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Die Wahrheit · 1913-02-14 · Heft 7 (14.2.1913) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 7 (14.2.1913)
Date
1913-02-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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77. --^te’Jföübrleir ,3 v; i o^5 ae'rteX -'MPezs(Gülizien) zu Hänse ' ist nild nhrHräsident Aufte Mch.eniMlöWiF elt-ei st-ein' hört. SchoirWe Milteilchig^, dieses: NWien: -bürgt dafür, daß die Untaten dieser kleiü'eü'^Gtzmeiud'emän- ^evmjlerö'-sich Mlr- Ved'-iHten(RN^srÄsmählet^isiid^^ ^Pach< Spiele derselben n— die Welt üiHt ÄehrMertaHeiifkaE. '"*'K ) 'Was' sich aber in der letztest Zeit. iii dieser Kultnsgemeiude: abgespielt hat', das spottet schon geber Beschreibung. Eine 'Tatsache: Ein armes jüdisches Mädchen, das einige Jahre in Amerika -schwer gearbeitet hatte, kam im vorigen Monate nach ihrer -Heimat — ein Dorf bei Drohobycz — zurück. Das Mädchen erkrankte, wurde ins Drohobyczer Spital gebracht und starb dort nach einigen Tagen. Die Lei'che wurde ins „Elskdiscrd^, ein -sogenanntes galizischesjüdisches Siechenhaus, inwelchen auch die ans ben umliegenden Dörfern hereingebrachten Leichen bis zur Beftattnng aufbewahrt werden, überführt. Dieses galizisch-jüdische .^Eokdisob" verdient in einem besonderen Kapitel beschrieben zu werden. Da das Mädchen sehr arm war, und sich niemand um die Leiche und ihrer Bestattung kümmerte — das heißt: -es war-keiner da. der dem von der Knltnsgemeinde augestellten und bezahlten Totengräber, oder wie man ihn bei uns nennt ^Molotschy“, das übliche „Trinkgeld" verabreicht hätte, so nahm sich der liebe Mann allein das Trinkgeld, und zwar ans einer -Hanz eigenartigen Weise. Er zwang — was unglaublich klingen wird — die Tote, ihm das Trinkgeld zu bezahlen. Und das geschah so: Die einzigen Ersparnisse, welche das arme jüdische 'Mädchen aus dem goldenen Laude mit sich gebracht hatte, waren einige vergoldete Zähne. Zn welchem Zweck ein armes Mädchen die Zähne sich vergolden läßt, das ist zwar für mich -schwer zu begreifen, aber in Amerika ist es schon so. Jeder 'Batlon, der von Amerika mit hungerigem Magen und . leeren 'Taschen in seine Heimat zurückkommt, muß Gold im Munde haben. Diese Goldzähne der Leiche wollte sich der Totengräber aneignen. Das war aber kein Leichtes, weil die Zähne ja nur vergoldet waren und sonst gesunde Zähne eines jungen Mädchens. "Allerdings glaubte der Molotschy, daß das Goldzähne sind und die Gier nach dem goldenen Trinkgelde trieb ihn zu einer schändlichen Tat, Er nahm eine Zange und riß Zahn um Zahn -mit solcher Gewalt, daß ein Strom von Blut aus dem Munde der Toten zu fließen begann. Als ein „Orche-porchenik“, -ein sogenannter jüdischer Bürger, dem es so glänzend geht, daß er sein Domizil im Hekdisch aufschlagen mußte — zufällig in dasselbe hineinkam. und das Verabreichen des Trinkgeldes -einer Leiche sah, lief er schnell zur Knltnsgemeinde und erzählte 'bleich vor Schrecken, was er im „Hekdisch“ gesehen hat. Und jetzt kommt das Schönste. Der Präsident ließ eine -Sitzung einberusen. lud auch den Stadtrabbiner ein, um ein -gerechtes Urteil über den jüdischen Leichenschänder zu fällen. Nun vernehme man das Urteil: Das Nabbinat verurteilte den kräftigen Zahnzieher zu vier Wochen „^lijos-fasten"! Was, Sie wissen nicht, was das 'heißt? Nun ja, woher das wissen? Das ist nämlich ein Droho- 'byczer Urteil und bedeutet, daß der Betroffene durch vier Wochen nicht zur Thora aufgerufen werden darf, und da wird ihm schon der Appetit vergehen, Goldzähne aus dem Munde von Toten zn ziehen. , Dem weisen Urteil des Herrn Rabbiners folgte aber noch ein zweites, das die Knltnsgemeinde unter Vorsitz ihres Oberhauptes Jankel Feuerstein fällte und dahin lautete: Der wackere .Zangenmeister wird auf 14 Tage von seinem heiligen Amte als Totengräber suspendiert und darf wahrend dieser Zeit keine Zähne ziehen, oder wollte ich sagen, keine Leichen mehr begraben. Nach 14 Tagien aber kehrt er zurück auf seinen würdigen 'Posten und darf nicht nur Zähne ausreißen, sondern auch dem Toten die Haut hernnterschinden, wenn kein Mechuten da ist, der beim Leichenbegängnis ein Trinkgeld zu geben hat!; Viele Leser werden vielleicht über dieses Urteil den Kops schütteln. Wenn .man aber bedenkt, wer der.Kttltuspräsident Lieser kleinen Kultusgemeinde in Galizien ist, ein Mann, der tchulD £if 3351 . i»-ü ivt ".mxQCj- ',gfle.eifMaftey HldivWnh dhrrsHMsiMeKr rtPsmsü'rklr» rüchtlgten politischen Machenschaften benützt nüdaus -diesem Grunde auch gezwungen ist, dieselben - mit Gemeindestellen zu. .. .verso.rgetl,j-^iu : Wann,. per^der .Schrecken her ganzen jüdischen 3G^WnMArohobhcz.