Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 14 (4.4.1913)
- Date
- 1913-04-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14. __Die Wahrheit __ ._ Seite 9. |)uf>l'iiutitmeti des öft.-ung. Üaiitoreti-lcreitieü. Dienstag, den 1. April fand unter dem Vorsitze des Präsidenten I. Bauer eine Vorftandssitzilllg statt, an welcher die Vorstandsmitglieder S ch o r r, D n n in a n n, Marge nst e r «, Iurberge r, Friedläuder, Schlesinger, R o s e n b e r g e r, Basse r. Kauf m a n u, Grob,Sereb- .r e n i f und K ohn teilnahmen. Nach Verlesnng des Protokolle» der letzten Sitzung gibt der Vorsitzende bekannt, daß über Intervention des Präsidiums .Herr Baron Louis von Rothschild dem Vereine eine Spende von 1000 Kronen gewidmet habe. Dem edlen Spender .wird der einstimmige Dank des Vorstandes votiert und anschließend hieran vom Vorsitzenden milgeteilt, daß noch weitere Spenden in Aussicht stehen, über deren Eingang bereits in nächster Sitzung berichtet werden dürfte. Im Einlaufe befinden sich unter anderem die Beitrittsaumelditngen der Kantoren' Schächte r-Esfeg, Deutsch- Preßburg und Z o l d a u-Baden. Der Vorsitzende teilt mit, daß der Vorstand des Tempelvereines im IX. Bezirke das Prüsidittm des Kantorenvereines sowie das Vorstandsmitglied M. B. Kaufmann als Ex- .perten zu den Prodevorträgen behufs Besetzung der Kantorstelle im genannten Tempelvereine eingeladen habe. Bei der hierauf folgenden Verhandlung über derzeit aktuelle Standesfragen gelangte die Czernowitzer Kantorfrage neuerdings zur Diskussion und fand das Vorgehen der Czernowitzer gegenüber dem dortigen Oberkautor Schächter, sowie die .Haltung des Kollegen Pinkassowitsch, dessen unkollegiale und unkorrekte Bewerbung bereits in der letzten Vorstandssitznng .mißbilligt wurde, allgemein scharfen Tadel. Insbesondere wurde betont, daß der Präsident der Czernowitzer Gemeinde, Doktor Strauch er, der sich im öffentlichen Leben als Führer des Judentums und als Schirmer der Unterdrückten giriert, sowie die Majorität des Czernowitzer Knltnsvorstandes, trotz der warnenden Vorstellungen des Vorstandes des Kantoren-Vereines, auf die seitens der Czernowitzer Gemeinde gar nicht reagiert wurde, sich nicht abhalten ließen, Herrn Oberkantor Schächter, der 18 Jahre in seiner Gemeinde zur allgemeinen Zufriedenheit wirkt und den Ruf eines äußerst würdigen und tüchtigen Fachmannes genießt, zu kränken und zil erniedrigen. Es wurde auch die Erwartung ausgesprochen, daß die gesammte Kollegenschaft das Bestreben des Vereinsvvrstandes gegen derlei Vorfälle energische Stellung zu nehmen, wirksam unterstützen wird. Nach Erledigung verschiedener Einläufe stellte Vizepräsident S ch o r r den Antrag, den Vereinssekretür Dr. M. Löwy in Anerkennung seines 30jährigen. überaus verdienstvollen Wirkens für die Interessen des Vereines und des gesamten Kantorenstandes anläßlich seines Scheidens vom Sekretariate zum Ehrenmitglied zu ernennen. Der Antrag wilrde einstimmig angenommen. Schließlich wurde das Ansuchen der Familie des jüngst .'verstorbenen Mitgliedes M. Reiser- Neuern, statutenmäßig behandelt und der Witwe ein Witwenbeitrag bewilligt. Im Sinne dieses Beschlusses werden die Mitglieder auf- .gefordert, den statutenmäßigen Pflichtbeitrag von X 2.— sowie die laufenden Vereinsbeiträge unverzüglich an den Vereinskassier, S. I u r b e r g e r, II., Tempelgaffe 3, einznsenden. * * Ausweis der Einzahlungen: Teltsch - Wien, X 2.— Bassl-Wien. K 2.—, Schorr-Wien, X 2,—, Bauer- Wien, X 2.—, M. B. Kaufmann-Wien, X 2.—, Morgeustern-Wien (Spende anläßlich des 60. Geburtstages des Präsidenten), X 60.—, Jnrberger-Wien, K' 2.—, Singermann- Troppäü, K 10.—, Smotritzky-Wien, K 10.—, Falk-Mtzdling, X 3.—, Morgenstern-Wien, X 2.—, Grob-Wien, X 5.—, Dünmann-Wien, X 6.—. Friedländer-Wien, X 4.—, Basser- Wien, X 4.