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Die Wahrheit · 1913-04-04 · Heft 14 (4.4.1913) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 14 (4.4.1913)
Date
1913-04-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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*iU39a3ssae*ea*i#n«*sw»s3S«aM«s<esä«*»*eHs»s»HMiMHM»lH*SHBa*raSKi!^BBW^^M Seite 4. Die Wahrheit. Nr. 14. gegen Serbien bekannt sein muß. Gar so vergeßlich sind die Wiener Wähler doch nicht, wie dies wohl Dr. Patrai wünscht, und wenn er jetzt gegen die Politik seiner eigenen Partei wettert, wird ihn dies doch nicht wieder in den Reichsrat zurückbringen, sondern er arbeitet als Agent der Minoritätsparteien. Bielohlawek übte wieder die entgegensetzte Methode, er verteidigte die Kriegstreibereien der christlichsozialen Partei gegen Serbien und will die Tatsache der schweren Handelskrise aus diesem Grunde eben so leichtfertig ab leugnen, wie er dies bezüglich der Teuerung tat. „Gar so arg ist die Krise nicht", behauptet Bielohlawek dreist. In derselben Sitzung kündigte Bielohlawek, der den Verlust seines Reichsratsmandates bis heute noch nicht verschmerzen kann, „den Kampf wegen der Meldezettel bis aufs Messer" an. Der Hausmeister muß nach Bielohlawek alle Intimitäten der Hausbewohner wissen, denn „das gehr ihn schon an wegen der Wahl." Der Schicksalsgenosse Bielohlaweks, Exzellenz Dr. Geßmann, sekundierte dem ungenierten Herrn Bielohlawek ebenso ungeniert. Interessant ist aber der nnbegreistiche Umstand, daß er nur den Friedmänu-Akt bei den Reichsratswahlen im Jahre 1911 erwähnte und auf die Wahl des Gemeinderates Herrn Moisl im Jahre 1912 vergaß, die nicht nur seinem Genossen Bielohlawek. sondern der ganzen christlichsozialen Partei mindestens ebenso unangenehm war. Den unverfrorenen, protzenhaften Standpunkt der Groß-, agrarier deckte übrigens Baron Frendenthal auf, da nach seiner Ansicht trotz der Notlage der Länder „die staatliche Sanierung der Landesstnanzen überhaupt zu unterbleiben hätte, weil sie einen krassen Widerspruch zu dem Begriff der Autonomie bebeutet und nur dahin führen kann, die Autonomie der Länder zu untergraben." Wo bleibt der Staatspatriotismus dieser „Stütze des Staates?" Soll zu Gunsten des österreichischen Staates auf keine Weise mehr zentralisiert werden? Nach Baron Freudenthal sollte überhaupt nach einer bestimmten Anzahl von Jahren ein Abgeordneter nicht wieder wählbar sein, damit dieselben von ihren Wählern n i ch t s o s e h r a b h ä n g i g b l i e b e n (!!) Streber fänden . die oberen Zehntausend wohl immer genug? Bielohlawek spann diesen Gedanken konsegnent weiter und äußerte seine Wut gegen die Reichsratswähler durch die Ansicht, daß es besser wäre, „den Reichsrat zu ernennen". Daneben könnte immerhin noch ene „Kontrollkommission" gewählt werden (!) Seinem Vereinsgenossen Dr. Pattai entgegen beklagte es Bielohlawek, „daß in Albanien nicht ein paar Juden nmgebracht wurden, weil wir dann schon in Belgrad einmarschiert wären." Die durch „die Jnnisieger" Gefallenen fühlen sich schließlich doch nicht mehr so sicher im Sattel und fürchten die Landtagswahlen für das Jahr 1914 gewaltig. Auf alle Fälle soll wohl durch die wirtschaftliche Besserstellung der Landtagsvertreter (Landmarschall, sein Stellvertreter und Landesansschüsse und Pensionsberechtigung der letzteren) für einen eventuellen „weichen Fall" vorgesorgt werden, wenn auch Landtagsmandate verloren gehen. Die kurzen Zwischenrufe der „Enfants tembles“ der politisch rückständigen Parteien gestatten oft mehr als lange Reden Einblick in die eigentlichen Absichten dieser reaktionären Rückschrittler. Es ist daher ein dankbares Geschäft, solche kurze und prägnante Aussprüche festznhalten, um sie zur rechten Zeit reproduzieren zu können. R. L. Der Polarforscher Scott und die Iaht 23. Bo» A. Stößler, Olmütz. Unter