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Die Wahrheit · 1913-03-14 · Heft 11 (14.3.1913) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 11 (14.3.1913)
Date
1913-03-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sei le 4. Die fein Rassentheoretiker gekommen isb Der Schalk Heinrich Heine hat einmal das Wort gesprochen: Inden haben ihre eigentümliche ehrliche Miene, nicht weil sie von Abraham, Isaak nnd Jakob abstammen, sondern weil sie Kaufleute sind, nnd der Frankfurter christliche Kaufmann sieht dem Frankfurter jüdischen Kanfmanne eben so ähnlich wie ein fanles Ei dem andern. Der Talmud wiederum war ein eigentümlicher Rassentheoretiker. Er sagt: Jeder, der sich der Mitmenschen erbarmt, ist bestimmt von den Nachkommen nuferes Vaters Abraham (Beza 32b). Oder: drei Kennzeichen' hat das jüdische Volk: Sie find barmherzig, goltesfürchtig und wohltätig (Jebamoth 79a). Daran wollen wir uns halten. Die Physiognomien der Inden mögen sich ändern; solange uns diese väterlichen Eigenschaften kennzeichnen, sind wir echte Juden und können auf die Ehre verzichten, für Jndogermaneu ausgegebeu zu werden! Jüdische Wache. Eine Purimbetrachtmig. Einem uralten Branche gemäß wird alljährlich am Sabbath vor dem Purimfeste der Abschnitt: — Gedenke daran, was dir Amalek getan auf dem Wege, als ihr ans Mizrajim gezogen seid, wie er dich auf dem Wege überfiel und hinter dir her die Schwachen erschlug, die zurück bleiben mußten, eben da du verschmachtet und müde warst, und fürchtete Gott nicht. Wenn dir nun der Ewige dein Gott in dem Lande, das er dir zum Besitze eingeben will, von allen deinen Feinden umher Ruhe verschafft haben wird, sollst du das Andenken Amaleks austilgen unter dem Himmel, vergiß es ja nicht" — in Israels Gotteshäusern verlesen. Dieser kurze Abschnitt wurde stets von den Feinden des Judentums dazu benützt, um ihre gefährlichen Geschosse gegen dieses Volk richten zu können. Wie sollen wir, so riefen sie aus, die Inden als unsere Mitbürger betrachten und brüderlich behandeln, wenn ihre Religion nichts als Haß, Rachgier nnd Meuschenverfolgung lehrt und predigt. Nach so vielen Jahrtausenden wird heute noch in ihren Synagogen alljährlich zu wiederholten Malen der Abschnitt ans ihrer Thora verlesen: „Gedenke, was dir einst Amalek getan auf dem Wege, da ihr ans Aegypten gezogen seid, wie er dich plötzlich überfiel und dich zu vernichten drohte, vergiß es ja nicht". „Welche Uuversöhnlichkeit, welche Rachsucht und Herzlosigkeit!" Diese hämischen Behauptungen, boshaften Vorwürfe und lügenhaften Verleumdungen sind jedoch sehr leicht zu widerlegen. Wenn wir das Gebot: „Gedenke was dir Amalek getan" mit Verständnis lesen, drängt sich vor allem die Frage auf, warum spricht die Thora — die wie übrigens männiglich bekannt ist, jeden Neid und Haß, jede Rachgier und Verfolguugssucht entschieden verpönt und perhorresziert und nur allgemeine Menschenliebe, Meufchenverbrüderung lehrt — zum einzelnen Israeliten „gedenke" nnd nicht zur Gesamtheit, „gedenket", da es doch weiter heißt, ans dem Wege als „ihr" aus Aegypten gezogen seid." Allein wir brauchen nur die Verfahrnngswelse Amaleks ins Auge zu fassen, so werden wir auch die Lösung dieser Frage finden. Was mochte denn eigentlich dem Amalek Veranlassung gegeben haben, Israel plötzlich zu überfallen, Greneltaten zn üben.schwache, alte, wehrlose Menschen — nach Art mancher Balkaner — schonungslos niederzumachen? War es Ländergier, Eroberungssucht, öder dringendes Bedürfnis, bedrückte, verfolgte und geknechtete Glaubens- und Stammesgeuossen vom Tyrannen zn befreien? Nichts von alledem! Israel war auf dem „Wege", wohnte in einfachen, zerlegbaren, prunk- und schmucklosen Hütten, nährte sich vom Manna, befaß weder Grund und Boden, noch Häuser nnd Paläste, wahrlich keine beueideus- und begehrenswerte Situation. Warum also wurde er doch von Amalek überfallen 2 Amalek ist ein Feind der Freiheit, des Fortschrittes, der Kultur und Bildung, er huldigt gleich anderen grausamen Barbaren des Altertums'dem Pharaonischen Grundsätze: „der Geist des Volkes muß niedergedrückt; geknebelt werden, das Volk muß in der finsteren Nacht' der Verdummung schmachten) weil eben .ein aufgeklärtes Wahrheit. Nr. 11. intelligentes, freiheitsliebendes Volk sich nicht despotisch beherrschen .lasse," Er ist daher stets