Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 4 (24.1.1913)
- Date
- 1913-01-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 4. Die Wahrheit. Nr. 4. genossen haben. Plötzlich diesem Lande den Röcken kehren würden. Eine solche Undankbarkeit liegt nicht in unserem Charakter. Sicherlich sind wir alle tief nnd aufrichtig über die nicht zweideutigen Zeichen von Sympathie, die uns Spanien sowohl durch die Presse als auch aus offiziellem Wege gibt, geröhrt; wir nehmeil sie als ein wirkliches Glück an, aber mail wird uns erlauben, daß wir vor allem darauf bestehen, daß sich diese Sympathiekundgebungen ilichl in der Weise ailsdrückeu. daß mau uns Empfindungen znschreibt, die wir gar nicht besitzen und die wir nicht besitzen können, weil sie unsere Anhänglichkeit an das ottvmauische Vaterland verdunkeln. Wenn sich nach dem Verluste Salonichis die sephardischeu Inden dieser Stadt nach Spanien wenden, wird es sicher nicht mangels einer Empfindung von Anhänglichkeit für die Türken geschehen, aus welcher sie durch die Zusälle des Krieges und der Gewalt gerissen worden sind. Sie werden sich vielleicht nach Spanien vegeben, nicht weil sie unter der vttomanischen Herrschaft die sehnsuchtsvolle Erinnerung an das alte Vaterland forrgepsiauzt haben, sondern, um nicht das Joch eines Eroberers zu tragen, der es gleich am Anfänge nicht verstanden hat, ihr Vertrauen zu gewinnen. Die Spanier, welche gut wissen, daß man in der Politik nicht mit Sentimentalitäten zu rechnen hat, werden sich mit diesem Frenndschastsvertrage begnügen, der auf gegenseitigen Vorteilen beruht, und es wird dies sicherlich in gleicher Weise sowohl Spanien als auch, so wollen wir es hoffen, den Inden von Salonichi znm Wohle gereichen. Ein sephardischer Jude. Zentralstelle für jüdische Manderarmenfnrsorge in Oesterreich. Im Saale d'es „Hotel Europe" fand am 18. d. M. die konstituierende Generalversammlung der „Zentralstelle für jüdische Wauderarmensürsorge in Oesterreich" statt. Zn derselben hatten sich zahlreiche Delegierte österreichischer Knltnsgemeinden sowie von Korporationen, die au der Regelung des Wanderarmenwesens interessiert sind, eingesundeu. Es waren anwesend die Herren: Wie«: Knltusvorsteher Adolf Schrämet als Delegierter der Knltusgemeinde. Dr. I. Ornsteiu, Siegfried Fleischer als Delegierte der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union", Dr. Armand Kaminka, Sekretär der „Israelitischen Allianz", Dr. M. Löwy, Sekretär der „Zentralstelle für jüdische Armenpflege in Wien", ferner Beneschau: Dr. Ottokar Krauß. Böhm.-Leipa: Dr. I. Oe streich er. Eger: Max A b e l e s. Gablonz: Dr. Alois Zeller. Gänserndorf: Sam. Pisk aus Marchegg. Holleschau: Adolf Na ich. Leipnik: David Spitzer. Leitmeritz. Vinzenz P o l 1 a k Miftelbach: Ludwig A b e l e s. Pardubitz: Doktor Berrhold Tdein. Pisek Wolfgang Bloch. Reicheuberg: Alois S o u d e k. St. Pölten: Albert Leicht. Soböslau: Viktor Rind. Saaz: Max M e n d l. Trauteuau. W. Weiß. Teplitz-Schönau: Dr. Sigmund Hahn. Entschuldigt halten sich die Knltnsgemeinden: Linz: Bernhard T a n s s i g. Lundeuburg: Josef H o l l ä n d e r Bielitz-Biala: Heinrich H e l l p e r n. Pilsen: Dr. Josef Schanzer. Strakonitz: Eduard Fuchs. Beraun: Rudolf M a tzka. Horaidowitz: Dr. D. Popp e r. Tachau. Heinrich Steiner. Brünn: Dr. Friedr. Aug. Her m a n n. Meu-Rausiuitz: Richard Löw. Wiuterberg: S. Wedeles. Bad Königswart: Wilhelm Lö wi. Ung.