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Die Wahrheit · 1913-01-24 · Heft 4 (24.1.1913) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 4 (24.1.1913)
Date
1913-01-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 4 Seite 9. Die Wahrheit zählende .nichtjüdische Bevölkerung des Ansiedlungsbezirks.. die ihren Warenbedarf ans jüdischen Händen bezieht und auch für die von der Großindustrie abhänglgeu Klassen, die einen bedeutenden Teil ihrer Arbeitsprodukte durch. Vermittlung der Juden ans den.Markt bringen. Die Bewegungsfreiheit der jüdischen Kaufleute einschränken, heißt den Blutkreislauf in einem lebenden „Körper unterbinden. . Inzwischen ist Kokowzow, der damalige'Finanzmiuister, Ministerpräsident geworden. Man rühmt an ihm einen sicheren .kaufmännischen Blick und ein seines Verständnis für die wirtschaftlichen Bedürfnisse des Landes. Die Erwartung ist daher nicht ganz unberechtigt, daß er—wenn auch nicht mit einem Schlage — so doch allmählich, die sinnlosen und dem Staatsorganisinns schädlichen Erwerbsbeschränknngen der Jnden anfhebt. Unsere heutige Ausgabe von S. Grünfeld, Cölu a./Rh. Als der große, unvergeßliche Vn naa ana üou einem Besuche bei Samson Raphael Hirsch zurückkehrte — so berichtet Herr Rabbiner Ph. Fischer, Oövavärrja, in seinem Artikel über „S. R. Hirsch in Ungarn" in der Hirsch-Jubiläums- Nnininer — waren seine Schüler gespannt ans den Eindruck, den „der neue ergengeartete Rösch. Medinah von Mähren aus ihren Rabbi gemacht hatte. Besonders waren sie darauf neugierig, wie sich ihr als großer Talmndgelehrter gefeierter Rabbi über die talmudische Gelehrsamkeit Hirschs äußern werde, da es ihnen für eine Sache der Unmöglichkeit galt, daß ein moder n g e b i l d e t e r „aschkenasischer" Raw auch ein großer Lamden sein könne. „Wir haben mit dem neuen nrnö «an sehr viel .niin nrn gesprochen, war die Aenßernng ihres großen Lehrers, „aber worüber immer wir mit ihm sprachen, überall in und . wpvis war er zuhause.. Ein bio haben wir ungarische 2'22->. Er hält uns nämlich für größere au-tüb, als er einer ist. Wüßte er .aber, was für ein ynab er selber ist, dann hätten wir keine -nniZiL vor ihm." Ans dieser Antwort des großen dürften wir deutlich ersehen, daß sich wohl px ‘■pn or min sehr gut vereinen läßt. Daß die Auffassung e n t w e d e r Tauroh oder weltliche 'Bildung nnd die Furcht der Gesetzestrenen. ihre Kinder neben der Tauroh hakdauschoh a n ch profane Wissenschaften lernen zu lassen, unbegründet ist, hat S. N. Hirsch in Schrift nnd Wort zlt beweisen versucht und so die Wege angezeigt, die zur Erreichung dieses Zieles beschritteu werden müssen. Wie richtig dieser Wegweiser war . und ist, läßt sich aus den Erfolgen erkennen. Wir haben heute G. s. D. in Deutschland eine 'überaus große Anzahl gesetzestreuer Männer, die im praktischen' Leben stehen und auf threr Flagge die Worte .„Tauroli im derech-erez“ geidjrie&eit haben. Es wird jedoch, da Stillstand Rückgang bedeutet, auf diesem Gebiete sehr viel gearbeitet und so möchte ich hierdurch die österr.-nng. Judenheit auf die „Bibliothek des Jüdischen Volksfrenndes", herausgegeben von Rabbiner Dr. B. Wolf, -Eöln, aufmerksam machen. ‘ Die Bibliothek des jüdischen Volksfrenndes bezweckt, den Lehrgehalt des Judentums, wie es im biblischen und nachbiblischen Schrifttum niedergelegt ist, in moderner Auf¬ 's a s s n n g dem gebildeten Publikum zugänglich zu machen. Besonders soll die nach W a h r h e i t ringende Jugend die ideale Höhe der jüdischen Ethik erkennen und wieder .mit Verehrung für das angestammte Erbe erfüllt werden. „Der Verbreitung der Kenntnis der Mizwoh, der jüdischen Lebensaufgabe, möchten die Aussätze der „Bibliothek des Jüdischen Volksfreundes" sich widmen. In zwanglos beliebiger Reihenfolge, wie die Praxis des Lebens es gerade erheischt, die Verhältnisse es gerade zu gebieten scheinen, sollen die Pflichten des jüdischen Lebens in leicht faßlicher Form dargeboten werden. Möge die Kenntnis des Pflichtgebotes zur Tat reifen; denn — um mit den Worten des deutschen .