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Die Wahrheit · 1913-02-28 · Heft 9 (28.2.1913) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 9 (28.2.1913)
Date
1913-02-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9. ^Die. Wahrheit Seite b. .. Nun wirft die naheliegende Fratze wie von selbst sich auf. Belastet auch der Jude L a s s a l e das Schuldkoltto des Judentums, - war aucher eilt Jöemqjjög liub SSotfSbetörer, auch, er ehieu ,i>on Jeiieii Vf)ietoi;if^eii ^c^äbXiiigeii? _ ' ■ \ [U Mit Nichten! LaWe war nicht nur ein glänzender Redner, sondern nebenbei,: ich sage ironisch, nebenbei auch ein Genie. Sonst hätte er bk deutsche Sozialdemokratie, . an deren/ Aüs- , wüchse^ er unschuldig ist, nicht begründen und organisieren, . nicht, den Arbeitern das füt die allgemeine Kultur unzweifelhaft . nichtige politische Wahlrecht erringen können. Lassale war durch itstd durchs Aristokrat, es ist ein pikantes und Prikeludes Schausstiel, ihn sich unter, die Deklassierten mengen zu sehen. Oft ist ihm. deshalb vorgeworfen worden, er. habe die Rücken der Proleten als Schemmel zum Aufstieg seiner Größe benützt. Jedoch um dieses zu entkräften, genügt es, einige Sätze ^Caxlyles auszuziehen, die dieser über Mohammed gesprochen: »Ein unwahrer Mann gründete eine Religion? Nein, ein . unwahrer Mann kann nicht einmal ein Backsteinhans bauen! ' Wenn er die Eigenschaften des Tones, des gelöschten Kalkes und womit er sonst arbeitet, nicht genau kennt und berechnet, so ist es kein Haus, was er macht, sondern ein Schutthaufen. Es wird nicht zwölf Jahrhunderte stehen und hundertachtzig Millionen beherbergen, es wird soforl eiufallen." . , „Von einem großen Mann wage ich zu behaupten, daß es unglaublich ist, daß er anders als wahr sein sollte! Kein . Mirabean, Napoleon, Bnrns, Cromwell, kein Mensch ist irgend einer Tat gewachsen, wenn er nicht vor allem es völlig ernst damit meint, wenn er nicht das ist, was ich einen aufrichtigen Manu neune. Ich möchte behaupten, daß Aufrichtigkeit, eine tiefe, große, echte Aufrichtigkeit das erste charakteristische Merkmal aller Menschen ist, die irgendwie heroisch sind." »Ich wünsche, daß ihr dies als eine grundlegende Definition eines großen Mannes ansehen wöget. Ein kleiner Mann kann diese Eigenschaft auch besitzen, alle Menschen, die Gott geschaffen hat, sind ihrer fähig, aber ein großer Mann kann nicht ohne sie sein." , Mit diesen erhabenen Worten desselben großen Engländers möchte ich schließen,-nicht ohne vorher zur Steuer der Wahrheit noch bemerkt zu Haben, daß ich Schnhmeier keineswegs als Gaukler und Betrüger hingestellt haben will. Er wirkte manch Anerkennenswertes und Gutes, aber auf jene schwindelnde Höhe, auf die ihn seine Anhänger, zu bringen bemüht waren, gehörte er nicht. Denn eben jene Höhe kontrastierte mit seinem geistigen Wuchs, der nichts Ueberlebensgroßes aufwies. S. V in et a. Mne Faschingsbetrnchtnug. Unter dem Titel „Wiener Brief" bringt „Die Volkswehr" folgende zeitgemäße Betrachtung: Der Fasching ist zu Ende und auch der Karneval ist vorüber. Diesmal war der Fasching nicht so urgemütlich wie in den früheren Jahren in Wien. Oesterreich steht unter dem Eindrücke des Balkankrieges, und Wien, die Hauptstadt der Monarchie, empfindet diese Eindrücke am schmerzlichsten. Zudem stehen unsere Soldaten noch immer an der Grenze, denn Rußland will nicht abrüsten, und solange Rußland nicht abrüstet, können und dürfen wir es auch nicht tun. Angenehm haben es die Soldaten an der Grenze nicht; an der russisch-österreichischen Grenze herrschen gegenwärtig grimmige Kälten, an die die ans den verschiedenen Kronländern zusammengezogenen österreichischen Soldaten nicht gewöhnt sind. Für sie wird seit Monaten fleißig gesammelt, Geld und Kleider, warme Wäsche und warme Schuhe. Diese Sammlungen werden seit Monaten schon betrieben, durch die Presse, durch die Behörden, in Stadt und Land. Und es kommen auch hübsche, stattliche Summen zusammen, denn die meisten Spender sind Juden und diese lassen sich .nicht, wie man in Wien zu sagen pflegt, lumpen. Die Juden geben für jeden Zweck gerne, insbesondere für diese militärische Aktion. Hier spielt das patriotische Moment die Hauptrolle und die österreichischen Inden sind'wahre aufrichtige Patrioten. Würde man den Patriotismus nach der Höhe der Spenden bewerten, dann müßten die. Inden