bemüht, die Freiheit, sobald sie sich irgendwo Bahn zu brechen beginnt, durch Denunziationen wie durch Verbreitung falscher Gerüchte zu diskreditieren, sie als ein gefährliches, gemeinschädliches Ding, das Irreligiosität und Anarchie fordert, zu bezeichnen. Nichts ist mehr geeignet, dem. grausamen Amalek, wie überhaupt allen despotisch herrschenden Tyrannen Angst, Furcht und Schrecken einzuflößen, als ein für Freiheit, Fortschritt. Kultur und Bildung begeistertes Volk. Als Israel die Sklavenketten gesprengt und durch wunderbare Begebenheiten ans der Knechtschaft Aegyptens befreit wurde, „da erschraken die Stammherreu Edoms, die Fürsten Möabs ergriff ein Zittern" weil sie — nicht mit Unrecht —- der Befürchtung Raum geben zu müssen glaubten, daß nunmehr der Geist der Freiheit auch in die Schichten anderer Völker dringen, dem Absolutismus das Grab bereiten ltitb den Konstitutionalismus fördern würde. Diese Befürchtung war es, die Amalek veranlaßte, Israel zu überfallen, es nicht nur physisch sondern mehr noch moralisch durch -lügenhafte Verleumdungen zu vernichten. Er verbreitete das Gerücht, „daß in Israel infolge der errungenen Freiheit eine förmliche Anarchie herrsche, ergo ein Beweis, wie gefährlich die Freiheit für die Religion, für die Menschheit sei, wie sehr sie die sittliche Weltordnuug bedrohe". Wie? hören wir aber erstaunt fragen, Israel wurde infolge der errungenen Freiheit demoralisiert, verwildert, gottlos? War es nicht vielmehr das einzige Volk in damaliger Zeit, das sich für die Annahme der Thora begeisterte? Hat es nicht einmütig ansgernfen: „Alles was der Herr gesprochen, wollen wir befolgen und beherzigen", während die anderen heidnischen Völker die Annahme der Thora entschieden verweigerten? Allerdings ist es eine unleugbare Tatsache, daß-Jsrael nachdem es vom ägyptischen Tyrannen befreit wurde, sich für die höchsten Ideale, für die wahrhaft göttliche Thora wie kein zweites Volk mit ungewöhnlichem Enthusiasmus begeistert hatte, allein wo gibt es ein Volk auf Erden — stünde es auch auf der höchsten Stufe der Kultur und Bildung — das nicht auch höchst unwürdige, sittlich nnd moralisch verkommene Subjekte, Krakehler, Nörgler, denen man es nie recht machen kann, wie übergeführliche Deünnzianteu, Verräter, elende lügenhafte Verleumder, Defraudanten und sonstige Wüstlinge in seiner Mitte hatte? Wir brauchen ja nur an die berüchtigten frechen Denunzianten Datau und Abiram zu erinnern, die den großen unsterblichen Lehrer Moses bei jeder Gelegenheit, teils durch Hetzreden die sie öffentlich gegen ihn gehalten, teils durch Schand- und Brandbriefe, die sie heimlich an maßgebende Persönlichkeiten gesandt, zu stürzen, ihn in seiner Ehre und Würde zu kränken und zu verletzen sich bemühten. Und eben diese einzelnen Auswüchse waren es — und sind es heute noch — denen Amalek stets seine Aufmerksamkeit geschenkt, die er stets auf Schritt und Tritt bewachte, und sobald er sie bei irgend einer Untat ertappte, keinen Anstand nahm die Verbrechen dieser einzelnen zn generalisieren, die Gesamtheit zn verdächtigen und zu verurteilen. Ja, für jedes Vergehen eines einzelnen .Juden die gesamte Judenheit verantwortlich machen, das ist die echte amalekitische Methode. In Refidim geriet das Volk infolge eingetretener Wassernot in Verzweiflung. Die Gemüter waren erregt, alles kam außer Rand und Band. Diese Situation - benutzten die berüchtigten Krakehler und Verräter dazu, um Moses bittere Stunden bereiten zu können. Sie kränkten ihn derart, daß er, der sonst nie wankte und nie schwankte, berzweiflnngsvoll ansrief: „Es fehlt nicht mehr viel und sie würden mich steinigen". Wohl waren es nur! einzelne verkommene Subjekte, elende Schandbuben, die sich so frech gegen den Gottesmann benahmen, das Volk in'seiner Gesamtheit aber verehrte ihn über alle Maßen, was, nach der! tiefsinnigen Bemerkung Unserer Weisen ans dem', göttlichen Zu- . rufe „Awaur litne boom“ ziehe nur vor dem Volke her und du wirst' sehen, daß sie' dich nicht steinigen, sondern/ mit - Enthusiasmus empfangen werden, da es nure i u zel u e ‘ sind, die sich so schändlich benehmen und die man nicht zu beachten , braucht, entnommen werden kann/ Allein Amalek genügt' es. i wenn einzelne^ Juden -sich, schwer ‘ vergehen, damit er dann ' die

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