-Denkers der Gegenwart zu reden, die sich mit.der Lehre des Judentums nnd der Erfahrung seiner Geschichte decken —" an der Tat liegt schließlich alle Vernunft des Lebens und alle Festigkeit der Ueberzengung. Nur sie kann dem Menschen einen Rückhalt geben gegen fremde, ja feindliche Welt." Diese, in einer eleganten klassisch-deutschen Sprache geschriebene Bibliothek erscheint, um sie jedermann zugänglich zu machen, monatlich in der Stärke von acht Groß-Okrav-Seiten nnd kostet im Abonnement das Jahr Eine Mark Kronen 1.20, frei zngestellt durch den Verlag des Jüdischen Volksfreundes. Cöln, Hobenftausenring 14. Bisher sind brochiert folgende abgeschlossene Serien erschienen : a) der d e nk e n d c Jude: I. Vorschriften für die Tranerzeit von Rabbiner Dr. Wolf, Cöln; II. Vorschriften für die Mahlzeit mit Erklärung des Tischgebetes von Rabbiner Josua Schill, Pozsony; b) m. 'bpn; I. Teil (Kap. 1—9), bearbeitet von Rabbiner Dr. B. Wolf, Cöln. _ In weiterer Lieferung begriffen: Die Speisegesetze von Rabbiner Dr. Wolf, Cöln nnd 'bvQ (H. Teil). Die Rezension über beu Inhalt dieser Broschüren wird wohl demnächst von berufener Feder erscheinen. Das Vorwort des ersten Heftchens möchte ich jedoch hier folgen lassen: „Die Bibliothek des jüdischen Volksfreundes wurde auf Anregung und durch materielle Hilfe aus dem Kreise der Leser des jüdischen Volksfreundes begründet. Die Not der Zeit hat sie ins Leben gerufen. Aus dem Volk heraus wurde die Idee geboren; durch das Volk nahm sie greifbare Gestalt an. Die Bibliothek des Jüdischen Volksfrenndes möchte die jüdische Gesetzeslehre und die von ihr erzeugte hohe Lebensauffassung und Lebensbetätigung als einzig wahre Ethik aller Zeitelt kennen lernen und begreifen lassen. Sie will die sittlichen Lehren und die geschichtlichen Begebenheiten, zunächst ans dem Schriflenkreife des biblischen Kanons, mit wachem Ohr nnd offenem Auge für die Er» * kenntnis der immer gleichbleibenden, unverlierbaren Aufgaben unseres Volkes lösen und so zur Weltanschauung und Lebensführung jüdisch menschlicher Höhe anregen. Möge sie, aus der Zeit entstanden, der Zeit geschenkt, den Ton der Zeit, mit der sie in Verbindung bleiben muß, verstehen, um durch das Verständnis für die Zeit von der Zeit verstanden zu werden, und in ihr und mir ihr das Hochziel zu erreichen: Z u r ü ck z u r T h o r a." Ich schließe mit dem Wunsche, daß diese Bibliothek des Jüdischen Volksfrenndes in allen Familien der öfterr.-ungar. Judenheit Eingang finden möge „und" — wie der Verfasser zur Mischle Bearbeitung schließt — „wenn nur eine junge Seele im Jnnenkampfe ihres Daseins aus diesem Hauche Leben verspürte und neuen Mut und neue Kraft gewänne — das Buch hätte sein sehnlichstes Ziel erreicht." Die Karneah des Wunderradlri. Als ich den Artikel des sehr geehrten Herrn Doktor Frankl-Grün in Nummer 3 der ..Wahrheit" gelesen, erinnerte ich mich einer anderen Episode, die ebenfalls als nicht uninteressant erscheinen dürfte. Bekanntlich wurde der berühmte scharfsinnige R. Jonathan Eibuschitz ans Grund der Kameah-„Amnlette", die er erteilte, von seinen Gegnern als Sabbatäer verketzert. Wenn man jedoch die Lebensgeschichte dieses äußerst klugen Mannes studiert, so gewinnt man die Ueberzengung, daß er mehr Diplomat als fanatischer Kabbalist war. P. Beer teilt in seiner Gesch. der Sekten (II. p. 306.) im Namen A. Grünhut, eines Schülers Eibenschützs folgende Episode mir: „Ungefähr ein Jahr vor der Abreise Jonathans von Prag gab dieser einer vor ihm gebrachten und vorgeblich von einem bösen Geiste besessenen Magd zur Vertreibung dieses ungebetenen Gastes eine „Kameah". befahl ihr aber, sogleich nach ihrer Heimat ins Baltische-zurück-

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