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Die Wahrheit · 1913-03-28 · Heft 13 (28.3.1913) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 13 (28.3.1913)
Date
1913-03-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Leite 10. Die Wahrheit. 9<r. 13. der Mitwirkung der Herren Michael Stricks, Mitglied der k. k. Hosoper «ns Wien, Kantor L. Kis chner, deren gesangliche Leistungen, akkompagniert von Herrn W e i n b e r g e r undder Pianistin Frau K i s ch n e r, mir begeistertem Beifall ausgenommen worden waren, einen glänzenden Verlauf. Exakt und trefflich klangen die Chöre der Herren von Schir- Chodosch unter der Leitung des Herrn Kantor I. K i jewsky und haben diese Darbietungen, sowie die humoristische Vorlesung, und die bekannte Schlußrede des Herren Profeffor Eduard Nascher stürmischen Applaus gesunden. Meran. Souutag am 16. März fand die Y. Generalversammlung des Vereines „Asyl für mittellose kranke Israeliten in Meran" unter Beteiligung eines zahlreichen und sehr distinguierten Publikirms statt. Präsident Herr Dr. M. Ko res begrüßte die Anwesenden, konstatierte die ordnungsgemäße Einberufnug und Beschlußfähigkeit der Versammlung und gedachte in warmen Worten der durch den Tod dem Vereine entciffenen -Gönner. Die geschäftsführende Vizepräsidentin Frau Dr. Rosa Hersch gab in ihrem Tätigkeitsberichte eine ausführliche Uebersicht über die geschäftliche Tätigkeit des Vereines. Den intereffunten und gründlichen Ausführungen folgten die Anwesenden mit großem Jntereffe. Dem mit großem Beifall ausgenommenen Tätigkeitsberichte folgte der Kaffabericht des Bereinskaffiers Herrn G. K a tz e n st e i n und der Revisionsbericht des Herrn Heinrich Gutmann; es wurde die genaue und sorgfältige Behandlung der Kassa und Revision seitens der genannten Herren von der Versammlung mit großer Befriedigung. wahrgeriommen. Nicht minder rief der ärztliche Bericht des Präsidenten und Chefarztes Herrn Dr. M. Ko res hervor. Die günstigen Heilungserfolge und die stetig wachsende Nachfrage um Aufnahme in das Genesungsheim sprechen nicht minder beredt als die statistischen Daten, daß das Genesungsheim als dumanitäre Anstalt mit vollem Rechte seinen guten Ruf verdient. Zum Schluffe sprach Herr Dr. Schaff, Lemberg, dem Gesamtvorstande. insbesondere den Präsidemeii Herrn Dr. Ä o r e f und der geschäftsführenden V zepräsidentiu Frau Dr. Hersch namens der Versammlung den innigsten Dank für die Mühe und Arbeit im Dienste der Humanität ans, worauf der Vorstand als freien Antrag die Erneniiung des verewigten Sanitätsrates Dr. R. Hausmann, Meran,und des Revisors Herrn H. Gutm a n n, Meran; in Anbetracht der hervorragenden Verdienste um den Verein zu Ehrenmitgliedern vorschlug. Die Versammlung nahm per Akklamation die Wahl vor. Das Genesungsheim hat bereits zum fünften Male feine Tätigkeit der Oeffentlichkeit unterbreitet, seit fünf Jahren unter allgemeinem Jntereffe segensreich gewirkt. Das Wohlwollen und die Förderung aller gutgesinnten Menschen wird dieser Anstalt gewiß immer treu bleiben. Drei liturgische Gesäuge für Kantor mit Orgel-, Harmonium- oder Klavierbegleitung komponiert von Aron Fried mann, königlicher Musikdirektor und Hauptkantor der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Wenn sich hohe Intelligenz mit frommem Sinn paart, so gibt dies einen guten Klang. Die großen Meister aller Zeiten harten neben ihrem vollendeten Wiffen ein tiefes Gemüt und der Ausdruck der Zwiegestalt von Geist und Gemüt in Tönen übertragen, wirkt mächtig auf Las menschliche Herz, von welchem es eben seinen Ausgangspunkt genommen. Auch unsere Meister im Synagogengesang waren neben der Betätigung ihrer hohen musikalischen Fähigkeiten bestrebt, mit ihrem Wissen und Können, feiges weltlicher oder religiöser Natur aufklärend zu wirken. Und so offenbart sich auch in deui neuesten produktiven Schaffen unseres hochgeehrten Kollegen Friedmann in Berlin eine solche Erscheinung von Wissen und Gemüt. Dem Andenken seiner geliebten Gattin gewidmet liegen 3 liturgische Gesänge auf. Nr. 1. „Herr was ist der Mensch." 