Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1913-02-14 · Heft 7 (14.2.1913) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 7 (14.2.1913)
Date
1913-02-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063674-3063681--08324-3075481
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Die Wahrheit Seite 6. Nr. 7. h a ß hingegen ist dentschradikal, daher diese etymologischen Aenßerungen. Der junge Arier saugt tatsächlich.seil 2000 Jahren das antisemitische Gift schon mit der Muttermilch ein und die häusliche Erziehung, wird, wie aus dem .Gesagten gefolgert werden muß, diesem häßlichen Keime noch Nahrung zuführen. Wir wollen nun an der Hand der Geschichte untersuchen, welches. Volk diese Uebung (Antisemitismus) am meisten gepflegt hat>^?Ünd-was sehen wir , auf den ersten Blick? Spanier und Deutsche ragen in der Verfolgung, Ausräubung und Abschlachtung der Juden wie Titanen über alle anderen Völker Europas hervor. Spanien und die hl. Inquisition — zwei unzertrennliche Begriffe. Torqnemada! — Peter Arbues! — wen erfaßt kein Granen bei der bloßen Namensnennung dieser Frommen? Wer sieht nicht allsogleich Hunderttausende von Menschen verbrennen oder unter anderen gräßlichen Qualen zur höheren Ehre Gottes den Geist aufgebeu? In diesem unglücklichen Lande hat die erbliche Belastung, Andersgläubige zu unterdrücken, auszusaugen und zu zerfleischen, namenloses Unheil angerichtet. Das einst so stolze, mächtige und gefürchtete Spanien gleicht heute, finanziell zerrüttet, nach außen kraft- und machtlos, im Innern in feindliche, sich befehdende Parteien zerklüftet, nur einem Schatten unter den europäischen Staaten. Spanien ist auch seit mehr als 4OO Jahren j u d e n r e i n und nagt am Huugertuche! — Diese Tatsache bildet den sprechendsten Beweis, wie frech erlogen die Behauptung der Antisemiten ist, daß die Juden es sind, die die Völker aussaugen. (Fortsetzung folgt.) Die Nester Chewra Kadischa Nach dreijähriger Pause fanden in den letzten Wochen bei der Pester Chewra Kadischa wieder die Mitgliederaufnahmen statt. Die zielbewußte Leitung dieser altehrwürdigen Institution hat gezeigt,: daß den Zwecken und Zielen eines wirklichen Wohltätigkeitsvereines keine Schranken gesetzt werden können, denn immer wieder findet man neue Bahnen, welche neue Gebiete der Wohltätigkeit eröffnen. So hatte in den letzten Jahren die Chewra Kadischa, zu deren Aufgabe die Armen- und Krankenpflege gehört, in richtiger Erfassung dieser Aufgaben das „Szeretethaz“ eröffnet, welches ein Asyl für unheilbare Kranke bildet und ein Internat für Krankenpflegerinnen gegründet, welches bereits eine Anzahl von Krankenpflegerinnen ausgebildet hat, so daß die jüdischen Häuser jetzt nicht gezwungen sind, in den schweren Stunden der Krankheit Nonnen ins Haus zu nehmen. Das Wirken der Chewra Kadischa hat in den weitesten Kreisen der Budapester Juden das lebhafteste Interesse wachgerufen, und diesem Umstände ist es zuznschreibeu, daß trotz der elendesten wirtschaftlichen Verhältnisse nicht weniger als 2214 Mitglieder ausgenommen wurden, welche an Aufnahmsgevühren die fast unglaublich klingende Summe von 134.000 K bezahlten und außerdem 14.000 K spendeten. Die Aufnahmen fanden in der alten weihe- und würdevollen Weise statt. Dieselben leitete der Vizepräsident Julius Adler, der für jedes neue Mitglied ein freundliches Wort hatte. Am vergangenen Sonntag hat die Schlußfeier stattgefnnden. Dieser Feier wohnten die'Spitzen der Gemeinde bei. Der Präsident der isr. Knltusgemeinde würdigte die Verdienste des Präsidenten des „Heiligen Vereines" des Hofrates Julius Winterberg und des Sekretärs Dr. Franz Mezey. Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn überreichte hierauf dem Präsidenten des „Heiligen Vereines" Hofrat Jnlius Winterberg das Diplom des Budapester Rabbiuates, wodurch ihm für seine Verdienste auf dem Gebiete der Wohltätigkeit und des religiösen Lebens der Ehrentitel „Morenu" verliehen wird. Hierauf hielt der Präsident, Hofrat Winterberg, folgende Rede: „Und wenn der Hohepriester am Abend der gewaltigen Gnadensühne, wo er vor Gott gestanden, heimwärts ging, lag Glanz auf feinen Zügen; jubelnd geleitete ihn die Männerfchar bis zu des Hauses Pfosten, indes Jerusalem im Sternenschimmer träumte. ’ Uns selbst erfaßt der alten Herrlichkeit geheimnisvoller Schauer, versunkene Bilder steigen mahnend auf, zur Zeit, wo nach vollbrachtem Dienste wir uns trennen. Gottfreudig und erhebend war die Arbeit, beruhigt schauen wir zurück und hoffnungsfroh nach vorwärts. Nichts mutet mehr die Menschenfeele an, als das Gefühl redlich getaner Pflicht; nun folgen wir friedlich unserem guten Stern, der heimwärts lenkt und Ruhe winkt. Drei Jahre sind es her auf Tag und Stunde, daß ich bei gleichem Anlaß, von dieser Stelle auch, bewegt von Ihnen Abschied nahm. Drei Jahre! Eine flüchtige Sekunde im unaufhörlich raschen Weltengang und doch ein mächtig Stück Vergangenheit, der Eintagsfliege, dem kaum erfaßt auch schon verlorenem Menschenleben. Wenn ich den Blick nur leicht hingleiten lasse, wie schwer verändert bietet sich das Bild! Wie viele sanken hin, die wir gekannt, die wir geliebt! Wie viele wurden nicht zu stummen Leuten, die sonst nur gute Worte für uns hatten! Wie viele gleiten schattenhaft vorüber, die sonst so gern und warm die Hand uns drückten! Da saß zu meiner Rechten der alte Freund und Vizepräsident, zur Linken hier der unvergessene Gemeindepräsident, dort oben ein lebenskräftiger, bewährter Mann und mehr und mehr, es klafft an allen Enden, zu schmerzlich wird das Spähen nach Nah- und Näherstehenden, die in der Wehmnt tiefem Schatten wir versenkten. Vorbei! Nur der bedeutungsvolle Augenblick entschuldige die traurige Betrachtung, am Leben richten wir uns wieder auf; schon sehe ich vor mir neues Licht und neuer Schwung beflügelt unsere Schritte, junges Blut rollt durch die Adern der Chewra Kadischa, vermehrt, erstarkt gehen wir an neue Arbeit und rühmen den, der gnadenvoll gestattet, daß wir uns wieder feinem Dienste weihen. Und dieser Dienst, vernehmt Ihr, neue Brüder, er gilt nicht nur der Chewra Kadischa, als hohe Dankespflicht gilt er zugleich dem Vaterlande und der Mutterstadt; wie beide uns' in Treu und Ehre halten, ist es an uns, in unseren Söhnen volltreue, anhängliche und opferwillige Bürger zu erziehen. Sodann gilt dieser Dienst und das in vollem Maße dem Jndentume, dem ganzen, dem festen Helfer in der Völkerbrandung, daß er das Stammbewnßtsein ehrt und mehre. Ein Wesen, das nicht ehret seinen Stamm, kann niemals eng begrenzt sein in sich selbst und schaukelt ohne Halt und ohne Würde, uns aber ist es glücklich eingeprägt, daß wir der Ahnen gern gedenken und schöpfen aus der alten Wnnderquelle, die feit Jahrtausenden uns nen belebte, denn alles, was wir sind, ist nur der trübe Nachklang herrlicher Ahnherrtage. Wie Helden standen sie im Hagelschauer des Hasses und ihres treuen Wesens reines Gold kam noch durch Kampf und Schmerz geläutert auf uns als heiliges Erbe. Und so erfuhren wir die innere Wandlung. Wir lernten in der Schule der Entbehrung viel mehr als andere Menschen Weh begreifen, aus den Gequälten wurden milde Tröster, im Drucke wuchs die Bruderliebe auf, die um so höher loderte, da uns von außen keine Liebe kam, uns aber führte sie in die Wege jener Großen, die Gott erwählte und zu Menschen adelte. Nichts Höheres, als Volk, das sich emporringt aus eigenem Drangsal zu Mitleid und Erbarmen. Du fonnigweiches Mitleid, wie gleichst du doch so ganz und gar dem Blau des Himmels, nehmt es hinweg und er starrt öde und nnheildroheud auf die Erde nieder. S o hat es der Prophet uns schon gekündet, in grauer Vorzeit sprach er zum Volke Israels und zu den Männern Judas: „Ich sah das Land, es war wüst und wild, ich sah die Himmel, sie hatten kein Licht, ich sah die Seelen, sie lagen in Finsternis und Nacht erfüllte Eure Herzen und darum ward oben das Licht des Tages verlöschet; im furchtbaren Dunkel aber durchbricht der würgende Tod die Rinde der Erde und steigt durch Gitter und Fenster in Eure Häuser, fein Pfeil ist Vernichtung, sein Köcher ein offenes Grab und hinter sich läßt der entsetzliche Schnitter die grausen Garben unbeerdigt auf blanker Erde! Doch da vollzieht sich ein Großes; weil Hoffahrt und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.