^is^.d.aM wird man. leicht begreifen Imwm, 'warum hass Rabbinat fM: einen. solch:. ÄendeüstGesellsL! Lme 7, gnderezDxafl, hatte. -Ms seine Heilige Seele: pierlWochelt ohne , Miso/zu peinigen und. warum der Drohobyczer :Kultnsvdrstaud, in. dech/ doch..zum größten Teile- Männer von. der Gnade Feuersteins sitzen, den Mnt nicht aufbrachten, einen derart gemeinen Leichenschänder nicht nur für 14. Tage, sondern für immer sein Handwerk zu legen. Ein Glück ist es noch, daß die Drohobyczer Staatsanwaltschaft von dieser traurigen Schandtat rechtzeitig erfahren hat. Hoffentlich wird diese ein radikales Urteil aussprechen. Josef Grob. Ans dem Wege «ach Aernfalem. Reisebriese von Rabbiner Dr. Armand Kamiuka. VIEL Die Heimat der Riesen. — Gol iath mtb dieÄ ntwort ans seine H e r a u s s o r d e r u u g. — Gimso nn d der Optimismus. — D i e Heimat S im so ns. — ^.rbrr.1. — Kil. 78*9. — Der Schanplatz des Bar '.Loodda-Krieges. — Ankunft in Jerusalem. Der Zug saust, oder richtiger: schleicht und schlängelt sich gemächlich durch das Gebirge Inda, als wollte er uns recht viel Zeit lassen, das zum Vorschein Kommende durch Reminiszenzen über längst verschwundene Dinge zu vervollständigen. Nicht weit von der Bahnlinie, links, liegt der Ort An nabe (2w); neben Debir und Hebron, einer jener Orte, wo es zur Zeit Josuas noch Riesen (Anakim) gab. Der Eroberer Kanaans hat alle ansgerottet. „Es blieben keine Riesen seitdem unter den Kindern Israel", berichtet trocken das Buch Josua. Schade; hin und wieder könnte man einen brauchen. Gerade bei den Philistern in Gath sind, wie Josua erzählt, manche geblieben. Die Israeliten hatten es freilich zu spüren. Da fahren wir gerade in der Nähe des Ortes Schuweikh vorbei, der mit S o ch o identifiziert wird. Zwischen Socho und Aseka /ist der Riese Goliath aus Gath mit herausforderndem Hohn gegen daS Heer des Königs Saul hervorgetreten. Ein baumlanger Heide, sechs Ellen und eine Spanne hoch, mit einem ehernen Helm und einem Schuppenpanzer aus Kupfer, unüberwindlich und frech, mit einer gewaltigen Lanze und einem noch gewaltigeren Mundwerk. Jedes Wort ein durchbohrender Spieß. „Wozu seid Ihr in den Krieg gezogen, Feiglinge! Schaut her; ich bin der Philister (mit dem bestimmten Artikel: EEtat c’est moi) und Ihr alle zusammen seid ein Sklavenvolk. Ihr seid Knechte Sauls (Ghetto-Inden, wollte er sagen). Ich beschimpfe laut Eure Reihen; so wählet doch einen Mann, daß er mir mit Mnt entgegentrete!" Daran fehlte es aber, wie so oft. Die Israeliten hörten und zitterten, waren schamrot und schwiegen. Das Schlimmste war, daß er Recht hatte. Waren sie nicht Sklavenseelen? Einen großen Reichtum mußte Saul als Lohn versprechen, seine Tochter mußte er als Braut demjenigen Israeliten in Aussicht stellen, der ein Herz sich fassen und der unerträg-- lichen Verhöhnung seines ganzen Volkes mit Einsetzung seines Lebens ein Ende machen würde. Und keiner den Preis gewinnen will. Konsterniert und sprachlos lagerten die zu Knechten gestempelten Männer Israels bei Socho. Daß Dävid schließlich siegte, änderte an der Sache nichts. Es dauerte lange, bis einer die Sprache fand, um seinen Brüdern über das Erlebte ein ernstes Wort zu sagen. Es dauerte sehr lange. Es dauerte achthundert Jahre. Dann erhob er sich an demselben Orte und sprach — vielleicht eingedenk jener Beschimpfung — sanft, aber eindringlich, mit der Autorität, die die Erfahrung der Jahrhunderte verleiht: „Seid nicht wie die Knechte... denen man einen Lohn bieten muß, damit sie ih^re Pflich t erfüllen". - - -- - - - -

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