Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 1 (3.1.1913)
- Date
- 1913-01-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Die Wahrheit ieite 11. Nr. 1 jugendlichen Herrn Rabbiners Dr. D'i a m a n t, den herrlichen Solovorlrägen/ des Herrn Oberkautors. Mayerowitsch: den, wirkungsvollew.Arezita- ^tivneu;!des? Herör^Frgiiz K.yl-hi nz.-soivsivhen^ gelungen?)!^HaWtungen des Vereines und.wurde- >,iiHt>müde, in raus che iche 11 B.e i fallskündg ehuugeil -seiner /Bewpnd erung über das Gehörtes Ausdruck zu. Perleiheu, Die- Klavierhegleitung: besorgten in anerkennenswerter Weise Fräulein Frida H a n s e.r undiAräuleiu iÄnna S chm i dchr/ ^, 7- 7:^6 Jüdische Bühne. Direktion M.-'S1 e-g l e r^?^Hatel--Stefanie^ Hl, Taborstraße 12. Freilag, den 3:, Samstag, den 4. und- Sonntag, den -6. Jänner „Eho chm es N n s ch i m", Operette in 4 Aufzügen von kProfessor Horowitz. Sonntag, den h. Immer, halb 4 Uhr nachmittags. „Hach a s, s. e". Morttag, den 6. Jänuer. 8 Uhr abends, „D i e j ü d i 1 ch e N es chume", Lebensbild in vier Auszügen von I. G vrdin. Montag, den ■6. Jänner, halb 4 Uhr nachmittags, „Bar Koch ba". Dienstag, den '7. Jänner, „M e n s ch soll men sei n". Mittwoch, den 8. Jänner, .„D ie weißeSklavi n", Drama in 4 Aufzügen von Zalotorewski. Donnerstag, den 9. Jänner, „S ch im s ch e n Hag ib 0 r", Operette in vier Aufzügen von Oberkantor Baruch Schorr. Bora n z e i g e: Nur 2 Gastspiele des Säilgerpaares Zu kerb erg. Näheres bringen die weiteren -Ännoncen. Anstritte ans dem Indentnm. -Kraushaar Irene, geb. 25. Dezember 1890 in Warschau. I., Hotel Astoria, Kärntnerftraße. 'iiigelmau.il Helene, Bankommissärsgattin, geb. 16. Juli 1883 in Strakonitz. IV., Möllwaldplatz 2. Blum Moritz, Schauspieler, geb. 21. Jänner 1875 in Wien. XVÜL, Ottakring erftraße 5. :Klei n Bela, geb. 5. Dezember 1870 in Tülekpüspöki. XIII., Breitenseerstraße 114. -Stein Ernestine, Svrachlehrerin, geb. 20. Dezember 1870 in Neu-Otting I., Kantgaste 14. Ku ts ch e r a n e r Karoline, geb. 6. Juli 1873 in Klosterneuburg. IV., Mittersteiggaste 3. Die Tage der Uor;eit. Bon Babette Fried, Prag. (Fortsetzung.) .Diese, zarten und doch so tief ergreifenden Töne, nahmen alle Herzen gefangen. Selbst die Braut, welche doch gegen jede -tiefere GeMütsregnng abgehärtet schien, erschauerte leise.. Ein tiefes Weh, ein lang verhaltener Schmerz kam in diesem Spiele .zum. Ansdruck. Jetzt begann der Spieler auch zu singen, sich selber auf: der Violine begleitend. Seine Stimme klang heiser, verbraucht. Er war kein' Meister des Gesanges, fein Spiel war chesser, vollendeter als sein Gesang. Der Inhalt des Liedes aber, das er vortrug, der war fast mehr noch geeignet, die Herzen zu rühren, als es das Spiel gewesen. Er sang von Liebe und Treue, -der Zierde des Frauenherzens, von ernsten Pflichten, deren Verletzung den scharfen Stachel der Reue ins Herz drückt, von Selbstvorwürfen, welche jedes Glück vernichten, von Gewissens- -qualen, welche — Enmeniden gleich den. Menschen verfolgen. Er' gemahnte die Braut daran, daß sie ihrem Auserwählten im Wohltün und Edelsinn gleichen möge, wodurch allein sie alles gut machen könne, was sie im jugendlichen Leichtsinn gefehlt habe. Das Haus ihres Zukünftigen möge von ihr in alter 'Weise weiter geführt werden. Die wohl oberflächlich gesinnte, aber nichts weniger als beschränkte Braut fühlte den Stachel heraus, der in diesen 'Worten versteckt war, und Tränen des verletzten Stolzes und der, Reue netzten ihre Ängen und Wangen. Aber es war nicht -die Rene über die auf ihr lastende Schuld, sondern die Reue, daß sie diesen unbequemen Moralprediger selber herbeigernfen habe. Sie wollte den, den sie haßte und verachtete, an ihrem Ehrentage um sich haben in seiner Eigenschaft und Tracht als Narr — und er stand vor ihr als strafender Richter. Ein Gemurmel des Beifalls dnrchbrauste den Saal, als 'Borgstein mit einem Maseltow sein schönes rührendes Lied beendet hatte. Was vordem niemals geschehen war, konnte man Heute sehen. Alle Hände streckten sich dem Schalksnarren entgegen, ein vielstimmges Jejascher Koach, gemischt mit Bravorufen tönte ihm von allen