Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 13 (28.3.1913)
- Date
- 1913-03-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 9. Nr. 13 ' ' Die Wahrheit Weisung angeführt wird, wodurch ja die Kaiserin ihr Versehen gerechtfertigt hätte. Daß in Wirklichkeit die Regierung selbst an-die Prenßen- -sreundlichkeit der Juden nicht geglaubt hat. beweist folgende an -sie gerichtete Publikation vom 22. April 1746: „Es sollte sich niemand unterstehen anszustreuen, als ob der völlig von Preußen etwas Feindliches wider das Hans Oesterreich worzunehmen gesinnt wäre, als sonsten solle derjenige als ein .Störer der öffentlichen Ruhe angesehen und ungehalten; dann -.wird demselben mit empfindlichster Bestrafung fnrgegangen, auch denen Umbständen nach allerhöchst Ihre königliche Majestät zu .noch schärferer Ahndung angezeugt werden. —"> Der Geleitschein, den Jonathan Eibenschütz vor der Abreise ans Prag vom französischen Kommandanten erhielt (Grätz. Bd. 10. S. 394, Note 7, S. CXV), hängt mit der Ausweisung weder sachlich noch chronologisch zusammen (vgl. Jaaroth 'Debasch, S. 45 und Einl. zum Plethi). Uebrigens in jedem schlecht endenden Krieg muß der Verdacht ides Verrates herhalten, um den Fehler vom Feldherrn abznwälzen. Soll ja im Erbsolgekrieg die Schuld an .der verlorenen Schlacht .gewesen sein, daß ein geschwätziger Heerführer den Kriegsplan ivorzeitig ansgeplaudert und ein Ungeschickter ihn fehlerhast aus- .geführt hat. Auch gegen eine hohe Persönlichkeit wurde damals 4>er Vorwurf des Verrates erhoben, der sich aber gegen diese Verleumdung rechtfertigte (Wienerisches Diarium 1746); die Inden aber hatten keinen Anwalt oder vielleicht schenkte die ^Kaiserin in ihrem Vorurteil gegen sie diesem kein Gehör und erließ folgenden Ausweisungsbefehl (18. Dezember 1744), den der böhmische Machthaber Sternheim am 22. Dezember 1744- ^publizierte: ..Ihre k. Majestät Hütten uns aus mehrerley bewegenden höchst triftigen Gründen den allerhöchsten -Entschluß gefaßt, daß künftighin in Böhmen kein Jud geduldet werden sollte. 1. Am letzten Jannari 1746 soll feiner inner deren k. Prager Städten sich befinden, wo im widrigen dieselben -mit militärischer Hand hinansgeschaffet werden sollen. 2. Zn der Disposition mit ihren Sachen wird ihnen der Verbleib bis Ende Juni dergestalt gestattet, daß sie gegen Erlaubnisschein bei Tag -eingelassen werden können, jedoch daselbst absolut durch keine -einzige Nacht verbleiben sollen. 3. Nach Verlauf deren sechs Monaten hingegen sollen die Inden insgesammt auch das ganze .'Königreich Böhmen räumen. 4. Nicht allein auf die Prager, sondern gleichfalls auf die sämmtliche Laudesjndenschast verstanden und extendirt sein soll." (Wienerisches Diarium, Nr. 4. 1745). Gleichzeitig mit der Ausweisung erschien ein strenger Befehl, -der Kaiserin. ..daß der gemeine Pöbel nicht in den Gedanken geraten möge, daß da die Juden in Ihrer Maj. Ungnade gefallen -l'eyen, folglich um desto füglich von den christlichen Einwohnern Hekränkt werden können." Am 2. Jänner 1745 dehnte sie die Ausweisung auch auf das Schwesterland Mähren aus. „Liebe Getreuen! Wir haben aus mancherlei triftigen Ursachen den allerhöchsten Entschluß gefaßt, daß künftighin kein Jnd mehr wie in unserem Erbkönigreich 'Böhmen als auch in unser Erbmarkgrafenthum Mähren geduldet werden solle. Damit aber die Juden zur Disposition mit ihrem Vermögen-Creditswesen eine hinlängliche Zeit übrig Haben mögen, so werden denen selben ein Termin von 6 Monaten, und zwar vom 1. Jänner bis ultimo Juni dieses Jahres (gegeben; nach Verstießnug der 7 Monate aber sollen die Inden insgesammt unser ganzes Markgrafenthum Mähren räumen und innen derselben Grenze sich nicht mehr finden lassen; als -in widrigen sie mit militärischer Hand ausgeschafft werden sollen. Wien, 2. Jänner 1745. Maria Theresia. (Schluß folgt.)