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Die Wahrheit · 1913-01-17 · Heft 3 (17.1.1913) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 3 (17.1.1913)
Date
1913-01-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr 3. Die Wahrheil Seite b. .sich d für die) Lehre und Ehre - des Judentums in uueigennütztger Weise' einzusetzen, :>snr ->die/'/Förderung Md Verbreitung der Kenntnis der Thora, wie übetchanpt für edle Taten und Handlungen die größten Opfer zu bringen, ohne hiezn von geschäftlichem Interesse, gekeitetzn werden. Selbst das hochwichtige Amt eines religiösen Oberhauptes betrachten solche, dem Materialismus huldigenden Baale Batim als „Geschäft" und glauben in jedem Rabbiner -ohne? Ausnahme einen Geschäftsmann erblicken zu mnsfen-, ohne zu bedenken, daß kein junger Mann, wenn er keine streng .religiöse Erziehung im Ellernhause genossen und nicht idealistisch veranlagt ist/ so töricht sein wird, ungefähr zwölf Jahre lang seine Zeit und Kraft einem so schweren Studium zn widmen, um am Ende, wenn das Glück ihm hold sein wird — einen -Posten. mit einem Jahresgehalt von 2600, höchstens 3000 Kronen in irgend einer Gemeinde zu erlangen, während er, so er seine . Fähigkeit-einem anderen Berufe widmen würde, das zehnfache hätte: erreichen, können. - Und. eben diesen falschen Begriffen, die gewisse materialistisch gesinnte Baale Batim in den jüdischen Gemeinden von jedem Rabbiner haben, ist es znznschreiben, daß selbst die geistreichsten und gehaltvollsten Reden der würdigsten Rabbiner erfolglos bleiben. Wie oft hört man, wenn irgend ein von der Wichtigkeit, und hohen Bedeutung seines Amtes durchdrungener Rabbiner die Schwächen/ Mängel und Schäden der Zeit, besonders .den in neuester Zeit, hüben' wie drüben stark grassierenden^ „Abfall" geißelt, jene Leute, die sich getroffen fühlen, ausrufen: „Ja, so mußten sprechen, denn hiefür wird er ja bezahlt; wenni er. nicht Rabbiner wäre, würde er zweifellos so handeln wie wir und dieselbe Weltanschauung haben, die wir haben". Ist -es daher ein Wunder, wenn Kinder solch moderner Eltern den Glauben, der ihnen oft unbequem wird,'leichten Herzens abschwören?. Und da' will man die Rabbiner für den Niedergang der Judengemeinden in gewissen Ländern verantwortlich machen? Jeder wirkliche Rabbiner einer modernen Gemeinde, -die über den Verfall des Judentums zn klagen Ursache hat, darf mit Fug und Recht derselben znrufen : „Kenega nireb li.bäbojit“. — „Es will mich bedünken, daß das Hans schadhaft geworden" — daßdie häusliche religiöse Erziehung eine äußerst mangelhafte fei, daher die Jugend auf gefährliche Abwege geraten mußte. Soll das) Judentum fortbestehen und nicht seinem völligen Untergänge, entgegengeführt werden, so muß vor allem das-Haus eine radikale Reinigung vornehmen und alle Schäden gründlich entfernen. ' .„Beb Jakob leclm wenelcho beor Adonai“ — „Haus Jakob, laß uns wandeln im Lichte des Ewigen" — laßt uns die Belehrungen und Ermahnungen unserer gottbegeisterten Träger der Thora beherzigen und befolgen, damit eine biedere und wackere, aus Glaubenshelden bestehende Generation herangezogen und herangebildet! werde, die, wie einst unsere frommen Ahnen/ mit ihrem Herzblnte für den reinen, geläuterten Gottesglanben kämpfen und des göttlichen Beistandes sich erfreuen möge/. Das walte Gott! ' Ani Scbolanm. Die Trenloslglreit der Rrgierungsparleie« Kegen Staatsbeamte nnd DoltrsschnUehrer. Ein Rückblick in die ' Zeit des Aufstieges der derzeit mächtigsten bürgerlichen Parteien in Oesterreich, der christlichsozialen- undder dentschnationalen, zeigt, ein Schauspiel der unbeschränkten Versprechungen der Wahlwerber dieser politischen Verbände nicht mir gegenüber dem bürgerlichen „kleinen Mann" und der Arbeiterschaft,/ sondern auch, der sehr zahlreichen Beamten- und: Lehrerschaft/ In Wählerversammlnngen der letzterwähnten Stände wurdewicht: nur eine ausgiebige materielle Besserstellung, sondern auch a wsg i e bi g e r S chntz/ ich r e r S t a n d e sn n d Blüvgler-re cht/'e in Anssichtgestellt, falls diese Waylwerber die gewünschten Mandate: erlangen.