dieser Aufschrift hat die hierorts erscheinende „Mähr, schles. Presse" nachstehende Notiz veröffentlicht: „Abergläubische Gemüter, denen die „böse Sieben" und die „ültraböse Dreizehn" schon reichlich Gelegenheit geben, ihr bischen Leben und Dasein von unbekannten Schrecknissen umwittert zu sehen, mögen sich hinfort vor einer neuen Unglückszahl in acht nehmen, der Zahl 7-st 13-st 3 oder 23. Das tragische Ende des Südpolforschers Scott scheint nämlich in geradezu unheimlicher Weise von dieser Zahl „beeinflußt" worden zu sein, wie nachfolgende Aufstellung lehrt: Das Schiff, auf dem Scott seine Fahrt unternahm, die „Terra nova", verließ London am 15. 6. 1910. Addiert man die Zahlen dieses Datums, so ergibt sich: 1 + 5 + 6 + 1 + 9-1-1 + 0 23. Die „Terra nova" tritt ein in die Zone des Südeises am 9. 12. 1910: 9 + 1 + 2 + 1 + 9 + 1 + 0 23. Scott erreichte den Südpol am 18. 1. 1912: . 1 + 8 + 1 + 1+9 + 1 + 2 23. Der ihn begleitende Leutnant Edgar Evans stirbt am 17 9 1Q19- *1 + 7 + 2+ 1 + 9 + 1 + 2 + 23. ’ Der Abschiedsbrief, den Scott kurz vor seinem Tode schrieb, ist datiert vom 25. 3. 1912: 2 + 5 + 3 + 1 + 9 + 1 + 2 23. Endlich: der Forscher ist geboren im Jahre 1868: 1 + 8 + 6 + 8 23. Die Anhänger der kabbalistischen Wissenschaft, deren es in praxi mehr gibt, als sich ein moderner und sozusagen aufgeklärter Europäer sollte träumen lassen, werden uns vielleicht demnächst darüber aufklären, warum uns diese „neue Unglückszahl" beschert worden ist." Soweit der Bericht. Nachdem mir die betreffende Nummer besagten Blattes erst dieser Tage von anonymer Seite zwecks „Aeußernng" übermittelt wurde, so war ich außerstande, diesem Wunsche sofort zu entsprechen. j Bevor ich jedoch ins Meritorische der Sache eingehe, sehe ich mich veranlaßt, der Vermutung Raum zu geben, daß die „Mähr, schles. Presse" bei Veröffentlichung besagter Notiz nicht ohne gewisse Absicht gehandelt hat, indem sie eine Angelegenheit, zur öffentlichen Diskussion brachte, die opportun erscheint, kritisch beleuchtet zu werden. Ohne Kabbalist zu sein, komme ich dieser dankenswerten Aufforderung umso bereitwilliger nach, als-mir hiedurch Gelegenheit geboten wird, zum w i e d e r h o l t e n m a l e gegen, den Mystizismus und menschlichen Aberglauben mit der g r ö ß.t.e n Entschiedenheit Stellung zu nehmen. Ich fühle mich umsomehr berufen, in dieser Sache das Wort zu ergreifen, als ich selbst vor Jahren durch eine harmlose Begebenheit in die unangenehme Lage kam, mit dieser angeblich „ominösen" Zahl (der schon im Jahre 1868 anläßlich der Geburt Scotts eine unheimliche Rolle zugeschrieben wurde) in näheren Kontakt zu treten. In meiner kritischen Studie vom Vorjahre betreffend „der Obskurantismus und der menschliche Aberglaube im Lichte der wissenschaftlichen und dogmatischen Anschauung" bin ich dieser Sache näher getreten, indem ich mit Nachdruck darauf hingewiesen habe, daß es auf krassem Irrtum, auf Unwissenheit und Entstellung der Wahrheit beruht, etwaige Erscheinungen, die im Laufe des Naturganges sich fast alltäglich ereignen, als etwas „A u ß e r g e w ö h n l i ch e s" bezeichnen zu wollen. Eine solche Annahme, welche mit den unabänderlichen Gesetzen in der Natur, sowie mit der wissenschaftlichen und religiösen Anschauung aller Kulturvölker im hellsten Widerspruche steht, konnte nur in der Finsternis des Wahnes, des Irr- und Aberglaubens, geboren werden. Jeder vorurteilsfreie Deuker wird die transzendentale Beden t u n g der Z a h l en 7, 13 u n b jetzt neu 231! umsomehr als h eilen Wah n w i tz brandmarken, als.es doch wissenschaftlich feststeht, daß bei vielen Menschen durch die sogenannte „systematische Suggestion" besonders b e eins l n ß b a r e Bewußtseinsznsiände herbeigeführt werden, welche —7 wie ich dies bereits einmal erwähnt habe —

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