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Die Wahrheit · 1913-01-10 · Heft 2 (10.1.1913) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 2 (10.1.1913)
Date
1913-01-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Die Wahrheit Teile 6. Nr. 2; 1111b zu erhalten hat Gott der Herr Israel die Thora verliehen, denn; es heißt: ihre Wege sind anmutige Wege und alle ihre Pfade fördern den Frieden". Ein anderer ihrer diesbezüglichen Aussprüche lautet: „Gott der Herr selbst kennt kein wirksameres Organ für Israel als den Frieden. (Ukzm 3). Das biblische Gebot A^onirn schlemos tiwne es misbach Adonai Elobecbo übersetzte der um die Lehre und Ehre Israels so hochverdiente Tanaite Rabbi Jochünan b. Sakai: „Aus Friedenssteinen sollst du den Altar des Ewigen deines Gottes erbauen." Ja, der Friede bildet die mächtigste und kräftigste Säule, die das israelitische Religionsgebäude schützt und stützt, deshalb haben die hervorragendsten Geistesheroen in der talmudischen ZeitAftets alle Hebel in Bewegung gesetzt, um jede Spaltung und Zerklüftung im Judentum zu verhüten. Jeder, der sich nur einigermaßen mit dem Studium des Talmud befaßt hat, weiß es, daß die Tanaim und Amöraim bezüglich der Lösung reli- .giöser Fragen nicht immer eines Sinnes waren. Sehr oft kam es vor, daß das, was die Einen für verboten, die Anderen für erlaubt erklärten. Halolu oserin -wehalolu matirin. Trotz ihrer oft divergierenden Ansichten, Meinungen und Behauptungen verkehrten diese frommen Lehrer in bester Freundschaft miteinander, ohne, daß die Liberalen von den Konservativen verketzert und Konservativen von den Liberalen verhöhnt, verlacht und verspottet worden wären. So z. B. hat der scharfsinnige Amoräer R. Simon b. Lakisch, als in den Schulen über die Zeit, wie über die Existenz Jobs heftig debattiert wurde, mit wenigen Worten den Debatten ein Ende zu machen gesucht, indem er den Ansspruch tat: „Job hat nie gelebt, nie existiert, das ganze Buch sei nichts anderes als eine Dichtung (Jerus. Sota Y Ende). Trotz dieser Bibelkritik wurde er nicht verketzert, sondern nach wie vor allgemein verehrt und gefeiert. Der hervorragende Tanaite R. Jose Haglili, der Gallibäer, der selbst von dem berühmten Märtyrer Rabbi Akiba besonders respektiert wurde, hatte in seinen von Liberalismus zeugenden Lehrsätzen unter anderem auch behauptet, daß Geflügelfleisch, Bosor of, mit Milch zu kochen und zu genießen nicht verboten sei. Bimkomo schel R. Jose Haglili lioju ocblin bosor of becbolow. Im Orte des Rabbi Jose Haglili war es gestattet, Gestügelsteisch in der Milch gekocht zu genießen. (Sabbath 130. Chullin 113). Nichtsdestoweniger wurde er weiter zu den hervorragendsten Lehrern Israels gezählt und allgemein gefeiert. Als nach der Zerstörung des heil.' Tempels viele Pharisäer sich aus allzugroßer Frömmigkeit des Genusses von Fleisch und Wein enthalten zu müssen glaubten, weil sowohl Fleisch als Wein beim Altar verwendet wurden, war es R. Josua ben Chananja, der sich gegen die überspannte Frömmigkeit entschieden äußerte. Er. sagte: „Auf diese Weise wären wir gezwungen, auch den Genuß des Brotes und des Wassers zu entbehren, da auch diese Artikel ans den Altar gebracht wurden. Es dürfen überhaupt, meint er, keine unerträglichen Erschwerungen der Gemeinde auferlegt werden. En gosrim geserab al hazibbur elo im ken row hazibbur jechulin laamod boh. (Sabbath 60.) Und so ließen sich noch zahlreiche Beispiele anführen, welche zeugen, daß man in talmudischer Zeit sehr liberal war, so es galt, den Frieden im Judentume zu erhalten und jede Zerklüftung und Spaltung zu vermeiden. — In vortrefflicher Weise haben unsere.Weisen ein Prophetenwort gedeutet: bunw' -.b'LXw oibtf.i bru aais aapn nybrr n "lauw }.“D pjtu jtarcn I'U n"a*p"n aau bia-aa p'3'3 mbwi p? pau? mn onsK n’aay aian Siehst du Israeliten dem Götzendienste fröhnen, so sie nur im tiefsten Frieden leben, so laß sie gewähren, denn am Ende kommen .sie doch zur Besinnung, die Stimme der Verführung und Petörung verstummt, das Gute siegt und das Laster zieht sich schell zurück; sind sie aber zerklüftet, bekämpfen und befehden sie^tch, dann müssen sie 'es schwer büßen, dann sind sie rettungslos verloren. (Derech Erez 9). 