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Die Wahrheit · 1913-01-24 · Heft 4 (24.1.1913) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 4 (24.1.1913)
Date
1913-01-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 4. Die Wahrheit Seite II Feuilleton. Die Tage der Vorzeit. Bon.Ballette Fried, Prag. ■/ .;. ' (Fortsetzung.) >- ' Nttu mit seinem Gewissen halte er sich abgefunden. S i e war -es. ja, welche das Verhältnis gelöst hatte. Nicht er hatte sie verlassen. Vorwürfe brauchte er sich keine zu machen. Von da an vermied er es. feine Eltern zu besuchen. Er lnd sie mit Eiuwillignng seines Sches ein. ihn in der Fabrik zn besuchen. Gelegentlich dieser Besuche lernte Sommer die Eltern seines Prokuristen kennen und schätzen. Der Geist und Humor Reb Salmes fesselten ihn, sowie ihm die Würde Frau Liebeles nicht wenig imponierten. Nach einer vertranten Aussprache mit dem alten Ehe- Paare gab er diesen in nicht zu verkennender Weise zu verstehen, daß er einer Bewerbung Davids um die Gunst seiner ältesten Tochter keine Schwierigkeiten entgegensetzen würde. Wenn es ihm gelingen sollte, deren Zuneigung zu gewinnen,, so würde er ihn gerne zum Schwiegersohn annehmen. „Ob es ihm gelingen wird?" meinte Frau Liebele in ihrem Herzen. „Welches Mädchen könnte denn kalt bleiben gegen 'die Liebenswürdigkeit ihres David?" Sie hatte Recht. Auf halbem Wege kam ihm die Fabrikantenstochter entgegen, und erleichterte ihm sein Geständnis; ja .Klara hatte es ihm fast erpreßt. So weit war alles gut gegangen. Die beiden Eltern gaben freudig ihre Zustimmung. Von einer.öffentlichen Verlobung war Abstand genommen worden, man wollte so bald möglich die Hochzeit feiern. Der verliebten Braut konnte der Zeitpunkt nicht nahe genug herangerückt werden. . Da sich der alte Borgstein wetgerte, Sommers Antrag, mit seiner Frau in die Fabrik zn ziehen, anznnehmen, so sollte er vorläusig in seiner alten Wohnung verbleiben und sorgenfrei .leben, ohne ferner bei Hochzeiten oder anderen Festen als Narr aufzntreten. Damit war Reb Salme, mehr aber noch Frau Liebele zufrieden. Gelegentlich dieser Unterhandlungen erfuhr Klara erst dasjenige was bisher vor ihr sorgfältig verschwiegen wurde, Haß nämlich der Vater ihres Bräutigams ein Hochzeitsnarrsei. Da war die grenzenlose Liebe zu ihrem Verlobten auf einmal, geschwunden. Sie wollte ihn nicht heiraten, nicht einmal .mehr sehen. Sie verzichtete auf das Glück, die Schwiegertochter eines Schalksnarren zu werden. Sie beschuldigte ihren Verlobten, daß er sie auf betrügerische Art zu gewinnen gesucht, nannte ihn einen Mitgiftjäger, und machte ihm Vorwürfe von der Art wie sie ein anständiger Mann niemals anf sich sitzen lassen kann.; “ David verzichtete darauf, der Bräutigam der jungen Fabrikontenstochter zu sein, und auch seiner Stellung als Prokurist des Hauses mußte er auf dieser Weise eutsageu. Mit tiefem Weh sah Sommer feine Pläne scheitern, auch den tüchtigen Beamten scheiden. . Nachdem er diesem die Summe für die gesetzliche Kündigungsfrist nebst Empfehlungsbriefen an mehrere gleichartige Geschäftsnnternehlnungen ansgefolgt hatte, mußte erDavid das Haus verlassen sehen, wo er wie ein Sohn behandelt worden ist. David ging aber nicht nach Hause. Er schämte sich. / Er wandte sich der Laudeshauptstadt Prag zu/Bon dort schrieb er einen erschütterttdeu Brief an die Eltern, .worin er auf immer von ihnen Abschied nahm, und sie des. Schmerzes wegen, den er ihnen zttfügte. tun Verzeihuttg anflehte. Von seinen Plänen für die Zukunft war in dem Brief /keine Rede, 'ebenso wenig als von dem Orte, wohin er sich zu wenden gedachte. - ... , . . . - VIII. ~ »• •. Reb. Salme Borgstein, wartete ' lange, lange auf weitere Nachricht'von dem Sohne. Doch der war und. blieb berschollen. Hatte ei/ seinem Leben freiwillig ein-Ende , bereitet, oder war er ch'erunglucht?. , War er übers Meer gegangen oder, hielt, er sich unter angenommenem Namen im Lande: artf?'Alle