—, Siegfried Kohn-Wien, X 10.—, Deutsch-Preßiburg, X 8.—, Zoldan-Baden, X 6.—. Die Aktion der Prager Kantoren. Auf die an alle Synagogen- und Kultusgemeinden Prags und der Vororte gerichtete Kollektivschrift der hiesigen Kantoren, worin ersucht wird, daß die Herren Rabbinen bestimmt werden mögen, bei den in Prag außerhalb der Synagogen stattfindenden Trauungen die kantorale Funktion nur von Berufskantoren ausüben zu lassen und nicht von Unberufenen, Laien, Dienstmännern und Tempeldieuern. sind bisher folgende Antworten eingelangt: S m i ch o w. 28. Februar 1913. Au die geehrte Bereinigung der Kantoren Prags und der Vororte in Prag. Auf die hieraints eingebrachte Eingabe vom 20. Februar 1913 beehrt üch der gefertigte Vorstand zu erwidern: Wir billigen Ihr Ansuchen bezüglich der Abstellung der obwaltenden Mißstände bei den in Prag stattfindenden Hoteltrauungen, finden Sie mit den gemachten Begründungen für gerechtfertigt und werden im Wirkungskreise dieser Gemeinde entsprechend Vorgehen. Achtungsvoll: Vorstand der isr. Kultusgemeinde iir Smichow. Ludw. Weil m. p. Euer Wohlgeboren! In höflicher Beantwortung der im Namen der Kantoren Prags und der Vororte zugekommenen Zuschrift, beehrt sich der gefertigte Vorstand mitznteilen, daß in seinem Gemeindespreugel, sowohl in als außerhalb der Synagoge nur die eigenen Bernfskantoren fungieren und fremde Funktionäre überhaupt nicht zugelasseu werden. Wir anerkennen vollkommen Ihre diesbezügliche Beschwerde, welche zwar ans voraugeführten Gründen auf unsere Gemeinde keinen Bezug har und sind gerne bereit, bezüglich der Trauungen in den Hotels, welche rvir, nebstbei bemerkt, überhaupt nicht billigen, ihrem geäußerten Wunsche gemäß bei unserem Herrn Rabbiner zu intervenieren: der Haupthebel wäre jedoch unseres Dafürhaltens in Prag selbst anzulegen, wenn eine gründliche Remednr geschaffen werden soll. Mit vorzüglicher Hochachtung Vorstand der isr. Kultusgemeinde Kgl. Weinberge, am 12. März 1913» Der Vorsteher: Dr. S k a l l m. p. P r ag, den 18. Mürz 1913. Antwortlich Ihres Schreibens, welches Sie namens der Kantoren in Prag und Vororten im Februar l. I. an 'unseren Sekretär, Herrn Dr. Louis G e s ch m a y. Advokaten in Prag, gerichtet haben, geben wir Ihnen Nachstehendes bekannt. Ihre Zuschrift gelangte in der am 16. März l. I. abgehalteueu Sitzung des Verwaltungsrates znr Berlesuug. Im Grunde der hierüber gepflogenen Beratung und des darnach einhellig gefaßten Beschluffes bringen wir Ihnen zur Kenntnis, daß sich der Verwaltuugsrat nicht für kompetent erachiet, zu der von Ihnen ane geregten Angelegenheit Stellung zu nehmen, noch weniger irgend welchn Jngerenz wegen Behebung der von Ihnen hervorgehobenen und gerügte- Uebelstände üben zu können. Wir müffen es ans dem eben erwähnten Grunde den Herren Kantoren Prags und der Vororte überlassen, die notwendigen Vorkehrungen, bezw. die ersorderlichen Schritte bei der Behörde zu veranlassen. Hochachtungsvoll Vom Vorstände des Vereines für geregelten Gottesdienst der Jsraelireu in Prag. Dr. Louis G e s ch m a y m. p. Moritz Austerlitz m. p. Sekretär Austritte ans dem Judentum. S e i d l e r Wilhelmine, Private, zeb. 24. Februar 1893 in Gödiug. Wien, VI.. Mollardgaffe 79. Reich Josef, Privatbeamter, geb. 6. Mai 1870 in Wien, XX.. Engerrhstraße 191. Bauer Beruh. Dr., Arzt, geb. 5. Juni 1882 in Wien. IX., Spitalgaffe 23. Müller Stephan, Beamter, geb. 3. Februar 1877 in Wien, XIII., Trautlmannsdorfgaffe 37. Weiß Tobias, Monteur, geb. 27. März 1368 in Brünn. Wien, II., Praterstraße 70. Klein Esriel Dr., Schriftsteller, geb. 31. Jänner 1868 in Bokow. Wien, VII., Breitenfelderstraße 29. Klein Frieda, Sängerin, geb. 31. Jänner 1888 in Wien. IX., Müllnergaffe 6. S u s l e r Jakob, Hilfsarbeiter, geb. 16. Jnni 1891 in Sramnia. Wien» XVI., Koppstraße 23.