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Die Wahrheit · 1913-02-28 · Heft 9 (28.2.1913) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 9 (28.2.1913)
Date
1913-02-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 9 . . - .. Die Wahrheit Seite 7. am Geschäfte, was die Ab.nelgung und Mißstimmung zwischen, den Sckstvägern notwendig verschärfen mußte. War ohnehin Fein großer Borrat von ehelicher Liebe vorhanden, so ist es' auch leicht .erklärlich, daß-die-Abneigung und der Zorn gegen die-Schwäger bald auch aus.'die Gattin überging, die dem Gatten. Vorwürfe machteund, ihren Brüdern Recht gab. Eine krankhafte Sucht, beit Schwägern wirtschaftlich gleich zu werden, treibt' den Unglücklichen dem Spielteufel zu. was natürlich die Aufregung vergrößert und die Kluft zwischen den. schwägerlichen Chefs und seiner engsten Familie einerseits und dem -ulißvergnügten Familienoberhaupt andererseits immer mehr, erweitert, bis der weitere Aufenthalt im Geschäfte und das Zusammenleben mit der Familie unmöglich und tatsächlich durchrissen lvird. Als endlich alle wahnsinnigen Versuche des Unglücklichen, sich aufzuraffen, mißlangen, steigert sich sein Haß gegen seine Schwäger zu ungezügelter Wut nnd die fürchterliche Tat wächst daraus hervor. Füralle jüdischen Familienväter und jungen Männer, die willens sind, eine eigene Familie zu gründen, ist es nun meiner Ansicht nach nicht überflüssig, aus diesem grauenhaften, zum Glück sehr seltenem Vorkommnisse Schlüsse und Konsequenzen zu ziehen. Es war eine tragische Schuld des Uebeltäters, sich durch eine Heirat versorgen zu wollen. War Emil'A. im Geschäft leistungsfähig, dann mußte er sein Brot o h u e Protektion bei fremden Leuten suchen. Da hätten ihn etwaige Beleidigungen der Chefs nicht so geschmerzt und gedemütigt und seine Frau hätte keinen Grund gehabt, den Chefs mehr zu glauben als ihrem Gatten. — Andererseits kann die grauenvolle Tat wohl als warnendes Beispiel dafür dienen, daß es unmöglich sei, das Glück eines Mädchens durch Verheiratung mit einem Manne zu begründen, dem man nur immer eine Beschäftigung mit einer anscheinend auskömmlichen Besoldung zu geben bereit ist. Die Verheiratung der Töchter bildet gegenwärtig überhaupt einen wunden Punkt in Israel. Viele junge Männer heiraten mehr die Mitgift als die Braut und die meisten Mädchen kaufen sich buchstäblich ihren Mann. Durch diesen modernen 2mnz um das goldene Kalb leidet sowohl die Achtung und Wertschätzung in seiner Familie als auch 'das ganze ehemals ideale Familienleben. Da standen die antiken Juden doch höher, die sich ihre Frauen kaufen mußten, da war die-gekaufte Braut doch sicher, daß nur die Liebe die. Wahl ihres Gatten gelenkt hatte. Möchten doch auch viele Familienväter und -Mütter endlich klar erkennen, daß bei der Kindererziehung auch die Pflege des Gemütslebens nicht ungestraft versäumt werden kann.die durch religiöses Leben in der Familie am besten erfolgen kann. Wäre in dieser Richtung im Hause des alten A. genug geschehen, dann wäre Emil A. nicht leicht zum Massenmörder geworden. Und durch die ganz verkehrte Familienerziehung im Hause des Mörders ist die erschreckliche Tatsache erklärlich, daß dessen Sohn den ersten Stein ö f f e n t l i ch auf den Vater, wirft, das Kind, welchem sogar das Gesetz das wohltätige Vorrecht zubilligt, sich vor Gericht der Aussage gegen den schwer irrenden Vater entsagen zu dürfen. * * * R. L. Zn der beklagenswerten Untat wird uns von anderer Seite Folgendes geschrieben: In der mir soeben zugekommenen Nr. 8 der „Wiener Sonn- und Montagszeitung" lese ich in der Rubrik ..Fragmente von der Woche" folgenden, auf das furchtbare Drama, das im III. Bezirke von Wien sich abgespielt, bezughabendeu Passus: „Wir meinen das „Deutsche Volksblatt", welches den Bericht über das schauerliche Ereignis mit dem Titel „Grauenhafte Bluttat eines Inden" ansstattet und derart gewissermaßen die ganze Angelegenheit dem Judentum ankreidet. Vernünftigen und objektiv denkenden Menschen braucht man gewiß nicht erst zu sagen, daß das Merkmal des Täters als „Jude" hierbei am allerwenigsten in, die Wagschäle fällt, denn die Kriminal ist i k l e h r t unzweideutig, daß das Judentum gerade auf diesem Gebiete auch relativ nur einen sehr