2. „Eine Elegie auf Moses" (hebräisch). 3. „Psalm 16" (hebräisch). — Um gleichzeitig aber dem Schreiber dieser Zeilen eine Aufmerksamkeit in liebenswürdigster Form teilwerden,zu lassen, sandte der geehrte Versaffer zum freundlichen Andenken eine Broschüre betitelt: „Das Dreigestirn", welche der Vorstand des Verbandes für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland in seinem-Jahrbuch herausgegebeu hat. — Das Motiv dieser Arbeit dürfte eine Verehrung und eine Art Dankeszoll involvieren, welchen Kollege Friedman» den Manen unserer drei großen Komponisten „Sulzer, Lewandowsky und Deutsch" widmet. Doch nun zu obigen Gesängen. Nr. 1. Das deutsche „No odom. watedoeho“ gehalten in der ernsten Tonart C-moll; jedoch dem Texte entsprechend hellt sich bei den Worten : „Am Morgen blüht und sprießt er" die Melodie nach C-dur auf, uni bald wieder „Am Abend ist er dürre und welk" in tiefe Dunkelbeit zurückzugeraten. Zur weiteren Abwechslung erscheint gegen Ende ein */* Da kr.' C-dur. „Der Herr erlöst die Seelen seiner Getreuen", der für einen Chorsatz vielleicht bester geschaffen wäre. — Von packender Wirkung sind die Worte: „Kehrt uni ihr Menschenkinder". Es ist ein strenger göttlicher Befehl, der,aber wieder denn Satze: „Wahre fronimeu Sinn" in Sanftmut übergeht. Jntereffe erweckend ist: „Eine Elegie ans Moses." Er stellt den Auftrag Gottes dar, daß sich der Führer Israels für seinen Tod vorbereire, ans den .Rösch hapisgo steige und vor den Stämmen Israels seine Seele dem Höchsten empfehle. Dem Verfasser ist hier, der Oratorienion sehr gelungen. „Der greise Fürst der Fürsten", wie rhu Gott nannte, der wie -keiner vor ihm bis in die Wolken stieg um t’munas elohimgu erschauen, er hätte so gern fein Werk gekrönt gesehen, indem er die Kinder Israels selbst ins gelobte Land geführt hätte — aber er mußte scheiden — und da hieß es: „Er zerriß seine Kleider, erhob seine Stimme wehklagend, ries seinem Jünger Josua bitter zn: „Sch’uior uo zauui“. Endlich der für die ganze Menschheit tröstende Schlußsatz: Wenn dieser glaubensstarke Heros sterben muß, wer sollte nicht sterben? — Diese aus Bibel und Machsor sinnreich entnommenen Versesind musikalisch trefflich - wiedergegeben. So die Illustration zu den Worten: „Lora begodov, herim kaulau, wo die drei Akkorde D-dur, Gr-moll und anssteigend nach Y-dur unter Verwendung des Trompetenregisters sieghaft erschallen. — Auch dem Prinzipe der traditionellen Tonfortschreitung, z. Bes, üs, ges ist Genüge geleistet und unser leider zu .bald verstorbener Freund, kais. Rar S i n g e r. der die Arbeiren F r i e b m a ii n s sehr zn schätzen wußte, würde auch da volle Geiliigtunilg findeli. Auch die von allen Traditionsfrennden begrüßte Neuerscheinung einer zur antiqnen Melodie anpaffenden Begleitung finden, wie in Psalm 16 in noch erhöhtem Maße- Die Hauprtonart ist F-moll, würde aber bei öfterer Auflösung das as in a einen vollkommenen Orchodosch-Steiger ergeben. Auch die charakteristischen Triolen deuten aus echr jüdisch-nationalen Ursprung hin und die mit dem Ausdruck „Polnischsingen" benannte Gesangsart ist niibestritteil ein wichtiges beizubehaltendes Requisite, dessen auch der moderne Kantor, will er auf seine Gemeinde um dem Allemvorträge Eindruck machen, nichr entbehren kann. So haben wir wieder einmal dem Talente Aron F r i e d m a it n seine Gabe zu verdanken, die allen Fachgeuvssen zum Studium, zum Gebrauche und zur Freude wärmstens empfohlen sei. - . B. Singer, Jungbnnzlau. Antisemitismus — eine erbliche Belastung. Kommissionsverlag R. L ö w i t, Wien. Preis 20 Heller. — Die unter diesen! Titel kürzlich in unserem Blatte veröffentlichte und von nnsereil Lesern mit sovielem Interesse ausgenommene Abhandlnug eines Wiener Kommunallehrers - ist jetzt in Broschürensorm erschienen. In kurzgefaßter, überaus interessanter und populärer Darstellung versucht der Autor den Nachweis einer erblichen Belastung des Autisemitismns zn