Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 14 (4.4.1913)
- Date
- 1913-04-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Aedaktion und Sldminiftratio»: Wien, II/, Novaiagasje 27 Telephon: Redaktion 5509/1V. Hvabhärrgige Heltfchnft für jüöifche Ganzjährig.K I*.— Halbjährig.K 7.— Administration 4988 ll. St. k. üstcrr. Losljpartaffa- ' Scheck»«»»,» Nr. 100.918. Interessen. Für SluUuSbeuiute: <6'mni<ibvi(i.K 10.— Inserate: Dir viermal gespalten- Nonpareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Ar eitag. Für AnStettd: Abonnements- und JnjerrionS- «Uiiiizlährig.8 Mark betröge sind in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ ü .Nudel oder >a Frc». Ur. 14 Wien, 4. April Inhalt : Weißes Blut. — Christlichsoziale und agrarische „.Entente terribles“. — Der Polarforscher Scott und die Zahl. 23 — — Martes Bachrach. Deutschtum uud Judentum. — Alte und neue Syuagogenmnsik. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: „Marga". — Publikationen des Oesterr.-ungar. Kantoren-Vereines. Abonnernents-Einlcrdung. Die geeijrten Kerren Köonnenten werden um umgehende Erneuerung des Köonnements für das am 1. Jänner 1913 begonnene 1. Huartal ersucht, damit die regelmäßige Expedition des ZLlattes keine Unterbrechung erleide. - ■■ ■ Probenummern gratis zur Verfügung. - - - - - Weißes KInt von Josef Grob. Es mag ja fein, daß die Well, was die Blutfarbe anbestangt, noch heute im Irrtum lebt. Die ganze Welt glaubt nämlich, daß das Blut „rot" ist. Auch ich glaube fest darau, und selbst mein dreijähriges Söhnchen, welches noch gar keine Ahnung von Rasfennnterschieden des Blutes hat, schreit, wenn es eine stießende rote Farbe sieht, erschreckt auf: „Papa, Blut!" Um nicht zu lügen, muß ich gestehen, daß ich auch schon von einem „blauen Blut" etwas gehört habe. Aufrichtig gesagt, habe ich derartiges wohl noch nie gesehen, aber gehört habe ich schon davon uitb wenn ich nicht irre, soll das blaue Blut nur in adeligen Adern fließen. Um wieder nicht zu lügen, mnß ich bekennen, daß ich blutwenig daran glaube, weil ich auf dem Standpunkt stehe: Was du mit eigenen Augen nicht siehst, daran glaube nicht! Und mögen noch so viele Grafen, Fürsten und Monarchen behaupten, daß sie die alleinigen Besitzer des Blaublutes sind, ich glaube nicht daran, weil jedesmal, wenn ich das Malheur Hütte, Menschenblut zu sehen, ob das von Pogrom- Helden vergossene Iudenblut oder das infolge einer Sonntagsrauferei fließende Christenblnt, die Farbe des Blutes immer rot war. Bekannt ist es auch, und jeder kann sich davon sehr leicht überzeugen, daß, wenn in ein Glas Wasser nur zwei Tropfen Blut hineinfallen, das Wasser sich gleich ein wenig rötet; beim Nasenbluten habe ich schon selbst ein kleines Kunststück gesehen, und zwar, wenn man ein schneeweißes Sacktuch bei Nasenbluten nur kurze Zeit benützt, wird dasselbe in ein rotes Tuch verwandelt. Das Blut soll — wie die medizinische Wissenschaft versichert, auch chemisch untersucht werden können. Und so soll die Möglichkeit vorhanden sein, durch die chemische Untersuchung festznstelleu, ob Blutstropfen, welche an einem Rocke haften, nicht von einem .irgendwo in einem Walde als Leiche aufgefundeueu Ermordeten herrühren. Warum soll daher die Möglichkeit nicht vorhanden sein, endlich einmal festzustellen, daß die jüdischen Ofterbrode, wie viele christliche Kenner jüdischer Traditionen behaupten, von den frommen Juden mit Christeublut zubereitet werden? Könnte man das nicht vielleicht auf chemischem Wege feststellen? Nicht ins Mittelalter will ich greifen, in welchem unzählige Jilden diesem Verdachte znm Opfer gefallen sind. Jetzt aber, da wir in einer so vorgeschrittenen Kultnrzeit leben, in welcher selbst viele Christen die jüdischen Ofterbrode mit dem besten Appetit verzehren, ist es wirklich ein Rätsel, daß dieses Blntmärchen noch gang und gäbe ist. Beilis aus Kiew ist zwar, nach vielen Untersuchungen der russischen Behörden, nicht der Mörder des Justschinski, aber ein Ritualmord war es doch! Hilsner ist, wie es in der letzten Zeit verlautet, gewiß nicht der Schuldige am Morde der Agnes Hruza, Bergani will aber einen Ritualmord haben, und momentan ist kein anderer Jude aufzufinden. Und jüdische Osterseiertage nahen wieder und jüdische Mazes sind noch immer weiß und Menschenblut, so glaubt die Welt — ist immer noch rot. Oder wird die Zeit der vielen Wissenschaften einen Mann uns schenken, der endlich einmal uns den Beweis erbringen wird, daß: das Christenblut, welches die frommen Juden zu ihren Osterbroden verwenden: Weißes Blut ist? Ja, dann ist es sicher, daß die Juden zu Ostern Christenblnt brauchen,'so sicher wie das „Weiße Blut"! Wien. 1. April 1913. Christttchsozmle und agrarische „Enfants terribles.“ In der am 27. Mürz 1913 abgehaltenen 17. Sitzung des n.-ö. Landtages passierten, einige Entgleisungen von Abgeordneten, die als grelle Beleuchtung der Rückständigkeit und der tiefen Einschätzung der Wähler seitens obbezeichneter Vereinigungen festgehalten zu werden verdienten. Der Landtagsabgeordnete Dr. Pattai beklagte es, daß „das sinnlose Abschneiden der Progression bei 2,000.000 Kronen anfhört". trotzdem es ihm wohlbekannt sein mußte, daß die Christlichsozialen erst kürzlich im Finanzausschuß und schon im Juli 1910 den von ihrem Mitgliede Miklas gestellten diesbezüglichen Antrag im Subkomitee des Finanzausschusses n i e d e r st i m m t e n. ja, daß dies Miklas selbst tat. Ferner beklagte Dr. Pattai die unglückselige Politik Oesterreichs am Balkan, trotzdem ihm die Kriegshetzerei der Christlichsozialen