Nachforschungen bliebett erfolglos. . Sommer... ftelXte anf eigene Faust, .unter. Abwendung großer 'Geldmittel/z'M,-Aufhietnug taller.HekännMl^ Nachforschungen an, die ebenfalls zu keinem Resultate führten. Es schien, als sei der junge Mann im Erdboden verschwunden. Ihn-dauerten die Eltern, welche auf fo tragische Weise um das einzige Kind, um ihren Stolz und ihre Stütze gekommen waren. Er bot auf die zarteste Weise den unglücklichen Eltern eine regelmäßige materielle Uitterstütztmg an, doch stolz wiesen-sie das Almosen aus dem Hause zurück, durch das sie dieser harte Schicksalschlag getroffen. - - Liebele überlebte ihn auch nicht lange. Ihr Lebensmut, ihre ganze Kraft war gebrochen. Diese unausgesetzte Attfregmrg, in der sie seit dem Verschwinden des Sohnes lebte, dieses tägliche Hoffen und stete Getäuschtwerden, hatte die sonst so stramme Frau niedergebengt. Einsam, in Abwesenheit ihres Mannes, welcher eben in einer entfernten Stadt für die Erheiterung einer Hochzeitsgesellschaft sorgte, wurde die Dulderin von ihren Qualen erlöst. Als der heimgekehrte Mann sich schier verzweifelnd gebärdete, trat eine Frau zu ihm und sagte: „Verzweifeln Sie nicht, Reb Salmeleben, ihr ist wohl gefcheheu, Für sie war kein Glück auf dieser Wett mehr ztt erhoffen. Gönnen Sie ihr die Ruhe. Und Sie werden nicht ganz verlassen sein. Mein Mündete wird Ihnen aufräumen und Sie bedietten. Sie haben sie ja immer gern gehabt, und sie tut alles gerne für Sie tun Davids willen." Dem verlassenen Manne traten neuerdings Tränen in die Augen. „Das gute Kind!" sprach er gerührt. Die angebotene Hilfe nahm er freudig an, und mit der Zeit entwickelte sich zwischen Salme Borgstein und Mina Teller ein fo inniges Verhältnis, als wären sie Vater und Tochter. Die alte Teller, Minus Mittler, konnte nicht viel leisten. Sie war seit Jahren kränklich und führte nur mühsam den eigenen Hattshalt, dessen Bestreitung Mina mit äußerster Anstrengung durch Verfertigung feiner Stickereien anfbringett mußte. Mit der Zeit wurde Borgsteins Erwerb imwer spärlicher. Die Narretei wurde nicht so begehrt wie früher, und da hatte Salme oft mit Entbehruttgen, ja Not zu kämpfen. IX. Klara hatte sich als Frau von Jakob Popper gar bald daein gefunden, eine große Dame zu spielen. Von Hause aus reichlich attsgestattet, ttnd vott ihretn sie innig liebenden Gatten mit allem überhäuft, was sie sich tun: wünschen mochte, erreichte sie es bald, daß sie in ihrem Kreise als tonangebende-Modedame betrachtet wurde. Jakob Popper hatte sich zwar seine zweite Ehe anders vorgestellt. Er hoffte in gewohntem Geleise zu bleiben, und alles so weiter zu führen, wie es bei ihm eingeführt war. Dies war aber nicht der Fall, ttnd würde, das sah er wohl ein, niemals werden. Da er nicht alle Gesellschaften besuchen konitte, zu denen seine junge, schöne Frau geladen war, ließ er sie meist allein gehen. Es war ihm unangenehm genug, daß er sich jede Woche einmal in seinen Hochzeitsfrack werfen mußte, ttm eine Gesellschaft bei sich ztt eutpfangen, wie sie die Latme seiner jungen Frau wahllos zusammen würfelte. Er war noch immer zu verliebt in diese, um ihr dieses oder eine andere ihrer zahllosen Forderttugen ztt versagen. (Fortsetzung folgt.) Austritte ans dem Judentum. K o h u Malvine, Haudarbeiteri», geb. 18. November 1383 in Galizien. Wien, XVIIL, Achamergaffe 2. Iarmai Armur, Kaufmann, geb. 26. September 1872 in Budapest. Wien, IX., Strudelhofgaffe 3. Schneider Sigmund, Redakteur, geb. 4. Jänner 1861 in Wien. XU., Hauptstraße 15. Weiß Johanna, geb. 24. Februar 1875 in Hodes. Wien, XII» Dnnkl^- gasie 31. . . . ' ": ' F r ankfnrt Sigmund, Privatbeamter, geb. 15. . April in Wien. III., Obere Weißgärberstraße 11. . . Haber auch Huber Maximilian, geb. 1863 in der Bukowina.' :VX, . MariahUferstraße 71a. ._ . . . ..' . ‘ pi tz e riHilda^Hontoristin, geb. 1., November 1886 in Wien. VI» Haydn» i';f .n ^gafse / }:

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