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Die Wahrheit · 1913-03-28 · Heft 13 (28.3.1913) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 13 (28.3.1913)
Date
1913-03-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Nr. 13. Die Wahrheit der 14tägigeu Kündigungsklausel unterschreibe, sonst — Sperrung der regulierten Bezüge! Oberkanlor Schächter hat eine schwere Familie, eine Anzahl unversorgter Töchter! Jüdische Familienväter! Ihr wisset, was unversorgte Töchter in einem jüdischen Hause sind! Oberkantor Schächter ist arm. Der Gehalt ist klein. Die Nebeneinkünste sind gering, sie sind aber die Hauptsache. Nun sollte er sie mit dem zweiten Oberkanlor teilen, der jünger, beweglicher ist und vonl Präsidium protegiert wird! Im Hause des Oberkantors Schächter herrscht tiefe Trauer! Er wandte sich an den österr.-nugar. Kautoren-Verein in Wien um Hilfe. Dieser schrieb an Herrn Pinkassowicz und erhielt folgende Antwort: An den hochlöblichen Oesterr.-ungar. Kantorenverein Wien. Im Besitze Ihres werten Schreibens, wonach ich, angeblich unter dem Rücken des Herrn Kollegen Sch. auf den Posten in der Czernowitzer Kultusgemeinde restektiert hatte — gestatte mir höfl. entschieden das zurückzuweisen und den ganzen Sachverhalt unbewußt als Verleumdung zu bezeichnen. Ihr werter Brief enthält wohl Beschuldigungen und Vorwürfe, allein ich verdiene es bestimmt nicht, denn es rtrr? nwrn mpm und das hat der löbliche Vorstand vorläufig nicht getan. Noch im Sommer trat der Vorstand in Czernowitz mit der Bitte an mich heran, den Posten ausdrücklich eines zweiten Oberkantors oder Stellvertreters zu bekleiden und einen Probevortrag zu halten, da es knapp vor n:Vn L'xn war, verzichtete ich auf die ganze Angelegenheit, dessen ungeachtet, lud mich der Vorstand zum zweiten Male 'ein im November, auch diesmal blieb ich zu Hause aus zwei Gründen, 1. ich erfreue mich hier in Tarnopol einer derartigen Vergötterung, daß ich es nicht nötig hätte, weg zu gehen, 2., was sehr traurig ist, ich brachte in Erfahrung, daß die augeblich vakant gewordene zweite Kantorftelle nur ein Mantel fei, um den Kollegen Sch. zu verdecken. Mit betrübtem Herzen schrieb ich sofort einen Abschiedsbrief an den Vorstand und betonte sogar, daß ich will nicht das gefährliche Spielzeug der Laune eines Präses sein. Somit fällt jede Schuld von mir weg. Ich habe mich in Czernowitz nie beworben und auch keine Probevorträge gehalten und kann der löbliche Vorstand dessen sicher sein, wenn es auf meiner Person ankäme, den Unfug zu unterdrücken, an welchem unser Stand so häufig zu leiden hat, wäre längst die Czernowitzer Gemeinde ohne Kantoren und Probekandidaten geblieben, aber leider isr -sä -in» nur unsere Fachgenofsen, die alltäglich auf der Bühnenlaufbahn ausgerutscht haben — uns den Gefallen machen, sich „Kantor" in der Erniedrigung zu nennen, die sind es. Mit Gruß nsw. S. Pinkassowicz. Trotzdem hat sich Herr Pinkassowicz um die Stelle beworben und einen Kollegen ins Elend gebracht. In der Sitzung des Kultnsrates vom 16. März 1913 wurde Herr Pinkassowicz gegen den Widerspruch des KR. Wagschal als Oberkantor angestellt. Wie wir hören, sollen die Vorsteher Weinstock und Blum im Vorstand gegen diesen Gewaltstreich des Präsidiums gestimmt haben. Der Kultusrat ist das blinde Werkzeug des Präsidiums. Man fragt mit Recht: Auf die Stelle eines Kantors mit K 2400 haben doch nur die Sterne zweiten Ranges reflektiert. Wäre eine Oberkantorstelle zu besetzen gewesen, und zwar mit K 3600 samt Anhang, dann hätten sich doch auch bessere Bewerber gemeldet. Wie kann der Kultusrat seine eigene Konkursausschreibnng mißachten und die Interessen der Gemeinde schädigen? Der Knltnsrat tut alles, was Dr. Strancher will. Nach Wiedergabe des über diese Angelegenheit in unserem Blatte erschienenen Artikels bringt der „Jüdische Volksrat" nachfolgenden Bericht über die famose Kultusratssitzung vom 16. März 1913: Nach Uebergaug zur Tagesordnung referierte Dr. Leiter über die Anstellung eines Oberkantors und beantragte die Annahme des mit Stimmenmehrheit angenommenen Vorstandsvorschlages, wienach Herr