- Die wirtschaftliche mtb rechtliche Not der Beamten und Lehrer bestimmte, dieselben auch rasch", den iMMch^nDer^eiAngemdiesG/^emagogen Glauben zu schenken, um scharenweise die Reihen dieser „Retter" zu verstärken. . - /Der Größenwahn nnd die politische Verständnislosigkeit dereinst mächtigen liberalen Parteidiesen weißen Sklaven gegenüber erleichterten das Wachstum der neuen Parteien. Nuü sind dieselben stark Und mächtig geworden und Staatsbeamte nnd Lehrer präsentierten die eingegangenen Verbindlichkeiten zur Einlösung. Da wanden sich die chriftlichsozialen unddeutschnationalen „Lehrer- Nnd Beamtenanwülte" und suchten durch allerlei Scheinmauöver ihre demagogische Unaufrichtigkeit zn verschleiern. DK Lehrerschaft suchte man durch ausgiebige Differenzierung ihrer Berufskategorien zu spalten und zit schwächen und die Macht der Landtage, die den Besoldnngssäckel in der Hand halten, wurde durch ängstliche Konservierung eines rückständigen Landtagswahlrechtes und Vermehrung der Banernmandate znnngnnsten der Städte (siehe niederösterreichisches Landtagswahlrecht) im schulnnd lehrerfeindlichen Sinne verschoben. Die äußerste Not zwang bekanntlich die christlichioziale Partei in Wien wohl, den Lehre rwäh lern des II. Wahlkörpers verhältnismäßig bedeutende Gehaltsaufbesserungen zu gewähren, aber die jüngeren Lehrer uud'die Lehrerinnen wurden wieder arg enttäuscht. Die Landlehrerschaft darbt aber auch in NiederöNer reich weiter. In anderen Ländern speiste man die Lehrerschaft mit skandalös niedrigen, den modernen Teuernngsverhültnissen in keiner Weise entsprechenden Gehaltsaufbesserungen ab, wie in Kärnten nnd Tirol, oder gar nur mit leeren Versprechungen, wie in Böhmen. Ein Versuch der geeinigten Lehrerschaft des Reiches, im Abgeordnetenhause eine rettende Spezifizierung des etwas unklaren §j 55 des Reichsvolksschulgesetzes dnrchznsetzen. der die gesetzlichen Lehrerbezüge genauer festleaen soll, entfesselte alle möglichen Manöver der vorgeblichen Lehrersrennde nnd drängte besonders den „Deutschnationalen Verband im österreichischen Abgeordnetenhause" lehrersreundlich zn scheinen, aber fahnenstüchtig zn werden, sobald es mit der Einhaltung des gegebenes Versprechens ernst wurde. Nach dem niederösterreichischen Landesgesetze wird z. B. das schnlbehördliche Urteil nicht nur vom Verhalten des L e chr e rs in der Schule, sondern auch außer der Schule bedingt. Nachdem die Majorität der Gemeindevertreter in den Bezirksschulbehörden, welche eben die Diensturteile fällen, gesefetzlich festgelegt erscheint, ist es wohl jedem Laien klar, daß die politische Denkweise der Lehrpersonen oft wohl eine entscheidende Rolle dabei spielen kann. Die betreffende Lehrperson muß dabei über .die Gründe ihrer minderen Dienstes qualifikation nicht einmal in Kenntnis gesetzt werden. Bei Lehrererneunnngen können die dabei maßgebenden Gemeindevertretungen ganz willkürlich Vorgehen. Das Manöver der Dentschnationalen mit dem Lehrerbesoldungsantrage W a l d n e r — Pacher ist wohl allbekannt. Noch lehrreicher sind aber die Foppereien, welche sich die Dentschnationalen den Staatsbeamten gegenüber zuschulden kommen ließen. Im Staatsbeamten-Ausschnsse des Abgeordnetenhauses stellte der deutfchnationale Abgeordnete Dinghofer seinerzeit einen Antrag, daß auch bei den Staatsbeamten die Dienftesqnakifikation nicht nur vom Verhalten im Amte, sondern auch außer dem Amte abhängen soll. Der als Beamteuanwält kandidierte nnd gewählte Herr Dr. Waber stimmte dieser Geßmannerei sogleich zu. Doch verbesserten Christlichsoziale und Dentschnationale den bereits sehr rückständigen Regierungsvorschlag in diesem Ansschnsse, der tn offener Abstimmung im Abgeordnetenhanse angenommen wurde. Das Herrenhalts strich aber diese Verbesserungen lind als dieser skandalös verschlechterte Gesetzentwurf wieder im Abge» ordnetenhause am 28. Dezember 1912 zur Abstimmung gebracht wurde, nahm ihn die Volksvertretung unter offenem Verrat gegen die Beamten an. Bon nahezu 50 Reichsratsabgeordneten des „dentschnationalen Verbandes im Abgeordnetenhanse", die dieses skandalöse Beamtengesetz angenommen haben, milß es die Staatsbeamten noch mehr empören als vom den notorisch reaktionären Chriftkichsozialen, weil sich dieser Verband sonst immer demokratisch gebärdet. Geradezu anfreizenb wirkten aber diezahlreichen Fl ivcht l in g e, die sich dieser' Abstimmung' entzogen.

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