1010^ nny 'Dab pbn fna aaw na ipbrotwa bau Wahrlich eine beherzigenswerte Lehre für jene Himmelsstürmer, die in ihrem Uebereifer die Rolle eines Großinquisitors zu übernehmen fähig waren. Scholanm Boorez. KouftitniernnK der Wiener Knltnsgemeinde. Sonntag, den 5. Jänner, halb II Uhr vormittags, fand in einer öffentlichen Plenarsitzung die Konstituierung des Knltusvorstandes, resp. Wahl des Präsidiums, des Vertreterkollegiums und der ständigen Kommissionen statt. Nach Begrüßung der neugewählten Kultusvorsteher durch den Vorsitzenden, Präsident Dr. Alfred Stern, wurde sofort in die Tagesordnung eingegangen. Wahl des Präsidenten. Abgegeben wurden 28 Stimmzettel, davon 2 Stimmzettel leer. Als gewählt erscheint der bisherige Präsident Dr. Alfred Stern mit 25 Stimmen. Der Präsident Dr. Alfred Stern dankt für die auf ihn gefallene Wahl und versichert, daß er den Angelegenheiten, die ihm als Präsidenten der Kultnsgemernde anverlrant werden, dieselbe Sorgfalt wie bisher zuwenden werde und setzt dann fort: „Eine Reihe großer und wichtiger Ausgaben steht uns für die nächste Zukunft bevor, deren Behandlung unsere ganze Arbeit in Anspruch nehmen wird. Ein Blick in diesen Saal, in dessen beschränkten Raum, lenkt unsere Aufmerksamkeit sofort auf eine dieser wichtigen und dringend geworbenen Ausgaben. Die Er» richlnng eines neuen, den gesteigerten Anforderungen und Bedürfnissen entsprechenden Am t s h a u ses ist bereits eine unanfschiebbare Notwendigkeit geworden. Hierin weiß ich mich eins mit allen Kollegen im Vorstande. Wichtiger als das Amtshans erscheint mir jedoch die Schaffung eines der größten Kultusgemeinde Mitteleuropas würdigen Repräsentations- Hauses. Meiner Ueberzeugung nach kann ein solches Repräsentationshaus der jüdischen Kultnsgemeinde nur eine große monumentale Z e n tr a l s yn a g 0 g e sein. Seit mehr als fünfzig Jahren, also seit einem Zeiträume, in welchem die Zahl der Mitglieder unserer Gemeinde um mehr als das Drei» und Vierfache gestiegen ist, hat die Wiener Kultusgemeinde, abgesehen von den mit den Vororten übernommenen Synagogen, keine neue Synagoge erhalten, keinen neuen Tempel erbaut. Eine zweite Angelegenheit, die gleichfalls äußerst wichtig ist und uns schon in allernächster Zeit wird beschäftigen müssen, ist die R a b b i n e r f r a g e. Wir werden dieser Frage die größte Aufmerksamkeit zuwenden müssen, denn, auch darin stimmen Sie mit mir überein, die Leopoldstadt muß sobald als tunlich, einen Rabbiner erhalten und wir müssen alles aufbieten, daß in diesem größten Gemeindetempel bis spätestens znm kommenden Pessachfefte der zu wählende Rabbiner sein Amt antrete. Bei der Auswahl der für diesen Posten zu berufenden Persönlichkeit werden wir mit der größten Peinlichkeit darauf bedacht sein müssen, daß durch diese Wahl nicht Streit und Zwist in die Reihen unserer Gemeindemitglieder getragen werden, denn es ist unsere erste und oberste Pflicht, von unserer Gemeinde jene Zwistigkeiten fernzuhalten, wie sie anderwärts, namentlich jetzt in Deutschland, bedauerlicherweise bestehen. Die Ausgestaltung des n eu erw 0 r b en en Friedhofes ist eine weitere Aufgabe, die uns dringlich beschäftigen wird. Diese Ausgestaltung wird voraussichtlich zweieinhalb Jahre in Anspruch nehmen und es ist daher, mit Rücksicht auf den geringen noch zur Verfügung stehenden Belegraum in unserem Friedhofe, schon die höchste Zeit, daß die Arbeiten schon in allernächster Zeit in intensivster Weise in Angriff genommen werden. Es sind Arbeiten, die hauptsächlich die Tätigkeit unserer Juristen und Techniker beanspruchen. Auch die gärtnerische Ausgestaltung sowie die weitere gärtnerische Ausgestaltung des W ä b r i n g e r Friedhofes wird dirrchgeführt werden müssen. Es ist Ihnen ja bekannt, daß die Kommune Wien vor ungefähr 25 Jahren schon an die Kultnsgemeinde wegen Ueberlassung. d. h. Räumung des Währinger Friedhofes herangetreten ist. Die Kultnsgemeinde hat schon damals diesem Anerbieten ein unabänderliches quod non entgegengesetzt. Die Kultnsgemeinde hat es aitf das Entschiedenste abgelehnt, in die Veräußerung eines jüdischen Friedhofes einzugehen. Hingegen sahen wir uns schon mit Rücksicht auf die Anrainer und aus hygienischen

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