Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 9 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 9. Die Wahrheit Seite 11. kleidung armer alter Mmmex puh Frauen sämtlicher Bezirke statt. In Vertretung der abwesenden Präsidentin; übernahm der Beirat Herr Dr. .Hermanlk Drucker den Vorsitz. Er begrüßte die erschienenen Mitglieder ttrnd Gäste, insbesondere das Ehrenmitglied des Vereines Herrn Anton Stern sowie den Offizial der israel. Kultnsgemeinde Herrn M. U n g a r. Nach Erledigung der ersten 4 Punkte der Tagesordnung berichtete Herr Dr. Drucker, daß verschiedene Umstände die Bereinsleitnng bestimmt haben, 'der' diesjährigen Generalversammlung den Antrag auf Aenderung der Bereinsstatuten zu unterbreiten, u. zw. soll in Hinkunft die Tendenz des -Vereines dahin gehen, solche jüdische verlassene Kinder, die bis. zu ihrem -erreichten 14. Lebensjahre -seitens der Wiener isr. Kultnsgemeinde verpflegt wurden, nach ihrer Schulmündigkeit bis zur erreichten Erwerbsfähigkeit nach Maßgabe der vorhandenen Vereinsmittel zn unterstützen und .insbesondere deren physische und moralische Entwicklung zu beaufsichtigen. Der Titel des Vereines soll auf „Z u f n n f t", Verein zur Förderung schulentwachsener, verlassener Kinder abgeändert werden. Ueber diesen Punkt eröffnet der Vorsitzende die Debatte, an der sich die Herren A l m a s i, S t e r n, K i r y l h und Osfizial M. U n g a r beteiligten, welch .letzterer m einen längeren überaus intereffanten Bortrage die beantragte Statutenänderung begründete. Er verwies zunächst darauf, daß für die bisherige Tätigkeit des Vereines in - genügender Weise seitens anderer Vereine vorgesorgt werde, während auf dem Gebiete der Kinderfürsorge und insbesondere für die verlassenen jüdischen Kinder noch vieles zn tun :übrig bleibe. Redner skizzierte dann die zielbewnßte Fürsorge, die der Wiener Kultnsgemeinde mir Unterstützung des „Hietzinger Franen-Bereines" den verlassenen Kindern jüdischer Konfession bis zum 14. Lebensjahr angedeihen läßt, aber für diese Kinder nach erreichtem 14. Lebensjahre weiter zn sorgen, wie es vom Standpunkte einer sozialen Fürsorgetätigkeit notwendig erschiene, dazu reichen die vorhandenen Mittel nicht ans. Es wäre daher eine ebenso dankbare als dringende Aufgabe, der sich der Verein „Zukunft" mit seinem neuen Wirkungskreise unterziehen würde, eine Aufgabe, welcher gewiß auch in weiten Kreisen die größten Sympathien entgegengebracht würden. Nach den Ausführungen des Herrn M. Ungar, -die von großem Beifall begleitet waren, wurde die von der Veceinsleitung beantragte Statutenänderung einstimmig angenommen. Wien. Im Rahmen eines von der Direktion der .,Jüdischen Bühne" im eigenen Saale, Hotel Stefanie, Taborstraße 12, zu Ehren .des bekannten jüdischen Dichters, S. I. I m b e r veranstalteten l i t e r a rische n Abends liest der Dichter Montag, de n 3. März l. I. um 8 Uhr abends, ans eigenen veröffentlichten und unveröffentlichten Werken. Außerdem wird Herr D ent s ch, der berühmte Tenor der hiesigen jüdischen Bühne, in liebenswürdiger Weise einige vertonte Lieder des Dichters zum Bortrag bringen. Das Wiener jüdische Publikum, dem der Name Jmber nicht unbekannt sein dürfte, wird auf das reichhaltige 'Programm dieses Abends besonders aufmerksam gemacht und höflich ersucht, recht zahlreich zn erscheinen. Nach der Vorlesung folgt die Aufführung des bekannten Gordinschen Dramas .,D i e S ch'ch i r e." Karten ä K 3.—, 2.—, 1.50 und K 1.