geringen Prozentsatz stellt." Beim Lesen dieser Sätze erinnerte ich mich eines Gleichnisses, das sich in : Midrasch findet und das wohl hier auch am Platze sein mag. ,:Eiust kam eines schönen Morgens eine Magd, die dem Negerstamme angehörte, zum Brunnen und sagte zu ihrer Freundin: Du, ich habe dir heute eine sehr interessante Mitteilung zu machen. Unser gnädiger Herr lvird sich morgen von seiner Frau scheiden lassen und mich dann zum Traualtar führen. Was dir nicht einfüllt, entgegnete die Freundin, was ist denn geschehen, daß dein Herr sich plötzlich von seiner Frau scheiden lassen will? Ja, weil er gestern bemerkte, daß ihre Hände von Kohlen geschwärzt waren. 0, du hebe Einfalt, erwiderte die erstaunte Freund im Was du da sprichst, ist eine Torheit sondergleichen. Wie, ist es möglich, ist es denkbar, daß dein Herr sich von seiner so liebenswürdigen, anmutigen nnd herzensguten Frau scheiden will, weil einmal zufällig ihre Hände geschwärzt waren, die doch leicht gereinigt werden können, und wird dich vorzieheu, die du doch von Geburt an durch und durch ganz schwarz bist." Tagtäglich liest und hört man von schweren Verbrechen, die Nichtjuden begangen haben nnd keinem vernünftigen Menschen fällt es ein die Konfession für die vielen Untaten verantwortlich ZN machen. Nun kommt es nach langen Dezennien einmal vor, daß irgend ein elender, moralisch und sittlich verkommener, arbeitsscheuer, lasterhafter Mensch, der zufällig Jude ist, ein schweres Verbrechen begangen, wie jubeln da die Judenfresser, die modernen Hamane und schreien Zeter, der Mörder war ein „Jude"! Veritas. Ans der Wiener Knllnsgememde. Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 19. Februar 1913. Beginn 6 Uhr abends, unter dem Borsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Einlauf. Vom Herrn k. k. Statthalter von Niederösterreich folgende Zuschrift: „Im Allerhöchsten Aufträge gebe ich für die aus Anlaß des Ablebens Sr. k. ii. k. Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Rainer telegraphisch zum Ausdruck gebrachte Beileidsknndgebung den Allerhöchsten Dank bekannt." Vom Herrn ^Obersthofmeister weiland Sr. t. u. k. Hoheit des Herrn Erzherzogs Rainer, Grafen R o s e n b e r g, nachfolgende Depesche: „Ihre kaiserliche Hoheit danken innigst und herzlichft für liebevolle Teilnahme." Weiters eine Einladung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zur Gedenkfeier für weiland Sr. k. u. k. Hoheit den Erzherzog-Kurator Rainer. Dankschreiben des Herrn Präsidenten Dr. Adolf Stern für die Teilnahme des Vorstandes anläßlich des Ablebens feines Bruders. Dankschreiben des Herrn Vertreters Dr. Maximilian Steiner für das ihm seitens des Vorstandes anläßlich seines 60. Geburtstages gewidmete Ehrengeschenk. Dankschreiben des Vorstandsmitgliedes Max Zirner für die Kondolenz des Vorstandes anläßlich des Ablebens seines Bruders, Herrn Hermann Julins Zirner. Dankschreiben des Religionsschulinspektors i. R. Herrn Dr. Leopold L a n g f e l d e r für die Gratulation des Vorstandes zu seinem achtzigsten Geburtstage. Dankschreiben) des Herrn Dr. Sigur. Stiaßny im eigenen wie im Namen seiner Mutter für den Beschluß des Vorstandes, auf Anbringung einer Botivtafel im Vestibül der Zeremvnienhalle auf dem Zentralfriedhofe zu Ehren des Erbauers dieser Halle, Herrn Baurat Wilhelm S t i a ß u y s. A. Bon der Gonverueurswitwe Frau Sidonie von T a u f s i g die Widmung des Bildes Theodor Ritter von Tauffig für den Sitzungssaal der Kültusgemeiude. Dankschreiben des Vereines „Säugliugsfürsorge" für die vom Kultusvorstande bewilligte Subvention. Eine Resolution des Vereines zur Hebung der Gewerbe mit dem Ersuchen, bei der Vergebung der Architektenarbeiten, bezw. der Anfertigung von.Plänen für das Kinderspital von einer engeren Konkurrenz abznjehen, vielmehr alle jüdischen Architekten Wiens einznladen. An Spenden sind etug.elauseu: Von Herrn Präsidenten Dr. Alfred Stern zur Verteilung K 500.— „ „ Dr. Max Frenreich für Rechnung des Robert Friedländer-Legates für den Kinderspitalsfonds per K 30000.— die erste Halbjahrsrate ...K 1500.—*. 5 Prozent Zinsen von L 30.000 für die Zeit vom 27. Juli 1912 bis 27. Jänner 1913 . . » .... . K 750.— „ 2250.—

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