__ Verschiedene Nachrichten. Vien. .Am 5. April l. I. feiert der I. Kautor der israel. Kultus- .gelneiude, Leopold Serebrenik, XVHL, die Barmizwah seines Sohnes Berthold. Die Tempelseier findet Samstag, den 5. April um 9 Uhr früh im Gvtteshause XVIII. statt. Gratulationen Sonntag, den 6. April in cher Wohnung XVIII.. Schopenhauerstraße 39, II. Stock, um o'j2 Uhr Nachmittags, woselbst auch eine „Drösche" gehalten wird. Wien. Der zu Beginn des heurigen Jahres begründete Krankenmnd Unlerstütznngsverein der „Rzeszower" in Wien, der bereits 100 Mitglieder zählt, hält Sonntag, 30. März. 3 Uhr nachmittag, im Restanran Rosenberger, U. Ob. Augarrenstraße 72, die I. ordentliche Generalversammlung ab. Alle Landsleute, welche dem Vereine noch nicht angehören, werden ersucht, Name und Adreffe dem Vorstände bekanntzugeben. Wien. (Poale - Zion, Wie n). Samstag, den 29. d. M. nm 8 Uhr abends findet im Cafs Stefanie, II. Stefaniestraße 2 eine Parte iversammlnng statt, bei der unsere nächsten Aufgaben besprochen und die Wahl eines Parteikomitees vorgenommen werden wird. Wien. M a r i a h i l f. Durch den vorzeitigen unerwarteten Heinigang des Herrn Ignaz Wolf. Milchef der k. k. priv. Fabriken Friedrich Pollak, ist eine der vornehmsten Patrizierfamilien unseres Bezirkes in große Trauer^ ersetzt morden. Mit ihm ist ein vortrefflicher Mensch, der zärtlichste, liebevollste Gatte und Vater, ein treuer Sohn, ein hervorragend tüchtiger und hochangesehener Mann dahingegangen und sein Ableben hat nnendlich viel Wehmut und Teilnahme ausgelöst. Bei seinen Geschäftsfreunden erfreute er sich aufrichtiger Wertschätzung, die Beamten und Arbeiter der Firma liebten in ihm den allzeit gütigen, hilfsbereiten Chef, seine Frennde und Bekannten verehrten ihn als einen stets liebenswürdigen Menschen, der für jedermann ein gutes Wort, eine offene Hand harte. Sein bescheidenes Wesen, seine Freundlichkeit und Güte gewannen ihm die Herzen der Menschen und wenn von jemand, so gilt von ihm das Wort, daß er nichts als Freunde znrückgelaffen. Die wenige freie Zeit, die ihm seine unermüdliche Tätigkeit in seinem Berufe und die Fürsorge für seine Familie übrig ließ, widmete er Werken der Nächstenliebe und dein öffentlichen Wohle, wobei er stets ängstlich vermied, daß sein Name in den Vordergrund trat. Der Mariahilfer Tempel-Verein, dessen ausgezeichneter, verdienstvoller Vizepräsident sein Schwiegervater. Herr Friedrich Pollak. ist und der Franen-Wlihlrätlgkeirsverein, deffen Vorstände seine edelmütige Gattin angehört, verlieren in ihm einen warmherzigen Freund und Förderer. Tie vielseitige Beliebtheit und Verehrung, deren sich der allzufrüh Verblichene zu erfreuen harre, zeigte sich in der ungewöhnlich starken Beteiligung an seinem Leichenbegängnisse. Tausende gaben ihm vom Trauerhanse ans den Zentralsriedhof das Ehrengeleite.und die Zeremoineuhalle konnte die Scharen der tief ergriffenen Leidtragenden kaum fassen. Mir gewohnter Meisterfchaftentwarf Sr. Ehrwürden Herr Rabb. T. T a g l i ch r ein lichtvolles Charakterbild von dem Entschlafenen, dem er die überaus