— sind im Cafs Weiß, II., T a b o r st r a ß e 25, im Vorverkauf zu haben. Wien. Am 1. März gelangt auf der hiesigen „Jüdischen Bühne", IX, Taborstraße 12 (Hotel Stephanie) ein neues Theaterstück „D a s fremde Kind" zur Aufführung, dessen Text und Musik von Herrn Jsak H. Halpern, früher Oberkantor in Lemberg, geschrieben ist. Das Interesse für die Novität ist insbesondere in den Brnfskreisen des Autors ein sehr reges, und letztere beabsichtigen durch zahlreichen Besuch ihrem Kollegen ihre Sympathie zn beweisen. -— Linz. (G e s e l l i g k e i t s v e r e i n „G l e i ch h e i t" ). Sonntag, den 9. d. M. veranstaltete dieser Verein im Gasthof „zur Austria" einen 'Künstlerabend, der dem noch jungen Vereine alle Ehre machte und den für denselben gewählten Titel vollkommen rechtfertigte. Nach einem einleitenden Klaviervortrage erschien Herr Otto Reinhard Popper am Vorlesetisch, um seine Wiener Kaufmannskomödie „Das Wareuhaussränlein", welche in Berlin viele Aufführungen erlebte und auch Heuer am Stadttheater in Steyr einen schönen Erfolg erzielte, zu rezitieren. Hierauf folgte ein Violinvortrag der Herrn Franz F r i e d l. Dieser ist ein Geiger von ganz vorzüglichen Qualitäten und spielte die Ballade und Polonaise von Bieuxtemps und die „Othello"-Phantasie von Ernst mit großem künstlerischen Erfolge. Die Klavierbegleitung besorgte in diskreter Weise Herr K o l l i k. Sodann betrat die Opernsängerin unserer Bühne Fräulein Änny Bernhard t mir Beifall begrüßt das Podium und entzückte die Zuhörer durch ihre vorzüglichen Gesangvorträge. Den gleichen große» Beifall fand der Bassist unserer Opernbühne Herr Hermann S ch o r r, welcher mit seiner Prächtigen Stimme die Arie ans der Donizetrischen Oper „Der Renegat" 'und die Essersche Ballade „Der tote Soldat" mir größtem Erfolge zu Gehör brachte. Er riß das Publikum zu frenetischem Beifalle hin und sang noch als Zugabe die Schumauusche Ballade „Die beiden Grenadiere". In Herrn Oberkantor Bernhard Löwensohn lernten wir ebenfalls einen vorzüglichen Sänger kennen. Er sang mit seiner schönen großen Stimme „Valentins Gebet" aus der Oper „Margarete" von Gouuod und die Ballade „Rattenfänger von Hammeln" von Weinzierl und löste ebenfalls durch seine schöne künstlerische Darbietung stürmischen Beifall ans. Auch 'dieser Sänger.-mußte sich zn einer Zugabe herbeilassen. Die Klavierbegleitung sämtlicher Gesangvorträge besorgte in vorzüglichster Weise der Theater-Kapellmeister Herr Karl Für mann, welcher mit Recht an dem großen Beifalle der drei genannten Sangeskünstler partizipierte. Als vorzüglicher Flötist zeigte sich Herr Albert Kletschka. Da nach Abwicklung des schönen Programmes auch.noch die zahlreich vertretene Jugend durch -ein improvisiertes Tänzchen auf ihre Rechnung kam,, kann dieser Vereins? nbend als in jeder Beziehung vollkommen gelungen bezeichnet werden. Brün». Anläßlich der von Dr-Marens E p st e i n, emer. Advokaten in Brünn, im „Brünner Montagsblatte" vom 3. Februar d. I. veröffentlichten Trauerhymne: „Erinnerungen an Erzherzog Rainer", kam demselben vor einigen Tagen nachstehendes Telegramm zn: „Wärmsten innigsten Dank für wohltuende Teilnahme anläßlich des Todes meine) unvergeßlichen gnädigsten Herrn, Der Obersthosmeister: Rosenberg. Gd.K. Ledeö. Sonntag, den 16. Februar wurde auf Veranlassung unseres Herrn Rabbiners Dr. L.Bertisch, in unserem Gemeindetempel in Anwesenheit des Vorstandes, aller Gemeindemitglieder, der Vertreter der hiesigen Bezirkshanptmannschaft, des Bezirksgerichtes und des Schulkörpers eine überaus erhebende Tranerandacht für den verstorbenen Erzherzog Rainer abgehalten. Ter Herr Rabbiner schilderte in beredten Worten' die hohen Tugenden des Dahurgeschiedenen. dessen Namen und Andenken für alle