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Die Wahrheit · 1913-01-24 · Heft 4 (24.1.1913) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 4 (24.1.1913)
Date
1913-01-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Aette 10. Die Wahrheit. Nr. 4. zukehren. Als Jonathan nun im darauffolgenden Jahre behufs seiner Reise nach Metz durch einen Flecken in Bayreuth fuhr, drängte sich unter der um seinen Wagen zur Erhaltung seines Segens versammelten Volksmenge eine Frauensperson mit einem Kinde ans dem Arme hervor, den Radbi um seinen Segen mit dem Zusätze bittend, daß seine wundertätige Kraft an ihr sich bereits bewährt habe. Auf die Frage des Rabbi, bei welcher Gelegenheit dies geschehen, antwortete dieselbe, sie fei jene Magd, die vorigen Jahres mittelst seines Amulettes von einem sie beherrschenden Dämon befreit worden ist. Als der Rabbi, das Kind auf ihren Armen gewahrend, fragte, wie lange sie schon in der Ehe lebe, trat sie beschämt zurück, weil das Kind außer der Ehe gezeugt worden und sie noch unvermählt gewesen. Der Rabbi erteilte ihr nichtsdestoweniger seinen Segen und setzte seine Reise fort. Unterwegs löste der Rabbi seinen Schülern, unter welchen auch A. Grnnhnt war, das Rätsel mit folgenden Worten: „Diese Weibsperson litt an Hysterie oder Manussucht, hatte epileptische Anfälle und lebte in dem Wahne, öoit einem bösen Geiste besessen zu sein. Da nun bei Kranken dieser Art die Einbildung sehr stark wirkte, gab ich ihr zu ihrer Beruhigung ein Amulett, um ihre Phantasie auf den entgegengesetzten Wahn, das Amulett werde ihre Heilung bewirken, hinzulenken. Ich wählte einen unschädlichen Wahn als Gegengift einem schädlichen gegenüber. Ihre eigentliche Krankheit, die Mannssucht, ward aber durch die Art, wie sie zu der Leibesfrucht gekommen ist, gänzlich behoben." Erhellt nicht aus dieser Mitteilung zur Genüge, daß R. Jonathan Eibnschütz ein edler aufgeklärter Menschenfreund war, der der Kameah keinesfalls —- wie etwa die fanatischen polnischen Chassidim-Rebbes, die sich von dem Erlös der Kameahs Paläste erbauen — eine überirdische Kraft zugeschrieben hatte. Veritas. Verschiedene Nachrichten. Wien Freitag abends 24. Jänner 1913 Predigt im Leopoldstädter Tempel Rabbiner Dr. Max G rn n w a l d. Wien. (D i e 39. ordentliche Generalverfamnklung des israelitischen Tempelvereines für die Bezirke Wieden und Margareten in Wien findet Sonntag, den 26. Jänner 1913. 10 Uhr vormittags, im Sitzungssaale des Tempelgebäudes, V., Siebenbrnnuengaffe 1a, statt. Wien. (Tempelbanverein des VIEL Bezirkes der Stadt Wien.) Sonntag, den 26. Jänner, präzise 10 Uhr vormittags, sinder im Tempelgebäüde, VIII., Neudeggergasse 12, die ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Verwaltnugsbericbt. 2. Kassabericht und Bericht der Revisoren. 3. Wahl von 5 Ausschußmitgliedern au Stelle der zum Austritte gelangenden Ausschußmitglieder. 4. Wahl von 3 Revisoren. 5. Anträge und Interpellationen. Wie». („C Hcwra-B eth-Hatfila h"). Samstag, den 25. Jänner 1913. abends halb 7 Uhr, findet im Zeremoniensaale des Tempels IX.. Müllnergasse 21, die ordentliche Generalversammlung des israelitischen Bethausvereines „Chewra-Beth-Hatfilah" statt. Wien. (Jüdische Toynbeehalle. XX. Othmargasse 46.) Beginn der Vorträge: An Wochentagen */z8 Uhr. Samstag, sowie an Sonnnnd Feiertagen 7 Uhr abends. