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Die Wahrheit · 1913-03-14 · Heft 11 (14.3.1913) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 11 (14.3.1913)
Date
1913-03-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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'IV Redaktion und Sldniinistration: Wien, 11/, Novaragaffe 27 Telephon: Redaktion 5509/1V. Auabhangige Hertschrifi für jüdische Oer«g»t'rel»: L».u«ii.iöiirt.K!*■.— Halbsiidrig.K 7.- . Administration 4938/11.; R. f. üsterr. Nostsvarkaffa- Schect-Ronro Itr. 300.918. Antere^seu. Für JlnUn-bemutc: >U..„zi.iv>>a.K 10.— Inserate: . Die viermal gejvaltene Ronpareille-Zeiie 25 Heller. Erscheint jeden Ireilng. Für Anslnud: Abonnementsnnd Jnsrrlions- '».»izlavria.8 Mark betrage sind in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ t> viiivei oder 1*5 Are». Ur 11 Wien 14. Mar; ' - - — - — " — -- - ■ -. , . — , ■■ ■ - - - - - — - - .. — I nhalt: Rasse. Volk, Religion. — Jüdische Rache. — Zur Geschichte der „Familie". — Ans dem Wege nach Jerusalem. — Rede des Präsidenten der Wiener Knltusgemeinde Dr. Alfred Stern an der Bahre Dr. Maximillan Steiners. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleron: Marg a — Union-Bank. Raffe, Molk, Rkiiyion. Bon Professor Dr. Kahan, Znaim. Bekanntlich verdirbt die Politik den Charakter, während die Tendenz die Wissenschaft verdirbt. Was geschieht aber, wenn sich beides .verbindet? Etwas wie.das Buch vom amerikanischen Iuden Dr. M. Fischberg, die Rassenmerkmale "der Juden (München bei Ernst Reinhardt). / Die Antisemiten nämlich sind nicht nur die besten Menschen, ja,Edelmenschen der Welt, sondern auch die besten Freunde der Juden. Sie möchten so gerne ihnen die brüderliche Hand reichen und mit Liebe überhänfen, aber sie können es leider nicht, denn die Juden sind ja — Semiten! Und wie sollte ein Antisemit einen Semiten lieben? Kann sich Feuer mit Wasser verbrüdern? Natürlich unmöglich! Also muß man den guten, biedern . Antisemiteil w i s s e n s ch a f t l i ch beweisen, daß die Inden gar keine Semiten sind, dann — ja, daun müssen ja alle Antisemiten der Welt, von Schönerer bis Schneider, von Dühring bis Ahlwart die Juden um Verzeihung bitten und .sie brüderlich in ihr liebevolles, arisches Herz schließen. Um dieses herrliche Ziel zil erreichen, kann man schon ein bischen Tendenzwissenschaft treiben, denn was tut man nicht um des lieben Friedens willen? So etwa dachte schon Ernest Renan und schrieb 1883 eine Abhandlung, wo er bewies, daß bei den modernen Inden vielfach nichtsemitisches Blut sich erkennen läßt. Aber das bischen N i ch t s e m i l i s m u s. genügte den guten Antisemiten nicht.' Gerade damals setzte die antisemitische Bewegung mit voller Wucht ein und zog immer weitere Kreise um sich — bis auf den heutigen Tag. . . ■ - . Jeden guten Juden muß die Sprödigkeit der guten Antisemiten tief kränken, und da Fischberg ein guter Jude ist, so ging er hin und schrieb ein dickes Buch, um. wie er selbst mit beneidenswerter Naivität sagt, dem A n t i s e mi t i s m n s den Boden zu entziehen, da. er ja bewies, daß die Juden zum größten Teil —■ I n dog e r m a n e n sind! Nun, was wollt Ihr noch, Ihr guten, edlen Antisemiten? Wollt Ihr uns noch immer nicht Eure biedere Bruderhand reichen? Herr Dr. Fischberg hat es ja klipp und klar bewiesen, daß das Judentum eine Religion war und ist — aber niemals eine Rasse. ' , Wie, Ihr wollt es nicht glauben? Euer Unglaube wird Euch . noch teuer zu stehen kommen. Herr Dr.-Fischberg wird Ench : bald beweisen, daß die - .I u den n i e exi ft i e r t haben und dann seid Ihr die Blamierten! Es ist wirklich tief bedauerlich, zn welch ungeheuerlichen Resultaten die Wissenschaft gelangen kann, wenn sie etwas; durchaus beweisen will! Man denke! Die vier Stämme Dan, Naphtali, Gad und Ascher stammen ja von n i ch t j ü d i s ch e n Müttern (8ic!) ab, nämlich von den Nebenfrauen Jakobs Bilha und Silpa (Fischberg konsequent: Zlipa), demgemäß war ein volles Drittel des Volkes Israel gemischter Abstammung! Aber warum nur ein Drittel? Das ganze Volk Israel stammt ja von n i ch t j ü d i s ch e n Müttern, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil es zur Zeit Jakobs noch keine jüdischen Frauen gab! Ist es nicht höchst albern, mit solchen Argumenten zu operieren? Nach dem Berichte der Bibel hat sich das ganze Volk Israel ans der Familie Jakobs entwickelt und die Inden aus der des vierten Sohnes Jakobs. Und ich wüßte nicht, was man dagegen Vorbringen könnte zu einer Zeit, da die Wissenschaft geneigt ist, anznnehmen, daß a l l e L e b e w e s e n sich von eine r Zelle entwickelt haben! Nun ist es ja selbstverständlich, daß der Stammvater der Juden keine — Iüdin heiraten konnte, oder muß das Herrn Dr. Fischberg erst gesagt werden? Aber um die Antisemiten zn bekehren, scheint ihm kein Mittel zu schlecht. Man höre! Bathseba heiratete Uria, den Hittiter — ein Beweis der Mischehen in Israel — gut! Also war . Bathseba eine geborene Jüdin? O nein! Der König Salomo (dessen Mutter eben Bathseba war) war der Sohn einer H i t t i t e r i n! So zu lesen Seite 241! Nein, lieber Herr Dr. Fischberg! Mit solchen Argumenten werden Sie die Antisemiten nicht bekehren. Das Resultat Zo lisch aus wird ihnen eher einlenchten, „daß die jüdische Rasse keine wesentliche Beimischung andersartiger ethnischer Elemente enthält, daß sie also einen einheitlichen Rassenkörper darstellt, der sich seit mindestens zweieinhalb Jahrtausenden rein erhalten hat und daher genealogisch eine in sich homogene Einheit repräsentiert". Ja, die Juden sind ein einheitliches Volk von gemeinsamer Abstammung und haben die verhältnismäßig wenigen fremden Elemente sich vollkommen assimiliert, allerdings vermöge ihrer einzig erhabenen Religion, die eben lehrt, daß es überhaupt keine verschiedenen Menschenrassen gibt, sondern ein Menschengeschlecht von einem Menschenpaar abstammend, von einem Gotte geschaffen. Die Verschiedenheiten der Völker sind eben Varietäten innerhalb einer Menschenfamilie, wie man sie alltäglich auch innerhalb e i n e r Fa m i l i e beobachten kann. Das Milien, die Beschäftigung, das Klima, alles bildet und modelt das Aussehen der Menschen nach Naturgesetzen, hinter die noch

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