zutreffenden Bibelworte zugrunde legte: „Er fand Wohlgefallen bei Gotk und den Menschen". Dann sprach ein Angestellter des Hauses rührende Worte des Dankes an den geliebten Chef und Herr Schriftsteller G l u ckm a n ii namens des Vereines „Humanitas", worauf was von Ignaz Wolf sterblich war, in der Familiengruft beigesetzt wurde. Er ruhe in Frieden! V . .. y Wien (Jüdischer Schnlveceiu für den IX. Bezirk, IX., S e e g a s s e 16.) Mittwoch, den 2. April d. I., präzise 1/28 Uhr abends findet in den Vereinslokalitären ein Llederaben>d mit Diskussion statt. Referent Herr Oberlehrer Jakob K o h ». Gäste ivillkommeu. Wien. (Jüdischer Verein „E i n h e i t".) Montag, den 31. d. M. um lj2d Uhr abends findet im Turnsaale der „Talmud Thora" II.. Malzgaffe 16 die Generalversammlung des Vereines „Einheit" starr. Wien. (Döblinger Franenverein.) Sonntag, den 9. d. fand unter dem Vorsitz der Präsidentin Frau Sidonie Kahn die erste ordentliche Generalversammlung des „jüdischen Franen-Wohltätigkeitsvereines für den XIX. Bezirk in Wien" statt, welche nicht bloß von den Mitgliedern, sondern auch von den Delegierten der anderen Franenvereine überaus zahlreich besucht war. Der Bericht des Ausschusses hob hervor, daß es sich wider Erwarten herausgestellt hat, es gebe viek Not und Elend auch unter Döblinger jüdischen Familien, so daß die Jahreseinnahmen von fast 4000 K kaum den laufenden Bedürfnissen entsprochen haben. Es wurde daher beschlossen, die rege Anwerbnugstätigkeir von Mitgliedern und Förderern eifrig fortzusetzen. Nachdem der gesamte Ausschuß wiedergewählt worden war. darunter die Damen Sidonie Kahn. Präsidentin, Sofie K o r a n y i, Bizepcäsideutin, Annie K o h n, Schriftführerin und Rosa S p i r a, Kassiererin, fand der Bortrag des Döblinger Bereinspredigers Herrn Dr. Frankfurter statt, welcher unter Gegenüberstellung der „jüdischen Frau von Einst und Jetzt" von dieser die Wiederbelebung des jüdischen Geistes in Familie und Gesellschaft verlangt und erwartet. Mit Dankesworten der Präsidentin an die Erschienenen und insbesondere an den Prälegenten für den ebenso belehrenden als anfeneruden Vortrag schloß die denkwürdige Versammlung. Wien. (H e i m a n n - K i n d e r b a l l.) Montag, 24. d. M. fand im „Hotel Continental" die Schlnßfeier der Jugend- und Kindertanzknrse des Tauziustimtes I. Hei mann statt. Der erste Teil des Programmes brachte exakt und graziös ansgeführte gymnastische Hebungen, sowie Ronde- und Konversationstänze, und in der zweiten Abteilung wnrdeir verschiedenartige National- und Fantasietänze von den Zöglingen mit allerliebster Grazie und Gewandtheit ansgeführt. Die Kleinen und . ihr Lehrmeister Rudolf H e i m a n n ernteten reichen Beifall und belobende Auerkennnng. Austerlitz. Unter großer Beteiligung fand hier am »a riru? r? das Leichenbegängnis der allgemein verehrten Frau Rosa Eckstein starr. Herr Bezirksrabbinec Dr. M. Steif schilderte in warmen Worten den edlen Charakter der Sterblichen und Herr Kantor Stern exekutierte in würdiger Weise die Tranergejänge. Huszt. In Anwesenheit zahlreicher Gäste fand hier die Hochzeit des Herrn Hermann Stern, Sohn des Herrn Majer Stern (Havasmezö) mit Fräulein Sarolta M e i s e l s, Tochter des Herrn M. S. M e i s e l s statt. Es war eine echt jüdische nfia» und das Mahl wurde von anwesenden mm MS mit mm gewürzt. Pozsony. Das Konzert des „Schir-Chodosch" hat am 9. d. in den Sälen des „Hotel König von Ungarn" stattgefunden und nahm dank