-Brod: M. H. Bram m er. Als Gast nahm der Herausgeber der „Oesterr. Wochenschrift, HerrDr. I. S. Bloch, an den Beratungen teil. Die Versammlung wurde vom Obmanne des provisorischen Exekutivkomitees Dr. I. Ornsteiu mit herzlicher Begrüßung der erschienenen Delegierten eröffnet. Der Vorsitzende machte zunächst Mitteilung von der behördlichen Genehmigung der Statuten und kennzeichnete in markanten Worten die wichtigen Aufgaben der. neu zu schaffenden Organisation. Sekretär F l e i s ch e r gab die Namen jener Knltnsgemeinden bekannt, von welchen bereits Beitrittserklärungen vorliegen. Es sind dies die Knltnsgemeinden: Beneschau, -Berann> Bodenbach, Brünn, Bndweis, Brüx, Eger, Friedek-Mistek, Graz, Gablonz. Gänserndorf, Jnngbnnzlan, Horn, HoraLdowitz (Knltnsgemeiude nnd Chewra Kadischa). Holleschan, Königsberg, Königswarl, Knttenberg. Knttenplan, Lann, Leipa, Leitmeritz, Linz. Lundenbnrg, Melnik, Mistelbach, Nikolsbnrg, NeubydLow, Oberhollabrnnn, Pilsen. Pisek, Postelberg, Pohrlitz, Reichenberg, Saaz, St. Pölten. Schlau, Strakonitz, Sobßslan. Tachau, Teplitz- Schönan, Teschen, Trauteuau, Ung.-Brod, Winterberg, Wischan und Zwittan. . Sekretär Fleischer rekapitulierte kurz die Grnndzöge,. nach welchen die Regelung des Wanderbettels in Oesterreich erfolgen soll nnd beantragte, sofort die Konstituierung der „Zentralstelle" durch Wahl des Vorstandes, ferner von fünf Schiedsrichtern und zwei Revisoren vorznnehmen. Nach kurzer Diskussion wurde dieser Antrag angenommen nnd folgende Herren mit Akklamation in den Vorstand gewählt: Adolf Schramek, Dr. I. O ruft ein, Heinrich Men dl, Dr. Josef Schanzer (Pilsen), Dr. Armand K a m i n k a, Dr. Berthold Thein (Pardubitz), kais. Rat Dr. S. Krüger, Wilhelm Pappenheim, ferner Dr. S. Hahn (Teplitz), Bernhard Taus sig (Linz), Max Meyer (Graz), Dr. Friedr. Aug. Hermann (Brünn). In das Schiedsgericht wurden entsendet die Herren: kais. Rat Wilh. An n inger, Dr. Gustav Ko h n, Dr. A O eftreich er, Dr. I. Samuel y, Dr. A. Zeller. Zn Revisoren wurden bestellt die Herren: Albert Leicht (Sankt Pölten) und S. Pisk (Marchegg). Sekretär Fleischer entwickelte sodann die Grundsätze, nach welchen die Errichtung der einzelnen Kreisarmenkassen erfolgen soll. Als Standort solcher Kreisarmenkassen sind in Aussicht genommen: a) für Böhmen: Prag, Pardubitz, Reicheuberg, Aussig, Saaz, Eger, Bndweis und Tabor, b) für Mähren: Brünn, Preran, Jglau, ev. M.-Ostran, c) für Schlesien: Bielitz, 6) für Niederösterreich : Wien, e) für Ober-Oesterreich nnd Salzburg: Linz, f) für Steiermark, Kärnten Und Krain: Graz, g) für Tirol und Vorarlberg: Innsbruck, h) für das Küstenland: Triest. Ueberdies soll an gewissen Einbrnchsstationen an der Grenze, so in Bodenbach-Tetschen. Hohenems, Oderberg, Salzburg, eventuell auch Ung.-Brod, Grenzbnreanx errichtet werden. Die Rayonniernng der einzelnen Knltnsgemeinden zu den Kreisarmenkassen muß derart erfolgen, daß sowohl die territoriale Lage, als auch nach Möglichkeit die nationale Zugehörigkeit berücksichtigt und aus den Beiträgen der zngewiesenen Knltnsgemeinden eine genügende finanzielle Leistungsfähigkeit der betreffenden Kreisarmenkassen erzielt wird. Die Kreisarmenkassen müssen so verteilt sein, daß sie den Hauptronten des Wanderarmenstromes entsprechen. Referent verlas einen vorläufigen Entwurf der Rayonuiernng und betonte, daß dieser Entwurf nur zur allgemeinen Orientierung dienen soll, aber noch lange kein definitives Elaborat bedeute, da ja die endgiltige Abgrenzung der Kreiskassenrayons nur im Einvernehmen mit den beteiligten Gemeinden erfolgen könne. lieber dieses Referat entspann sich eine längere eingehende Diskussion, an welcher sich die Herren: Soudek, Dr. Thein, Schramek. Rind, Weiß, Dr. Kaminka und Leicht beteiligten. In dieser Diskussion wurde auch flüchtig die nationale Frage gestreift und die Notwendigkeit betont, in der Abgrenzung der Kreiskassen den nationalen Bedürfnissen nach Möglichkeit Rechnung zu tragen. Nach Schluß der Debatte wurde folgender Antrag des Herrn Dr. Ornsteiu einstimmig angenommen: „Die Abgrenzung der Kreisarmenkassen wird' dem nengewählten Vorstände der „Zentralstelle" zngewiesen, welcher die Bestimmung der einzelnen Sprengel auf dem geeignet erscheinenden Wege zu veranlassen und dann das Elaborat der „Zentralstelle" zur Genehmigung vorzulegen hat." Einer Anregung des Herrn P o l l a k, Leitmeritz, daß die Verretter der als Standorte der Kreiskassen in Böhmen in Aussicht