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Die Wahrheit · 1913-01-24 · Heft 4 (24.1.1913) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 4 (24.1.1913)
Date
1913-01-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion mifc Sldminiftratiou: Wlc», II., Nvvaragasje 27 Trlrvhou: Stedaktiou 5509flV. ftbrniiiiftraiioii 4988 II. St. l. üfterr. Nostlpartasta- 8cv«ck-Ko»lo Nr. 10V.S18. Inl ernte: Die viermal geivaltcuc Nonvareille-Zeile LL Heller. «doiinememS- und Jujertionsderräge und in Wien zayloar und klagbar. vakhängige Heitfchrift für jüöischi Interessen. Hrscheinl jeden Kreitag. Uotlo: „Das fciiegöl Gottes ist Wahrheit!“ OWiiijjiibiiti.K i*.— Halbiädii,,. K 7. — {Viir 3l'iilhi$bruuite: iMmitiäbriii. K lli (Viir Vlii-Iimb: .S Stt»rk ti HluOel ober tfi ftrc«. |l«‘. 4. Wien, 34 Iirnnet Inhalt : Welfersheim und Uriel s. A. — Die Sympathien Spaniens. — Zentralstelle für jüdische Wanderarmeufürsorge in Oesterreich. — Die Wiener Assimilationsseuche. — Auf dem Wege nach Jerusalem. — Die Judenfrage in Amerika und Rußland. — Unsere heutige Ausgabe. — Die Kameah des Wnnderrabbi. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: „Die Tage der Vorzeit." Welfersheim und Uriel f. A. Heber 2000 Militärärzte fehlten in der österreichischen Armee gelegentlich der jüngsten kleinen Mobilisierung. Da Schreiber dieser Zeilen, ein älterer praktischer Arzt, längst im Landsturm, durch eine Widmnngskarte, welche ihn am vierten Mobilisierungstage an die russische Grenze einberuft — beehrt und beglückt wurde — möge eine interessante Episode der Oeffentlichkeit bekannt gemacht werden, wie unsere Armeeherrschaft für Militärärzte gesorgt hat. Im Jahre 1897 dienten zwei Freunde als Assistenzarzt- Stellvertreter : ein Jude und ein österreichischer Serbe. Der Jude, unter den Freiwilligen der strammste und fescheste, war glänzend qualifiziert, der Serbe klein, mit großer Krummnase und 0-Beiuen minder gut. Beide strebten die Aktivierung an. Der Jude wurde, trotz glänzender Qualifikation „des Exterieurs .halber", schwarz auf weiß stand es im „geheimen Akte" geschrieben, abgelehnt. der Serbe, welcher mit Rücksicht auf sein Exterieur/ Taufschein seines Großvaters und Vaters dem Gesuche beilegte, aktiviert und hat noch dazu 6000 Kronen als „Studienentschädignng" erhalten. Eine Bestätigung seines österreichischen Patriotismus wurde dem Gesuche nicht beigelegt. Wie Schreiber dieser Zeilen dann erfahren hat, steckte der österr.-serbische Patriot die 6000 Kronen ein und sagte unter verschiedenen Vorwänden der Gesellschaft Welfersheim und Uriel „Valet"! Der Jude hingegen soll jetzt seine Familie, seine Praxis,, obwohl längst im Landstürme, stehen lassen, an die Grenze abmarschieren und dem Vaterlande die Lücke des serbischen Patrioten ausfüllen. Die „Frankfurter Zeitung" bringt einen glänzenden fachmännischen Bericht, welche furchtbaren Folgen das Fehlen geschulter Militärärzte in Bulgarien hatte. Welfersheim und Uriel und Nachfolger fürchten diese Folgen nicht. Das Fehlen von über 2000 Militärärzten wird ersetzt durch alte praktische Zivilärzte, welche früher in ihrer Jugend „des Exterieurs halber" nicht aktiviert werden konnten! Für diese jetzt trotz „Exterieur" geeigneten Aerzte heißt es: Singen „Prinz Engen"-Lied und Schweigen. ^_ Dr., I. Die Sympathien Spaniens. „Wir Spanier sind über den ausgebrochenen Krieg beunruhigt; wir bezeugen eine Empfindung von Wohlwollen und Liebe zu einer großen Zahl unserer Brüder, in deren Adern dasselbe Blut wie unseres fließt, die in einem Momente des Fanatismus vertrieben, sich in Salonichi niedergelassen haben. Hier halten sie, unsere Sprache sprechend, sehr lebendig das Andenken an das Vaterland aufrecht. Ja, es sind unsere Brüder, die die jahrhundertelang gleichbleibende Sehnsucht fürihr Geburtsland bezeugen. Dieser Grund, in Ermanglung anderer, dürfte genügen, um die Aufmerksamkeit, mit welcher wir alle Phasen des Balkankrieges verfolgen, zu erklären! Jeder Tag bringt uns jetzt eine neue Sympathiekundgebung Spaniens für die sephardischen Juden und die vorstehenden Wirte, welche die jüdische Presse wiedergegeben hak, sind im Verlaufe eines Interviews über die Ereignisse am Balkan vom spanischen Ministerpräsidenten. Grasen Romauoues, zu einem Mitarbeiter des ..Matin" gesprochen worden. Sie haben einen großen Wert und wir notifizieren sie, wenn auch mit einer gewissen Zurückhaltung, als ein wertvolles Zeugnis über die in spanischen Regierungskreisen herrschenden Ansichten. Mit besonderem Nachdrucke muß gerade der Umstand hervorgehoben werden, daß es sich nicht mehr bloß nm die öffentliche Meinung im allgemeinen und die der Handelskreise im besonderen handelt, sondern daß auch die offiziellen Kreise der Sympathiekungebung, welche sich jetzt in Spanien zugunsten der Inden zeigt, nicht fremd gegeuüberstehen und die Worte des Ministerpräsidenten übertreten alles, was bisher in der spanrschen Presse über diesen Gegenstand geschrieben wurde. Wenn aber Gras Romanones versichern zu müssen glaubt, daß unter den Sephardim, die sich in Salonichi niedergelassen haben, die Erinnerung an das Vaterland sich sehr lebendig erhalten hat und daß sie im Laufe der Jahrhunderte Sehnsucht nach ihrem Mntterlande bekundet haben, io ist das mit einer gewissen Zunickhaltung anfzilnehmen. Wir glauben, daß es richtiger sei, wenn wlr versichern, daß. wenn sich die Erinnerung an. Spanien unter den sephardischen Inden im allgemeinen erhalten hat, die Ursache nicht in dem Bedauern über den Verlust ihres alten Geburtslandes gelegen ist. Während der ersten Zeit nach der Vertreibung hat sich vielleicht der Sinn der Vertriebenen oft au Spanien gerichtet; aber vertrieben, konnten sie gewiß nicht, was sie auch gelitten haben, die Erinnerung an ihr Vaterland sofort aus dem Gedächtnisse auslöschen; aber es steht fest, daß sich später, besonders zur Zeit vollkommener Rnhe und gänzlicher Freiheit, deren sie sich in der Türkei erfreuten, diese Erinnerung abstnmpste und trotz der Erhaltnng der spanischen Sprache allmählich ganz verschwand. Es ist daher übertrieben, zu behaupten, daß die sephardischen Juden Sehnsucht nach Spanien haben. Auch die Spanier würden keine große Achtung für Leute empfinden können, welche trotz der moralischen und materiellen Güter, die sie nach der Vertreibung aus Spanien in der Türkei

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