Seiten entgegen, Borgstein verneigte -sich dankend nach allen Seiten. Die Schale,' mit welcher er gewöhnlich nach dem Kalle-' -liede unter den Gästen einsammeln ging, blieb ungebraucht in seiner Tasche, oder er hatte sie villeicht gar nicht mitgebracht. Hoch äüfgerichtet entfernte sich der Narr. : . ' - Die Trannüg ging in gewohnter Weise vor sich, dinnr ordnet^ 'mau sich zur Tafel. Als sich Sommer nach dem Narren umsäh, um ihm einen Platz an der Hochzeitstafel anzuweisen, tvar dieser nicht aufzufinden.. Er nahm wieder einen Boten, nilt welchem..er ein. reichliches Honorar und Speisen. nebst/einer Flasche Wein dem Verschwundenen nach sandte. Als der. Bote bei Borgstein ankam/ befand sich gerade Minä bei diesem,, der er die Erlebnisse des heutigen Tages erzählte. Das ihnr "auf eine so feine Art Gesandte durfte Borgstein nicht znrücksenden. Und er verbrachte mit Minna eilten heiteren Abend beim Genüsse der köstlichen Speisen und des Weines. Daß ihr Gespräch sich, hauptsächlich um die Hochzeit in Drahobil drehte, ist selbstverständlich „Du kannst mir gar nicht glauben, Mädel, wie wohl und leicht mir ums Herz ist, daß ich der hochmütigen Maid in so feiner Weise öffentlich die Wahrheit gesagt habe. Du hättest nur sehen sollen, wie sie geweint hat, das Herz im Leibe hätte Dir gelacht." „Das nicht, Herr Borgstein, ich hätte vielleicht mitgeweint." „Was du sagst. Du gutes Herz, Du hättest sie vielleicht gar entschuldigt, wie Du schon einmal bist." „Möglich! Sie hat David nicht geliebt, vielleicht nicht recht gekannt, sonst hätte sie ihn lieben müssen. Hätte sie ihn wirklich von Herzen geliebt, so hätte sie ihn nicht von sich gelassen und alles wäre anders geworden." „Ja, wenn man alles voraus wissen könnte. Wenn ich damals gewußt hätte, was für ein Prachtmädel Du bist, Minaleben, dann wäre auch alles anders geworden und besser." „Vielleicht; vielleicht auch nicht," meinte Miua. „Leben und Schicksale der Menschen sind irr Gottes Hand; der lenkt sie in seiner Weisheit und Güte, und wir müssen es hinnehmen, wie es sein uuerforschlicher Wille verhängt hat." V. Rebb Salme Borgstein war einmal ein angesehener Kaufmann gewesen. Fleißig und streng redlich, wie er war, hatte er sich in der kleinen Gemeinde, in welcher er lebte, einen geachteten Namen gemacht, der auch von der nichtjüdischen. Bevölkerung des Städtchens anerkannt wurde. Er ließ sich, überall gebrauchen, wo es galt eine Mizwa zu machen. Er vertrat — natürlich ohne Entgelt — den Vorbeter, wenn dieser unwohl war, oder durch eine wichtige Abhaltung dem Gottesdienst fern bleiben mußte, war am Neujahrstage und am Versöhnnngstage Schacharischasen und Bal Tekoa. In Gesellschaft erheiterte er alles durch seinen allzeit schlagfertigen, wenn auch harmlosen Humor. Er spielte gut Violine und Guitarre, und ließ sich dazu herbei, bei Hochzeiten, namentlich von Waisenmädchen, den Lustigmacher zu spielen. Seine Frau, Liebele, konnte sich mit letzteren nur allzugemütlichen Leistungen ihres Mannes nicht befreunden, sie suchte ihn auf alle mögliche Weise davon abzuhalten, — aber was Salme Borgstein als Mizwa betrachtete, davon ließ er sich von niemandem abbringen, auch nicht von seiner innigst geliebten Liebele. Es war dies auch die einzige Meinungsdifferenz im Leben der beiden Ehegatten. Sie hatten von mehreren Kindern bloß einen einzigen Sohn groß gezogen, den sie mit aller möglichen Liebe und Sorgfalt umgaben. Nicht' leicht wurde es Salme und seiner Frau^ ihren hoffnungsvollen Sohn sein Studium unterbrechen zn lassen, aber auch er sah keinen andern Ausweg und mußte sich fügen. Liebele Borgstein wurde von diesem hartenSchicksale ganz niedergebeugt. Der Verlust ihres Vermögens und die dadurch entstandenen Entbehrungen und Demütigungen hatte sie gottergeben ertragen, aber das Aufgeben der hochgespannten Hoffnungen, die sie in die Zukunft ihres Sohnes gesetzt, das vermochte sie nicht ruhig hinznnehmen, und gar oft murrte sie und fragte sich kummervoll: Habe ich denn so Schweres verschuldet? Muß denn gerade mein frommer Mann derart gestraft werden? Wo bleibt die göttliche Gerechtigkeit? (Fortsetzung folgt.)