Pinkassowicz als Oberkantor mit einem jährlichen Gehalte von K. 3600 provisorisch anznstellen sei. Knltnsrat Gold hebt hervor, daß es nicht angeht, dem Oberkantor Schächter durch die Bestellung eines Oberkantors zuaückzusetzen und ihn in seinen materiellen Interessen zu schädigen. Kultusrat Dr. Fischer sieht in dem Petenten Pinkassowicz eine Gesangskapazität, dem der Oberkautor Schächter nicht zu den Fußknöcheln reicht, empfiehlt den Vorstandsantrag zur Annahme, wünscht jedoch,' da diese Angelegenheit nicht statutengemäß von den Sektionen vorberaten wurde, daß diese Angelegenhell als Dringlichkeitsantrag behandelt werde, um dem Gegnern die Möglichkeit zu benehmen, Beschwerde zu. führen. Hierauf ergriff Knltnsrat Wagschal das Wort und führt aus, daß es eine flagrante Verletzung der statutarischen Bestimmungen ist, die Sektion, die eigentlich dazu bestimmt ist, Vorerhebungen über die Fähigkeiten, Charakter und sittliches Betragen des- Petenten einzuleiteu, wies darauf hin, daß es unkorrekt sei, nachdem man einen Konkurs auf eine Kantorstelle mit einem jährlichen Gehalte von.K 2400 ausgeschrieben habe, die Anstellung eines Oberkantors mit einem Jahresgehalte von L 3600' in Vorschlag zu bringen, daß es aber auch unmoralisch sei, dem Oberkantor Schächter, der bereits 18 Jahre seinen Posten zur Zufriedenheit der Gemeinde ausfüllt, durch diese überflüssige Anstellung in seiner Ehre zu kränken und materiell zu schädigein Er wies darauf hin, daß diese Anstellung eine Belastung des Budgets mit K 3600 nach sich zieht, da trotz dieser Anstellung, die Notwendigkeit sich ergibt, einen Uuterkantor anzustellen, weil, der anzustellende Oberkantor Pinkassowicz die Funktionen des Unterkantors nicht versehen will. Er geißelte in scharfen Worten die Hastigkeit der Behandlung dieser Frage, indem er darauf hinwies, daß es für die Kultusgemeinde brennendere Fragen gibt, für bereu Vorberatung jedoch der Vorstand keine Zeit findet. Herr Füllenbaum wünscht, daß die Zeugnisse des Petenten zur Verlesung gebracht werden, worauf die überraschende Antwort ihm erteilt wurde, daß der Petent überhaupt keine Zeugnisse vorlegte. Trotzdem wurde die Anstellung des Herrn Pinkassowicz als zweiter Oberkantor beschlossen. Nun wird man einen Unterkautor anstellen und die Gemeinde mit überflüssigen dauernden Ausgaben belassen. Und das alles läßt sich die Judenschaft ruhig gefallen! Zur Geschichte der „Familie". (Schluß.) Auf Fürbitte der Potenzen beider Seemächte wurden sie zurückgerufen." (Bodenschatz aufrichtig deutschredender Hebräer, S. 170 f.) Schade, daß der Verfasser, statt uns das Ergebnis der Untersuchung mitzuteilen, sich in vage Vermutungen ergeht und sich nicht sagte, daß, wenn „was daran gewesen wäre" die Fürbitte der Seemächte nichts genützt hätte. Authentisch wissen wir, daß die dänischen Gesandten am Wiener Hofe ihrer Regierung berichteten, daß bloß drei Inden in Prag, auf Zeugnisse der Christen hin der Unterstützung des Feindes bezüchtigt, aber nicht überführt wurden (Kaufmann in Grätz- Jnbelschrift per 279). In bezug auf einen Bericht des Prager Gnberninms im Jahre 1762, Punkt 5, bestreitet die Hofkanztei auf das entschiedenste, als hätten die Juden während des Erbfolgekrieges Landesverrat geübt und die Kaiserin bemerkt zu diesem Punkten „Einverstanden" der Präsident der Sicherheitskommission wollte den Juden Prags als Meineidigen ein - altes Recht entziehen. Auf ihre darüber bei der Kaiserin eingebrachte Beschwerde erkannte die Hofkanzlei: „Am allerwenigsten haben die Juden verdient, daß ihnen bei dieser Gelegenheit von der Polizeikommission ein im vorigen Kriege ln Corpore begangen habendes Crimen perduellionis ihnen niemals bewiesen cworden^ vorgeworfen werde." (G. Wolf: Aus der Zeit der Kaiserin Maria Theresia.' Seite 66. 69.) Was'man von der Echtheit eines bei einem getauften Spion, Deutsch, Vorgefundenen Schreibebriefes verräterischen Inhalts zu halten hat, lehrt uns die Affaire Dreyfus. Der beste Beweis aber für die Unschuld der Juden liegt darin, daß im Dekret nicht Verrat als Grund ihrer Ans-

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