Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 6 (7.2.1913)
- Date
- 1913-02-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10. Die Wahrheit. Nr. 6: Familienmitglieder des Jubilars, ehem. Schüler nnd Verehrer desselben, i Der prächtig dekorierte Festsaal der neuen Bürgerschule, woselbst die | Festsitzung stattsand. war — soweit der geräumige Saal es znließ — bis aufs letzte Plätzchen dicht gefüllt nnd bot einen herrlichen Anblick. Zur angesetzten Stunde, 11 Uhr vormittags, eröffnete Präses L. Gestetner die Festversammlung, teilte offiziell den Zweck derselben mit und betraute zwei Mitglieder des Vorstandes und zwei der Repräsentanz, den Jubilar in die Sitzmrg zu geleiten. Mittlerweile wurde vom Schriftführer das Sitzungsprotokoll vom 26. Jänner 1873 — die Akzeptation des Herrn Grünsfeld enthaltend — verlesen- Der Jubilar wurde hierauf bei seinem Erscheinen lebhaft begrüßt, worauf Präsident Gestetner an ihn eine beifällig aufgenommene Begrüßungsrede hielt. Mit den» Zeitpunkte des Amtsantrittes des Gefeierten beginnend, erwähnte Redner, daß er vor 40 Jahren im Kändidations-Ausjchusie gesesien und seinerzeit, als der Name Grünsfeld dort erwähnt wurde, besten Akzeptation einhellig beschlossen ward. In markanten Zügen schilderte der Präses die lobenswerte Wirksamkeit des Jubilars, mir welcher Treue und Anhänglichkeit für seine Muttergemeinde, Liebe zur guten Sache, Pünktlichkeit und Pflichterfüllung er vier Dezennien hindurch arbeitete, als Berater und Verlranensperson Vorzügliches geleistet hat. Als sichtbares Zeichen des Dankes und der Anerkennung überreichte hierauf der Präses namens der Gemeinde dem Jubilar einen mit hebräischer Widmung versehenen silbernen Pokal und ein Ehrerrgeschenk und läßt die in klassischer, ungarischer und hebräischer Sprache verfaßte prachtvoll ausgestattete Festadreste verlesen und dem Gefeierten übergeben. Oberrabbiner Schreiber hielt hierauf eine tiefempfundene herzliche Ansprache, in welcher er in begeisterten Worten die Frömmigkeit nnd das wahre gottesfürchtige Leben des Herrn Obcrnotärs schilderte, daß er ein aussek bezorche zibur b’enmnob, den Angelegenheiten dieser altehrwürdigen ir w’em bejisroel mit vom wahren Glaubenseiser und Thoratreue getragenen Pflichteifer sein Wirken und Streben weihte. Nach dieser mit großem Beifalle anfgenomnienen formvollendeten Rede sprach Repräsentat E. Schlenger namens der Gemeinderepräfentanz in schwungvollen Worten dem Jubilar die herzlichsten Glückwünsche aus. Tief bewegt und gerührt erwidert der Gefeierte warme Dankesworte für die ihm gewordene ehrende Auszeichnung und erklärt, daß ihm sein Beruf so sehr lieb geworden, daß er denselben nicht misten könnte, nnd daher mit Freude seine Tätigkeit auch ferner in den Dienst seiner Gemeirrde stelle uud in bisheriger Weise sein Amt bekleiden wolle, und wurde dieser edle Entschlich uiit begeisterten Hochrufen zur Kenntnis genommen. Mit der vom Schriftführer verlesenen Zuschrift des Präses der orthodoxen israelitischen ungarischen Zeutralkanzlei in Budapest, des Herrn Adolf Frankl, mittels welcher er der Gemeinde und dem Jubilar feine herzlichsten Glückwünsche entbietet, schloß die so wahrhaft erhebende Feier. Hamburg. Für die hiesige Synagoge (Börneplotz) wurde Oberkantor A. Bürger aus Balaffagyarmüt gewählt und wird derselbe am 1. April sein Amt antreteu. Jüdische Bühne. Direktion M. Siegler. „Hotel Stefanie" EL, Taborstraße 12. Freitag, den 7., Samstag, den 8. und Sonntag, den 9. Februar 1913 „Der Schabes-Goj", komische Operette in drei Auszügen von Omer. Sonntag, den 9. Februar, halb 4 Uhr nachmittags „Die g o l d e n e H o ch z e i t". Montag, den 10. Februar „Kol N i d r e", Operette in vier Aufzügen von Scharkansky. Dienstag, den 11. Februar „Gott, Mensch und Teufel", Drama in vier Aufzügen v. I. Gardin. Mittwoch, den 12. Februar „Held der Arme e", Operette in vier Aufzügen von S. Feinmami. Donnerstag, den 13. Februar „S ch i r H a s ch i r em", Operette in vier Aufzügen von M. Scharr.' In Vorbereitung: „Der Gett". In Studium: „Jacob und Es au." Es ist erschienen das Lied „S ch i r H a s ch i r e m" mit Klavier-Auszug, zu verlangen bei den Billeteuren. Austritte ans dem Judentum. Silberfeld Bertha, geb. 23. Dezember 1894 in Wien. Barb ack Jakob, Privat, geb. 1. August 1875 in Gasizien. Wien, XVIII., Demscherhof 7. Brod Charlotte, geb. 1. November 1877 in Wien. XIL, Tivoliaasse 43. Steiner Hugo. Kaufmann, geb. 19. November 1873 in Wien. I., Stnbenbastei 2. Wahriuger Rudolf, geb. 10. Februar 1888 in