Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1913-03-07 · Heft 10 (7.3.1913) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 10 (7.3.1913)
Date
1913-03-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063674-3063684--08365-3075525
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 10. Die Wahrheit Seite 3 i . Wien. Samstag> den 15. März, abends Uhr findet im Sitzungs- ^aate der israelitischen Klillnsyemeinde) I. Seitenstettengaffe 4, 2. Stock die Generalversammlung des Vereines für Krankenpflege und Unterstützung hcmdluugsallgeh. Israeliten statt. Tagesordnung: 1.Wahlangelegenheitenund Abgabe der Stimmzettel für die wie folgt vorzunehmenden Wahlen: <a) Neuwahl von 4.Vorstandsmitgliedern, b) Neuwahl von 3 Vorständsersatzmännern, c) Neuwahl,des Revisionskomitees. 2. Vortrag des Jahresberichtes pro 1912. 3. Erstattung des Nevisionsberichtes, 4. Eröffnung der Debatte und Abstimmung über die vorgetrageneu Berichte, 5. Prommlgiernng des Wahlresnlrats. Bor der Generalversammlung um 7 Uhr abends findet im Stadt- Tempel ein feierliches Requiem für die im abgelanfenen Jahre verstor, -denen Mitglieder statt. Wien. Die Wohltätigkeitsakademie des Humanitären Vereines zur Unterstützuna Kurbedürftiger, Wien, II.. Große Stadtgut- .gasse 7, mußte ans den 17. März verschoben werden, da die Premiere -der Eysler'schen Operette Der l a che n d e E h e m a n n am 15. d. im Wiener Bürgertheater stattfindet. Die künstlerische Leitung der Akademie -hat Herr Edmund E h s l e r als Vorstandsmitglied des Vereines übernommen. Es werden Mitwirken: Frl. Mathilde Ehrlich von der Volksoper; Herr Prof. Rudolf M a l ch e r. Kammervirtuose; Herr Hugo JB r e i e i e r, Cellovirtuose. Vom Bürgerthearer: Frau Gisela Marron Frl. Elirmy Pe r ko, Frau Viktoria Pohl-Meiser, Herr Marcell No 6 in der neuen Eysler-Operette. Herr Richard Waldemar vom C'arlrhearer. Am Klavier: Herr Edmund Eysler. Tanzarrangement: .Herr Tanzmeister Rudolf H e i m a n u. Die Akademie findet im Festsaale des „Bayrischen Hos" II. Taborstraße statt. Beginn 9 Uhr abends. Karten zu 3 Klonen sind zu haben bei: Dr. Isidor L. Braun. II. Große Stadtgutgasse 7; Apotheker R a d i tz, Bärenapotheke, II.. Taborstraße 26; Restaurant Herlinge r, II.. Zirknsgasse 8; Leo Heller (Firma S. Schein) I., Bauernmarkt; Jakob Heber, H., Glockengaffe 25. Frankfurt a. Main. (B e r l o b n g). Herr Siegmnnd E d e l st e i n, Lffentl. Gesellschafter und Generaldirektor der Getreidehandels- und Aktiengesellschaft Weil Hermanos y Cia. Buenos-Aires, London und Antwerpen, hat sich mit Frl. Lisbeth L a h n st e i n, Tochter des Herrn Julius L a h nstein ans Mainz, verlobt. Herr Edelstein ist ein gebürtiger Wiener und ein Enkel des in Wiener Talmudistenkreisen noch in Erinnerung stehenden Talmndisten und Bibliophilen R. Elie K o h n. Jüdische Bühne. Direktion^M. Siegler. „Hotel Stefanie", II.. Taborstraße 12. Freitag, den 7., «Samstag, den 8. und Sonntag, den Z, März 8 Uhr abends „D e r G e t t." Lebensbild mit Gesang in vier Aufzüqen von S. Giomet. Musik von Rumshinsky. Sonntag, den 9. März, halb 4 Uhr nachmittags, zu halben Preisen, "Josef in Egyp t e n." Montag, »den 10. März „S ch a b s e Gojlem." Dienstag, den 11. März Benefize des Herrn I. Deutsch „E s r a" Mittwoch, den 12. März ^Judith und Holofernes." Donnerstag, den 13. März Ehren- Äbend deS Oberkantors I. Halpern „Das fremde Kind." In Vorbereitung: „Jakob und Es au." Die Tage der Uorfeit. Bon Babette Fried, Prag. (Schluß.) „Das hat sie auch und sie erzählte mir ebenfalls, daß Sie -wiederum eilten sehr günstigen Einfluß auf den Gelllütszustand mnserer Tochter ausgeübt haben. Dafür sind wir Ihnen sehr wiel Dank schuldig. Hoffentlch wird Ihre Stellung bei uns uns Llllen Gelegenheit geben,. das alte gemütliche Verhältnis wieder .herzustellen, was ich sehnlichst wünsche. Wollen Sie?" „Ob ich, will? Das fragen Sie noch?" Ein Handschlag bekräftigte das neue Nebereinkommen. XIII. In der uns wohlbekannten Wohnung Reb Salme Borg- -steins finden wir diesen Und dessen treue, unermüdliche Pstegerin -Mina Teller. Ein heißer Tag war soeben zn Ende gegangen. Im Zimmer war es noch drückend schwül, trotzdem der Abendwind kühle Lnftlvellen durch das halboffene Fenster hineinfegte. Es war auch sonst nicht gar gemütlich daselbst. Reb Salme saß ans einem niederen Schemel. Ans dem wor ihm stehenden Sessel stand das Oellämpchen. welches