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Vortrags-Programm für die Zeit vom 25. bis 31. Jänner 1913: Samstag, den 25. Jänner, Konzert. Sonntag, den 26. Jänner, Neues und Altes aus dem Lande der Väter (Lichtbilder-Zyklus 3.) Jakob B r o im e r. Montag, den 27. Jänner, Deutscher Literatur-Zyklus (Fortsetzung). Dienstag, den 28. Jänner, Zyklus aus der jüdischen Geschichte. Professor Dr. K. Kupfer. Mittwoch, de» 29. Jänner, Bilder ans dem Rechtsleben. Dr. M. Reiß. Donnerstag, den *30. Jänner, Thema Vorbehalten. Dr. Rudolf B r i ch t a. Freitag, den 31. Jänner, Bibelvortrag. Wie«. Populär-wissenschaftliche Freitag-Abend- Vorträge im B e r-H a m i d r a s ch „Talmud-Thora". H, Malzgaffe 16, auch Frauen zugänglich: Am 24. Jänner d. I. Herr Profeflor Moritz Ants ch er l: „Was erzählt der Monat S ch e w a t?" Am 31. Jänner: Herr Rabbiner L- G o l d st e i n: „A n s Israels Vergangenheit'" Beginn jedesmal um halb 8 Uhr abends. Wie«. (Vortrag ans jüdischer Geschichte. Literatur und Kultur.) Donnerstag, den 30. Jänner 1913, i(a8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekren-Bereines, I. Eschenbach- ' gaffe 9, eiii Borrrag des Herrn Rabbiner Dr. Wilhelm Münz aus Gleiwitz statt. Theiua: „Ein Gang durch die jüdische Geschichte." Eintritt frei, ohne Karten. Wie». (Palme, Uu t erstntz u n g s v er e i n der Wiener isr. R e l l g i o ns le h r e r). Am 6. Jänner d. I. fand die diesjährige Generalversammlung des Religionslichrer-Bereines „Palme" statt. Genannter' Verein macht es sich bekanntlich zur Hauptaufgabe, hilfsbedürftigen Mitgliedern resp. Lehrerswitwen und -Walsen mit Rar und Tat im Bedarfs-- falle zur Seite zu stehen. An der Spitze dieses Vereines steht der langjährige Obmann desselben Dr. L. L a n g s e l d e r, aufs wackerste von seinen Stellvertretern Schuldirektor B. Planer und B. Fuchs seknndiert. In den Ausschuß wurden außerdem gewählt die Herren H. A s ch e r, M. A n ts ch e rl, I. Fa lt i j ch e k, S. Kn hu er, L. Richter luib A. Rorte r.. Das Reviioreuaml wurde neuerdings den Herren I. K a p p e l m a ch e r,. M. Rieden nnd H. Fehl übertragen. I. A. Wie«. Somirug. den 19. d. Mts., fand im Bethanse des Vereines „Emtmaus Owaus“, Slorchengaffe, der angekündigte Trauergoitesdiensst für den in jungen Jahren vor Jahresfrist dahingeschiedenen Rabbiner und- Gelehrten M. A. Fürst r?-;, Sohn des bekannten Rabbiners Fürst von ■ Schiffschnl, statt. Der Tempel war in allen seinen Räumen überfüllt. In Vertretung der „Adas Isroel“ erschienen Rabbi Fürst und Wolf' Pappen heim, Berut, Hofba ne r und Restaurateur P i n k a s. In. Vertretung des Tempels Stmnpergasse, der Obmauu Moritz Felsenbnrg, Isidor Deutsch und L. Fürst, vom Tempel Tnrnergaffe, die Herren Alexander S i m o n, Em. K o h n, der Gesamtvorstand des Tempel- Vereines „Emunaus Owaus“ mit dem Obmann M. Hofbauer und A. Turner. Amtsleiter Freistadt, A. Löwy, der Präsident des „Oesterr.-ung. Käntoren-Bereines", Oberkantor Bauer, Kantor Ph.. Baßel u. v. a. Nach dem Mincha-Gebet bestieg der neugewählte Rabbiner Josna Schill die Kanzel und widmete seinem großen Vorgänger einen tiefenipfundenen Nachruf. Er schilderte feine Herzensgüte, sein großes Wissen, seine Beredsamkeit, sein Wirken und Schaffen zum Wohle des Judentumes und betrauerte seinen so frühen Heimgang.. Der formvollendete Vortrag des Herrn Rabbiner Schill fand allgemeinen Beifall. Nach Beendigung der Rede trug Oberkantor M ü l l e r das „El mole racliamim“- in meisterhafter Weise vor. ebenso das daransfolgende Naariv-Gebet, womit die erhebende Trauerfeier schloß. . Wien. Der Elternverein „P estalozz i", I., Eßlinggasse 15, veranstaltet Samstag, den 25. Jänner, abends 9 Uhr, im Beethovensaale, I.,. Strauch gaffe 4, ein Kostümsest unter der Devise: „Im Fluge durch Oesterreich-Ungarn". Musik: Regimentskapelle des k. u. k. bosn.