erbringen und er stellt die Forderung, in einem Rechtsstaat die Durchführung der Gesetze für die geistige und materielle Hebung des Volkes sich zur Hauptaufgabe zu stellen, rücksichtslos zu handhaben und für die Heranbildung wahrhaft christlicher Priester zu sorgen, wodurch der Antisemitismils für immer aus der Welt geschafft wird. Die interessante Broschüre verdient die weiteste Verbreitung.. Wiesbadener Synagogengesänge. Wenn alle deutschen Lande die Eriunerung an die Völkerschlachr bei Leipzig festlich begehen werden, wird der Wiesbadener Synagogen-Gesaiigverein gleichzeitig das Fest' seines 50jährigen Bestehens feiern. Wenn ich als Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender dieses Vereins aus die Eiitwicklnng unseres Chorszurückblicke, so empfinde ich ein Gefühl der Befriedigiliig; besonders deshalb, weil wir ans die. Ausgestalkung nilseres hiesigen Gottesdienstes einen künstlerisch-ästhetischen Einfliiß ansgeübt und weil wir nur echte Syiiagogeninnsik ausgesührt und alle profane, — auch die „kirchliche" Choral- Musik —, anSgemerzt haben. Welch' genußreiche Stunden bereitete uns, schon das Studium unserer Klassiker, wie Sulzer, Naumburg, Lewaudowski und Deutsch; mit welch großem Jntereffe beobachteten mir, wie die Meister- Birnbaum, Henke, Kirschner, Tennenbaum n. a. es verstanden haben, den Syuagogengesangsstil mit moderüer Musik zu verbinden. Es schürsr sich das Verständnis für Chasonns und das Urteil über Synagogengesänge, wenn.man 50 Jahre aktiv im Synagogenchore mitwirkt. Unser Chor hat, sich seit langem befleißigt, einer künstlerischen Höhe zuzilstrebell, und diesem' Bestreben verdanken wir es, daß eine ganze Anzahl von Tonkünstlern Synagogeiigesäiige für nuseren Chor geschaffen und sie unserem Vereine gewidmet haben. So sind wir .zu einer stattlichen Sammlung von Maunskripteil gelangt, unter denen sich manche Perle des Synagogen-. gesangs befindet. Es wäre Egoismus, wollten wir anderen Synagogen diese wertvollen Gesänge vorenthalten. Man muß es daher als eine musikalische Tat begrüßen, daß unser geschätzter Oberkantor, Herr Nußbaum, in Gemeinschaft mit unserem tüchtigen Dirigenten, Herrn Musikdirektor Otto Wer nicke, sich der Mühe unterziehen, honoris causa die „W r e s b a d e n e r S y n a g v g e n g e s ä n g e" zn nnsereiil Jubiläum herauszngeben. Die Ausgabe wird einen stattlichen Quartband füllen und außer Gesäugen für die verschiedeueil Gottesdienste des Jahres einen Zyklus von Predigtliederu von Professor Nikolai von Wilm enthalten, der für viele Synagogenchöre eine willkommene Gabe' feilt wird. Wir haben eine Subskription eröffnet; denjenigen Gemeinden und Kantoren, welche bis zum 1. April subskribiert haben, sind Vorzugspreise bewilligt,' außerdem werden sie in einem Anhang als Förderer des Unternehmens aufgeführt werden. Es liegt im Interesse der'Herren Kantoren, ihre Gemeinden zur Anschaffung unseres Werkes zn veranlassen, denn das Auffübrnilgsrecht unserer Gesänge steht gesetzlich nur denjenigen Gemeinden zn, die mindestens ein Exemplar käuflich erworben haben. Benedikt Strauß. Aufruf. An alle Wohltäter. Groß und Klein, ergeht meine dringende Bitte, einem außerordentlichen Unglücke besondere Teilnahme zn betätigen. Rabbiner Reichenberg in Tyrnau, eine Zierde der Judenheit, wurde uns im blühend st eil M a unesalte r. entrissen, nachdem ihm seine Gattin kurz vorher im Tode voraugegangeu war. Acht Waisen im Alter von I bis 13 Jahren sind hilflos zurückgeblieben. Die Krankheit der beiden Verblichenen hat die kleine- Gemeinde zur Anspannung aller Kräfte veranlaßt, die auch weiter die größten Opfer bringen will. Um diesen 8 Waisen eine ihrer Eltern würdige Erziehung zu geben, sie zu guten Menschen und guten Inden heranziibilden, sind bedeutende Summen erforderlich. . . Ich appelliere an das jüdische Herz und erbitte Beiträge zu diesem edlen Werke. W i e n, den 1. Adar 5673. ' ‘ ' Rabbiner S. Fürst, Schiffschul H., Große Schiffgasse 8.

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