Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 6 (7.2.1913)
- Date
- 1913-02-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Die Wahrheit Nr. 6 kühle Grgb. . . . Die schmerzerfüllte Familie, die trauernde Gemeinde verließ die Stätte. Aber jeder, der ihn gekannt, mußte sich sagen: Eine Säule in Israel, ein Mensch in des Wortes schönster Bedeutung ist geschieden. Temxelverein des XIII. Kesirtres der Stadt Wien. ' Am 30. Jänner versammelten sich zahlreiche Mitglieder des Vereines und der gesamte Vereinsvorstand mit Ausnahme des durch den Tod seines Bruders schwer betroffenen Kultusrates Max Ziruer in einem Saale des Hotels „Zum weißen Engel" in Hietzing behufs Abhaltung der jährlichen statutengemäßen Generalversammlung. Der Vorsitzende, Herr Direktor Dr. S. Krenberger. begrüßte als Gäste den ehrwürdigen Herrn Rabbiner Dr. M. Grunwald, den Vertreter des Kultusvorstandes Herrn Dr. Heinrich Schreiber, den Vertreter der Bezirkskommission vom 12.—15. Bezirk. Herrn Obmann Samuel Mohr, den Vertreter des Tempelvereines im 4. und 5. Bezirk, Herrn Franz Frankl, endlich Frau Franziska Birmann für den Hietzinger Franenverein. Entschuldigt war der Herr Sekretär des Wiener Kultusvorstandes Dr. Emil Adler. Der Vorsitzende widmete Zuerst Worte der Trauer dem Hinscheiden des Erzherzogs Rainer, eine Kundgebung treuer dynastischer Gesinnung und Dankes. Dann gedachte er der Mitglieder, welche der Tod heuer dem Vereine entrissen, der Herren Baad, Barkan, GenLilli, Abeles und Weinstein. Das Andenken des gewesenen Vorstandsmitgliedes B a rk an soll durch Eintragung in das Ehrenbuch des Vereines besonders geehrt werden. Der mündlich vorgetragene Rechenschaftsbericht besagt, daß der Verein 140 Mitglieder zähle, daß heuer in der Person des Herrn Dr. Grunw ald dauernd ein Prediger dem Vereine - gewonnen wurde, daß aber die Hauptsorge der Tempelbau bildet. Da sei aus der Konkurrenz Herr Architekt Hugo Gorge als erster Preisträger hervorgegangen, und seit Februar 1912 habe das Baukomitee des Vereines, dem auch Herr Kultnsrat Architekt Gärtner und der der Versammlung beiwohnende Herr Architekt Friedrich Schoen zur Seite standen, die Arbeiten soweit geführt, daß gerade jetzt die definitive Genehmigung des Baues durch die Behörden erfolgte und somit der Bauausführung kein Hindernis im Wege stünde. Doch fehle noch das Geld. Die kriegerischen Ereignisse der Gegenwart und die große Geschäftskrise des heurigen Winters erschweren die Geldbeschafiung. doch werde der Vorstand mit Hilfe des Kultusvorftandes alles anfbieten, um.noch heuer, und zwar sehr bald, den Ban in Angriff zu nehmen. Den Kassenbericht erstattete im Namen der Revisoren Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Isidor Spielmann jun. und beantragt Dank und Anerkennung dem Kaffaverwalter. Herrn S. Hosfmann, auszusprechen, - Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Ludwig P i s k würdigte die Verdienste des Gesamtvorstandes und beantragte Dank und Anerkennung für diesen. Mehrere Redner lobten vor allem die Tätigkeit des Obmannes, des Direktors Dr. Krenberger, dem vor allem die Zusammenfassung der Hietzinger Judenschaft und das Erreichen des Baues zu verdanken seien. Herr Rabbiner Dr. Grunwald hob in seiner Begrüßung diese rege jüdische Arbeit des Bezirkes hervor, wünschte aber noch regen Besuch des Gottesdienstes. Die folgende, sehr lebhaft aber auch höchst anregend geführte Debatte wurde von den Herren Dr. Schreiber, Dr. Pisk, Bernfeld, Frankl. Mohr. Komet. Klein. Schön und dem Vorsitzenden geführt und knüpfte an die Frage an. ob und wie der Kultusvorstand den Bau der Hietzinger Synagoge unterstützen werde. Hiebei wurde vor allem der Klage Ausdruck gegeben, daß jetzt bei dieser Körperschaft die Wohltätigkeit die Pflege des Kultus übertreffe, und es wurde betont, daß jene vor allem Aufgabe der Vereine sei. dieser aber den Vereinen abzunehmen und von der