Wien. XII., Herthergaste 17. G erstl Ella, Privat, geb. 16. Jänner 1891 in Wien. XVI., Degengaffel. G e r st l Jsak, Fuhrwerker, geb. 14. März 1862 in Ungarn. Wien, XVI., Degengaste 16. . Skilesky Alice, geb. 11. Mai 1889 in Sludenetz. Wien, VIII., Langegaste 76. Ehrlich Leo. Privatbeamter, geb. 7. Mai 1886 in Wien. IX, Kinderjpitalgaste 13. Die Tage der Uorxeit. Von Babette Fried, Prag. (Fortsetzung.) . Dies war Popper recht. So erfuhr vorderhand weder Jemand in Prag noch in Klaras Heimat den wahren Grund dieser Reise. Es hieß, die Aerzte hätten,.Fran Sommer einen längeren Aufenthalt an der See verordnet, und Fraü' Popper' hätte, sich entschlossen, ihre Mutter ins Bad zu begleiten, um sie: dort zu pflegen. Jedermann bewunderte die kindliche Zärtlichkeit der jungen Frau, und den Edelmut ihres Gatten, welcher bereitwillig in eine Trennung von seiner jungen Frau einwilligte.- Die wahre Ursache ahnte niemand, X. Mutter und Tochter waren nun in einem. Seebade. Sie' lebten sehr' zurückgezogen., Frau Sommer sah strenge daranf,- daß ihre Tochter nicht in die Fehler znrnckverfiel, derentwillen sie in diese Verbannung ziehen mußten. Die alte Frau war in der letzten Zeit etwas schwerhörig. Die Aerzte meinten, es sei wohl eine erbliche Veranlagung zn diesem Uebel vorhanden, fanden aber, daß eine ungewöhnliche Zerstreutheit an der Ver-- schlimmernng des Leidens Schuld sei, daß sie nicht recht darauf achte, wenn und was jemand sprach. Gegen diesen Zustand gab es nur eine Medizin: Ruhe, innere, d. h. Gemütsruhe und äußere. Am liebsten saß die alte Fran in ihrem Strandkorbe mit ge-- schlossenen Augen und lauschte dem Murmeln der Meereswellen/ welche eine ihr verständliche Sprache redeten. Aber wenn sie persönlich sich immer kräftiger fühlte — der eigentliche Zweck' dieser Badereise war dennoch nicht erzielt worden. Ihre Strafpredigten fanden bei Klara kein Gehör. Die Mutter sprach freundlich, drohend, wie es die Gelegenheit eben bot, aber alles umsonst. Klaras Leichtsinn war unverändert; ebenso ihr Entschluß, nie mehr zu ihrem Gatten zurückzukehren. Eines Tages saßen die beiden Damen wieder allein beisammen. Klara hatte soeben ihr Bad genommen uud saß mit aufgelöstem Haare neben ihrer-Mutter. Diese betrachtete nicht ohne Stolz und innerer Freude die zu vollendeter Schönheit' erblühte Tochter. Dabei machte sie sich selbst den Vorwurf, daß. sie dieses junge, schöne, aber so unerfahrene Kind einem alternden Manne hingegeben habe. Dies war ihr bei ihrem.Hang zuin Leichtsinn zum Verhängnis geworden. Der - Vater, der diese unselige Charaktereigenschaft Klaras kannte, hatte törichterweise geglaubt, gut zu handeln, wenn er sie einem ältern, erfahrenen Manne zur Fran gebe.. Tiefes Mitleid mit der sich unglücklich fühlenden Tochter überkam sie. Alle mütterliche Liebe und Zärt-(- lichkeit, die sie für sie empfand, brach sich Bahn. . „Liebes Kind!" so antwortete sie auf eine diesbezügliche Bemerkung Klaras, „ich habe einmal gelesen, daß die Ehe nnd der gute Ruf eines Weibes ganz einem neuen Kleide gleiche- So lange man dieses vor jedem kleinen Schmutzflecken, vor jedemMakel zu bewahren versteht, so lange schätzt und liebt man es. Hat es aber einen kleinen Riß, so wird es uns gleichgültig, wird zum Alltagskleid, auf das wir nicht mehr achten. Dann bekäme' es bald der Flecken und Makel mehr. Nur/bestehL der Unterschied darin: Ein. beschmutztes Kleid kann gereinigt, ein beschädigtes ausgebessert werden — eine brüchig gewordene Ehe niemals wieder, merke dir das,"liebes Kind!" „Mutter, an dir ist eine Moralpredigerin verloren gegangen. Doktor Känipf in unserem Tempel ist nichts gegen dich.- Aber sei nur gerecht, Mütterchen! Findest du es in Ordnung, daß ich, eine jnnge, schöne Frau hier so einsam lebe, ohne Gesellschaft, ohne Zerstreuung? Ist nicht schade für das viele Geld,, das wir hier verzehren?" „Freilich, wenn du keine Vernunft 'annehmen willst?" „Bitte sehr, liebe Mutter, ich will brav sein und folgsam, will immer so sein, wie du willst, nur tue mir eines zu Liebe." „Was denn, mein Kind?" j „Die hiesige Badegesellschaft beabsichtigt dieser Tage einen gemeinschaftlichen Ausflug nach Hamburg zu unternehmen, und zwar zu Wasser. Das wird herrlich sein. Darf ich mit, lieb Mütterchen?" . ■ , „Wie kannst du von mir fordern, daß ich'mich an ein ein derart geräuschvollen und aufregenden Vergnügen beteilige. Ich bin so nervös und bedarf der Ruhe." „Du kannst ja hier bleiben.' Ich kann ja allein mit. Ichbin eine verheiratete Dame, kein junges Mädchen, folglich kann