kommenden Zeiten in den Büchern der Geschichte und in den Herzen der Bürger Oesterreichs sortleben wird. Das herzliche.Bedanken des Vorstandes und der Vertreter der Behörden war der Lohn für unseren Herrn Rabbiner, der in der kurzen Zeit seiner hiesigen Wirksamkeit sich bereits allgemeine Anerkennung und Verehrung erworben hat. H. S. Pozsony Die Kantoren-Kandidaten des „Schir-Chadasch"--Berbandes zu Pozsony veranstalten Sonntag, den 9. März, 8 Uhr abends, im Prachtsaale des Hotel „König von Ungarn" ein Wohltätigkeits-Konzert. Mitwirkende: 1. Opern- und Konzertsänger Herr M. Kaufmann, Wien. 2. Opern- und Konzertsänger Herr^L. K i r s ch n e r. Wien. 3. Deklamationsvortrag. Herr Dr. Schwarz, Pozsony. 4. Humorist. Borträge von Herrn Professor Nascher, Wien. 5. Klavierbegleitung von Herrn D. W e i nb erg er. Pozsony. 6. Die Chöre werden von Herrn I. Kijevsky geleitet. Jüdische Bühne. Direktion M. Siegler. „Hotel Stefanie", IL, Taborstraße 12. Freitag, den 28.Feber „Der jüdische Hamlet." Lebensbild in vier Aufzügen von Salotocewsky. Samstag, den 1. und Sonntag, den 2. März „Das fremde K i n d." Operette in vier Aufzügen von Oberkantor Halpern. Sonntag, den 2. März, halb 4 Uhr nachmittags „Ben Jako b." Montag, den 3. März „I mber- V o r l e s u u g." Nachher: „Kreuzer-Sonate." Drama in vier Aufzügen von I. Gordin. Dienstag, den 4. März. „Russischer Verein Brüderlichkeit" „Z n r ü ck g e k i m m e n." von S. Asch. Hierauf: „M e n s ch e n" von Schulem Aleichem. Mittwoch, den 5. März „D a s j ü d i s ch e H e r z." Donnerstag, den 6. März. Benefiz der Frau E. Weinttaub. „Die weiße Sklavi n." Drama in vier Anzügen von Solotarewsky. In Vorbereitung: „Der Gett." Austritte uns dem Judentum. Fischer Otto, Kaufniann, geb. 31. Oktober 1878 in Beneschau. Wien, H. , Aspernbrückenstraße 4—6. P i ck Hans, Universitätshörer, geb. 17. April 1889 in Kgl. Weinberge. Wien, VII., Kaiserstraße 51—53. Fischhof Rosa, Kommerzialratswitwe, geb. 10. August 1869 in Gr>- Schwitz. Wien, VIII., Langegaffe 74. Berger Klara, Schriftstellerin, geb. 23. Februar 1869 in Wien. VIII., Josefstädterftraße 34. Lunzer Ludwig, geb. 30. Juni 1883 in. Wien. XVI., Lerchenfelderstraße 55. Grün Adolf, Bäckergehilfe, geb. 15. April 1891 in Auspitz. Wien, IX., Allerheiligenplatz 6. O b l a t t Helene. Kontoristin, geb. 26. August 1392 in Wien. XVI., Thaliasiraße 9. P o l l a t s cb e i Leopold, Bnchbindergehilfe, geb. 28. Juni 1869 in Tabor. Wien, XX., Dcesdnerstraße 46. Schleifer Hermine. Kontoristin, geb. 9. Juni 1891 in Wien. Vx, Hamburgersiraße 15. Deutschland Olga, Opernsängerin, geb. 18. Dezember 1888 in Wien. I. , Salzgries 19. D u s ch i u s k y Friedericke, geb. 19. Juni 1877 in Straßnitz. Wien, XVII.. Pelzlgasse 68. Spruch Majer,' Fachlehrer, geb. 2. Juli 1879 in Lemberg. Wien, XX., Denisgasse 18. Wachtel Alfred, Geschäftsführer, geb. 2. Februar 1883 in Lemberg. Wien, I., Wallnerstraße 17. Ettel Goldschmidt-Stiftung für Mittelschüler. JLnzahl der Plätze: Drei im Betrage von je K 100.—. Bewerbungsberechtigt sind: Gymuasialschüler israel. Konfession. Bevorzugt sind: Vater- oder mutterlose Knaben, sowie Verwandte des Scifrers, HerrnvMoriz Ritter von Goldschmidt, oder dessen Gattiu Nanette, geb. Landauer. Qesuchsbetiagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, letztes Studienzeugnis, eventuell Totenschein, Verwandtschaftsnaehweis. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 28. Februar 1913. Einreichstelle: I. Seitenstettengasse 4, II. Stock (Eiureichungsprotokoll.) Wien,. 13. Jänner 1913. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien.