Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 2 (10.1.1913)
- Date
- 1913-01-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 6. Die Wahrheit Ar. L. GrÄudeu verunlaßt, die gärruerische AngestalüMg dieses Friedhofes vorzuuehmen. Diese gärtnerischen Anlagen werden nun, nachdem der au der Westseite bestandene Gasometer ausgelassen ist. eine größere Ausdehnung erfahren müssen. Das endgiltige Verhältnis des 'V e r bau d e s der f ep h a r.d i s ch e n % ü r I e n zur Kultnsgemeinde wird gleichfalls in der nächsten Zeit festgelegt werden/müssen. Dem Vorstande liegt das neue Statut "der sephardischen Türken zur Begutachtung vor und wir werden bedacht sein müssen, daß durch dieses Statut die Einheit unserer Kultnsgemeinde in keiner Weise beeinträchtigt werde. Unsere Hauptänsmerksamkeit gilt naturgemäß der V eri» e s f e x n n g des Religionsunterricht e s. Unser Kollega,Herr Dr. Maximilian Steiner, hat in dankenswerter Weise verschiedene Pläne zur Verbesserung des Religionsunter-- richtes vorgeschlagen, die jetzt au einzelnen Mittelschulen erprobt werden und wir wollen hoffen, daß sie sich auch bewähren werden. Namentlich aber ist es der I u g e n d g o t t e s d i e n st, fürdessen Verbesserung und Hebung wir Sorge tragen müssen, damit der Jngendgottesdienst. besonders für die Mittelschüler, den von ihm erhofften Erfolg aufweise. Ich will hierbei erwähnen, daß in letzter Zeit die Kultus-' gemeinde die Bibel schule in der Brigittenau, die von mehr als 300 Schülern besucht wird, in eigene Verwaltung - übernommen hat.; Einen großen Raum in dem Budget der Kultusgemeinde nimmt die Wohltätigkeit in Anspruch. Ich mochte fast; sagen, einen zu großen Raum, daß wir an Hypertrophie der Wohltätigkeit leiden und daran denken müssen, daß hierdurch nicht die eigentlichen. Zwecke der Kultnsgemeinde, d er Kultus und de r Unterricht, in Mitleidenschaft gezogen werden. Namentlich find es zwei Angelegenheiteil auf diesem Gebiete, - hie derzeit eine rasche Lösung fordern. Die eine ist die Errichtung ' des Ktuderspitales, mit deren Vorarbeiten wir uns schon. seit dr-eiviertel Jahren intensiv beschäftigen und ich kann Ihnen heute nur so viel sagen, daß wir vielleicht schon in allernächster; Zeit in der Lage sein werden, die Verhandlungen bezüglich der Erwerbung eines für den Bau dieses Spitales geeigneten Grundes! zu einem gedeihlichen Abschlüsse zu bringen. Auch bei der Lösung dieser Frage harrt der Techniker in: unserer Mitte eine große, verantwortliche und dankenswerte; Aufgabe.; Wenn es uns nun gelingen wird> den kranken Kinderneine Heilstätte zu errichten.- so dürfen wir darüber llicht die F ü rj sorge für u n s ere Greise und 'Siechen vergessen.; Die Zustände in unserem Alte r s v e r s o r g u n g.sj u n d Siechen hause find nachgerade unhaltbar geworden.! 300 Pfleglinge sind in dieser Anstalt untergebracht, eine geringe j Zähl, wenn man bedenkt, daß ununterbrochen zumindest genau? soviel ebenfalls durchaus berücksichtigte Petenten in Vormerkung! genommen sind und der Aufnahme harren. Hier Wandel zu: schaffen, müssen wir als unsere vornehmste Psiicht ansehen. Alls - einer uns in letzter Zeit zugekommeneu Zuwendung hoffen wir! für diesen Zweck einen größeren Betrag verwenden zu können.; Hiermit habe ich Ihnen sozusagen die innere Tätigkeit, die uns . für die nächste Zeit bevorstebt, in kurzen Umrissen skizziert. Aber! die Kultusgemeinde hat auch noch eine andere Psiicht, die ich: mit dem am letzten Sabbath vernommenen Bibelworte : „I ch; w i l l h inausg eh en, sehe n, w as meine Br üd er in - Mizrajim machen und sehen,-ob sie noch leben,! w i e i ch i h n e n Hel f e n kan n", kennzeichnen möchte. Wir i haben auch bisher schon so gehandelt, aber gerade in der gegen-; iu artig eit Zeit erwächst für die Wiener Kultus gemein de , die; bedeutendste Mitteleuropas, die Pflicht, ihrer Brüder im Osten, i ihrer Bedrängnis, ihrer politisch unhaltbaren Lage -zu gedenken,; und ihnen in jeder Richtung, nicht nur materiell, hilfreich zur: Seite zu stehen. Und wir werden vielleicht schon in den nächsten Tagen in die Lage versetzt sein, diese unsere Pflicht zu erfüllen. Das sind, um ein in jüngster Zeit beliebt gewordenes! Wort zu gebrauchen, die „Richtlinien", in denen sich die Tätigkeit - des Kultusvorstandes bewegt hat und die ich auch in Zukunft in der Führung des Präsidiums einzuhalten gedenke. - Ich danke Ihnen nochmals fürdas/ mir abermals -geschenkte Vertrauen und bitte Sie. mich ,iu der Erfüllung "der Aufgaben zu unterstützen. (Lebhafter Beifall.) - / Wahl des >. Vizepräsidenten. Abgegeben wurden 28 Stimmzettel, davon 2 Stimmzettel leer- Als gewählt erscheint der bisherige I. Vizepräsident Laudesschulrat Dr, Gustav Ko hu mit 25 Stimmen. I. Vizepräsideut Dr. Gustav Ko h u: Ich danke zunächst dem geehrten Kollegium für die Erneuerung des mir wiederholt bewiesenen ftenndlrchen Vertrauens. Wenn schon das Wort „Richtlinien" gefallen ist, so erkläre ich, daß ich auch in Zukunft die bisherigen Richtlinien einhalten werde und bereit bin, unseren Präsidenten. der allerdings eiuerUuterstützuug nicht bedarf und fein Amt nach jeder Richtung hin m ausgezeichneter Weife erfülltgegebenen Falles zu unterstützen. (Allgemeiner Beifall.) Wahl des!!. Bizepräsidenten. Abgegeben wurden 28 Stimmzettel, davon 3 Stimmzettel leer. Als gewählt erscheint der bisherige H. Vizepräsident -Hofrat Dr. Benjamin Rappaport mit 23 Stimmen. U- Vizepräsident Hoftät Dr. R a P p a p o r t: Ich gestatte mir vorerst meinen Dank für das erneuerte Vertrauen ansznsprechen, das mir nunmehr zum drittenmale durch die Wahl als II. Vizepräsident bewiesen wurde. Bei den ersten zwei Wahlen habe ich mich nur auf Worte des Dankes beschränkt, heute ist es mir Bedürfnis, einige Bemerkungen au dieselben zu knüpfen. Als ich seinerzeit in den Knltnsvorstand kandidierte, habe ich, da mir die Agenden der Gemeinde fremd waren, unterlassen, ein Programm aufzustellen und nur versprochen, daß ich gerne meine ganze Kraft in den Dienst der Gemeinde stellen will. Dieses Versprechen glaube ich so ziemlich erfüllt zu haben. Meinem Berufe entsprechend, habe ich meine Tätigkeit insbesondere der Administration zngewendet und es ist hier manches besser geworden. In der Aenderung der Statuten habe ich bescheidenen Anteil genommen und wenn weitere Verbesserungen angeregt werden, so will ich gerne die Hand dazu bieten. Jedoch darf dies nicht stückweise geschehen, sondern es müßte eine Aendevung vom Grund ans sein. Besonders am Herzen liegt mir die -.Erweiterung des Versorgnngshauses, nicht weil ich Referent desselben bin, sondern weil, wie der Herr Präsident bereits erwähnt hat und auch sämtliche Herren im Vorstande es bestätigen werden, der gegenwärtige Zustand, daß nahezu 300 Personen infolge Platzmangels stetig auf'die Ausnahme warten müssen, absolut unhaltbar ist. Redner wendet sich dann gegen die in der Oeffentlichkeit verbreitete Meinung, daß das Versorgungshans znm größten Teile von Zugereisten aus Galizien in Anspruch genommen werde. Eine von der Verwaltung znsammengestellte Statistik über die Jahre 1911 und 1912 hat ergeben, daß das Verhältnis Galiziens gegenüber den anderen Kronländern kein übermäßiges sei und daß die Verhältnisziffer Ungarns eine viel größere sei. Mit dem Hinweis ans die Notwendigkeit eines neuen Amtshanies, das er ohne Rücksicht ans andere, gewiß auch berechtigte Anforderungen, in den Vordergrund stelle/ schließt der Redner seine Ausführungen. (Lebhafter Beifall.) Wahl des Bertreterkolleginms. Es wird hierauf zur Wahl des Vertreterkollegiums geschritten, .die folgendes Resultat ergibt.: . Salo C o h u .............. 2.7 Stimmen Kais. Rat Siegmuud Ka u d e r s 23 „ Dr. Leopold Ko h n........... 27 „ Wilhelm Kn f f n e r. ....... .',-,21 „ Professor Dr. Josef Pollak..26 „ Dr. Markus Spitzer..... .......27 „ Dr. Maximilian Stein er. . . .21 „ Dr. Felix Katzau .29 Hierauf erfolgt, nachdem eine kurze Unterbrechttug durch eine über Antrag des neugewählten Knltusvorstehers.Ingenieur S t r ick e r durch den Präsidenten angeordnete vertrauliche Sitzung eingetreten war, -die Wahl der laut Statut-vom Kultusvarstand zu- -ernennenden 142 Vertrauensmänner sowie die Wahl in die ständigen Kommissionen..