Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 13 (28.3.1913)
- Date
- 1913-03-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Leite 7. dir. 13 Die Wahrheit -Flug, all diesen Jntrignen mit einem Schlage .ein Ende zn : Machen, indem man die Sonderbestimmungen gegen die Inden »außer Kraft setzt und ihnen volle bürgerliche Gleichberechtigung; -gewährt? Dann Hane Rumänien es nicht notwendig, 'durch das: ländlnische Joch zu gehen, das man jetzt äufrichten wird, weil -es vertragsbrüchig geworden ist. Es würde ein solches Vorgehen nicht nur der politischen .Klugheit, sondern auch der Würde des rumänischen Staates -entsprechen. Denn es wäre doch sonderbar, wenn sich Rumänien -etwa eine Kontrolle darüber gefallen lassen müßte, daß es gegen -die ihm nun znfallenden bulgarischen Inden gerechter handeln -werde als gegen seine eigenen jüdischen Bürger. Kein Staats -kann sich ans die Dauer den Forderungen der menschlichen .Zivilisation entziehen. Versucht er es, so muß er dessen gewärtig sein, daß die Versündigungen au der Zivilisation zu --schweren inrieren Gebrechen führen, als deren Folgen nicht nur eine innere Schwächung, sondern auch-eine Verringerung der Mtionskrast nach außen und des internationalen Ansehens unvermeidlich sich einstellen werden. Schon ans dem Verlaufe der -bisherigen Krise kann Rumänien eine Probe aus die Richtigkeit dieser Anschauung machen, Und es wäre -auch nur logisch, wenn es den gegebenen Verhältnissen nicht nur für einzelne Gebiete, sondern für das ganze Land Rechnung tragen würde. Können die Juden in der Dobrudscha und in dem neu zn erwerbenden ^Gebiete politische Gleichberechtigung haben, warum nicht die Inden im ganzen Lande? Haben sich die Inden nicht stets als -vollwertige Bürger erwiesen, und hätte Rumänien nicht alle Ursache, sie zn begünstigen und zn fördern, um alle Vorteile -ans ihrer unermüdlichen Arbeitskraft und ans ihrer nie rastenden -Energie zu ziehen? Die Not ist eine gute Lehrmeisterin! Sie zeigt heute .Rumänien, daß es sich bisher gegen den eigenen Vorteil und das eigene Interesse schwer vergangen har. Möge man daraus die entsprechende Lehre ziehen und danach handeln. Kaiserlicher Kat Dr. Theodor Lieden. Der Erste Sekretär der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Dr. Theodor Liebelt beging in diesen Tagen ein lettenes Doppel-Jubiläum: das vierzigste Dienstjubiläum und das. siebzigste Gebnrtsfest. Bei der überaus großen Wertschätzung und Beliebtheit, deren sich kaiserlicher Rat Dr. Lieben, sowohl als Chef des Beamtenkörpers der größten jüdischen -Gemeinde in Mitteleuropa, lvie auch als ausgezeichneter Mensch .nnd stets hilfsbereiter Freund in den weitesten Kreisen erfreut, war es selbst bei der peinlichsten Bemühung des Jubilars, an diesem Dovpeljnbiläum unbemerkt vorbei zn schlüpfen, ausgeschlossen, den Ovationen und Glückwünschen des großen .Kreises seiner Verehrer zu entgehen. lieber die vom Vorstande der Wiener Israel. Kultnsgemeinde beschlossene Ehrung des Ersten Sekretärs anläßlich dessen vierzigjährigen Dienstjubiläums haben wir bereits seinerzeit berichtet. Am Tage des siebzigsten Geburtsfestes fand sich der Vorstand der Kultusgemeinde unter Führung des Präsidiums in der Wohnung des Jubilars ein und überbrachte ihm nebst den Glückwünschen ein herrliches Oelgemälde, »eine Abendlandschaft darstellend, als Geschenk der Vorstandsmitglieder. Die Verwaltnngsbeamten der Wiener Kultusgemeinde chatten schon anläßlich des vierzigjährigen Dienstjubilämns dem Jubilar eine silberne Plakette übereicht und überdies im Vereine mit den Dienern der Kultusgemeinde zur Errichtung einer Stiftung ein Kapital von X 2500— gewidmet. Die Gemeinderabbiner von Wien überreichten eine silberne Jardiniere als Ehrengeschenk. Die Verbände der jüdischen Religionslehrer erschienen gleichfalls korporativ und überreichten eine kunstvoll ansgestattete Glückwunsch-Adresse, Die Kantoren Ler Wiener Kultusgemeinde stellten sich mit einem herrlichen filbernen Lorbeerkranz ein. Es gratulierten ferner: Die Bethausvorstände, Chewra-Kadischa Wien I.. Chewra- .Kadischa XII. und XV., Chewra-Kadischa XVI: und XVII., die Bezirkskommissionen XII.