als die größten Patrioten in Oesterreich, bezeichnet werden. Wie lächerlich gering und unbedeutend nähmest sich die Beiträge der zahlreichen Grasen nnd Fürsten und Prinzen, überhaupt des Hochadels aus im Vergleich zu den. Spenden, .die von jüdischer Seite zu obigem Zwecke einliefen. Es wäre zu wünschen, daß diese Speudenverzeichnisse einmal statistisch nach Konfessionen ausgearbeitet werden. Dann wird mau. sehen, wie weit der Patriotismus und die Opferwilligkeit jener Herren geht, die sich so. gerne als die alleinigen Stützen des Thrones und des Vaterlandes gebärden. Ob diese Opferwilligkeit seitens der jüdischen Bevölkerung dem Judentum einst als Verdienst augerechnet werden wird, möchten wir sehr bezweifeln. Zum Geben sind wir Juden gut genug, sonst kennt man sie nicht. Erst die allerjungste Zeit hat einen drastischen Beweis dafür geliefert. Die Spitalsnot in Wien bildet eine ewige Klage der Wiener Aerzteschaft und die ewige Sorge der Wiener Behörden und Aemter. Da kam ein Jude und machte dieser ewigen Sorge und Klage ein schnelles Ende. Er spendete einige Millionen für ein Kinderspital, das zwar unter der Verwaltung der jüdischen Kultusgemeinde stehen, aber den Patienten aller Konfessionen zugänglich sein wird. Seinem Beispiele folgten noch einige Juden, die ebenfalls einige Millionen zu diesem Zwecke hergabeu, tiud der Spitalsbau sollte nun in Angriff genommen werden. Aber wo den Platz hernehmen? Auch diese Frage wurde durch die Intervention des nengewählteit Bürgermeisters Dr. Weißkirchner, dem der Spitalsbau ebenso am Herzen li"gt wie dem Präsidenten der israelitischen Knltnsgemeinde, Dr. Stern, bald gelöst. Das Hoiärar erklärte sich bereit, den Platz für das neu zu errichtende Spital der Knltnsgemeinde zu überlassen und zwar gegen den lächerlichen Preis von sage und schreibe einer Million und zweimalhunderttansend Kronen. Billig, nicht wahr? Dies natürlich in Berücksichtigung des außerordentlichen wohltätigen Zweckes. Hätte nicht das Aerar auf diesen Kaufpreis verzichten können, um dadurch das neue Spital zu kräftigen? Ueberhaupt bildet das Thema von der interkonfessionellen Wohltätigkeit der Juden ein trauriges und unerquickliches Kapitel in der zeitgenössischen Geschichte des österreichischen Judentums. Mir fällt dabei eine Stelle einer Broschüre ein. die vor einigen Jahren viel von sich reden machte. Sie lautet: „Kein Judenstaat, sondern Gewissensfreiheit", ihr Verfasser ist Dr. Ludwig Ernst. Auf Seite 10 schreibt er: „Die Inden, die sich nur.verteidigten, niemals aber Vergeltung übten, wurden nnd werden auch heute verhöhnt, ihre Schwäche war nnd ist ihr Unglück. Die Inden haben in der milden Art. wie sie sich bisher ihren Angreifern gegenüber verhielten, Schwächen bekundet und dadurch ihre Angreifer ermutigt, ja solche gezüchtet. Ihr konziliantes Benehmen schuf eine Art Industrie. . . Denn die Juden hielten die Hiebe wohl aus, gaben jedoch solche nie zurück." Das sind goldene Worte, welche in Lapidarschrift aus marmorner Tafel in jedem jüdischen Hause angebracht werden müßten, daß sie jeder als Ergebnis unserer Geschichte, als ein Axiom kennen und beachten lernte nnd unvergeßlich sich einprägte. Es gibt in Oesterreich keine Stadt und keine größere Judengemeiude, in denen nicht jüdische Stiftungen ohne Unterschied der Konfession bestehen. Und wo solche noch nicht vorhanden sind, werden sie eben nengeschaffen und ins Leben gerufen. Hingegen gibt es wenige, aber sehr, sehr wenige christliche Stiftungen, von deren Genuß Juden nicht ausgeschlossen wären. „Die Juden hallen eben solche Hiebe aus, geben jedoch solche nie zurück." Der Fasching war in diesem Jahre nicht so lustig und lärmend wie in den vergangenen Jahren. Trotzdem fehlte es auch, in diesem Jahre nicht an lustigen Einfällen. Den besten Einfall hatte indes die Gemeindevertretung des Bezirkes Hietzing; diese leistete sich einen Witz, der vielleicht sehr lustig wäre, wenn er nicht so traurig wäre. Die Gemeindevertretung Hietzing veranstaltet nämlich alljährlich einen Bezirksball. Das ist nun einmal so Sitte, althergebracht, ein Ausfluß der Wiener Gemütlichkeit, die Betonung von Tanz und Musik. Dieses Jahr hat sich nun folgende ergötzliche Szene in der Ballkomiteesitznng abgespielt: Die Tanzordnnng sollte festgestellt und die Musikpiecen

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