das -ans dem Stuhle liegende Buch nur spärlich beleuchtete, während das ganze Zimmer in Dunkel gehüllt war. Es war der Abend des neunten Ab. der Denktag der .Zerstörung, Jerusalems, der Verbrennung des heiligen Tempels. Es war das erstemal, daß Borgstein die Klagelieder Äeremias z n H a n s e vortrng. Sonst ging er an diesem Abende immer in die Synagoge, woselbst er auch mit dem Vortrage von Kinothgesängeu beehrt wurde. Heute hatte ihn eine große Schwäche zum Znhansebleiben veranlaßt. Infolge des ungemein heißen Tages hatte ihn eine lähmende Mattigkeit überfallen. So wenigstens hatte er seine plötzliche Schwäche der Witterung in die Schuhe geschoben, um der besorgten Mina nicht eingestehen zn müssen, daß die Auf» regnng ihn wieder einmal gepackt habe. Mina harte ihre Mutter zn Bette gebracht und war zum Nachbar hinübergeeilt, dem sie bei seiner häuslichen Andacht Gesellschaft leisten wollte, schon darum, um bei der Hand zu sein, wenn das Rezitieren der Klagelieder eine gar zit heftige Gemütserregilng zur Folge hätte. Konnte doch der unglückliche Alte gar manche dieser Stellen ans sich beziehen, das heißt, mit seinem eigenen Schicksale vergleichen und sich dabei ans eine seiner Gesundheit schädlichen Weise anfregen. Zudem wollte sie diesen Bortrag ans dem Munde eines schrislknudigen Mannes initanhören. Tränen rieselten dem guten Mädchen über Wangen, als Reb Salme in ergreifenden, oft von Schluchzen unterbrochenen Worten die Klageworte des Propheten rezitierte. So ivar er zum Schlüsse gekommen. Aus innerstem Herzen quollen die Schlußworte: „O, nimm uns wieder ans, Herr! Wir kehren zu Dir zurück; erneuere die ewigen glücklichen Zeiten wieder. Solltest Du uns ganz verworfen haben, so sehr uns Deinen Zorn haben fühlen lassen?" Salme Borgstein erhob sich von seinem Sitze. Er ging zum Fenster, etwas frische Lust zu schöpfen und lehnte die blühende Stirn an die Fensterscheibe. „Die Megilas Echoh hat Sie angegriffen, Herr Borgstein, aber der Schluß ist tröstend." Hoffen wir, daß auch Ihnen Gott bessere Tage erstehen läßt nach all dem Ungemach; die einstigen glücklichen Zeiten können auch Ihnen erneuert werden." „Wie wäre dies möglich, Kind? Ich traue um Gräber. Diese geben nichts zurück, was sie verschlungen." „Das wohl nicht. Aber die göttliche Barmherzigkeit kann den Frieden in unsere Herzen bringen, und wir können getröstet werden inmitten aller, welche um Zion und Jerusalem trauern." Borgstein antwortete tiefbewegt: „Ich bin ja eigentlich undankbar gegen die göttliche Vorsehung. Sie har mir in Dir, an welcher ich es am wenigsten verdient habe, einen Engel voll Güte und Milde zugeführt, der wohl geeignet wäre, mich mein Unglück vergessen zu machen." „Nein, das vermag weder ich noch sonst jemand. Auch sollen Sie anderer nicht vergessen. Ihre selige fromme Frau und Ihr Sohn sind es wohl wert, daß ihrer gedacht werde. Gedacht aber mit milder Wehmut, nicht mit herzzerreißendem Schmerze. Jetzt aber muß ich gehen. Wenn meine Mutter aus dem ersten Schlafe erwacht und mich nicht zn Hanse findet, kann sie leicht besorgt werden." „Ja, gehe Kind. Du sollst auch schlafen, um Dich zudem morgigen langen Fasten zu stärken." „Gut, daß Sie mich erinnern. Um das morgige Nachtmahl nach dem Fasttage brauchen Sie sich nicht zu kümmern. Bei uns ist immer ein bißchen Kaffee und ein Stückchen Brot vorrätig, und mehr bedarf es doch nicht." „Schon gut, Mina, geh nur. Ich habe schon öfter tagelang nichts gegessen und durchgeweint, ich werde es morgen auch aushalten." Als Mina das kleine Häuschen, in welchem Reb Salme Borgstein sein einsames Leben fristete, verlassen hatte, schien es ihr, als zöge der Schatten eines Menschen vor dem Fenster vorüber. Sie war besorgt geworden. Denn wenn auch niemand bei dem Hochzeitsnarren Reichtümer vermutete, so konnte sein Federbett und sein sonstiges Geräte doch auch erneu Strolch zum Einbrüche reizen, und der alte Mann war ja gänzlich hilflos. Das beherzte Mädchen wollte noch schauen, und da erblickte sie einen Mann, welcher bei ihrem Dazutreten von dem Fenster wegsprang, durch welches er neugierig in das Zimmer geschaut halte. Ihre Wahrnehmung hatte sie vorhin doch nicht getäuscht. Entschlossen rief sie dem Fliehenden nach: „He hallo! Was suchen Sie in dieser ärmlichen Hütte, daß Sie so neugierig ins Fenster blicken?"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.