—XV. und XVI.—XVII., die Bethausvereine im H. XIII. und XIX. Bezirke und der Bezirke Wieden uni) Margarethen, der Verband der türkischen Israeliten (Sephardim) in Wien, Adaß Jisroel (Lchiff-Synagoge), des israel. Humanitäts-Verein „Eintracht" (Bnai Brith), Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler, der Verein „Fraueuhort", Hietzinger Frauenverein. Kaiser Franz Josef-Ferienheim, der österr.-ungar. Kantorenverein, Verein der Synagogensänger, Verein zur Unterstützung jüdischer Kurbedürftiger, Verein der Kindersrennde. Kaiserin Elisabeth Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heirn, Mädcheu-UnLerstützungsverein, Verein zur Ausspeisnng israel. Schulkinder des XII. und XV. Bezirkes, die Kultusgemeinden in Reichenberg und Karlsbad, die Lchriftsteller Ludwig Ktinenberger, kaiserl. Rat Johann Lichtenstadt, Redakteur des „Fremoenblattes^ Julius Stern, Chefredakteur Moriz Ring, Friedrich Stern. Liegmund Hahn. Dr. Siegfried Klausner, Alois Knlka, Dr. M. Löwy, Heinrich Hernfeld. Voll den sonstigen Glückwunschschreiben und Telegrammen seien aufs Geratewohl die folgenden hervorgehoben: k. k. Statthaltereirat von Helly, Baronin Charlotte Königswarter. Familie Hugo Kadisch, Familie Dr. Leopold Kohn, Dr. Camill Kraus, kaiserl. Rat Dr. Firbas, k. k. Hofrat Dr. August Fournier, Karl Lemberger, Dr. Ferdinand Brüll, Familie kaiserl. Rat Kauders. Kommerzialrat S. Simou, Wilhelm Zisarsky, Dr. Katzau, Dr. Bachrach, Familie Leipen (Prag). Richard Petschek (Czeruowitz). Dr. Kuranda, Familie Moriz Knffner. Familie Josef Sulzer, Prokurist Richard Bettelheim, Familie Gustav Horsetzky, Regie.rnngsrat Dr. S. Frankfurter. Familie Salo Cohn, Kommerzialrat S. Roseuzweig, Rektor Dr. A. Schwarz, Familie Rabbiner Dr. Grunwald, Rabbiner Dr. Ziegler (Karlsbad). Brüder Goldmann, Schulrat Dr. Moriz Tschiaßny. Gottlieb Bettelheim. Familie Dr. Arnold Boxer, Friedländer und Deutsch und viele Andere. Zur C;eruonkitzer Kantorfrase. Das u e u e ft e Kosaken st ü ck ch e u des Czernowitzer K u 1 r u s r a k e s. Der in Czeruowitz erscheinende „Jüdische Volksrat" bringt unter obigem Titel über die jüngst auch in unserem Blatte behandelte Czernowitzer Kantorfrage folgende Mitteilungen: Als der dem Oberkamor untergeordnete Kamor der Gemeinde, Herr Schräger, zusammen mit seiner Frau Czernowitz für immer verließ, entstand das Bedürfnis nach einem Ersatz. Die Knltnsgemeinde schrieb daher am 20. September 1912 einen Konkurs ans für die Stelle eines Kantors mit einem Jahresgehalt von X 2400.—. Die Bewerber müssen österreichische Staatsangehörige nnd dürfen nicht über 40 Jahre alt sein. Die Gesuche sollten bis spätestens 1. November 1912 überreicht werden. ' Ans diesen Konkurs hin bewarben sich Reflektanten aus die Kantorstelle, die laut Konkurs mit X 2400.— dotiert werden sollte. Unter anderen bewarb sich auch Herr S. Pinkassowicz ans Tarnopol um diese Stelle. Nach einem Probevortrag begaben sich Delegierte des Präsidiums zum Herrn Pinkassowicz nach Tarnopol und dieser ließ sich herbei, die Stelle eines — Oberkantors nnd nicht mit X 2400.—, sondern mir X 8600.— und nicht für ein Jahr, sondern für drei Jahre anznnehmen. Daß Herr Pinkassowicz russischer und nicht österreichischer Staatsbürger ist und daß er sein Gesuch erst am 28. Februar 1913 statt bis znm 1. November 1912 überreicht hatte, tangierte die Machthaber der Kulcnsgemeinde wenig. Dnrch die angeküudigte Anstellung eines zweiten Oberkantors war der Oberkamor Schächter tief getroffen. Oberkantor Schächter ist ein Sänger, wie man ihn weit und breit nicht findet. Seine gewaltigen Stimmmittel beherrschen den Tempel. Alle Zllhörer sind tief ergriffen, sie erliegen dem Zauber seines synagogalen Gesanges. Oberkantor Schächter führt einen inoralischen Lebenswandel. Das muß hier besonders hervorgehoben werden. Leider! Oberkantor Schächter dient 18 Jahre der Gemeinde — provisorisch gegen 14tägige Kündigung. Wenigstens verlangte das Präsidium, daß er einen Revers mir . < 4 ■ . V, ■::X - i -; :*<