-herzeg.- Jnsanterieregiments Nr. 1. Zigeunerkapelle „Balogh Geza ans dem Gentry- Kasino in Budapest." Henrigenqnartetl „die alten Sievringer" mit ihren Natursängern. Tanzarrangement: Herr Professor Jaques Löw. Damen: Nationalkostüm oder. Soireetoilette.- Herren: Frack oder Smoking. Eintrittskarten sind zu haben bei Herrn Dr. Oskar Jacob ovits, I., Eßlinggaffe 15, Schulleiter Leopold R ich t e r, II.. Leopoldsgasse 6. Professor Jaqnes Löw, II., Taborstraße 20a, sowie bei sämtlichen Damen und Herren des Komitees. Bukovar. Sonntag, den 19. d. (Samstag nachts) ist in Treüczätt Herr Oberrabbiner Dr. Moritz D i a m a n t, Vater unseres Oberrabbiners Herrn Dr. Julius Diamant, im Alter von 75 Jahren plötzliche verschieden.;y3'2£':jti < Odessa. Im Saale des „Rates der Vorsteher der vereinigten . Synagogen und Bethäuser der israelitischen Gemeinde" hat unter der Leitung des Präses Dr. Phil. I. L. Klan sner eine Versammlung des Vereines „Chowewe Sfat-Ewer" stattgefunden, welcher einige Hnnderst Menschen beiwohnten. Oberkantor P. M. Minkowski der Brodier Gemeinde hielt in hebräischer Sprache einen wissenschaftlichen Bortrag „Ueber die innerliche Verbindung der Sprache und Musik", in welchem er eine historisch-kulturelle Abhandlung über die Geschichte der Entwicklung der Sprache nnd Musik vom grauen Altertum bis in unserer Zeit bot.- Die Versammlung bereitete dem Vortragenden, am Schluffe seiner mit. Zitaten ans der heiligen und profanen Literatur reich ausgestatteten». intereffanten Ausführungen eine stürmische Ovation und beschloß, dem Lektor zu ersuchen, noch mehrere Borträge über das Thema „Die innerliche Verbindung der Svrache und Musik" zu halten. Sofia. In Sofia trafen Delegierte jüdischer humanitärer Organisationen in Deutschland und England ein, der Philantrop Dr. Paust N a t h a u (Berlin), Elkan Adler (London), DT. Bernhard Kahn-. (Berlin), um eine Aktion zugunsten armer Juden in den vom Kriege heimgesuchten Gebieten einzuleiten. Noch einer Rücksprache mit G eschow und' anderen Ministern wurden die Herren Donnerstag abends von Königin- Eleonore empfangen. Die Königin ließ sich die Mission der Delegierten inden Notstandsgebieten ausernandersetzen und besprach an der Hand einev Karre des Kriegsschauplatzes eingehend die Mittel und Wege zur Linderung der großen Not. Die Königin stellte ihre Förderung der Hilfsaktion in Aussicht und betonte die Sympathien des Königs für seme jüdischem Staatsbürger, die stets das Wohl des Landes gefördert und im Kriegewieder ihren Patriotismus bewiesen hatten. Freitag abends empfing König: Ferdinand die Herren in einstündiger Audienz. Er zog genaue Erkundig gnugen über ihre. Absichten ein und bekundete das lebhafteste Interesse für die Durchführung ihrer humanitären Besterebnngen. Die Delegierten gedenken zunächst der Adrianopler Bevölkerung nach dem Kriegsschlnsse beizustehen; sie sind-über Nisch nach Saloniki gereist. Jüdische Bühne. Direktion M. Siegler. „Hotel Stefanie" II. Taborstraße 12. Freitage den 24., Samstag, den 25. und Sonntag, den 26. Jänner 1913 „Ben Jako b", historische Operette vonJ. Lateiner. Sonntag, den 26. Jänner. Nachmittag halb 4 Uhr „Ch.ochmes Nus ch i m". Montag, den 27. Jänner „Der Unbekan nte" von I. Gordin. Dienstag, den 28.- Jänner, -„D-e r M a s ch g i a ch". Mittwoch, den 29. Jänner, Wohltätigkeitsverein die Tarnower „S ch i r H a s ch i r im". Donnerstag, den 30. Jänner Wohltätigkeitsvorstelliing „D i e weiße Sklavin". In Vorbereitung: „Der Schab es-Goj".

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