Gemeinde zu pflegen wäre, Es entspreche dies auch allen Erwägungen der Wissenschaft -und Praxis. Im übrigen müsse ber steuerkräftige Bezirk auf ausgiebige materielle Unterstützung - des Baues dringen. Mißfallen erregte es, daß im Vorjahre ohne eigentliche bewußte Befragung des Vereines die Osterausspeisung der Pfleglinge vom „Steinhof" einem dem Vereine nicht angenehmen Unternehmer übertragen wurde. Nur die Rücksicht auf den Frieden, in der Gemeinde hielt den Vorstand ab, durch seine Verbindungen den ganzen Plan und die Ausspeisung zu ändern. Dagegen wurde volle Energie verlangt, auf daß der Bezirk mit 3300 jüdischen Seelen - endlich eine koschere Fleischbank erhalte. Zur Statutenänderung, durch welche eine Vermehrung des Vorstandes möglich würde, wird in vier Wochen eine außerordentliche Generalversammlung:,einberufen werden. In der Neuwahl wurden alle früheren Funktionäre wieder¬ und Fabrikant Adolf Engel nengewählt Mit Dankesworten an die Erschienenen schloß der Obmann die Versammlung. , Ans dem Wege nach Jeensatem Reisebriefe von Rabbiner Dr. Armand Karninka. VII. Lion.dar a Macqueeni G-ray. — G e m e i n d e r a t s? sitzung in Re chobot. — Hebräisierter Iargo n. — Ramle h und Ly d d a. — D er Stam m sitz der Makkabäer. — Die K a n f m a n n s ch a f t i m z w e ist e n Jahrhundert (Tagare Lud). Was „Honbara Macqueeni G-ray“ bedeutet,, wird schwerlich jemand von meinen Lesern wissen. Ich habe nämlich ' selbst erst in Rechoboth etwas davon erfahren und will es jetzt verraten. Es ist der Name eines interessanten Vogels, der in Persien Mesopotamien und Syrien vorkommt und dessen Leben und Treiben einer der bestbekannten Zoologen, I. A h a r o n i, in dem von Viktor Ritter von Tschnsi heransgegebenen „Ornithologischen Jahrbuch" soeben im Interesse der Fachforschnng eingehend geschildert hat. So sympathisch aber auch die halbflüggen Jungen dieses Vogels sein mögen — es genügt, über sie zu lesen: „Sie lieben grenzenlos die Sonne und kaum erblicken sie einen von den Sonnenstrahlen getroffenen Punkt, so eilen sie wie toll dahin" — ich hätte nicht die geringste Veranlassung sie zu erwähnen, wenn nicht der sie beschreibende,, immens gelehrte Naturforscher plötzlich in Rechoboth als eine der größten Ueberraschungen meiner ganzen Reise aufgetancht wäre. Kurz nachdem wir eingetroffen, stellte er sich, ohne daß ich früher etwas Näheres über ihn gewußt hätte, als mein dankbarer, ehemaliger Schüler vor. Schicke dein Brot über Meere, nach vielen Jahren wird der Lohn sich finden. Vor 17 Jahren oder noch länger, während ich in Prag als Rabbiner der Gemeinde lebte, befanden sich dort einige nach wissenschaftlicher Ausbildung strebende jüdische. Studierende ans Rußland, die sich in Not und Sorge, unter ständigen Entbehrungen, zunächst für die Maturitätsprüfung vorbereiteten. Es war selbstverständlich, daß ich ihnen meine Aufmerksamkeit znwandte, Gönner für sie suchte und ihnen nach Möglichkeit mit Rat an die Hand ging. Einige: hörten bei mir auch Vorlesungen über die rabbinische und religionsphilosophische Literatur. Von wenigen habe ich später etwas gehört. Einer hieß damals Aronow itsch, widmete sich gründlichen Studien, wurde ein sehr ernster Naturforscher und ist jetzt der beste Kenner der Thier- und Vogelwelt Kleinasiens. Er hat als Zoologe an der Expedition des bekannten Palästiuaforschers, Professor der Geologie Dr. Max B l a n ck e n h o r n, teilgenommen und in dem von der Expedition heransgegebenen „Naturwissenschaftlichen Studien am Toten Meere und im Jordantal" alle vorkommenden Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische beschrieben. Dieser Mann, der sich in Palästina niedergelassen hat, natürlich für das Hebräische begeistert ist, heißt nun mit hebräisiertem Namen I. Aharoni. Er ist mit der Tochter eines Kolonisten in Rechoboth verheiratet, die seinen Studien und Bestrebungen ein verständnisvolles