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Die Wahrheit · 1913-02-07 · Heft 6 (7.2.1913) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 6 (7.2.1913)
Date
1913-02-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Hette 4- , Piß Mahrheit. Nr. 6. .... Pie Erlpartung Friedsättdßrs Wirdehnrch Tellers ^Beant- MrjMg.hes^ Vielmehr wirkte dieseBeantwortuttg ahkuhlendu.ildlerniichterlch auf'diesen einflußreichsten) unter Achsen,-.KdksMn>Mütßru^hßr ilaHmenMKsohnsichen Epoche^ Den immer mehi< iinb. ineÖ.r sichausbreltestdert frivolen Judifferentismus koiutte allerdings nicht mehr Einhalt getan werden. Der große Schnitt zwischen dem nicht geoffenbarten Gotte und seiner geoffenbarten Legislatur war vollbracht, und die n eue Generation war von dem a l te n.Testamente, seinen Lehren nnd Verheißungen losgetrennt. Die damalige Zeit schwebte zwischen Himmel und Erde, ohne eines von beiden zn genießen, ohne sich dieses oder jenes aneignen zu können. Der Gott jener finsteren Zeiten in der Wüste war für die weisen, gepuderten und bezopften Juden Berlins doch gar zu abgeschmackt; aber auch die Erde, der Boden der bequemen bürgerlichen Existenz, war so nicht zu gewinnen ohne jene kleine Lüge, mit welcher man beim Alten nicht verweilen zu können vorgab. Und da diese Epistelgenossen Friedländers diesen inneren Widerspruch fühlend, keinen Weg zn seiner Lösung fanden, kehrten sie dem alten Glauben, dessen Wert sie niemals gewürdigt hatten, den Rücken, und es begann eine massenhafte Fahnenfiucht, ein indifferertes Uebertreten zum Christentum. Doch auch diese Krise überwand das Judentum durch die ihm eigene, sich immer wieder erneuernde Kraft der Selbstheilung. Die Schrecknisse, der französischen Revolution, die inzwischen über Europa ausgebrochen war, hatten es zu Wege gebracht, daß die durch das Vertrauen auf äußere Hilfe verblendeten, Juden ihre Selbstachtung wieder fanden und sich ihrer eigenen Kraft bewußt wurden. Und so erstand für das deutsche Judentum bald wieder um so kräftiger eine Epoche der Ermannnng und der Selbstaufrichtnng. Grittuerimgeu anHaft atDr.Hemrich tum Müller. Dem deutschen Interpreten des Lex H ammn ra b i. (Schluß.) Darauf kam mir von Prof. Müller ein Schreiben zu, in welchem er meine Broschüre als die erste, seinen Vortrag gründlich und sachgemäß erfassende Schrift bezeichnete, nur was den ihm ausgestellten Lapsus Betrifft, meinte er. ich hätte früher sein umfassendes Werk über Lex Hammnrabi eingehender studieren sollen; dort sei dieser Lapsus aufgeklärt. Auf meine Erwiderung, daß ich sein Werk, da es in keiner Brünuer Bibliothek zu bekommen sei, nicht studieren konnte, meinteer: „Wer Leser haben wolle, müsse früher selbst Leser sein — was bei einem Werke, das bloß 12 Mark kostet, nicht schwer fallen dürfe." Er schrieb mir wörtlich: Geehrter Herr Doktor! Besten Dank für Ihren werten. Brief, ich meine aber, daß, wenn jemand über einen Gegenstand eine Broschüre schreibt, ein Buch, das 12 Kronen kostet, nicht unzugänglich ist. Wer „Leser" haben will, muß früher „Leser" sein. Ich bin jetzt in der Rekonvaleszenz und weiß nicht, wann ich wieder arbeiten kann — ich bin also nicht in' der Lage, Ihre literarischen Versuche zn beurteilen, halte auch eine „gebundene" Uebersetzuug der Psalmen nicht für eine glückliche Idee. Hochachtend Dr. H. Müller. Dabei übersah er allerdings, daß ich dieses biblistische Studium nicht als Brodstndium, sondern nur nebenbei zu meinem Vergnügen, als Geistessport, betreibe, dem ich keine materiellen Opfer zu bringen in der Lage bin.. Auch später fand ich öfter Gelegenheit, mit ihm schriftlich zu verkehren. So sandte mir Prof. Müller, der bekanntlich den Gedanken einer gewissen Strophentheorie in den Poesien der Bibel sowie des Korans und der Keilschriften vertrat, im Jahre 1909 das damals von ihm erschienene Schriftchen „Strophenbaü in der Bergpredigt und das Evangelium des Apostels Johannes", das allerdings mir wenig) Allregnug bot.,. Bei Ginsendullg .dieser. Schrift, klagte er fchEMer?sesne' G<lchMest, tlnst feine).spätesHttwcht Menh- 1chuldigsen< .Aber ün "den. ihm. mlsgestellleir LäPsM ‘ toifiitr'el: lttemais vergefierst^' .;) '?);,j:):J';1/.. ' . NiM'nniiltereffant dürfte aber für.'grE',P.qblifüm seine in den letzten Jahren mit Dr. Rivard Schlpgl,'').Profeff.ox des Bibelstudiums und der alttestamentlichen )Excgese an 'der Wiener theologischen Fakultät, geführte Polemik sein, die unter den Orientalisten, viel Staub anfwirbelte, indem Müller den Professor' Schlögl wiederholt des Plagiates) beschuldigte. Müller hatte nämlich diesen Vorwurf gegen Schlögl wiedercholt, direkt und indirekt, ausgesprochen. Der Streitpunkt dürfte den Außenstehenden geradezu kleinlich und kindisch erscheinen. Derselbe betraf nämlich Kapitel 20 des Propheten Ezechiel, und zwar Vers 5 bis 22. Müller hatte zur Unterstützung seiner bereits oberwähnten nrsemitischen Strophentheorie bereits im Jahre 1908 diese Verse aus Ezechiel ins Deutsche übertragen, und zwar in strophischer Form. Schlögl tat das einige Jahre später, ebenfalls mit Zugrundelegung derselben Verse aus Ez.chiel, ohne die Arbeiten Müllers ausdrücklich zn erwähnen. Hinc illae lacrimae. Darum die Plagiatsbeschuldigung; darum die Polemik, die recht unerquickliche Formen annahm, so daß sogar zufällige Aeußernngen, die die beiden Herren gelegentlich einer Promotio sub auspiciis als Promotoreu, somit als öffentliche Funktionäre im Diskurse mit anderen fallen ließen, als Beweismittel in den Kampf geführt wurden. Diese Polemik ist umso auffallender, als es sich um ein Kapitel aus dem Propheten Ezechiel handelt, der schon an und für' sich nie als hervorragender Prophet oder als geistreicher biblischer Dichter gegolten hat. Sagt doch selbst der Kirchenvater Hieronymus in seiner Vorrede zu diesem Buche: „'S ermo ejus nec satis disertus, nec admodum rusticus est sed ex utroque medie temperatus“, zn deutsch: „Die Sprache Ezechiels ist weder genügend gewählt, noch ländlich roh gehalten, sondern hält die Mitte zwischen beiden". Auch die betreffenden Stellen ans Kap. 20 bieten weder in sprachlicher noch in inhaltlicher Beziehung etwas besonderes und zeigen eher eine rein prosaische als eine poetische, rhythmisch geformte Sprache. Jedes Kapitel ans den Psalmen, aus Jesaia oder Jeremias, ans dem Hohen Liede oder aus den Sprüchen Salomons könnte unseres Erachtens eher als Unterlage für den Strophenbau oder die Metrik der hebräischen Poesie herangezogen werden, wie dieses Kapitel, das unseres Wissens während seines mehr als zweitausendjährigen Bestandes weder deu hebräischen noch den christlichen Bibelexegeten Veranlassung zu besonderen Bemerkungen gegeben hat. Und doch dieser heftige Streit um Ezechiel. Schlögl, der als christlicher Gelehrter keineswegs wie Müller und viele andere Biblisten unserer Zeit an der Mutterbrust der Bibel großgezogen wurde, hat durch seine Werke über die hebräische Literatur, namentlich über die hebräische Metrik, durch seine lateinische und deutsche Uebersetzuug des Hohen Liedes Salomons, dann durch seine Ecclesiasticus- sowie durch seine Psalmen- und Jesaias-Uebersetzung sich einen Weltruf als Bibelforscher erworben, hat nun in seiner erst im letzten Sommer erschienenen Broschüre „Audiatur et altera pars“ aufgeklärt, wieso es kam. daß er drei Jahre später dasselbe Thema und in ähnlicher Weife wie Müller bearbeitet habe, ohne dessen Arbeit gekannt zn haben. Es hat nämlich Dr. Ernst Meyer bereits im Jahre 1856 in seinem Werke „Die poetische Nationalliteratnr der Hebräer", Leipzig 1856, denselben Gedanken bezüglich der hebräischen Poesie ausgesprochen, daß also Schlögl sowie Müller keine nene Idee bezüglich der Strophik ausgesprochen. Auch hat Schlögl wiederholt Müllers Verdienste gewürdigt und betreffs der Strophik seine Uebereinstimmung mit Müller betont, welch letzterer aber Schlögls Metrik nicht anerkannte. Dadurch wird eben die Polemik verständlich und auch erklärlich, wieso es kam, daß Schlögl bei seiner Bearbeitung desselben Themas die Arbeit des Professors Müller mit keinem Worte erwähnte. Die Priorität des Gedankens einer einheitlichen Strophentheorie, um die sich da beide Gelehrten stritten, gebührt also

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