte mit zuckendem Munde ein. Erst ganz leise aber bald laut und freudig wie die andern. Onkels Stimme senkte sich merklich, ich fühlte sein Auge ans mich ge- , richtet und als ich ihm begegnete, da, Hedi, da löste sich gerade eine Träne von den langen Wimpern. „Valerträumt," flüsterte Lea und stieß mich an. Ich blickte sinnend in den hellen Glanz, der Sabbathlichter, vor denen nun plötzlich Urgroßmütterchen in der Goldhaube stand mit fromm.erhobenen Händen, die Lippen zum Segensspruch öffnend. - Marga. 11. Liebe Hedi! Onkel, Tante und Lea wohnen einer Trauung, bei. Otto und die andern hatten unter Führung ihrer Lehrer einen-Ausflug. „Ein herrliches Lagbeaumerwetter," jubelten sie gleich am frühen Morgen. Und jeder legte irgend ein neues- -Kleidungsstück an, die Knaben eilten zum Friseur, alle schienen fröhlicher als sonst. Ich selbst holte mein leichtes Kleid hervor und fragte Tante: „Muß ich auch heute in die Küche?" „Du mußt nur immer, wann du willst, Marga," lächelte sie. „Heute ziehts dich wohl gleich den andern ins Freie. Ob Lea dich begleiten möchte?" Und wir wanderten hinaus. Schweigendschritten wir nebeneinander her, die unvergleichliche Schönheit ringsum voll Andacht genießend. Lea blieb bisweilen stehen, sah mit glänzenden Augen zum wolkenlosen Himmel auf, beugte.sich zu tausend Blümchen am Weg, sah dabei so frisch und lieblich aus, als wäre sie ein Teil des wunderbaren Maienbildes, das Gottes Herrlichkeit wiederspiegelt. Im Wald, begegneten wir ganzen-Scharen von singenden- Schulkindern, ihre jüdischen meist intelligenten Gesichter strahlend-, von Frohsinn und Wanderlust. Einige erwachsene Mädchen kamen des Weges. Lea begrüßte sie herzlich nnd stellte mich vor.. Eines von ihnen, ein ernstes, hübsches Fräulein, studiert Medizin. ist bereits im letzten Jahrgang. Ich merkte bald, daß ich ihm sympatisch sei. (Fortsetzung folgt.) ' Merzeichms der Derstoröettett vom 23. bis inklusive 29. März 1913. Eiuaiiuel Kiesler, Kaufmann, 50 I. Hermann Wollisch, Reisendens-- kind, 4 Monate. Rosa Geil geb. Weimann, ohne Berns, 49 I. Beile Goldstein, Kaufmannswitwe, 88 I. Wolf Pollaczek, Kaufmann, 76 I.- Richard Rothziegel, Stenograf. 28 I. Bertha Fruchlmann, Hausiererkind, 6 Monate. Charlotte Oberländer, Advokatensgattin. 40 I. Amalia Schwalb, Reisendesgaltin, 50 I. Johanna Koheu, Hilfsarbeiterskind, 5x/2 I. Adolf Weiß, Rentner, 75 I. Adolf Spira, Reisendenskind, 2 Monate. Johanna Brann geb. Rofenbaum, Schneiderin, 57 I. Siegfried Löbl, Vertreter. 55 I. Löbl Lott (Morgenstern) Pflegling, 80 I. Ella Löwit, Handelsangestelltenskind 11 Monate. Sali Goldschmid geb. Eisler, Private, 79 I. Marianne Kiraly, Pflegekind, 6 Wochen. Jfak Wolf Berger, Schuhmachermeister, 51 I. Lea Kreis geb. Anerbach, ohne Berns, 68 I. Rosa Popper geb. Restler, Private, 61 I. Nastali Mastbäitm,, ohne Beruf, 70 I.- Ferdinand Eisler, Privat, 66 I. Johann Pohanka. Schneidergehilfenskiud, 1x/2 I. Moriz Fried, Reisender, 49 I. Hermann Weiß, Dienstmädchenskind, 9 Monare. Marianne Keiner geb. Löwh, Kaufmannsgattin, 35 I. Salomon Sainanski, Kanfmann, 52 I, Katharina -Schimmerling, Eiseuhändlersgattin, 71 I. Israel Reichmann. Pfründner, 60x/2 I. David Bader, Kanfmann, 82 I. Anna Schmidt geb. König, Private, 72 I. Regina Böhm geb. Graf. Kaufmannswitwe 66 I.- Josef Marko, akad.. Maler, 43 I. Jakob Sonnenschein, Privat, 72 I. Franziska Schmey, Bebienerin, 45 I. Richard Tychy, Kind l1/^ I. Helene Hain, Geschäflsinhaberin, 52 I. Angrolo Emilio, Kanfmannskind, 1x/^-J. Eduard Pollak ohne Berns. 44 I. Ernestine Blausten, Dienstmännsklnd, 2 Monate. Salomon Ostersetzer, Magazineur, 74 I. Theresia Fuchs, Private, 53 I. Josef Weiß, Kassiererskind, 1*/* I. Heinrich Pollak, ^ailfmailik. 39 I. Adolf Spitzer, Schwimmmeister, 46 I. Cäcilie Hütschnecker, Handelsangestellrenskind, I I. Eleonore Recht geb. Recht,- Fabrikantenswitwe^.. 80 I. Leibus Rnbenstein, Kanfmann, 41 I. Grete Löwit, Händelsaugestelltenskind, 1 I.